Prost, auf die Jugend

Erschienen: November 2021

Bibliographische Angaben

- TB, Seitenzahl unbekannt

- Bd. 3 [Kommissar Tischler ermittelt]

Couch-Wertung:

73°
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Thomas Gisbertz
Amüsanter, kurzweiliger Provinzkrimi

Rezension von Thomas Gisbertz Nov 2021

Hauptkommissar Constantin Tischler hat sich den Samstag eigentlich ganz anders vorgestellt. Geplant war eine gemeinsame Wandertour mit Britta zur Hörndlwand. Aber die Ärztin, in die sich der Kommissar schon länger verguckt hat, muss kurzfristig absagen. Zu allem Überfluss darf sich Tischler auch noch um die Dackelhündin Resi kümmern, da ihr Herrchen, der Jäger Ferstel, zu einer Beerdigung muss. Deswegen macht sich der Kommissar nun mit Resi auf den Weg in die Chiemgauer Alpen. Und es dauert nicht lange, bis die Hündin abseits eines Forstweges eine Entdeckung macht: Hinter einigen Baumstämmen liegt eine Leiche, die brutal niedergestochen wurde.

Mord in Oberbayern

Beim Opfer handelt es sich um Tom Wiesinger, Stiefsohn eines angesehenen Rechtsanwalts. Wie sich schnell herausstellt, feierte er mit seinen Mitschülern des Gymnasiums in Traunstein das bestandene Abitur auf einer Almhütte. Doch wer brachte den Neunzehnjährigen auf seinem Nachhauseweg um? Hauptkommissar Tischler steht vor einem Rätsel. Denn die ersten Ermittlungen deuten darauf hin, dass Tom allseits äußerst beliebt war. War schlussendlich genau das der Grund, warum der sportliche Womanizer sterben musste? Nach und nach müssen Hauptkommissar Tischler und sein Assistent, Polizeiobermeister Fink, aber erkennen, dass nichts ist, wie es scheint. Die Fassade des idyllischen Örtchens Brunngries bröckelt zunehmend.

Fortsetzung der Brunngries-Reihe

Friedrich Kalpenstein gehört zu den erfolgreichsten und beliebtesten Autoren des Edition M Verlags von Amazon. Bekannt geworden ist er durch seine unterhaltsame und humorvolle „Herbert“-Romanreihe, die seit 2015 in nunmehr sieben Bänden erschienen ist.

Mit „Prost, auf die Jugend“ erscheint nun der dritte Band der Chiemgauer-Krimireihe um Hauptkommissar Constantin Tischler und Polizeiobermeister Felix Fink.

Wer die beiden Vorgänger-Bände bereits kennt, dem werden nicht nur das Ermittlerteam, sondern gleich mehrere Figuren des Ortes bekannt vorkommen. Ähnlich wie bei der Franz-Eberhofer-Reihe von Rita Falk, den Romanen um Nicola Förgs Kommissarin Irmi Mangold oder anderen Provinz- bzw. Regionalkrimis tauchen die Bewohner des Ortes immer wieder in den Bänden auf. Dabei stehen sie mal mehr, mal weniger im Fokus der Handlung, tragen aber zumeist zum Unterhaltungswert der Geschichte bei.

Der vierte Band der Reihe, „Prost, auf die Nachbarn“, erscheint als Taschenbuchausgabe bereits im März 2022.

Zu empfehlen sind ganz besonders die Hörbücher zur Reihe, die von Helmfried von Lüttichau gelesen werden, der mit seinem bairischen Dialekt den Figuren der Kalpenstein-Serie erst richtig Leben einhaucht. Von Lüttichau ist hierzulande vor allem durch die TV-Krimiserie „Hubert und Staller“ bekannt. Nicht nur deswegen erinnert die bayrische Provinzkrimireihe von Friedrich Kalpenstein in ihrer Atmosphäre und inhaltlichen Gestaltung an die erfolgreiche Vorabendserie der ARD. 

Typischer Provinzkrimi

Wie schon bei den anderen Folgen der Reihe gilt: Wer auf nervenaufreibende Spannung, atemraubende Verbrecherjagden und eine unheimliche Atmosphäre hofft, der liegt hier vollkommen falsch. In der Krimireihe von Autor Friedrich Kalpenstein geht es trotz Mord eher gemütlich und vor allem humorvoll zu. Wenn man solche Kriminalromane mag, wird man hier bestens bedient. Ob skurrile Typen, traditionelle Oberbayern, Ermittler, die noch am Rockzipfel der Mama hängen, oder ein Vater, der mit der Mitschülerin des Sohnes anbandelt: Kalpenstein gelingt eine kurzweilige, humorvolle Geschichte, die bestens unterhält.

Diesmal bekommt es das Ermittlerduo Tischler / Fink vor allem mit einer Reihe von Jugendlichen zu tun, die bei Hüttenwirt Rudi Pfleger ungestört ihr Abitur gefeiert haben. Eine wilde Fete mit lauter Musik, viel Alkohol und auch der ein oder anderen Droge. Da bleibt es nicht aus, dass es auch zum Streit zwischen den Abiturienten kommt. „Mei, die Jugend, gell“, wie es der zugedröhnte Hüttenwirt so schön umschreibt. „Ich war doch früher genauso. Was ich alles getrieben habe… […] Wenn mich heute was aufregt, setze ich mich ins Gras und mache Yoga oder blas in mein Didgeridoo.“ Tja, wäre da nicht am nächsten Tag einer von den rivalisierenden Jungen tot.

Wenn Tischler und Fink sich bei ihren Ermittlungen mit einem überheblichen Teenager, einem hormongesteuerten Vater oder einem kaltblütigen Drogendealer herumschlagen müssen, machen die beiden dies auf ihre ganz eigene Art, die nicht immer den polizeilichen Vorgaben entspricht. Aber das muss es auch nicht, denn der Roman will vor allem unterhalten. Dies gelingt ihm ganz besonders mit den sehr witzigen, pointierten Dialogen zwischen Tischler und seinem Kollegen Fink. Anders als im Vorgängerband „Prost, den Erben“ überschreitet Kalpenstein diesmal auch in keinster Weise die Grenzen zum Albernen, was dem Roman gut tun.

Ein wohltuend „normaler“ Krimi

Kalpenstein gelingt es diesmal noch besser als in den ersten beiden Bänden der Reihe, eine Balance zwischen lustigen Einfällen bzw. Situationskomik und der Suche nach dem Mörder herzustellen. Darüber hinaus rückt zwar auch das Privatleben des Hauptkommissars immer wieder in den Mittelpunkt der Handlung, lenkt aber nicht von der eigentlichen Tätersuche ab. Wohltuend „einfach“ sind in der Reihe auch die Morde. Der Täter ist kein Ritualmörder oder ein kranker Psychopath, der die Toten in besonderer Weise arrangieren muss. Die Gründe für die Taten sind bei Kalpenstein viel banaler, aber deswegen nicht weniger spannend. Die Hauptfiguren sind durchweg sympathisch. Dies gilt insbesondere für die beiden Ermittler, die diesmal mit viel Spürsinn den Fall lösen.

Fazit:

Regional- und Provinzkrimis gibt es mittlerweile in großer Zahl. Dennoch ragt die Krimireihe von Friedrich Kalpenstein aus der breiten Masse hervor, weil der Autor nicht nur über viel Humor verfügt, sondern auch das richtige Händchen für die Eigenheiten und Schwächen seiner Figuren besitzt. Trotz vereinzelter Längen gelingt dem Autor erneut ein unterhaltsamer Kriminalroman. Kalpenstein ist längst in einer Reihe mit Autoren wie Rita Falk, Nicola Förg oder auch Klüpfel/Kobr zu nennen. Liebhabern von kurzweiligen Provinz- oder Regionalkrimis ist die Reihe um Hauptkommissar Tischler und Polizeiobermeister Fink wärmstens zu empfehlen.

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