Dürre

Erschienen: September 2021

Bibliographische Angaben

- Taschenbuch, Klappenbroschur

- 464 Seiten

Couch-Wertung:

85°
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Thomas Gisbertz
Packender Thriller über ein düsteres Zukunftsszenario

Buch-Rezension von Thomas Gisbertz Sep 2021

Karlsruhe, November 2022: Der 21-jährige Informatikstudent Alex Baumgart hat nach einem Kneipenbesuch einen Geistesblitz. Während Begriffe wie Klimaneutralität, Green-Deal und CO2-Emissionen in aller Munde sind, überzeugt Baumgart seinen Kommilitonen Tom Valcke eine besondere App zu entwerfen, mit der man den CO2-Fußabdruck jedes Bürgers erfassen kann. „Aequitas“, wie sie die App nennen, soll den drohenden Klimawandel noch verhindern können. 14 Monate präsentieren sie ihr Projekt vor der Europäischen Kommission in Brüssel. Der Green-Deal, Europa bis 2050 klimaneutral zu bekommen, scheint nur noch über „Aequitas“ möglich zu sein. Die Frage ist aber, ob die Zeit noch reichen wird...

Die Folgen des Klimawandels

Einige Jahre später: Der Klimawandel beschleunigt sich unaufhaltsam. Extremwetterlagen, Hitzeperioden, Dürren und Ernteausfälle nehmen weltweit zu. In ganz Europa herrscht Hungersnot. Um der wachsenden Bedrohung etwas entgegenzusetzen, beschließen die Länder drastische Maßnahmen: Landwirtschaftliche Betriebe werden verstaatlicht, die Menschen erhalten Essensrationen, die sie mit dem Notwendigsten versorgen sollen. Die Menschen besitzen CO2-Konten, die den individuellen CO2 -Verbrauch angeben und von der „Aequitas“ überwacht werden. Kaum jemand kann sich zusätzlich teure CO2-Credits leisten, wenn man die gewährte Emissionsgrenze überschreitet. Als die Geschwister Julian und Leni des CO2-Betrugs angeklagt werden, verlieren sie ihre Existenzgrundlage – und werden erbarmungslos gejagt.

Wissenschaftsthriller

Autor Uwe Laub hat sich in den letzten Jahren eine Namen gemacht als Verfasser zahlreicher exzellent recherchierter Thriller, die sich mit Themen des Klimawandels auseinandersetzen. 2013 erschien sein Debüt Blow outim Ullstein Verlag. Der Science-Thriller handelt von den Gefahren, die von der Speicherung von CO2 unterhalb des Meeresbodens ausgehen, sowie von den dramatischen ökologischen Folgen, die sich aus der Nutzung dieser Technik für uns Menschen und unsere Umwelt ergeben können.

2018 veröffentlichte der Heyne-Verlag Laubs Thriller Sturm, in dem es um die Manipulation des Wetters geht. Der 2020 mitten in der Corona-Pandemie erschienene Wissenschaftsthriller Leben thematisiert das weltweite Artensterben, eine dramatische Pandemie und die verzweifelte Suche nach einem Impfstoff. Leben hätte zu keinem passenderen Zeitpunkt erscheinen können und zeigt auf, dass die Fiktion längst zur Realität geworden ist.

Beängstigender Thriller

Es gibt aktuell wohl keinen besseren Autor von Wissenschaftsthrillern wie Uwe Laub. Seine Romane beeindrucken mit einer fundierten und kenntnisreichen Grundlage zu Aspekten des Klimawandels. Diesmal zeichnet der Autor ein düsteres Zukunftsszenario. Deutschland muss sich wie andere Länder Europas mit den Folgen eines zu späten Handelns in Sachen Umweltschutz auseinandersetzen. Der Klimawandel ist längst nicht mehr aufzuhalten. Trockene Flüsse und Seen sind längst ebenso Realität wie Nahrungsknappheit durch extreme Wetterveränderungen. Das veränderte Klima hat aber auch Auswirkungen auf das gesellschaftliche Zusammenleben. Der Staat kontrolliert seine Bürger und das soziale Gefälle wird immer größer: Während die meisten sich kaum das Nötigste leisten können, genießen andere ihren Luxus.

Zunehmend spannender

Laubs Roman geht aber noch weiter. So setzt er sich unter anderem dem Thema „Urban Mining“ auseinander. Die Städte dienen als große Rohstofflager. Durch neue Technologien ist man in der Lage, nahezu sämtliche Rohstoffe, die zum Beispiel in Gebäuden stecken, gewinnbringend aufbereiten und wiederverwenden zu können. Auch die Whit-Hat-Hacker-Community, das heißt Gruppen von gesetzeskonformen Hackern zum Schutz von Unternehmen, spielt zum Ende des Romans hin eine wichtige Rolle.

Der Roman nimmt diesmal etwas länger Anlauf. Nach einem vielversprechenden Einstieg rund um die Entwicklung und Genehmigung von „Aequitas“ muss sich Uwe Laub notwendigerweise zunächst etwas Zeit nehmen, sein Zukunftsszenario zu beschreiben. Nachdem der Leser aber weiß, wie das Leben in dieser Utopie aussieht, nimmt der Roman von Seite zu Seite mehr Fahrt auf. Alles läuft letztendlich auf den großen Showdown hinaus, wenn Gut gegen Böse kämpft. Denn eines wird sich auch in der Zukunft nicht ändern: Es gibt diejenigen, die vom Leid der anderen profitieren, die aus reiner Geldgier alles tun würden, und es gibt die, die sich mit allen Mitteln dagegen wehren. Der Mensch ist leider skrupellos und will sogar aus den dramatischen Folgen des Klimawandels seinen Nutzen ziehen.

Fiktion oder Realität?

Das letzte Drittel des Romans ist an Dramatik kaum zu überbieten. In kurzen Kapiteln, bei denen Erzählzeit und erzählte Zeit nahezu deckungsgleich sind, treibt Laub die Handlung voran. Spätestens ab hier legt man den Thriller nicht mehr aus der Hand. Jetzt überschlagen sich nämlich die Ereignisse und so manches Geheimnis wird aufgedeckt. Natürlich siegt das Gute am Ende. Aber es gibt auch einen Verlierer: den Menschen. Denn das zeigt Laubs Roman mit aller Klarheit: Der Klimawandel ist nicht mehr aufzuhalten und wir müssen den Preis für unser Fehlverhalten zahlen. Es stellt sich nur die Frage, wie wir mit den Folgen leben werden.

Uwe Laub versteht es erneut auf mehr als beeindruckende Weise Realität und Fiktion miteinander zu verweben. Auf der Grundlage wissenschaftlicher Fakten zeichnet er ein beängstigendes Bild unserer Zukunft, das unter die Haut geht und sehr nachdenklich stimmt.

Fazit:

Die großartige Verbindung von Realität und Fiktion machen die Romane von Uwe Laub so lesenswert. In seiner informativ-kritischen Art legt Laub seine Finger in die große Wunde einer ignoranten Gesellschaft, die es eigentlich besser weiß, aber zu spät handelt. Uwe Laubs Romane bieten spannende Unterhaltung - und sind realer, als man es wahrhaben möchte.

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