Der unschuldige Mörder

  • btb
  • Erschienen: Januar 2003
  • München: btb, 2003, Seiten: 381, Übersetzt: Judith Elze
  • München: btb, 2005, Seiten: 381, Übersetzt: Judith Elze
  • Moskau: Eksmo, 2000, Titel: 'Жена моего мужа ', Seiten: 426, Originalsprache
Der unschuldige Mörder
Der unschuldige Mörder
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Wolfgang Weninger
82°

Krimi-Couch Rezension vonSep 2003

Genügend Lacher und zunehmende Spannung

Dascha Wassiljewa, ihres Zeichens mehrfach geschiedene Ehefrau mit Vermögen und dem Hang, ihre Nase in alles und jedes zu stecken, wird mit der Tatsache konfrontiert, dass ihr dritter Ex-Ehemann soeben seine siebente Ehefrau brutal um die Ecke gebracht haben soll. Erschwerend dazu kommt, dass der mit Hühnereiern handelnde frühere Gemahl angeblich bei einer geschäftlichen Besprechung sich selbst unter den Tisch gesoffen hat, während Zeugen einstimmig betonen, in zur Tatzeit aus seinem Haus haben kommen sehen.

Während die angeheiratete Verwandtschaft, darunter sämtliche Schwiegermütter der Ex-Männer mit Kind und Kegel, sowie deren mitgeheirateten Kinder von deren früheren Frauen, von Daschas Haus Besitz ergreifen, streckt diese nicht gerade behutsam ihre Fühler aus. Mit ihrem Hang, ins Fettnäpfchen zu treten, beginnt sie Geschäftsfreunde und -feinde und der örtlichen Mafia näher zu kommen und auf die Zehen zu treten. Die soeben unglücklich verschiedene siebente Ehefrau war offensichtlich alles Andere als eine vorbildliche Lebensgefährtin, die unter Einsatz sämtlicher Körperteile nicht nur Karriere beim lokalen Fernsehsender machen wollte, sondern ihren geliebten Gemahl auch ordentlich zu rupfen verstand. Und deren Freundinnen standen ihr um nichts nach, so dass die künstlerischen Ambitionen der Darstellerinnen gelegentlich auch in Streifen mit horizontalem Bettlakengerangel endeten.

Nur zu dumm, dass alle diese Damen vor oder nach der Befragung durch Dascha entweder ebenfalls in die ewigen russischen Jagdgründe eingehen oder andernfalls schlichtweg nicht mehr auffindbar sind. Und so muss sich unsere Protagonistin immer weiter in einen Sumpf von Machenschaften wühlen, ohne dass sie dabei auf Leib und Leben achtet, bis sie selbst ... aber das lesen Sie lieber selbst.

Denn das Buch von Darja Donzowa "Der unschuldige Mörder" ist es durchaus wert gelesen zu werden. Im Gegensatz zu den Krimis ihrer, ebenfalls mit (russischen) Preisen überhäuften, Kollegin Tatjana Stepanowa wird es bei Frau Donzowa nie so richtig düster und unheimlich. Dafür sorgt die muntere Sprache der Autorin, die ihre skurrile Ermittlerin Dascha Wassiljewa mit schrillen und noch skurrileren Menschen umgibt, über die sich so richtig herrlich lästern lässt.

Dabei zeichnet Darja Donzowa ein recht gelungenes Bild des russischen Lebens, das die Übersetzung von Judith Elze hervorragend wiedergibt. Gelegentlich ist es allerdings von Vorteil, sich ein wenig mit der russischen Lebensart beschäftigt zu haben, denn nur dann kommt auch der Alltagswitz voll zum Tragen. Während z. B. sehr oft erwähnt wird, dass sich Dascha beim Betreten einer Wohnung oder eines Hauses sofort ihrer Schuhe entledigt und in Pantoffel schlüpft, gibt sie ihrer Empörung darin Ausdruck, dass sie in einem Fall ohne Entledigung des Schuhwerk in eine Wohnung rast. Dies mag nun nicht so besonders spektakulär sein, aber wer weiß, dass es so ziemlich der schlimmste Fauxpas eines Besuchers in russischen Kreisen ist, sich nicht vom Straßenschuh zu trennen, wird über das unfreundliche Eindringen Daschas und die Beschreibung dieses Vorfalles deutlich mehr lachen können.

Dennoch bietet "Der unschuldige Mörder" auch für Nichtkenner russischer Sitten noch genügend Lacher und auch zunehmende Spannung. Das gelungene Ambiente der Handlung und der flapsige Schreibstil sind Garant dafür, dass man einige Stunden Lesevergnügen findet, wenn Dascha die Unschuld von Ex-Ehemann Nummero 3 ans Tageslicht zu bringen versucht und sich dabei auch noch hinreißend um Töchter, Söhne und Schwiegermütter zu kümmern hat. Dieses Buch hat den Russischen Krimipreis wirklich verdient und es könnte einigen Krimiautoren nicht schaden, an dieser Lektüre zu lernen, wie man spannende Inhalte mit Humor verknüpfen kann.

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