Opferstille

Erschienen: Januar 2021

Bibliographische Angaben

- OT: Il re de dinari

- aus dem Italienischen von Claudia Franz

- TB, 528 Seiten

- Bd. 3

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Thomas Gisbertz
Schwächerer Teil einer starken Reihe

Buch-Rezension von Thomas Gisbertz Feb 2021

Der junge Mann ist blutverschmiert, spricht kaum ein Wort und hat nur einen Zettel mit seinem Namen bei sich: Tommy. So findet Colomba Caselli ihn in ihrem Schuppen vor. Seit sie vor eineinhalb Jahren bei einem Einsatz fast ums Leben kam, lebt die ehemalige Polizistin zurückgezogen auf dem Land. Ihr genialer Partner Dante Torre wird seitdem vermisst. Doch der mysteriöse Tommy weckt ihr Interesse. Der Fall führt sie schnell zurück in die Vergangenheit und bringt sie auf die Spuren eines Kindsentführers, der „Der Vater“ genannt wird. Auch Dante war eines seiner Opfer – doch Colomba hat ihn eigentlich vor Jahren getötet …

Das Trauma von Venedig

Die 35-jährige Colomba Caselli, ehemalige Vicequestore bei der Polizei, lebt nach einem Anschlag in der italienischen Lagunenstadt, bei dem sie lebensgefährlich verletzt und zahlreiche Personen getötet wurden, zurückgezogen in einem kleinen Dorf. Besser gesagt: Sie vegetiert vor sich hin. Nichts ist mehr von der taffen, selbstbewussten Ermittlerin geblieben. Angst und die Frage, was mit ihrem Freund Dante geschehen ist, bestimmen ihren Alltag. Das Auftauchen des Autisten Tommy, dessen Eltern brutal ermordet wurden, wecken in ihr die schlimmsten Befürchtungen: Ist der totgeglaubte „Vater“ noch am Leben? Oder gibt es einen Nachahmungstäter? Colombas Neugierde überwiegt und sie traut sich wieder in die Öffentlichkeit - auch wenn sie fürchten muss, dass Leo Bonaccorsa, ihr Attentäter und das Phantom ihres vergangenen Lebens, sie wieder aufspüren wird ...

Italienische Thrillerreihe

Sandrone Dazieri, geboren 1964 in Cremona, ist einer der erfolgreichsten italienischen Krimi-Drehbuchautoren. Er arbeitete als Programmmacher im größten Verlagshaus Italiens und gründete einen eigenen Verlag für Kriminalromane. Mit den Ermittlern Dante Torre und Colomba Caselli eroberte er die internationalen Bestsellerlisten. Mit den beiden ersten Teilen der bisherigen Trilogie (In der Finsternis und Schwarzer Engel) hat Dazieri bereits bewiesen, dass er zu den besten Thriller-Autoren Europas gehört. Seine Reihe überzeugt nicht nur durch ein grandioses Ermittlerteam und einen spannenden Plot, sondern durch einen flüssigen, teilweise unglaublich szenischen Schreibstil. Es empfiehlt sich aufgrund der Komplexität der Ereignisse, die Bände chronologisch zu lesen.

Beeindruckende Schreibweise

Seit mittlerweile fünf Jahren begeistert die Reihe um den exzentrischen Dante Torre und die ehemalige Elitepolizistin Colomba Caselli die Leser. Tatsächlich gab es kaum ein Ermittlerteam in den vergangenen Jahren, welches auf so rasante, teilweise eigenwillige, aber immer spannungsgeladene Art und Weise seine Fälle zu lösen wusste. Einen nicht unerheblichen Beitrag dazu leistet die wunderbare Diktion des Autors: Besonders die regelrecht im Sekundenstil beschriebenen (Terror-)Anschläge (und davon gibt es einige in den drei Bänden) laufen wie ein Film vor dem inneren Auge ab und lassen den Leser Teil der Handlung werden. In einer solchen Tiefe schaffen dies nur wenige Thriller-Autoren. Dazieri überzeugt darüber hinaus trotz zahlreicher Handlungsstränge mit einer klaren, stets überschaubaren Darstellung der Ereignisse.

Ohne Dante geht nichts

Leider gelingt dem Autor diesmal in seiner Schilderung der Geschehnisse nicht immer die gewohnte Präzision und Souveränität wie noch in den ersten beiden Fällen. Besonders zum Ende hin wird die Story teilweise zu komplex, es gibt zu viele Wendungen, Rückblenden und Bezüge. Zwar sind diese durchaus logisch aufgebaut und keineswegs fehlerhaft, dennoch trägt es nicht unbedingt zu einem entspannten Lesevergnügen bei; hier fehlt es an der notwendigen Leichtigkeit in der Darstellung. Dass auch Opferstille ein lesenswerter Thriller ist, liegt erneut vor allem an den Hauptfiguren. Wie sehr die Reihe vom Zusammenspiel dieser beiden lebt, zeigt sich insbesondere in der Tatsache, dass der Fall erst nach einem Drittel der Handlung richtig Fahrt aufnimmt. Wenn der Leser nämlich endlich erfährt, was mit Dante Torre, der am Ende des zweiten Bandes entführt wurde, tatsächlich geschehen ist, steigt die Spannung mit jeder Seite, und es kommt auch diesmal zu einem fulminanten Showdown.

Schwächerer Teil der Reihe

Wer alle Bände der Reihe gelesen hat, wird am Ende des dritten endlich erkennen, wie alles inhaltlich zusammenhängt. Und dennoch: Irgendwie hätte man sich einen anderen Schluss gewünscht. Während In der Finsternis  undSchwarzer Engel herausragende Thriller sind, fällt der aktuellen Band in der Gesamtbewertung doch etwas ab. Es bleiben Fragen offen, die Vorgehensweise des Täters wirkt teilweise zu konstruiert und die Handlung erscheint ab und an etwas überladen. Dennoch ist Opferstille ein guter Thriller. Liebhaber der Reihe dürfen sogar auf weitere Bände hoffen.

Fazit

Wer die Torre-Caselli-Reihe noch nicht kennt, hat etwas verpasst. Auch wenn der (bislang) letzte Teil im Vergleich zu seinen beiden Vorgängern etwas schwächelt, so macht allein schon das Zusammenspiel der beiden Protagonisten diese Romane zu etwas Besonderem. Sandrone Dazieri ist der unbestrittene Meister des italienischen Spannungsromans. Dies beweist er einmal mehr mit seinem aktuellen Band, auch wenn Opferstille nicht der beste Teil der Reihe ist.

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