Wisting und der fensterlose Raum

Erschienen: Oktober 2019

Bibliographische Angaben

Andreas Brunstermann (Übersetzer)

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Jörg Kijanski
Die Lösung liegt in der Vergangenheit

Buch-Rezension von Jörg Kijanski Apr 2020

Im Mai 2003 fand ein spektakulärer Raubüberfall am Flughafen Gardermoen statt, der bis heute nicht aufgeklärt ist. Ausländische Währungen im Wert von rund 80 Millionen Kronen verschwanden spurlos, doch jetzt gibt es eine überraschende Entwicklung. Bernhard Clausen, einst hochrangiger Politiker der Sozialdemokraten und zum damaligen Zeitpunkt norwegischer Außenminister, verstirbt an einem Herztod. In seiner Wochenendhütte finden sich in einem fensterlosen Raum mehrere Pappkartons mit ausländischen Geldscheinen, die dem damals gestohlenen Betrag entsprechen.

Aber kann es wirklich sein, dass ein amtierender Außenminister an einem Raubüberfall beteiligt war? Und warum wurde das Geld nie angerührt? Generalstaatsanwalt Johan Olav Lyngh bittet William Wisting in dieser streng vertraulichen Angelegenheit zu ermitteln, denn sollte es zwischen dem gefundenen Geld und dem Überfall tatsächlich einen Zusammenhang geben, wäre das womöglich politisch höchst brisant. Wisting und sein Kriminaltechniker Espen Mortensen übernehmen den seltsamen Fall und erhalten den Hinweis, dass es damals einen anonymen Hinweis gab, man möge sich doch Bernhard Clausen „im Hinblick auf den Fall Gjersjo“ ansehen.

Am Tag des Raubüberfalls wurde Simon Meier vermisst gemeldet, der zwei Tage zuvor das letzte Mal am See Gjersjo gesehen wurde. Bis heute ist sein Verschwinden nicht aufgeklärt, weshalb sich die Cold Case Unit der Kriminalpolizei erneut mit dem Fall beschäftigt. Kann man - mit den technischen Möglichkeiten von heute - dem alten Fall neue Erkenntnisse entlocken?

Wiedersehen mit alten Bekannten

Wisting glaubt, dass beide Fälle zusammenhängen und bittet seine Tochter Line, eine frei arbeitende Journalistin, in das Ermittlungsteam einzusteigen. Sie soll das Verschwinden von Simon Meier untersuchen und dabei unauffällig damalige Zeugen befragen. Vielleicht ergeben sich Hinweise auf eine Verbindung.

Den „Cold Case Meier“ bearbeitet bei der Kriminalpolizei Adrian Stiller, mit dem Wisting vor einem Jahr schon einmal zusammengearbeitet hat („Wisting und der Tag der Vermissten“) und so findet das „alte Team“ (Wisting, Line und Stiller) erneut zusammen. Wie schon beim Vorgänger pflegt Autor Jorn Lier Horst einen geruhsamen Schreibstil, Action und hohes Tempo sind nicht seine Sache, gleichwohl kann man den Roman zügig durchlesen.

Horst, früher selbst als Chefermittler bei der Polizei tätig, beschreibt den Arbeitsalltag der Ermittler sehr kenntnisreich und weiß, dass sich Erfolge nicht immer sofort einstellen. Mühsam werden frühere Zeugen aufgesucht und befragt, nach und nach finden sich kleine Mosaiksteine, die neue Erkenntnisse liefern, doch bei der entscheidenden Frage, wie ein Außenminister in die Fälle verwickelt sein könnte, kommen die Ermittler nicht voran.

Doch der zeitliche Faktor ist schlicht zu eindeutig, zumal Simon Meier in derselben Straße aufgewachsen ist, wie der ein Jahr ältere Lennart Clausen, der 2003 verstorbene Sohn des Politikers. Während die Ermittlungen voranschreiten, werden die damals Beteiligten ebenfalls aktiv, denn sie haben auch nach über zehn Jahren das Geld längst nicht vergessen. Derweil verbeißt sich Wisting in die Ermittlungen, jedoch nicht, ohne weiterhin Zeit für sein geliebtes Enkelkind Amalie zu finden.

Fazit:

Die Cold-Case-Reihe mit William Wisting ist für Freunde „ruhiger“ Krimikost genau das Richtige. Kein Technik-Schnickschnack, keine alles überbordende Action, und kein Ermittler, der knietief im Blut watet und im Drogenrausch den Fall klärt. Nein, Wisting ist ein ganz normaler Mensch, was in der Welt der skandinavischen Krimis eher eine Seltenheit ist. Horst nimmt sich Zeit für seine Figuren, allen voran für Wisting, Line und die zweijährige Amalie, ohne dabei den Kriminalfall (hier sind es ja gleich zwei) zu vernachlässigen. Einige Wendungen sorgen für Überraschungen und am Ende wird sogar ein wenig auf die Action-Taste gedrückt. Die Verbindung zwischen dem aktuellen Geschehen und den Ereignissen aus der Vergangenheit ist eine nette Kombination, die für spannende und entspannende Unterhaltung gleichermaßen sorgt.

Wisting und der fensterlose Raum

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Letzte Kommentare:
17.04.2020 18:23:55
Manfred Fürst

5.364.400 $, 2.840.800 ₤, 3.129.200 € in einem „fensterlosen Raum“ einer Hütte und ein toter norwegischer Ex-Außenminister, das sind die Zutaten für den Thriller „WISTING und der fensterlose Raum.“ William Wisting und Kriminaltechniker Mortensen sollen im Auftrag des Generalstaatsanwaltes die Herkunft des Geldes herausfinden. Eines steht jetzt bereits fest: Es ist kein gebunkertes Parteigeld der Sozialdemokraten.

Line Wisting, alleinerziehende Mutter und Tochter von William, freischaffende Journalistin, darf natürlich bei den Recherchen um Geld und Toten nicht fehlen. Line ist clever, intelligent und investigativ; ebenso dabei Adrian Stiller von der Kripo. Während sich die Ermittlungen von Wisting von einem aktuellen Fall weit in die Erforschung der Vergangenheit entwickeln, kommt Stiller mit einem Cold Case. Viele lose Fäden.

Auch wenn der ruhige Erzählstil auf ein lineares Ermittlungsergebnis schließen lässt, entwickelt sich die Situation komplett anders – zu einem echten Thriller: Zunächst brennt die Hütte des gestorbenen Politikers ab – nicht von selbst.

„Die wichtigsten Metapher für eine Ermittlung lauten nicht Schlüssel und Schloss, sondern Puzzlespiel. Manchmal allerdings gab es einfach zu viele Puzzlestücke, und andere gehörten sogar zu einem anderen Spiel“ (William Wisting).

William Wisting unaufgeregt akkurat, authentisch, kompetent und unbestechlich.

Die penible spannungsgeladene Ermittlungsarbeit ohne vordergründige Aktion mit blutrünstigen Serienmördern und abgeschlachteten Opfer. Kein stilistisches Highlight, aber ein Schreibstil der die Leselust fördert.

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