Die siebte Zeugin

Erschienen: Februar 2021

Bibliographische Angaben

- TB, 320 Seiten

- Bd. 1 [Eberhardt & Jarmer ermitteln]

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Sabine Bongenberg
Wenn die Polizei in der Nase bohrt

Buch-Rezension von Sabine Bongenberg Feb 2021

Es ist ein kalter Sonntagmorgen, als der bis dahin unbescholtene Normalo und Familienvater Nikolas Nölting wie jedes Mal die Brötchen holen geht. Unüblich ist aber, dass er einen Polizisten niederschlägt, sich dessen Waffe bemächtigt und in der Bäckerei wild um sich ballert. Die Bilanz dieses Attentats: Zwei Personen mit Schusswunden und ein Toter. Nölting versucht erst gar nicht, zu fliehen, wartet am Tatort auf die Polizei und lässt sich widerstandslos verhaften. Nach seinem Motiv gefragt, schweigt er beharrlich, und so ist es jetzt schon absehbar, dass er für lange, lange Zeit hinter den guten alten schwedischen Gardinen verschwinden wird. Aber das ruft den Rechtsanwalt Rocco Eberhard auf den Plan ...

Das Autorenduo Florian Schwiecker und Michael Tsokos lässt hier ein neues Ermittlerduo die Hintergründe an diesem Mord ermitteln: Es sind Rechtsanwalt Rocco Eberhard und Rechtsmediziner Justus Jarmer, die hier – von der Ehefrau des Mörders beauftragt – die Motive suchen, die zu seiner Tat führten. Der Täter selbst schweigt weiterhin. Jetzt wird natürlich der kritische Leser aufschreien und darauf hinweisen, dass eine solche Suche die Aufgabe der Polizei sei, und natürlich ist mir das auch bekannt - dem Autorenduo offensichtlich aber nicht, oder es ist in Berlin tatsächlich so, dass die Polizei irgendwo bei einem Kaffee in einem heimeligen Büro sitzt und in der Nase bohrt, während Rechtsanwälte, Privatdetektive und Gerichtsmediziner die Ermittlungen führen.

Routinierter und gut erzählter Justizkrimi

Wer sich von solchen Nebensächlichkeiten nicht beeinflussen lässt, steigt ein in eine flüssig erzählte Geschichte, in der die Verstrickungen um den Mordfall interessant und anschaulich ermittelt und aufgearbeitet werden. Mich störten dabei nur ein paar kleine Macken: beispielsweise dass Titel, Vorname und Nachname beteiligter Personen (ich sage nur „Vorsitzende Richterin Doktor Ariane Gregor“) gebetsmühlenartig wiederholt wurden und ich mich auch manchmal fragte, warum Beschreibungen wie „Er drückte die Zigarette in dem billigen Aschenbecher aus, auf dem das Logo einer bekannten Zigarettenmarke prangte“ die Handlung voran treiben sollten und ob sich an der Geschichte etwas geändert hätte, wenn es das Logo einer unbekannten Schnapsfirma gewesen wäre - aber sei’s drum. Tsokos und sicherlich auch Schwiecker stehen für das routinierte Abwickeln einer Geschichte, und das wird hier geliefert.

Als viel problematischer betrachte ich andere Elemente der Handlung: So halte ich es für nicht wahrscheinlich, dass ein Täter in der Lage ist, jemanden so gezielt niederzuschlagen, dass der tatsächlich sofort zu Boden geht (und 20 Minuten später mit nur leichten Blessuren wieder auf den Beinen ist), ohne sich vorher mit diesem Metier befasst oder darin geübt zu haben; dasselbe gilt für den Gebrauch einer Schusswaffe. Meiner Kenntnis nach funktioniert das nicht einfach nach dem Prinzip: Ziehen und Ballern, sondern da ist auch noch etwas mit dem Thema Entsichern, Zielen, und auch mit Rückstoß und so. Unterm Strich ist der Gebrauch eines Schießgewehrs gar nicht mal so einfach - zumindest laut meiner laienhaften Einschätzung. Ein zielorientierter Mörder wäre somit eher auf der sicheren Seite, würde er sich im Fachhandel beispielsweise eine Machete besorgen - die ja auch dem Ungeübten beachtliche Erfolge verspricht. Natürlich würde nach einem solchen Blutbad nicht die zweite Ebene des Krimis funktionieren, die nämlich die These aufstellt, dass der Zweck jedes Mittel heiligt. Hier sind wir dann bei dem Punkt, der mich tatsächlich massiv stört: Dem Leser soll ein Tätermotiv verkauft werden, das impliziert, dass im Prinzip keine andere Wahl bestand und im Übrigen vermutlich jeder so gehandelt hätte.

Die Lösung des Falls wird abschließend auf einen juristischen Kniff zurückgeführt, und wenn es auch die beschriebene Möglichkeit in der deutschen Rechtsprechung tatsächlich gibt, so hätte ich doch hier diverse Fragen. Ähnliche Fragen wirft übrigens auch die Beteiligung einer Familie auf, die hier nach dem besten Muster der Hamadis in den 4 Blocks auch noch etwas mitzureden hat - und bei der unser rechtschaffener Rechtsanwalt keine Probleme hat, einen *hüstel* etwas zwielichtigen Zeugen einzubinden. Gar nicht erst anfangen möchte ich bei dem Thema „Datenschutz“, das laut Buch in jeder Behörde offensichtlich „Neuland“ ist. Grundsätzlich ist es natürlich der dichterischen Freiheit überlassen, jemandem mit miesen Tricks seine „Du kommst aus dem Gefängnis frei“-Karte zu beschaffen. Ganz anders sieht das aber aus, wenn verkauft werden soll, dass das moralisch vollkommen okay und im Großen und Ganzen an der Tagesordnung sei.

Fazit

Das Autorenduo Schwiecker und Tsokos hat hier ein Ermittlerduo vorgestellt, das in einer gut erzählten Geschichte eine befremdliche Tat mit einem noch befremdlicheren Ergebnis präsentiert. Sicherlich muss nicht alles in einem Krimi dem tatsächlichen Leben entsprechen, und natürlich werden zugunsten von Tempo und Spannung einige Fakten geopfert. Was aber hier geboten wird, hat mit der Realität meiner Einschätzung nach nicht mehr viel am Hut und verkauft dazu eine eigenartige moralische Aussage: „Das hätte vermutlich jeder so gemacht.“ Die Herren Schwiecker und Tsokos: Nein, das hätte nicht jeder so gemacht.
 


Leserhinweis: Wer sich über den juristischen Begriff der Rechtsfolgenlösung noch ein bisschen besser informieren will, der findet – tatsächlich anschauliche – Beispiele, wenn er „Rechtsfolgenlösung BGH bei atypischem Mord“ googelt.

Die siebte Zeugin

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Letzte Kommentare:
27.02.2021 18:20:17
gerlisch

Mord ist nicht gleich Mord
An einem Sonntagmorgen in Berlin macht sich der Verwaltungsbeamte Nicolas Nölting auf den Weg in eine Bäckerei, doch anstatt Brötchen zu kaufen entreißt er einem Polizisten die Waffe und schießt wild um sich. Ein Mann ist tot und zwei weitere Personen verletzt. Anschließend verweigert er rigoros die Aussage. Seine verzweifelte Frau beauftragt den Anwalt Rocco Eberhardt ihren Mann vor Gericht zu vertreten.

Für diese Justiz-Krimi-Serie haben sich die Autoren Florian Schwiecker sowie der REchtsmediziner und Bestesellerautor Michael Tsokos zusammengetan um ihre eigenen Berufserfahrungen mit den beiden Protagonisten Rocco und Dr. Jarmer dem Leser näher zu bringen.

Der Schreibstil ist recht flüssig und angenehm zu lesen, leider fand ich die Story an sich ein bisschen zu flach, denn das Motiv kristallisierte sich ziemlich schnell heraus, hier hätte ich mir mehr Möglichkeiten zum Miträtseln gewünscht.

Die Passagen um Roccos Privatleben haben mir gut gefallen, da ergaben sich noch ein paar Cliffhanger für den nächsten Fall. Dr. Jarmer, der Rechtsmediziner hatte in diesem Krimi eigentlich nur eine Nebenrolle, da erhoffe ich mir für den nächsten Teil mehr, auch über seine Arbeitsweise würde ich gern mehr erfahren.

Die juristischen Winkelzüge waren sehr gut dargestellt und auch für den Laien verständlich beschrieben, allerdings fehlte mir zum Schluss ein Aha-Effekt. Dieser Krimi ohne Polizeiermittlungen und ohne viel Blutvergießen hat mich gut unterhalten.

23.02.2021 13:29:18
Isa

Justizkrimi
Der Verwaltungsangestellte und Familienvater Nikolas Nölting geht wie jeden Sonntag zur Bäckerei um Brötchen zu holen. Doch dieses Mal schießt er in dieser um sich und lässt sich anschließend festnehmen. Danach schweigt er. Der Rechtsanwalt Rocco Eberhardt übernimmt die Verteidigung und steht vor dem Rätsel über die Motive. Da kommt der Rechtsmediziner Justus Jarmer mit einer Entdeckung daher, die vielleicht Aufschluss über die Tat gibt…
In dem Auftaktband steht die Justiz im Vordergrund. Die Protagonisten werden wenig überzeugend, langweilig und kaum authentisch charakterisiert. Vor allem Justus Jarmer verblasst im Hintergrund, von Rocco Eberhardt werden einige Hintergrundinformationen eingestreut. Die Handlung besteht zum größten Teil aus dem Strafprozess und der Verteidigung von Nölting. Dabei spielen forensische Ermittlungen kaum eine Rolle. Der Anwalt Rocco begibt sich auf der Suche nach dem Motiv in den Sumpf der Clan-Kriminalität mit Korruption und Gewalt. Obwohl das Buch spektakulär beginnt, fehlt es an unvorhersehbaren Wendungen und überraschenden Ereignissen, die das Buch spannend gemacht hätten und einen mitfiebern lassen. Der Schreibstil wirkt verkrampft und trotz der kurzen Kapitel liest sich der Roman zäh. Dadurch, dass die Kapitel aus verschiedenen Perspektiven geschrieben werden, erhält man unterschiedliche Einblicke.
Mit dem letzten Satz wird ein Cliffhanger in den Raum geworfen, der neugierig auf den Folgeband machen soll; wobei ich mir nicht sicher bin, ob dieser von mir gelesen werden wird.

13.02.2021 20:30:40
frabo13

Schwache Handlung und unglaubwürdiger Erzählstrangstrang erinnern eher an einen Groschenroman.
Sprachlich ist dem Roman nichts abzugewinnen.
Ein Buch, dass man auch ohne es zu Ende zulesen beiseite legen kann -oder man beginnt erst garnicht damit.

13.02.2021 13:33:05
Heidrun

Nikolas Nölting schießt in einer Bäckerei um sich und tötet einen Mann und verletzt zwei weitere Personen. Über sein Motiv schweigt er sich aus. Der Strafverteidiger Rocco Eberhardt versucht das Motiv herauszufinden und bittet deshalb den Privatdetektiv und seinen Freund Tobias Baumann um Hilfe.
Das Buch ist in kurze Kapitel unterteilt, die mit Ort und Datum überschrieben sind. Hauptsächlich spielt das Buch im Gericht. Außerdem gibt es Einschübe von anderen Personen, wodurch der Leser mehr über den Hintergrund erfährt und auf einen höheren Wissensstand ist wie die Personen um Rocco Eberhardt. In diesen Buch verfolgen wir hauptsächlich die Gerichtsverhandlung. Dadurch gibt es keine Action und die Spannung ist eher subtil. Interessant sind auch die Psychospielchen zwischen Verteidiger und dem Staatsanwalt.
Da das Buch hauptsächlich im Gericht spielt, liest es sich relativ spannungsarm. Es gibt viele Einblicke in die Funktionsweise der Justiz.

07.02.2021 23:15:01
Jasminh86

"Die siebte Zeugin" von Florian Schwiecker (Strafverteidiger) und Michael Tsokos (Rechtsmediziner, der das Institut für Rechtsmedizin der Berliner Charité leitet und Bestseller-Autor) ist der erste Teil einer neuen Justiz-Krimi-Reihe aus Berlin (Eberhardt und Jarmer ermitteln).

Hier geht es um einen Verwaltungsbeamten namens Nikolas Nölting, der an einem Sonntagmorgen sein Haus in Berlin-Charlottenburg verlässt, sich aufs Fahrrad schwingt, seiner kleinen Tochter zum Abschied zuwinkt und zu einer Bäckerei fährt. Was sich ganz harmlos anhört, endet in einem Fiasko. Denn Nölting schießt in der Bäckerei aus heiterem Himmel und ohne Vorwarnung um sich.
Ein Mensch ist tot, zwei verletzt und Nikolas Nölting schweigt.
Nöltings Ehefrau sucht den Anwalt Rocco Eberhardt auf und bittet ihn, ihrem Mann zu helfen. Doch der Strafverteidiger steht vor einem Rätsel, denn er muss das Motiv eines unauffälligen Familienvaters herausfinden.
Plötzlich macht der Rechtsmediziner
Dr. Justus Jarmer eine überraschende Entdeckung, die Rocco Eberhardt mitten in einen Sumpf aus Korruption, Geldwäsche und Clan-Kriminalität führt. Doch wer sich mit der Unterwelt von Berlin anlegt, bringt nicht nur sich selbst in größte Gefahr …

Dieser Krimi hat mich auf jeden Fall unterhalten. Aber mir hat hier ganz klar die Spannung gefehlt. Sie konnte sich einfach nicht aufbauen, die Geschichte hat mich nicht sonderlich gepackt. Von der angepriesen Hochspannung konnte ich nichts feste stellen.
Trotzdem fand ich vieles sehr interessant, denn Florian Schwiecker gewährt viele interessante Einblicke aus dem Alltag eines Strafverteidigers. Deshalb ist der Krimi sehr authentisch, was mir gut gefallen hat. Szenen aus dem Schwurgerichtssaal wirken sehr lebendig, die Verhandlungen und die Gesetzeslagen haben mir gute und detaillierte Einblicke verschafft. Auf jeden Fall steckt in dieser Geschichte eine Menge Realität drin.

Nun komme ich zu den beiden angepriesenen Hauptprotagonisten Eberhardt und Jarmer.
Rocco Eberhardt ist der ledige Strafverteidiger mit eigener Kanzlei, dessen Mutter aus Neapel kommt. Er liebt gutes Essen und trinkt gerne und regelmäßig Wein und Longdrinks. Warum das letztere hier oft erwähnt wurde, verstehe ich nicht. Das sind so Kleinigkeiten, die mich dann nur noch gestört haben.
Er hat einen ausgeprägten Sinn für Gerechtigkeit, aber sein Misstrauen in Mandanten ist nach einem Fall aus der Vergangenheit angestiegen. Er versucht, seine Mandanten und ihre Geschichten nicht mehr zu nah an sich heranzulassen. Im Gerichtssaal will er um jeden Preis gewinnen, alleine schon, weil er Oberstaatsanwalt Bäumler nicht leiden kann.
Seine privaten Familienprobleme kamen zwischendurch auch immer wieder zur Sprache.
Dr. Justus Jarmer ist Facharzt für Rechtsmedizin, ihm eilt der Ruf einer rechtsmedizinischen Koryphäe voraus. Schon mehr als einmal hat eine seiner präzisen wissenschaftlichen Analysen einem Fall eine neue Wendung gegeben.
Er ist ein Meister darin, Kugelschreiber um die Finger kreisen zu lassen.

Ich bin sehr enttäuscht über Jarmers Rolle, denn über ihn habe ich kaum etwas gelesen.
Er kam ein paar wenige Mal ganz kurz vor, das war's aber auch schon. Einen wichtigen Part hat er meiner Meinung gar nicht gehabt. Er bleibt komplett im Hintergrund, seine Entdeckung bei der Obduktion war das einzige, was von ihm rüberkam. Hier hätte das Duo „Eberhardt und Baumann“ besser gepasst.
Denn ich habe mehr von Eberhardts Freund und Privatdetektiv Tobias Baumann gelesen als von Jarmer.
Baumann hatte hier eine viel größere Rolle, zusammen mit Eberhardt. Diesen Punkt finde ich leider etwas irreführend.
Schade, denn ich hätte gerne mehr von Jarmer gelesen. Dieser Protagonist hatte eher einen Gastauftritt als eine der beiden Hauptrollen. Die paar kurzen Momente wo er als Eberhardts Telefonratgeber erschien, hätte sich der Krimi auch sparen können.
Im Großen und Ganzen ein schwacher und sinnloser Auftritt.
Generell war hier nicht wirklich ein Protagonist, dessen Charakter mir positiv aufgefallen ist.
Eberhardt wird zwar detailliert beschrieben, aber anfreunden konnte ich mich mit seinem Charakter nicht.

In Handlung an sich war wie gesagt interessant und authentisch, aber vorhersehbar.
Der Krimi ist flüssig und locker geschrieben, auch die extrem kurzen Kapitel haben mir gut gefallen. Hier haben mich 104 Kapitel auf 318 Seiten erwartet, jedes Kapitel ist mit Ort, Datum und Uhrzeit versehen.
Es wird aus mehreren Perspektiven geschrieben, dies hat für Abwechslung gesorgt.
Der Cliffhanger am Ende macht auf den nächsten Teil definitiv neugierig. Aber ob ich ihn auch lesen werde? Ich weiß es eher gesagt noch nicht. Dieser Teil hat meine Erwartungen leider nicht ganz erfüllt, deswegen nur 2.5 Sterne von mir.
Wirklich schade, denn ich bin ein großer Fan von Michael Tsokos und dies ist das erste Mal, das ich sein Buch nicht mit einem zufriedenen Lächeln beendet habe.

04.02.2021 14:49:56
leseratte1310

Nikolas Nölting macht sich an einem Sonntagmorgen auf den Weg, um für die Familie Brötchen zu holen. Bei der Bäckerei angekommen schießt er plötzlich um sich. Ein Mensch ist tot und zwei Personen sind verletzt. Nölting flüchtet nicht, sondern lässt sich widerstandslos festnehmen, aber er schweigt beharrlich. Seine Frau beauftragt den renommierten Rechtsanwalt Rocco Eberhardt. Doch wie verteidigt man einen Menschen, der sich zu seiner Tat nicht äußert und zu der es keine weiteren Hinweise gibt. Doch dann macht Rechtsmediziner Dr. Justus Jarmer eine überraschende Entdeckung. Der Privatdetektiv Tobias Baumann wird hinzugezogen. Bei den Ermittlungen bekommen sie es mit der Berliner Unterwelt zu tun.
Ich mag Justiz-Krimis und daher hat mich dieses Buch gleich interessiert. Der Fall ist interessant und spannend. Die Charaktere sind ebenfalls gut und authentisch gezeichnet.
Was bringt einen Menschen dazu, eine solche Tat zu begehen? Zu den Hintergründen erzählt der Klappentext ja schon eine Menge – eigentlich schon fast zu viel. Interessant ist, wie der Prozess aufgerollt wird.
Mich konnte diese spannende Geschichte von Anfang an packen.

01.02.2021 17:54:32
Petra Sch.

ein unterhaltsamer und überraschend-anders aufgebauter Gerichtskrimi

Kurz zum Inhalt:
Der Beamte Nikolas Nölting schwingt sich eines Sonntag Morgens auf sein Fahrrad, winkt seiner Tochter Lily nochmals zu, und schießt dann in einer Bäckerei in Berlin um sich und trifft 3 Personen, eine davon lebensgefährlich. Danach ergibt er sich.
Sein Verteidiger, der Rechtsanwalt Rocco Eberhardt, kann nicht verstehen, warum er so gehandelt hat, denn Nölting schweigt beharrlich.
Doch Eberhardt gibt nicht auf und macht sich aufgrund der Erkenntnisse des Rechtsmediziners Dr. Justus Jarmer mit seinem Freund, dem Privatdetektiv Tobias Baumann auf Spuren- und Motivsuche und begibt sich dabei in der Berliner Unterwelt in Gefahr...

Meine Meinung:
"Die siebte Zeugin" ist der Auftakt der Reihe um Rechtsanwalt Rocco Eberhardt und Rechtsmediziner Justus Jarmer.
Der Spannungsbogen ist aufgrund des außergewöhnlichen Aufbaus (man ist als Leser direkt bei der Tat dabei und rätselt dann mit, warum Nölting, der ein spießiger Beamter und Familienvater ist, das getan hat) und der sehr kurzen Kapitel konstant hoch gehalten.
Das spannende ist, dass niemand - auch Nöltings Ehefrau Anja nicht - weiß, warum Nölting das getan hat. Und ob der Anwalt Moritz Lindner nur aufgrund eines schlimmen Zufalls sterben musste.

Rocco Eberhardt schließt man eigentlich gleich ins Herz, er ist zwar sehr ehrgeizig und will unbedingt gewinnen, merkt aber im Laufe der Zeit, dass es nicht ums Gewinnen geht. Sondern einer Familie zu helfen.
Justus Jarmer war für mich noch eher etwas ungreifbar. Ich hoffe, das ändert sich in den nächsten Bänden.
Und dann ist noch der extrem unsympathische Staatsanwalt Dr. Bäumler, der arrogant ist und immer im Mittelpunkt stehen muss.

Die kurzen Kapitel, die mit Tag und Uhrzeit beschriftet sind, und auch die Ermittlungen bzw. Verhandlungstage im Gericht gefielen mir sehr gut. Es wurde bei den Befragungen der Zeugen nicht zu sehr ins Detail gegangen, sodass es zu keiner Zeit langweilig wurde. Und die wichtigste Zeugin ist natürlich die siebte: Nöltings Ehefrau Anja.
Wie Rocco es schafft, hinter das Geheimnis von Nöltings Tat zu kommen und als er dann den Grund kennt-das bestmögliche Urteil herauszuholen-ist faszinierend zu verfolgen. Als man dann den Beweggrund für die Tat weiß, hat man Mitleid mit Nölting und kann sein Handeln nachvollziehen.
Am Schluss gibt es einen tollen Cliffhanger, der Lust auf den Folgeband macht!

Für mich sind jedoch einige Dinge ZU glatt gelaufen, und ganz konnte ich auch nicht nachvollziehen, warum Rocco so oft die Meinung von Jarmer eingeholt hat, obwohl der ja ein ganz anderes Fachgebiet hat und die beiden auch (noch) nicht befreundet sind - ansonsten wurde ich von diesem Gerichtskrimi sehr gut unterhalten.

Fazit:
Auftakt einer aufregenden Justizkrimi-Reihe, bei der ein gewiefter Rechtsanwalt mit einem wahrheitsliebenden Rechtsmediziner zusammenarbeitet. Ich freue mich schon auf die weiteren Bände!

30.01.2021 12:14:11
Darts

Könnte spannender geschrieben sein

Rocco Engelhardt ist Strafverteidiger und bekommt eines Tages den Auftrag Nikolas Nölting zu verteidigen. Dabei ist sein Mandant eindeutig schuldig. Er hat in einer Bäckerei um sich geschossen und dabei zwei Menschen leicht verletzt und einen getötet. Nikolaus Nölting wurde verhaftet und schweigt seit dem. Auch Rocco Engelhardt findet keinen Weg zu ihm und bekommt keine Hinweise von seinem Mandanten. Durch Beobachtungen, Hinweise und starker Unterstützung seiner Mitarbeiter, Kollegen und Freunde erfährt er, dass die Tochter des Angeklagten: Lily mit dem Angelman Syndrom geboren wurde und vom Vater abgöttisch geliebt wird. Dieser würde alles für sein Kind tun. Auch töten? Wenn ja, warum? Kannten sich Mörder und Opfer? Der Fall wird gut geschildert, hauptsächlich im Gerichtssaal, anhand von Zeugenaussagen. Und wer ist wohl die 7.Zeugin? Aber auch die Recherchen von Tobias Baumann und die Sicht des Gerichtsmediziners Justus Jarmer werden gut beschrieben. Alles ist schlüssig und das Buch ist leicht zu lesen; eingeteilt in kurze Kapitel. Leider fehlen die richtigen Gänsehautmomente, auch bei Schußszenen oder anderen Gewaltszenen konnte ich drüberweglesen, als ob es sich um ein Kaffeekränzchen handeln würde. Eine gute Idee zu seicht umgesetzt, aber flüssig zu lesen.

28.01.2021 15:27:31
StP

„Die 7 Zeugin“ ist ein Justizkrimi, welcher dem Leser einen Einblick in den Gerichtsalltag ermöglicht. Es geht um den bisher juristisch unbescholtenen Nikolas, welcher einen Polizisten niederschlägt und dessen Waffe stiehlt. Mit der entwendeten Dienstpistole schießt er in einer Bäckerei um sich und verletzt, beziehungsweise tötet dortige Kunden. Weder das Motiv noch die Hintergründe der Tat sind ersichtlich. Der in dem Fall beauftragte Verteidiger Eberhardt trifft auf einen Rechtsmediziner, welcher nach und nach die Lösung des Falls ermöglicht.

Michael Tsokos und Florian Schwieker haben einen fesselnden und informativen Krimi verfasst, welcher mich stellenweise wirklich mitreißen konnte. Allen voran die Hintergrundinformationen zu den Geschehnissen und Abläufen im Gericht haben mir richtig gut gefallen. Andere Szenen hingegen fand ich etwas langatmig und ausschweifend, weshalb ich diese oftmals etwas uninteressant beim Lesen fand. Nichts desto trotz hat mich das Buch gefesselt und ich habe es gerne gelesen, da der Schreibstil sehr flüssig ist und der Krimi dadurch kurzweilig erscheint. Leider ist die Spannung nie sonderlich hoch, hier hätte ich deutlich mehr erwartet. Die einzelnen Protagonisten sind teilweise sehr sympathisch und authentisch, aber andere hingegen wirken sehr klischeehaft und dadurch nur mäßig glaubwürdig.

FAZIT:
„Die 7 Zeugin“ ist ein fesselnder, wenn auch nicht allzu spannender Justizkrimi, welcher Einblicke in Gerichtsverhandlungen ermöglicht. Ich vergebe 4 Sterne!

26.01.2021 18:19:03
china2010

Der Verwaltungsbeamte Nicolas Nölting, fährt an einem Sonntagmorgen in Berlin auf dem Fahrrad zum Bäcker, verabschiedet sich liebevoll von seiner kleinen Tochter. Vor dem Bäcker steht ein Polizist, er entwendet ihm die Waffe, geht in die Bäckerei und schießt scheinbar wahllos um sich, dabei tötet er einen Menschen und verletzt zwei weitere. Sein Motiv bleibt im Unklarem, da er sich strikt weigert, Auskunft darüber zu geben. Auch seine Frau kann sich diese Tat nicht erklären. 

Sehr gut gefällt mir der Klappentext in dem Buch, dort wird der Strafverteidiger Rocco Eberhardt und der Gerichtsmediziner Dr. Justus Jarmer beschrieben, so dass man schon einen kleinen Einblick bekommt. Die Ereignisse werden aus verschiedenen Perspektiven und in zwei Zeitachsen geschildert. Der sehr nüchterne Schreibstil gefällt mir gut und passt auch zu dem Buch. Weniger haben mir die Schilderungen des Privatlebens des Strafverteidigers gefallen, sie waren mir persönlich einfach zu ausführlich. Da ich sehr gerne und auch viel Krimis lese, war mir eigentlich schon nach den ersten zwanzig Seiten klar, dass Nicolas Nölting ein Motiv haben muss, um diese grausame Tat zu begehen. Ein Motiv, dass auch ausreichend ist, um die Tat ganz anders zu bewerten.  Bedingt durch den Titel "Die 7. Zeugin" habe ich eigentlich noch etwas anderes erwartet, etwas Spektakuläres. Aber leider war es nicht so.

Fazit: Ein gute und auch kurzweilige Geschichte, die ich weiterempfehlen kann.

BEHIND THE DOOR
Der Raum. Die Tat. Das Rätsel.

Lies die Geschichte, erkunde den Tatort und bringe Licht in das Dunkel um einen mysteriösen Kriminalfall. Welche Auffälligkeiten bringen die Ermittlungen voran? Welches Indiz überführt den Täter? BEHIND THE DOOR - spannende und interaktive Kurz-Krimis auf Krimi-Couch.de.

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