Vom Ende der Stille

Erschienen: Juni 2021

Bibliographische Angaben

- TB, Seitenzahl unbekannt

- Bd. 4 [Nik Pohl]

Couch-Wertung:

70°
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Andreas Kurth
Alter Fall wird einem Serien-Mörder zum Verhängnis

Buch-Rezension von Andreas Kurth Aug 2021

Nun schon zum vierten Mal schickt Alexander Hartung seinen ziemlich störrischen Privat-Ermittler Nik Pohl ins Rennen. Der Leser erfährt so nebenbei, dass Pohl mal Polizist war, bei einem gewissen Balthasar wohnt, und irgendwie auch von ihm unterhalten wird. Der Autor sollte bei weiteren Bänden der Reihe jeweils eine kleine Auffrischung zu seinem Protagonisten geben, das könnte neuen Lesern den Durchblick dann doch etwas erleichtern.

Nik Pohl landet eher zufällig in einem neuen Fall, der sich als ein alter Fall entpuppt. Bei einer Umbettung auf dem Friedhof wird eine Leiche gefunden - die Frau ist vor sechs Jahren spurlos verschwunden. Die Polizei will das vor ihrem ehemaligen Kollegen Pohl geheim halten, damit der sich nicht einmischt - er war damals einer der entscheidenden Ermittler. Er wird aber von Lia Essing informiert, der besten Freundin der ermordeten Rachel Preuss. Zusammen mit Pohls Freunden Jon und Balthasar wollen sie der Sache unbedingt auf den Grund gehen. Mit einer kleinen Erpressung bringt der Ex-Polizist seinen früheren Chef dazu, ihm Zugang zu den Ermittlungsergebnissen der Polizei zu geben. Es werden Zeugen von damals erneut befragt, Pohl und sein Team finden Ungereimtheiten, aber zunächst keine handfesten Spuren, die sie zum Täter führen könnten.

>>Man konnte Nik seine Verzweiflung wegen des ausbleibenden Fortschritts ansehen. Er rasierte sich nicht mehr, duschte wenig und wechselte kaum noch die Kleidung. Seine Ernährung bestand aus Bier und Fertigpizza und auch nur dann, wenn Balthasar ihn daran erinnerte, etwas zu essen. So hatte der Pathologe ihn auch kennengelernt, als fast gebrochenen Mann, von Dämonen getrieben, ein Amulett mit einer Zyankalitablette um den Hals, bereit, jederzeit in den Freitod zu gehen.

Das Telefon auf dem Couchtisch blieb die meiste Zeit stumm. Jon meldete sich einmal am Tag für eine Besprechung, aber auch er hatte keine Neuigkeiten zu vermelden. <<

Das Team drumherum ist wichtig, Jon und Balthasar passen auch gut zu Nik, sorgen zudem mit spritzigen Unterhaltungen für einen hohen Unterhaltungswert, aber Nik Pohl steht eindeutig im Zentrum der Reihe. Man muss solche Privat-Schnüffler mögen, sonst wird man als Leser das Interesse an dieser Geschichte verlieren. Wer aber Kriminal-Erzählungen jenseits der Polizeireviere mag, kommt hier auf seine Kosten.  Alexander Hartung sorgt von Beginn an für ordentlich Spannung, denn auch wenn die Ermittlungen nur zäh vorankommen, gibt es genug neue Spuren, den Selbstmord eines Verdächtigen, und mit diesem Knalleffekt bekommt die Handlung einen ganz neuen Drive.

Der Leser spürt in jeder Phase den Willen des Teams, den Mörder - vermutlich geht es um einen Serien-Killer - aufzuspüren, um Rachel Preuss und anderen getöteten Frauen Gerechtigkeit zu verschaffen. Pohl und sein Team machen gute Polizeiarbeit, wenn auch mit durchaus unkonventionellen Methoden, um es positiv auszudrücken. Aber es kommt ein Punkt, da stocken die Nachforschungen, und so wird ein riskantes Szenario aufgebaut, um den Mörder aus der Deckung zu locken.

Die facettenreiche Geschichte mit einem interessanten Team hat auch ihre Schwächen, aber Methoden und Zusammensetzung des Trios - hier ergänzt um die Freundin eines der Opfer - machen wohl den Charme und den Erfolg der Reihe aus. Die dem Killer gestellte Falle wirkt recht simpel - das mindert aber nicht die Spannung.

Allerdings wird der Zufall von Alexander Hartung etwas zu oft strapaziert. Im dynamischen Finale wird das durch eine sich erneut steigernde Spannung ausgeglichen. Die Auflösung ist dann doch ziemlich überraschend, jedenfalls ist es mir damit so ergangen.

Fazit:

Alexander Hartung ist ein guter Geschichten-Erzähler, der hier und da noch an seinem Handwerk feilen muss. Aber er versteht es, den Leser mit Nik Pohl und seinen schrulligen Freunden vortrefflich zu fesseln und zu unterhalten. Irgendwie sind Ex-Bullen eben doch gute Ermittler, vor allem wenn sie sich so richtig stur in einen Fall verbeißen. Spannend, unterhaltsam und süffig erzählt - da darf noch mehr kommen.

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