Sturm

Erschienen: Januar 2018

Bibliographische Angaben

  • München: Heyne, 2018, Seiten: 400, Originalsprache

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Andreas Kurth
Wenn der Blitz aus heiterem Himmel zuschlägt

Buch-Rezension von Andreas Kurth Dez 2017

Das Wetter wird gerne als launisch charakterisiert, aber die jetzt auftretenden Ereignisse sprengen den Rahmen des Üblichen. In einem kleinen Ort bei Hannover entsteht auf dem Nichts heraus ein Hagelsturm, es gibt Tote und Verletzte. Während eines Fußballspiels im Berliner Olympiastadion bildet sich über dem Maifeld ein Tornado, der das Stadion verwüstet und Menschen tötet. In Sibirien gibt es einen völlig unerklärlichen Anstieg der Temperaturen, Gebäude versinken im Schlamm, ganze Städte werden zerstört.

Laura Wagner und ihr Sohn Robin erleben den Hagelsturm im kleinen Vorort von Hannover mit, der Junge muss ins Krankenhaus. Auf dem Weg zur Arbeit bei der Andra AG - einem weltweit führenden Unternehmen im Bereich der Hochfrequenztechnik - wird Laura am nächsten Tag von einem Schneesturm überrascht. Daniel Bender und sein Kumpel Leif Gundarsson sammeln sie mit ihrem Pickup auf, die beiden sind gerade auf dem Weg zu Andra, um mit Lauras Chef zu reden. Der wurde allerdings ermordet, und in vorsichtigen Gesprächen zeigt sich, dass viel mehr hinter den Wetterphänomenen stecken könnten, als es sich Laura jemals vorgestellt hätte.

Laub führt Leser in die Grauzone zwischen Realität und Fiktion

Uwe Laub hat nach "Blow out" seinen zweiten Thriller vorgelegt. Es fällt schwer, das Buch in eine der gängigen Kategorien einzuordnen. Polit-, Wirtschafts- oder Wissenschaftsthriller - "Sturm" enthält Elemente von allem. Was allerdings kein Wunder ist, denn beim Thema Wettermanipulation greifen diese Bereiche nahtlos ineinander. Die politischen Interessen - die Spuren führen schnell nach China - stehen scheinbar im Vordergrund, aber sind eng mit den wirtschaftlichen Zielen verknüpft.

Uwe Laub hat nach eigener Aussage mehrere Jahre Recherchearbeit in diesen Roman gesteckt. Auf jeden Fall liegen zwischen den beiden Büchern fünf Jahre Zeit und ein Verlagswechsel. Dem Autor gelingt es, seine Leser mit seiner Geschichte in die Grauzone zwischen Realität und Fiktion zu führen. Laub macht das so geschickt, dass es beim Lesen kaum auffällt, wenn hier die Grenzen unmerklich verschoben werden. Der Autor spielt mit den Informationshäppchen, die er den Protagonisten - und damit auch dem Leser - zukommen lässt.

Wetterbeeinflussung ist längst ein politisches Thema

Es geht in diesem Roman vor allem darum, wie das Wetter zum eigenen Vorteil verändert werden kann. Hierbei geht es keineswegs um Hirngespinste, 1977 wurde unter dem Dach der Vereinten Nationen die Environmental Modification Convention verabschiedet. Sie verbietet es den Unterzeichnerstaaten, die Umwelt in einem Konflikt gezielt zu schädigen, und vor allem untersagt die Konvention jede Form von Wetterbeeinflussung zu militärischen Zwecken. Die Unterzeichnerstaaten folgen der Einsicht, dass Eingriffe in das Wetter weltweit zu Veränderungen und Schäden führen würden. Das Wetter ist also ein politisches und militärisches Thema, und hier setzt Uwe Laub mit seinem Roman an.

Ein weiterer Fakt aus der Realität ist das chinesische Amt für Wetterbeeinflussung. Dessen Experten haben zuweilen schon für Schlagzeilen gesorgt, so etwa 2009, als riesige Menge Chemikalien in die Wolken geschossen wurden, um die Dürreperiode in der Hauptstadt-Region zu beenden. Eine Kaltfront sorgte jedoch dafür, dass 16 Millionen Tonnen künstlich erzeugter Schnee fielen - ein spektakulärer Fehlschlag, der weltweit für Aufsehen sorgte.

Mann fürs Grobe ist mal wieder ein enttäuschter Ex-Marine

Neben einem gut recherchierten Oberthema zeigt Uwe Laub, dass er seine Geschichte spannend erzählen kann. Es gibt eine ausgezeichnete Mischung von Action und überraschenden Wendungen. Neben den verästelten Beziehungen der verschiedenen Protagonisten sorgen immer neue Wetter-Vorfälle für steigende Spannung. Bei den notwendigen Fachbegriffen und Institutionen hat der Autor Augenmaß bewiesen, und man kommt ohne Lexikon durch die Lektüre.

Ein Pluspunkt sind auch die Protagonisten. Daniel und Laura entwickeln sich zu einem guten Ermittlerpaar. Sie landen zwar aus unterschiedlichen Gründen in der komplizierten Gemengelage, entwickeln dann aber gemeinsame Interessen. Die Nebenfiguren sind teilweise etwas einfach gezeichnet, und bedienen auch so einige Klischees, aber das ist bei dem gesamten Plot wohl kaum zu vermeiden.

Da hat dann der ehrgeizige kommunistische Funktionär in China zwei Schwerter an der Wand hängen, mit denen er auch mal selbst Köpfe abschneidet, und der Mann fürs Grobe ist ansonsten ein Ex-Marine, der von seinem Land enttäuscht ist. Das kann man auch etwas nuancierter schildern, aber wirklich störend sind diese Holzschnitt-Figuren dann doch nicht.

Denn mit seinem ziemlich ausgefeilten Plot bietet Uwe Laub am Ende beste Unterhaltung - kurzweilig und super spannend.

Sturm

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Letzte Kommentare:
05.09.2018 09:58:27
Romy

Ich war total fasziniert von diesem Buch, welches spannend anschaulich macht, was die Menschheit mit unserer schönen Erde
anstellt, aus Kurzsichtigkeit und durch
wirtschaftl. Interessen bedingt.
Dieser Thriller vermischt gekonnt die
wissenschaftliche Seite, die stets spannend
erzählt und nicht zu kompliziert erklärt wird,
mit den Menschen. die in das Geschehen
verwickelt werden.
Es ist eines der spannendsten Bücher mit einem brennend aktuellen Thema, die ich
in letzter Zeit gelesen habe.

13.04.2018 10:45:48
rolandreis

"Sturm" ist der zweite Thriller von Uwe Laub. Schon vor einigen Jahren konnte mich der Autor mit seinem Erstlingswerk "Blow Out" überzogen und ich war daher sehr gespannt auf dieses neue Buch. Und es beginnt gleich furios. Überall verteilt auf der Welt ereignen sich extreme Wetterphänomene von Wirbelstürmen bis Dürre und Überschwemmungen. Dabei erlebt Laura Wagner und ihr Sohn Robin einen Hagelsturm, bei dem der Junge verletzt wird und ins Krankenhaus muss. Laura wird am nächsten Tag auf ihrem Arbeitsweg zu einer Hochtechnologiefirma zusätzlich von einem Schneesturm überrascht. Daniel Bender, ein Meteorologe, greift sie auf und hilft ihr unbeschadet zur Firma zu kommen. Denn er und sein Kollege wollen ebenfalls zu Lauras Firma um mit deren Chef ein Gespräch zu führen. Doch dieser ist bereits ermordet und hinterlässt Laura einen mysteriösen USB-Stick mit Virusdaten zu einem Drohnenprogramm. Anscheinend war er in gefährliche Machenschaften um diese Wetterphänomene verwickelt. Und so nimmt die Geschichte ihren Lauf. Uwe Laub ist mit diesem Buch wieder ein sehr spannender Thriller gelungen, der mich von der ersten Seite in seinen Bann zog und bis zum Ende fesselte. Diese Mischung aus Polit-, Wirtschaft- und Wissenschaftsthriller rund um Laura und Daniel ist hochspannend und extrem realistisch dargestellt. Der Autor hat mehrere Jahre Recherchearbeit für dieses Thema geleistet und das merkt man als Leser deutlich dem Buch an. Wettermanipulationen werden schon seit vielen Jahren in der Realität getätigt, z.B. die Hagelflieger oder die Olympischen Spiele von Peking. Wen dieses Thema näher interessiert, dem kann ich nur die Hintergrundinformationen dazu auf der Homepage des Autors empfehlen. Ich sage nur: Hochinteressant. Zusammenfassend ist "Sturm" für mich bisher mein persönliches Lesehighlight in 2018 und ich bin sehr gespannt über weitere Buchprojekte von Uwe Laub in der Zukunft.

13.03.2018 22:01:59
Bergpflanze

Sturm ist meiner Meinung nach ein durchaus solider, gut recherchierter Ökothriller mit spannenden Momenten.Zwangsläufig musste ich dennoch mit Schätzing‘s Schwarm vergleichen und dieser hat mich mehr begeistert.Der Spannungsaufbau hat mir ein wenig gefehlt.Empfehlenswert finde ich ihn trotzdem, vorallem wenn man das Genre mag.

05.03.2018 12:43:16
dorli

Berlin im September. Daniel Bender verfolgt im Olympiastadion ein Hertha-Spiel, als ein wie aus dem Nichts auftauchender Tornado das Stadion verwüstet und zahlreiche Tote und Verletzte hinterlässt…

In der Nähe von Hannover findet ein Festumzug durch einen schlagartig einsetzenden Hagelsturm ein jähes Ende. Zahlreiche Menschen werden von den faustgroßen Eisklumpen schwer verletzt – auch Laura Wagners Sohn Robin wird von einem Brocken am Kopf getroffen. Die Schrecken dieses Tages sind für Laura allerdings erst der Beginn eines furchtbaren Albtraums…

Auch in anderen Teilen der Welt hat man mit plötzlich auftretenden, unerklärlichen Wetterphänomenen zu kämpfen. Der Permafrostboden in Jakutsk taut innerhalb weniger Stunden auf. Und in Australien sinkt der Wasserpegel eines Sees über Nacht um mehr als 15 Meter…

Uwe Laub versteht es mit seinem angenehm zu lesenden Schreibstil ganz hervorragend, die Spannung in diesem Wissenschaftsthriller schon nach wenigen Seiten auf ein enorm hohes Level zu katapultieren. Die Geschichte wird mitreißend erzählt und entwickelt dabei einen Sog, dem man sich als Leser nicht entziehen kann.

Das Wetter ist in den letzten Jahren immer extremer geworden. Nach dem Lesen von „Sturm“ fragt man sich, ob es sich bei diesen immer häufiger auftretenden Wetterkapriolen und Naturkatastrophen ausschließlich um übellaunige Entgleisungen der Natur handelt, oder ob da nicht doch kriminelle Mächte ihre Finger im Spiel haben könnten.

Besonders gut gefallen hat mir, dass Uwe Laub die wissenschaftlichen Aspekte und technischen Details sehr anschaulich und auch für Laien verständlich erläutert, so dass man alles auch ohne einschlägige Kenntnisse bestens nachvollziehen kann. Es gelingt dem Autor zudem ganz ausgezeichnet, die Grenze zwischen tatsächlich stattfindenden, legalen Wettermanipulationen und Science-Fiction verschwimmen zu lassen, so dass man als Leser ständig grübelt, was heutzutage wirklich möglich ist.

„Sturm“ hat mich durchweg begeistert – ein abwechslungsreicher, gut durchdachter Thriller, der mich von der ersten bis zur letzen Seite fest im Griff gehabt hat. Absolute Leseempfehlung!