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Sabine Bongenberg
Würde das Kind doch öfter mal schweigen!

Buch-Rezension von Sabine Bongenberg Jun 2020

Dem Rechtsanwalt Björn Diemel müsste es eigentlich bestens gehen: Nach seinem Achtsamkeitskurs änderte er sein Leben, brachte diejenigen, die ihm am allermeisten auf den Zeiger gingen, konzentriert und liebevoll um die berühmte Ecke und konnte sein Leben neu ordnen. Was also ist es, das seine Unzufriedenheit mit seinem Leben und seine Dauer-Schlechte-Laune jetzt neu befeuert? Immerhin ist Diemel bewusst, dass das was einmal funktionierte auch vermutlich beim zweiten Mal klappt und so bucht er einen neuen Kurs bei seinem Lieblings-Therapeuten Joschka Breitner.

Breitner gelingt es innerhalb von kürzester Zeit das Rätsel um das Stimmungstief zu lösen: Er identifiziert das lange vernachlässigte und jetzt endlich Achtung einfordernde „Innere Kind“ in seinem Klienten als Störenfried. Offensichtlich muss diesem Kind mehr Achtung, Platz bei Entscheidungen und generell mehr Lebensraum eingeräumt werden. Was aber tun, wenn das „Innere Kind“ eher blutrünstige Interessen hat?

Kind – halt endlich mal die Klappe

In seinem ersten Buch „Achtsam Morden“ drehte Karsten Dusse die oft bekannte und benannte Forderung nach mehr Achtsamkeit sarkastisch auf links. Der gestresste Anwalt Björn Diemel lernte mit Hilfe seines Therapeuten Joschka Breitner in seinem Leben achtsam mit seinen Interessen und mit seinen Zielen umzugehen. Er stellte dabei aber auch alsbald fest, dass sich diese Ziele am besten im kriminellen Milieu und durch Taten, die im Strafgesetzbuch aufgelistet sind, verwirklichen ließen. Mit seinem neuen Roman „Das Kind in mir will achtsam morden“ wird nun der zweite Band des nun achtsamen Ich-Erzählers vorgelegt, der sich nun – zeitgeistig – mit seinem „Inneren Kind“ auseinandersetzen muss.

Unglücklicherweise handelt es sich bei diesem Kind um ein sehr quengeliges und nerviges, denn sehr schnell wird jeder Wunsch des Anwalts mit dem kleinen Quälgeist diskutiert oder von diesem formuliert. Damit findet sich das Kind dann mit mindestens ein bis zwei Nennungen auf fast jeder Seite und gelegentlich sogar mehrfach in einem Absatz. Natürlich kann ich nicht absehen, wie es den anderen Lesern damit geht, aber die Erwachsene in mir fühlte sich davon abschnittsweise gewaltig genervt.

Nervig ist auch, dass sich Dusse offensichtlich dazu berufen sieht, für die Eltern, die ihre Kinder quasi mit dem Geländewagen am liebsten bis in die Kita hereinfahren würden eine Lanze und auch noch einen Kleinkrieg von Zaun zu brechen zu müssen, sofern jemand es tatsächlich wagt, der geliebten kleinen Tochter Emily einmal einen Wunsch nicht zu gewähren. So ist es offensichtlich ein Drama, dass die – natürlich – adipöse Kita-Praktikantin seiner Tochter Emily versucht, das geliebte – und alsbald permanent heraufbeschworene und erwähnte – „Fruchtquetschie“ auszureden.

Mit fortschreitender und nerviger Dauer der Nennungen war ich hier schon fast versucht, eine Bürgerbewegung gegen die Fruchtquetschies ins Leben zu rufen und anzuführen. Im Gegensatz dazu ist wieder gut erzählt, wie ein Trupp überengagierter Eltern mit einer einfachen Frage nach Plastikvermeidung umgehen kann und plötzlich Aspekte wie ein Komplettaustausch der Heizung, die vollständige Umstellung der Speisepläne und überhaupt die ganze Klaviatur des Gutmenschentums diskutiert werden muss.

Er kann es doch noch

Dusse beginnt mit dem neuen Buch erst richtig zu punkten, nachdem der erwachsene Björn Diemel mit seinen teilweise unbeholfenen Aktionen im Gangsta-Milieu und der Neigung, ein Unheil nach dem anderen heraufzubeschwören, ohne nervige Ableger in Erscheinung tritt. Hier trifft man auf einmal wieder auf die Szenen, die man im ersten Buch zu schätzen lernte – groteske Planspiele, die manchmal trotzdem funktionieren und die manchmal so gnadenlos vor die Wand fahren, dass es eine schwarzhumorige Freude ist. Hier kann Dusse sogar manchmal durch spezielle Erzähltechniken einen drauf setzen, so zum Beispiel in der grandiosen Szene, in der ein Tatort wie ein Kunstwerk beschrieben wird. Das ist großes Kino.

Eine letzte Frage hätte ich dann doch noch – womit verdient Björn Diemel eigentlich seinen Lebensunterhalt? Natürlich ist er von der Nennung her Rechtsanwalt, in Urlaub fährt er auch, aber wann arbeitet der Mann eigentlich mal geregelt? Das ist aber wieder nur eine Frage meiner Inneren Erwachsenen, die auch immerhin versöhnt mit Diemels neuesten Eskapaden abschließen konnte.
Für diejenigen die sich Björn Diemels neue Eskapaden lieber als Hörbuch zu Gemüte führen, übrigens noch ein Hinweis: Anders als im ersten Band liest jetzt der Autor selbst und nicht der Schauspieler Matthias Matschke.

Fazit:

Unglücklicherweise muss der Leser eine längere Durchstrecke überwinden, bis er zu den gelungenen Teilen des Romans kommt. Er hat so häufig Zeit, sich die Frage zu stellen, ob es sich hier in erster Linie um ein Eisen handelt, das nach dem Erfolg des ersten Buches schnell weiter geschmiedet werden soll oder ob der Autor tatsächlich so eine gute, neue Idee hatte, die zwangsläufig wieder zu einem neuen Roman führen musste. Streckenweise war ich – ehrlich gesagt – eine Anhängerin der ersten These, ab dem zweiten Drittel fühlte ich mich endlich aber wieder gut unterhalten.
 

Das Kind in mir will achtsam morden

Das Kind in mir will achtsam morden

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