Der dreizehnte Mann

  • Knaur
  • Erschienen: März 2022

- Eberhardt & Jarmer ermitteln 2

- Taschenbuch

- 320 Seiten

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Marcel Zenk
88°

Krimi-Couch Rezension vonJul 2022

Recht und Gerechtigkeit

Stell dir vor, du bist ein Kind und verlierst deine Eltern. Vielleicht sind sie gestorben, im Gefängnis oder drogenabhängig. Du brauchst jemanden der sich um dich sorgt. Du brauchst Zuneigung, Liebe und Schutz. Das Jugendamt kümmert sich um dich und vermittelt dich wissentlich an einen pädophilen Mann…

Über 30 Jahre lang bis 2003 haben Berliner Jugendämter Jugendliche und Pflegekinder in die Obhut von pädophilen Männern gegeben. Zurückzuführen ist dies auf Professor Helmut Kentler, der die Auffassung vertrat, dass Kinder aus zerrütteten Familien dann wieder ein geordnetes Leben führen können, wenn sie in die Obhut von Pädophilen gegeben würden.

Auf dieser wahren Begebenheit beruht das Gerichtsdrama um den Anwalt Rocco Eberhardt und den Rechtsmediziner Justus Jarmer.

„Aber zunächst möchte ich dir die Geschichte von einem kleinen Jungen erzählen, dem das Schicksal seit seiner Geburt schlechte Karten in die Hände gespielt hat. Und der dann ohne sein Zutun Opfer eines der schlimmsten Behördenversagen geworden ist, von denen ich je gehört habe. Es ist die Geschichte von Timo Krampe.“

Timo Krampe sucht seinen Freund Jörg Grünwald, denn beide wollen zusammen ein Interview führen und einen Skandal aufdecken. Doch sein Freund wird tot aufgefunden. Die Todesumstände sind mysteriös. Erreicht das wohl gehütete Geheimnis die Öffentlichkeit bevor noch mehr Menschen ums Leben kommen müssen? Eberhardt und Jarmer ermitteln in einem Fall der weit in hohe politische Kreise reicht.

Ein Dreiergespann sucht nach Antworten

Rechtsanwalt Rocco Eberhardt, der normalerweise Straftäter verteidigt, ist jetzt auf der Opferseite aktiv. Zusammen mit dem Rechtsmediziner Justus Jarmer und der Staatsanwältin Claudia Spatzierer ermittelt er im Fall des Toten Jörg Grünwald.

Man findet hier jedoch nicht den typischen Kriminalroman vor, denn weit und breit ist kein Kriminalkommissar unterwegs. Die Justiz ermittelt sozusagen selbst und mit ihren ganz eigenen Methoden. Zum Schluss kommt eine spannende Gerichtsverhandlung mit einem wunderbaren Plot-Twist. Das Buch bleibt bis zur letzten Seite spannend, wobei am Ende noch das Rätsel um den Buchtitel aufgelöst wird.

Heldenhafte Hauptprotagonisten

Schwiecker und Tsokos schaffen ein effizientes und interessantes Ermittlerteam. Eberhardt ist ein fleißiger Rechtsanwalt mit außergewöhnlichen Methoden, der weiß, wie er mithilfe seines Privatermittlers an Informationen gelangt. Ein absoluter Allrounder, der für die Gerechtigkeit lebt und arbeitet und dabei über die Grenzen der Tätigkeit als Rechtsanwalt hinaus geht. Ein nahezu perfekter Charakter ohne Macken und negativer Eigenschaften. Justus Jarmer ist ein detailgetreuer Rechtsmediziner, der sich gerne in Fälle hineinfuchst und dessen Motivation ebenfalls weit über seine Berufsbezeichnung hinausgeht.

Tsokos als Co-Autor

Wenn man sich jedoch, wie bei mir, aufgrund der Mitarbeit des Rechtsmediziners Michael Tsokos auf rätselhafte, schaurige und detailgetreue Szenen bei der Leichensezierung a la Simon Beckett freut, dann wird man enttäuscht. Denn die Szenen in der Rechtsmedizin sind kurz, wenig detailliert und nehmen im Plot keine zentrale Rolle ein.

Außer eine lauwarme, sich anbahnende Liebesbeziehung gibt es keinen nennenswerten Nebenplot, den dieses Buch aber aufgrund seines guten Plots und ergreifender Spannung nicht braucht.

Besonders überzeugt der Justiz-Krimi durch seinen sehr bildhaften und flüssigen Schreibstil und kurzen Kapiteln. Es steht kein Wort zu viel im Buch und der Erzählstrang ist konsequent, ohne Abschweifungen und trotzdem abwechslungsreich.

Fazit

Ein trauriges und abscheuliches Thema verpackt in einem wahnsinnig rasanten und emotionsgeladenen Justiz-Krimi. Schwiecker und Tsokos wissen wie sie ihre LererInnen in Atem halten.

Der dreizehnte Mann

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Der dreizehnte Mann

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