Couch-Wertung:

88°

Leser-Wertung

-
Zum Bewerten, einfach Säule klicken.
 50° 100°

Zum Bewerten, einfach Säule klicken.

Bitte bestätige - als Deine Wertung.

Gebe bitte nur eine Bewertung pro Buch ab, um die Ergebnisse nicht zu verfälschen. Danke!

3 x 91°-100°
4 x 81°-90°
0 x 71°-80°
2 x 61°-70°
0 x 51°-60°
0 x 41°-50°
0 x 31°-40°
0 x 21°-30°
0 x 11°-20°
1 x 1°-10°
B:76.1
V:10
W:{"1":1,"2":0,"3":0,"4":0,"5":0,"6":0,"7":0,"8":0,"9":0,"10":0,"11":0,"12":0,"13":0,"14":0,"15":0,"16":0,"17":0,"18":0,"19":0,"20":0,"21":0,"22":0,"23":0,"24":0,"25":0,"26":0,"27":0,"28":0,"29":0,"30":0,"31":0,"32":0,"33":0,"34":0,"35":0,"36":0,"37":0,"38":0,"39":0,"40":0,"41":0,"42":0,"43":0,"44":0,"45":0,"46":0,"47":0,"48":0,"49":0,"50":0,"51":0,"52":0,"53":0,"54":0,"55":0,"56":0,"57":0,"58":0,"59":0,"60":0,"61":0,"62":1,"63":1,"64":0,"65":0,"66":0,"67":0,"68":0,"69":0,"70":0,"71":0,"72":0,"73":0,"74":0,"75":0,"76":0,"77":0,"78":0,"79":0,"80":0,"81":1,"82":0,"83":0,"84":0,"85":0,"86":0,"87":3,"88":0,"89":0,"90":0,"91":0,"92":0,"93":0,"94":1,"95":0,"96":0,"97":0,"98":0,"99":1,"100":1}
Thomas Gisbertz
Wenn das Leben die Fiktion einholt

Buch-Rezension von Thomas Gisbertz Jun 2020

Antilopen-Herden in Südafrika und Fledermaus-Kolonien auf der Schwäbischen Alb: Weltweit verenden innerhalb kurzer Zeit große Tier-Populationen, ganze Arten sterben in erschreckendem Tempo aus. Experten schlagen Alarm, denn das mysteriöse Massensterben scheint vor keiner Spezies Halt zu machen. Der junge Pharmareferent Fabian Nowack stößt auf Hinweise, dass selbst der Fortbestand der Menschheit unmittelbar bedroht ist. Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt, an dessen Ende unsere Erde nie wieder so sein wird wie zuvor.

Unheimliches Massensterben

Fabian Nowack ist geschockt, als er von seinem Arzt erfährt, dass er an einer seltenen Form von Progerie erkrankt ist. Hinzu kommt, dass seine Erkrankung einen ungewöhnlich schnellen Verlauf nimmt. Hoffnung macht ihm die Teilnahme an einem Forschungsprojekt des Robert-Koch-Instituts in Zusammenarbeit mit dem Pharmaunternehmen Artinova, welches ein Gen-Therapeutikum zur Heilung entdeckt zu haben glaubt. Nowacks Erkrankung ist aber kein Einzelfall: Mehr und mehr Menschen scheinen sich infiziert zu haben. Nicht nur in der Tierwelt setzt ein unerklärliches Massensterben ein.

Techno-Thriller-Autor

Der 1971 in Rumänien geborene Autor arbeitete zunächst an der Deutschen Terminbörse, bevor er mehrere Jahre lang im Pharma-Außendienst tätig war. Seit 2010 ist Laub selbstständig. 2013 erschien sein Debüt „Blow out“. Der Science-Thriller entwickelte sich zu einem Überraschungserfolg. Der Science-Thriller „Sturm“ erschien 2018 im Heyne-Verlag. Nun ist sein neuer Thriller „Leben“ erschienen. Aktuell schreibt Laub bereits am nächsten Roman, der ebenfalls bei Heyne erscheinen wird - voraussichtlich Herbst/Winter 2021.

Wenn Fiktion Wirklichkeit wird

Es gibt - leider muss man sagen - keinen passenderen Zeitpunkt für das Erscheinen des neuen Thrillers von Uwe Laub. Der Roman erinnert in vielerlei Passagen und Aussagen an die seit Monaten andauernde weltweite Corona-Krise. Anfang 2020 hätte man „Leben“ durchaus als Fantasy-Thriller durchgehen lassen können, der vereinzelt auch reale Bezüge hat. Nun liest sich das Buch aber vollkommen anders. Die Realität ist von der Fiktion eingeholt worden. Auch wenn es nicht um ein Virus geht (mehr wird nicht verraten), so verbreitet sich auch dieser Erreger rasend schnell und bleibt monatelang unentdeckt. Dabei ist er noch tödlicher als Covid-19 und trifft nicht nur Menschen.

Vieles, was den meisten von uns zuvor unbekannt war, gehört mittlerweile zum Alltag und spielt auch in Laubs Thriller eine zentrale Rolle: So nimmt sich zum Beispiel das Berliner Robert-Koch-Institut der Pandemie an. Einer Pandemie, die durch eine Zoonose, d.h. eine Übertragung eines Erregers vom Tier auf den Menschen, verursacht wurde. Es werden Notfall-Paragraphen und andere Maßnahmen durch die Regierung erlassen. Die Folge: Geschäfte müssen schließen, das Tragen eines Mundschutzes - der in diesem Fall aber definitiv nutzlos ist - gehört zum Alltag.

Überzogen oder wirklichkeitsnah?

Uwe Laub gelingt ein temporeicher Thriller, der nie belehrend, aber immer informierend ist. Aus verschiedenen Perspektiven thematisiert er die Frage nach dem Umgang mit und den Konsequenzen aus einer Pandemie. Nicht jedem Autor gelingt es dabei so ausgezeichnet wie Uwe Laub, die Balance zwischen Spannungsroman und guter Recherchearbeit zu halten. Zu oft verkommen Thriller dann zu „Sachbüchern“.

Dynamik erhält die Story durch den Hauptprotagonisten Fabian Nowack, dem nicht viel Zeit bleibt, ein Mittel gegen seine Erkrankung zu finden, da diese rasend schnell fortschreitet. Dabei lässt Laub immer wieder geschickt Fakten und Hintergrundwissen zu Themen wie das Artensterben oder die Zerstörung des Ökosystems einfließen, ohne dabei Spannung aus der Handlung zu nehmen. Diese zieht der Roman auch durch seinen hohen Grad an Authentizität, auch wenn es Figuren wie Philipp von Cronberg gibt, die eigentlich eher extravagant wirken, aber für die Reflexion des Romaninhalts durch den Leser eine wichtige Rolle spielen. Für den ein oder anderen mag das Ende des Thrillers vielleicht zu hollywoodesk sein. Es ändert aber nichts an der Aussagewucht des Romans.

Der Homo sapiens auf der Roten Liste

Auch der inhaltliche Aufbau des Thrillers weiß zu überzeugen. Während zunächst die schockierenden Ereignisse weltweit thematisiert werden, die mehr als deutlich machen, dass es um die Existenz der Menschheit geht, baut Laub anschließend eine Rückblende ein. Im Mittelpunkt stehen dabei die dunklen Machenschaften des Pharmaunternehmens Artinova, für das auch Nowack arbeitet. Hier geht es um Macht, Größenwahn und Geldgier. Man geht über Leichen, wenn man den eigenen Profit vergrößern kann. Geschickt schließt der Autor anschließend die Jagd nach dem rettenden Impfstoff an. Fortan überschlagen sich die Ereignisse regelrecht.

Dabei gibt es aber nicht nur zahlreiche Opfer und - wie das Pharmaunternehmen - vermeidliche Profiteure der Pandemie, sondern es gibt eine dritte Gruppe: den Club of Magyar bzw. die Von-Cronberg-Stiftung, die Projekte unterstützt und initiiert, die Nachhaltigkeit fördern und der Ausbeutung nicht-erneuerbarer Ressourcen entgegenwirken. Diese Gruppe weist zurecht die Schuld an den Missständen und dem Ungleichgewicht des Ökosystems dem Menschen zu. Gleichzeitig ist ihr Handeln von einer Radikalität beherrscht, die einerseits zwingend notwendig ist, andererseits den Leser schockiert. Über alles schwebt die Frage: Was ist der Mensch bereit zu tun, um das Gleichgewicht des Ökosystems beizubehalten und damit auch das Überleben der Menschheit zu sichern.

Fazit: 

Uwe Laub gelingt ein erschreckend realitätsnaher Thriller: packend, temporeich und beängstigend. Romane wie diese wirken lange nach, weil sie längst nicht mehr nur Romane sind. Themen wie das weltweite Artensterben und die Zerstörung des Ökosystems durch den Menschen wurden selten so gut umgesetzt wie in Uwe Laubes „Leben“ - auch weil er eine interessante Geschichte zu erzählen hat.

Leben

Leben

Deine Meinung zu »Leben«

Hier kannst Du einen Kommentar zu diesem Buch schreiben. Wir freuen uns auf Deine Meinungen. Ein fairer, respektvoller Umgang sollte selbstverständlich sein. Danke!

Letzte Kommentare:
07.07.2020 14:00:28
Janko

UWE LAUB - Leben (Hörbuch)
(Der Hörverlag)

- das Artensterben hat begonnen und wir sind mittendrin -

Die ungekürzte Lesung des neuesten und vor allen Dingen topaktuellen Wissenschafts-/Wirtschafts- und Öko-Thrillers "Leben" des Schriftstellers Uwe Laub, umfasst ganze 604 Minuten. Das sind etwas über zehn Stunden Unterhaltung pur, gelesen von dem 1963 in Rheinbach geboren, deutschen Fernseh- und Bühnenschauspieler, sowie Synchronsprecher Achim Buch. Selbiger ist auch die feste Stimme von Andreas Grubers Romanen im Hörverlag. Der investigativ recherchierte Plot zu "Leben" hat alles zu bieten, was ein guter und intelligenter Spannungsroman braucht. Er spielt in der aktuellen Zeit und startet mit einem kleinen Exkurs nach Südafrika, genauer gesagt in den Kruger-Nationalpark. Das Naturreservat im Nordosten des Landes hat seine Pforten aus noch unerfindlichen Gründen für die Öffentlichkeit geschlossen. Mark Brenner, ausgestattet mit einer Sonderfluggenehmigung des südafrikanischen Ministeriums für Umwelt und Touristik, befindet sich an Bord eines Leichtflugzeugs. Dem neugierigen Piloten Adam erklärt Brenner, der Ausbruch einer Art Tollwut sei für die Schließung des Parks verantwortlich. Adam glaubt Brenner kein Wort. Beim Überfliegen des Parks in niedriger Höhe trauen beide ihren Augen nicht. Verwesende Tierkadaver soweit das Auge reicht.

Dem dystopischen und komplexen Roman "Leben" wohnt eine dankbare und äußerst informative Story inne, die neben ihrer enormen Spannung ein hochbrisantes Thema liefert, das uns alle angeht. Der Münchner Schriftsteller Uwe Laub zeichnet hierbei ein erschreckend realitätsnahes Ende des Anthropozäns, welches trotz des Hauptthemas Artensterben ein unglaublich hohes Maß an Dynamik und Vitalität besitzt. Wenn man dabei noch bedenkt, dass Uwe Laub seinen Roman lange vor den momentanen Ereignissen vollendet hatte, kommt man kaum umhin, ihm hellseherische Fähigkeiten nachzusagen. Hörbuchsprecher Achim Buch spricht der schriftlichen Vorlage entsprechend nüchtern und gut verständlich. Sein Timbre ist angenehm, vielleicht etwas sonor, seine Aussprache hingegen sehr deutlich und auf die einzelnen Protagonisten bezogen nicht in übertriebenen Maße individuell betont. Die vielen Szenen- und Ortswechsel, sowie die geschickt platzierten Cliffhanger machen den beängstigenden Thriller zu einem Hörerlebnis par excellence. Durch die kurze, prägnante Informationsflut wird die Spannung auch durchgehend auf hohem Niveau gehalten. Verschiedene Handlungsstränge werden auf geschickte Weise miteinander verwoben und es werden bewusst falsche Fährten gelegt, die die Protagonisten, wie auch das Auditorium immer wieder in die Irre führen. Und obschon ich Hörspielen gegenüber Hörbüchern ganz klar den Vorzug gebe, erzählt der, heute in Hamburg lebende Hörbuchsprecher Achim Buch, die actionreiche, angsteinflößende und folgenschwere Story wie im Laufschritt. Der sympathische Autor Uwe Laub hat eben auch viele biologische, pharmakologische und wissenschaftliche Fakten in seinen beängstigenden Plot eingestreut, ohne dabei mit dem erhobenen Zeigefinger Lehrmeistern zu wollen. "Leben" ist Gegenwarts- und Zukunftsliteratur, die zum Nachdenken anregen soll und dies hoffentlich auch nachhaltig tut.

Als Pharmareferent Fabian Nowack im Auftrag seiner Firma Artinova Pharma in München unterwegs ist, um Ärzte aufzusuchen und selbigen die Präparate seines Arbeitgebers schmackhaft zu machen, plagen ihn plötzlich Kopfschmerzen, ein drückendes Gefühl in der Brust, Übelkeit, Magenkrämpfe und ein allgemeines Unwohlsein macht sich breit. Zu seinem Glück befindet er sich gerade im Anmeldebereich einer Praxis, sodass ihm unmittelbar geholfen werden kann. Als Fabian Tage später die erschreckende Diagnose seines Hausarztes erhält, zieht ihm diese doch glatt den Boden unter den Füßen weg. Man offeriert ihm an einer drei Monate andauernden Studie teilzunehmen, die seinem Leiden Abhilfe schaffen und seine Krankheit heilen könnte. Doch zu spät bemerkt Nowack, dass er einer Art Komplott aufgesessen ist, bei dem wirtschaftliche Interessen eine große Rolle spielen und der Fortbestand der gesamten Menschheit auf dem Spiel steht. Das Artensterben zieht weltweit seine Bahnen und es ist nicht mehr länger nur die Tierwelt betroffen. Tiere wie Menschen sind dehydriert, degeneriert und scheinen in kürzester Zeit um Dekaden gealtert. Viele sterben innerhalb nur weniger Tage. Doch was löst dieses Massensterben aus? Sind Umwelteinflüsse oder Gendefekte dafür verantwortlich? Handelt es sich gar um einen Viren- oder um einen Bakterienstamm und liegt die Antwort darauf im westlichen Amazonasbecken, bei dem Stamm der Timbókanã? Das Thema, welches Uwe Laub in seinem erstklassigen Thriller "Leben", wie auch dem Augen öffnenden Nachwort behandelt, geht uns alle an, denn die Wahrheit ist beängstigend nah an der Realität und diese wird uns alle früher oder später unwiederbringlich einholen. Das sechste Massenaussterben ist im Gange und diesmal wird es zwangsläufig auch uns Menschen erwischen...

(Janko)

Brutalität: 54/100
Spannung: 89/100
Action: 71/100
Unterhaltung: 87/100
Anspruch: 73/100
Humor: 4/100
Sex/Obszönität: 6/100

Meine Wertung: 87/100

Film & Kino
Knives Out

Bestsellerautor Harlan Thrombey feiert mit seiner Großfamilie, der Haushälterin und seiner jungen, hochgeschätzten Pflegerin Marta Cabrera, seinen fünfundachtzigsten Geburtstag im eigenen luxuriösen Herrschaftshaus. Jeder der anwesenden Verwandten bekommt an diesem Abend eine gut gemeinte, aber existentiell bedrohliche Abfuhr mit auf den Weg. Der Beginn einer unruhigen Nacht, an deren Ende der Hausherr tot aufgefunden wird. Titel-Motiv: © MRC II Distribution Company L.P.

zur Film-Kritik