Rachekult

Erschienen: Februar 2021

Bibliographische Angaben

- TB, 512 Seiten

- Bd. 2 [Kriminalhauptkommissar Fuchs & Fallanalystin Schuhmann]

Couch-Wertung:

88°
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Thomas Gisbertz
Beeindruckende Fortsetzung um Frankfurter Ermittlerteam

Buch-Rezension von Thomas Gisbertz Mär 2021

In Frankfurt herrscht drückende Hitze, als ein enger Freund von Kriminalhauptkommissar Fuchs plötzlich lichterloh in Flammen steht und verstirbt. Während Fuchs gemeinsam mit der jungen Fallanalystin Lara Schuhmann in dem rätselhaften Fall ermittelt, geschehen weitere Morde. Der perfide Killer arbeitet mit ebenso ungewöhnlichen wie brutalen Mordwerkzeugen, doch die Taten erscheinen zunächst vollkommen willkürlich. Bis eine Spur mitten in die Reihen der Polizei führt. Fuchs muss sich dem dunkelsten Kapitel seiner Vergangenheit stellen, um weitere Morde zu verhindern – und nicht selbst zum Opfer zu werden ... 

Das Trauma der Vergangenheit

Eine Mordserie erschüttert die Mainmetropole. Zunächst wird der Leiter der Stabsstelle für Prävention bei der hessischen Polizei auf bizarre Weise ermordet: Sein Mund wurde mit flüssigem Silber ausgegossen und seine Hände an den Kopf geklebt. Damit erinnert er nicht nur die Ermittler Fuchs und Schuhmann an das Gemälde „Der Schrei“ des norwegischen Malers Edvard Munch. Als weitere grausame, absolut bösartige Morde bekannt werden, gerät die Frankfurter Polizeibehörde zunehmend unter Druck. Der Täter geht scheinbar wahllos bei der Suche nach seinen Opfern und seinen Tötungsmethoden vor. Als ein Bekennerschreiben bei der Polizei eingeht, nimmt der Fall aber eine plötzliche Wendung ...

Arzt als Thriller-Autor

Nach Totenblass, dem packenden ersten Fall des Frankfurter Ermittlerduos Fuchs/Schuhmann, legt Frederic Hecker nun den nich minder spannenden zweiten Band der Reihe vor. Der Autor ist promovierter Rechtsmediziner. Heute lebt er in Hannover, wo er als Plastischer Chirurg tätig ist. Hecker hat gleich mit seinem Debütroman unter Beweis gestellt, dass er zu den ganz großen Talenten im Bereich deutschsprachiger Thrillerliteratur gehört. Nun gelingt ihm erneut ein Roman der Extraklasse, weil er inhaltlich den Mut hat, einmal die eingefahrenen Wege des Genres zu verlassen. Man spürt beim Lesen, welche Freude der Autor selber beim Schreiben hatte. Er scheint das umsetzen zu wollen, was ihm selber an Thrillern und Krimis besonders gefällt.

Hecker bietet dem Leser viel: gute Ermittlungsarbeit, eine taffe Fallanalytikerin, zahlreiche bizarre Mordfälle, eine abwechslungsreiche Figurendarstellung sowie Exkurse in Bereiche wie Medizin oder auch Chemie. Dies ist Autor Frederic Hecker auch wichtig, wie er im Krimi-Couch-Interview verriet: Ziel sei es, "den Lesern ein wenig Wissen zu vermitteln, ein Aspekt, den auch ich in Büchern sehr gerne mag: Wenn Realität und Fiktion sich vermischen, sodass die Grenzen dazwischen verschwimmen."

Sicher wird dieser in gewisser Weise besondere Schreibstil nicht allen Lesern gefallen; für einige dürfte die Fülle an Informationen, Opfern und Wendungen zu viel des Guten sein. Gewiss bewegt sich der Autor zuweilen an der Grenze, aber er überschreitet sie nicht. Denn eines schafft Frederic Hecker erneut mühelos: den Leser über 500 Seiten zu fesseln. Sein Erzählstil ist ebenso kurzweilig wie spannend, gleichzeitig informativ und packend. Sicherlich gibt es vereinzelt kleinere logische Schwächen - die gibt es aber auch in anderen Thrillern und sind hier dem Spannungsaufbau geschuldet.

Authentische Figuren

Ähnlich wie aktuell das norwegische Autorenduo Enger/Lier Horst mit ihrer Blix-Ramm-Reihe, stellt auch Frederic Hecker den Polizeialltag mit einem lebensechten Ermittlerduo in den Mittelpunkt, ohne dass die Spannung darunter leidet. Wenn bei Lara Schuhmann Selbstzweifel aufkommen und sie unsicher ist, ob sie ihrer Arbeit als Fallanalytikerin gerecht werden kann, dann wirkt dies ebenso glaubhaft wie die privaten, zum Teil zutiefst persönlichen Probleme, mit denen sich ihr Kollege Fuchs herumschlagen muss: Längst verdrängte Emotionen werden durch den aktuellen Fall aufgewühlt; sein Sohn Benjamin scheint auf die schiefe Bahn zu geraten; und der Ermittler macht sich Sorgen um seine Freundin Sophia, die derzeit als Ärztin im Rahmen eines Hilfsprojekts in Afrika arbeitet. Hinzu kommt Fuchs` Verdacht, dass diese sich in einen Kollegen verliebt haben könnte.

Neben dem Ermittlerduo sticht eine weitere Figur aus der breiten Masse heraus: Rechtsmediziner Professor Lehnhardt. Sein Erscheinungsbild lässt ihn zwar wie einen Oberbefehlshaber erscheinen, aber im Grunde ist er ein mehr als umgänglicher Typ. Besonders die absolute Leidenschaft für den Beruf und seine Zwanglosigkeit, wenn es um skurrile Ideen bei der Ermittlungsarbeit geht, machen ihn zu einem besonderen Highlight der Reihe. Man merkt hier, dass sich der Autor als promovierter Rechtsmediziner auf bekanntem Terrain befindet.

Vielschichtiger Roman

Insgesamt überzeugt die Handlung mit einem gut durchdachten Plot. Man sollte aufmerksam lesen, denn so manche Nebenhandlung entpuppt sich später als wichtiger Handlungsstrang. Dass die Mordarten sicherlich außergewöhnlich sind, ist neben den zahlreichen interessanten Exkursen zur Rechtsmedizin oder auch Polizeiarbeit sowie einer gewissen Prise Humor ein weiteres Plus des Romans. Vor allem aber gefallen die sympathischen Ermittler, die allen Widrigkeiten zum Trotz durch gute Polizeiarbeit zu punkten wissen. Wie bereits bei Heckers Debütroman Totenblass wird man durch den kurzweiligen, flüssigen und dynamischen Schreibstil regelrecht in die Handlung hineingezogen. Ein Thriller mit hohem Suchtpotential - trotz kleinerer Schwächen bietet Hecker einfach gute Unterhaltung.

Fazit

Dem Autor gelingt erneut ein bemerkenswerter Roman. Hecker zeigt einmal mehr, dass er sich nicht vor den Großen der deutschsprachigen Thrillerliteratur verstecken muss. Im Gegenteil: Nicht viele Autoren schreiben auf einem konstant so hohem Niveau und finden dabei gleichzeitig ihren ganz eigenen Stil. Dies macht nicht nur Rachekult, sondern die gesamte Reihe zu einer klaren Leseempfehlung.

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