Wisting und der Tag der Vermissten

Erschienen: Oktober 2019

Bibliographische Angaben

Andreas Brunstermann (Übersetzung)

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Jörg Kijanski
Der etwas andere Skandinavien-Krimi

Buch-Rezension von Jörg Kijanski Dez 2019

Am 10. Oktober 1989 verschwand Katharina Haugen aus ihrer Wohnung; ein Fall, der bis heute ungelöst ist. Seitdem sind 24 Jahre vergangen und Hauptkommissar William Wisting, Leiter der Polizeidirektion der Gemeinde Larvik, hat es sich zur Gewohnheit gemacht, den Ehemann der Vermissten, Martin Haugen, am Jahrestag zu besuchen. Der Cold Case lässt Wisting keine Ruhe, zumal er auch eine Botschaft, die Katharina offenbar auf dem Küchentisch zurücklies, bisher nicht knacken konnte (Originaltitel: „Katharina-Koden“).

Wie in solchen Fällen üblich, wurde zunächst ihr Mann verdächtigt, doch arbeitete Martin am Tag des Verschwindens auf einer Baustelle, die rund 700 Kilometer von der gemeinsamen Wohnung entfernt lag, womit er ein solides Alibi hat, denn dank seiner Kollegen sind nur sieben Stunden seines Tagesablaufs unbestätigt. Er hätte es zeitlich mit Hin- und Herfahren nicht schaffen können.

Dieses Jahr ist jedoch etwas neu, denn Martin ist nicht wie gewohnt am Jahrestag zuhause, dabei hatten Wisting und er sich sogar ein wenig angefreundet. Zudem erhält Wisting Besuch von dem jungen Polizisten Adrian Stiller von der Kripo aus Oslo. Stiller arbeitet dort bei einer neu gegründeten Cold-Cases-Unit und geht dem Verschwinden von Nadia Krogh nach.

Die junge Frau verschwand im September 1987 nach einer Party, die sie mit ihrem Freund besucht hatte. Es kam zum Streit, Nadia ging und seither fehlt jede Spur von ihr. Damals gab es nach ihrem Verschwinden zwei Briefe, in denen die reichen Eltern aufgefordert wurden, hinter einem Kiosk drei Millionen Kronen zu verstecken. Doch nach dem zweiten Brief endete der Fall völlig unerwartet. Nun gibt es heiße Spur, denn dank moderner Techniken konnten auf einem der beiden Erpresserbriefe erstmals Fingerabdrücke entdeckt und einer Person zugeordnet werden: Martin Haugen.

Wisting ragt aus der Masse skandinavischer Ermittler wohltuend heraus

Kaputte, oft psychisch labile Ermittler mit Alkohol- oder Drogenproblemen, zerstörte Familien, deren Angehörige ebenso gebrochen sind; das sind die Merkmale der meisten Skandinavien-Krimis. Zumindest aber ist es ein gängiges Bild, dass man von diesen Romanen hat: Irgendwelche desolaten Zustände, in denen sich der Protagonist oder dessen privates Umfeld befindet. Da kommt ein Ermittler wie William Wisting angenehm langweilig-normal daher, denn seine private Welt ist in Ordnung, sieht man einmal davon ab, dass seine Frau vor einigen Jahren verstarb. Dafür wohnt seine alleinerziehende Tochter Line mit Amalie direkt auf der anderen Straßenseite, so dass der Großvater sehr viel Zeit mit seinem Enkelkind verbringen darf. Sohn Thomas ist beim Militär, kommt aber ebenfalls in regelmäßigen Abständen zu Besuch. Heile Familienwelt in einem Krimi aus Norwegen, das hat Seltenheitswert.

Wisting ist ein scharfsinniger und verbissener Ermittler

Überhaupt ist William Wisting angenehm entspannt, allerdings gleichwohl ein scharfsinniger und verbissener Ermittler. Besessen trifft es in „Wisting und der Tag der Vermissten“ wohl besser, dem ersten Band einer neuen Reihe um den bekannten Protagonisten, dessen Autor Jorn Lier Horst schon zahlreiche Preise gewinnen konnte. Mit dem vorliegenden Band startet die Wisting-Cold-Cases-Reihe, deren zweiter Band „Wisting und der fensterlose Raum“ bereits zeitnah im Januar 2020 erscheinen wird.

In dem ersten Fall arbeiten Wisting und Tochter Line unbeabsichtigt zusammen, denn die durch Elternteilzeit freigestellte Journalistin soll über die Wiederaufnahme des Falls Nadia Krogh exklusiv berichten. Eingefädelt hat dies Adrian Stiller, den ebenfalls ein dunkles Geheimnis umgibt. Der Serienauftakt kommt etwas unscheinbar daher, denn die Zahl der Verdächtigen erstreckt sich aufgrund der neu gefundenen Fingerabdrücke auf genau eine Person.

Was folgt ist akribische Polizeiarbeit, die kleinteilig beschrieben wird. Dabei nähert sich Wisting seinen befreundeten Verdächtigen in einer klassischen Kammerspielsituation, wozu sich die beiden auf ein gemeinsames Wochenende in Haugens abgeschiedener Hütte begeben.

Fazit:

Die unaufgeregt handelnde Hauptfigur wirkt äußerst erfrischend für einen nordeuropäischen Krimi und auch die Nebenfiguren - Line und Stiller - kommen sympathisch rüber. Der Spannungsbogen könnte zwar deutlich höher ausfallen, das entstehende Katz-und-Maus-Spiel zwischen Wisting und Haugen ist jedoch durchaus lesenswert. Wer „ruhige“ Plots mag, macht bei diesem Serienstart nichts falsch.

Wisting und der Tag der Vermissten

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26.01.2020 17:00:37
Manfred Fürst

Wenn also in “Cold Cases” wieder ermittelt wird und ein ehemaliger KHK der norwegischen Polizei der Autor ist, dann kann nur ein authentischer Krimi entstehen. Ohne die für skandinavischen Krimis obligatorischen perversen Täter mit ihren malträtierten Opfern und sozialkritischen Anklagen, dafür aber mit unabdingbarer Spannung auf 448 Seiten und einer Auflösung der „alten Fälle.“

An einem 10. Oktober vor 24 Jahren verschwand Katharina Haugen. Damals fand die Polizei auf dem Küchentisch den „Katharina Code“, eine Ansammlung von Zahlen und Strichen, die über drei senkrechte Linien verteilt waren. „Katharina-Koden“ der norwegische Originaltitel. Kommissar William Wisting, ein Cold-Cases-Besessener will herausfinden was damals geschah. Deshalb hält er seit 24 Jahren an jedem 10. Oktober „Kontakt“ mit dem damaligen Hauptverdächtigen Martin Haugen, weil ihm sein Bauchgefühl sagt, dass es in diesem Vermisstenfall noch etwas zu entdecken gibt.

Ruhig und authentisch beschreibt J. L. Horst den Alltag Wistings, wie es nur ein ehemaliger Kommissar vermag – mit literarischer Begabung.

Der gewiefte Krimifan, ohne einem paranoiden Anfall zu erliegen, zweifelt die Echtheit des jungen EU-Kommissars Adrian Stiller der Cold-Case-Unit aus Oslo an, vermutet einen Einschleich-Polizisten, der unseren Wisting „hineinlegen“ will. Aber alles scheint echt zu sein. Stiller hat ein Indiz aus einem zweiten Vermisstenfall „Nadia Krogh“, zwei Jahre vor dem Entführungsfall Katharina Haugen, nämlich Fingerabdrücke von Martin Haugen auf dem Erpresserbrief.

Mit verdeckter Polizeiarbeit unter der Leitung von William Wisting und lancierter Pressarbeit unter der Leitung von Line Wisting will Stiller zum Erfolg kommen. Wisting zum Quadrat, ein genialer Schachzug von Stiller?

Auf 88 Kapiteln wird ein Spannungsbogen erzeugt, der vom Psychoduell Marin Haugen gegen William Wisting dominiert wird. Wie ein Bühnenstück mit zwei Hauptakteuren. Stiller und Hammer, ein Kollege von Wisting arbeiten im Hintergrund mit allerlei technischen Hilfsmittel, um auf dem „Laufenden“ zu bleiben. Haugen und Wisting befinden sich auf einer Bergtour, Wistings Handyakku ist leer, die Lage spitzt sich zu. Während Wisting „in sich ruht“ und beharrlich sein Ziel verfolgt ist Stiller das Gegenstück. Ungeduldig will er Haugen mit Psychoricks aus der Reserve locken.

Dieser „ruhige Plot“ gleicht einem minutiösen Tagebuch Wistings Ermittlungsarbeit mit familiären Anreicherungen durch seine Tochter, sein Enkelkind und seinen Sohn.

Keine Effekthascherei, eher ein Tatsachenbericht, genial umgesetzt von J. L. Horst. Zurecht ein vielfach ausgezeichneter Bestseller-Autor. Fortsetzung folgt.

19.01.2020 19:57:21
miss.mesmerized

Kurz vor dem 10. Oktober, wie in jedem Jahr seit 24 Jahren, holt William Wisting die Unterlagen zu dem ungelösten Fall von Katharina Haugen hervor und studiert die Ermittlungsergebnisse, immer in der Hoffnung, doch noch etwas Neues zu entdecken, das den Fall lösen könnte. Er wird wieder zu Martin Haugen, dem Ehemann, fahren, mit dem ihn inzwischen fast so etwas wie eine Freundschaft verbindet. Doch dieses Mal entsprechen gleich zwei Dinge nicht den üblichen Routinen: Martin Haugen ist nicht zu Hause als Wisting ihn aufsucht, stattdessen sieht der Kommissar, dass überall Überwachungskameras angebracht wurden. Und Adrian Stiller interessiert sich plötzlich für den Mann. Der Sonderermittler einer neuen Einheit, die Cold Cases neu aufrollt, untersucht eigentlich den Vermisstenfall Nadia Krogh, in dessen Zusammenhang nun Spuren zu Martin Haugen führen. Beide Fälle liegen mehr als zwei Jahrzehnte zurück, da ist die Chance gering, sie noch zu lösen, aber manchmal benötigen Menschen einfach Zeit, bis sie sich offenbaren.

Jørn Lier Horst hat mit der Reihe um alte Fälle für seine Serie um den norwegischen Kommissar William Wisting quasi einen eigenen Ableger geschaffen. Der Fall um den mysteriösen Code, den die verschwundene Katharina hinterlassen hat, ist im Original der zwölfte der inzwischen vierzehnbändigen Reihe, die deutsche Zählung beginnt mit diesem eine neue, führt aber vor allem das Privatleben Wistings und seiner Tochter Line fort. Nichtsdestotrotz lässt sich der Krimi auch problemlos als Einstieg in die Serie, unabhängig von den Vorgängern, lesen.

Zunächst scheint die Suche nach Katharina in eine Sackgasse zu führen, alle Spuren sind ausgewertet und bei genauer Betrachtung ihrer Lebensgeschichte, liegt es auch nahe, dass die Frau einfach untergetaucht ist und sich an einem anderen Ort ein neues Leben aufgebaut hat. Auch der zweite Fall um die Industriellentochter, deren Verschwinden schnell zu einem Entführungsfall wird, klingt zunächst nicht besonders vielversprechend, was eine Lösung nach so langer Zeit angeht. Doch unerwartet wird mit viel psychologischem Geschick wird der Täter in die Enge getrieben, ein riskantes Manöver, das jedoch von den Ermittlern geschickt eingefädelt wird und letztlich die losen Enden miteinander verknüpft.

Wisting bleibt sich auch in diesem Fall treu. Unprätentiös und lebensnah ist er nicht der Superheld, sondern arbeitet mit seinen Kollegen im Team und offenbart bei der Beaufsichtigung seiner Enkelin auch dramatische Schwächen. Das Menschliche, das sich bei ihm zeigt, ist es auch, dass ihn antreibt, er will Gerechtigkeit für die Hinterbliebenen und verstehen, was einen Mörder so weit treibt, einem anderen das Leben zu nehmen. Gerade auch sein Privatleben, das wieder einmal unmittelbar mit seinem Beruf verbunden wird, lässt ihn authentisch und erfrischend normal wirken. In dieser Hinsicht ist ein typischer Nordic noir Krimi, ihm fehlen jedoch die düsteren, geradezu depressiven Aspekte, die sich auf den moralischen und gesellschaftlichen Verfall beziehen, womit sich Jørn Lier Horst deutlich von anderen skandinavischen Spannungsromanen abhebt.

05.01.2020 23:41:42
WatsonandFriends

Ich kann mich meinen Vorrednern nur anschließen! Wer gerne ruhige, bedächtige Krimis mit einem tollen „normalem“ Ermittler und einem super Team dahinter liest, der ist hier genau richtig! Eine Story die sich von Seite zu Seite immer weiter aufbaut und man möchte unbedingt erfahren was tatsächlich passiert ist! Absolut empfehlenswert und der Beste Jørn Lier Horst den ich bis jetzt gelesen habe! Dieses war mein fünftes Buch von ihm und der 2. Teil der Cold Case Reihe Wisting und der fensterlose Raum liegt bereits auf meinem Nachtschrank! Einfach ein toller Autor!

30.12.2019 13:18:17
mrs rabes bookaccount

Vor 24 Jahren verschwand Katharina Haugen n einem Tag im Oktober spurlos. Jedes Jahr, wenn sich der Tag ihres Verschwindens jährt, durchforstet Kommissar William Wisting die Fallakten. Jedes Jahr besucht er Katharinas Ehemann Martin, zu dem der Polizist ein Vertrauensverhältnis aufgebaut hat. Doch heuer ist etwas anders. Martin Haugen selbst ist nicht auffindbar und aus Oslo reist Adrian Stiller, ein Ermittler der Sondereinheit für Cold Cases reist an. Und er hat Neuigkeiten, die Martin mit einem anderen sehr lange zurückliegenden Fall verbindet.
Jørn Lier Horst ist ein ganz großer Kriminalschriftsteller in Norwegen, seine Krimireihe über William Wisting hat dort Kultcharakter. „Wisting und der Tag der Vermissten ist eigentlich schon der 12. Band aus einer ganzen Serie, von der auf Deutsch zu vor sogar (leider unbeachtet) sechs Bände veröffentlicht wurden. Es ist aber auch der Auftakt der „Cold Case“ Reihe. William Wisting ist nicht mehr der Jüngste, er ist verwitwet, verbringt gerne seine Freizeit mit seiner Tochter Line und dem Enkelkind Amalie. Wisting ist bei allem, was er tut sehr bedacht. Er hat ein ganz besonderes Berufsverständnis, philosophiert über Schuld und Gerechtigkeit. Es ist nicht die Gewalt, die sein Beruf mit sich bringt, die ihn fasziniert, sondern, dass er Dinge zu einem Abschluss bringen kann. Und so wie William Wisting ist auch das Buch bedächtig, fernab von exzessiver Gewalt und dunkler Melancholie. Der Autor lotet menschliche Abgründe aus ohne zu verstören. Für mich, auch wenn das Jahr 2019 jetzt schon fast zu ende ist, noch eines der Highlights dieses Jahres!

27.12.2019 19:01:06
Miss Marple

Wistings 1. Runde
Seit 24 Jahre folgt Kommissar Wisting einem Ritual- er besucht Martin Haugen, dessen Frau seit 24 Jahren vermisst wird, immer am Tag ihres Verschwindens. In der langen Zeit hat sich eine Art Freundschaft zwischen beiden entwickelt. Dieser Cold Case lässt ihn nicht ruhen und er nimmt ihn wieder auf, als ein Ermittler einer Euro-Unit für ungelöste Fälle aus Oslo anreist. Schnell stoßen sie auf einen weiteren Fall, der etwas weiter zurückliegt und dessen gemeinsamer Nenner Martin Haugen ist. Nun beginnt für Wisting ein langsames Herantasten an den Verdächtigen.
Der Autor lässt seinen Kommissar in langsamen Gewässern fahren. Hier ist nichts reißerisch. Schritt für Schritt drehen sich die Ermittlungen in einer Spirale um den Verdächtigen und schon bald wird auch dem Leser bewusst, dass er sich auf dem richtigen Weg befindet. Parallel dazu arbeitet Wistings Tochter als Journalistin an der Sache, was weitere Spannung erzeugt. Wisting ist als Figur gut angelegt. Ihn aber auf dem Buchcover als besten Kommissar Norwegens zu bewerben, finde ich übertrieben. Wir erfahren über sein bisheriges Leben und seine familiären Verhältnisse. Dieses wird hoffentlich in den Folgebänden weiter ausgebaut.

27.12.2019 17:39:19
Vielleser

Ein angenehmer ruhiger Krimi. Lässt sich gut lesen.
Handlung entwickelt sich Stück für Stück! Mal keine Brutalität, sehr positiv.
Ist der erste Roman von diesem Autor, den ich gelesen habe, weitere werden sicher folgen.

22.12.2019 18:16:04
Leselottchen

Interessanter Cold Case aus Norwegen
William Wisting, das ist die Hauptfigur einer norwegischen Krimireihe, die ich schon vor zwei Jahren für mich entdeckt habe. Und nun startet mit diesem sympathischen, etwas eigenbrötlerischen Kommissar eine neue Cold Case Buchreihe, auf die ich mich sehr gefreut habe.
Der Fall hört sich äußerst spannend an. Vor 24 Jahren verschwindet Katharina Haugen. Wisting kann den Fall bis heute nicht klären, doch er beschäftigt ihn so sehr, dass er die Akten zuhause lagert und sie immer wieder von neuem durcharbeitet. Der von Katharina zurückgelassene Zettel beinhaltet verschiedene Zahlen, nach deren Bedeutung er unaufhörlich sucht. Kann er den sogenannten Katharina-Code nach so langer Zeit doch noch knacken. Bringt ihn die lockere Freundschaft mit Katharinas Ehemann Martin Haugen weiter oder behindert ihn diese eher?
In die Karten spielt ihm ein junger Kollege namens Adrian Stiller, der damit betraut wird, Cold Cases neu aufzurollen. Und er holt Wisting ins Team.
Auf den Tisch kommt ein anderer Vermisstenfall. Doch das Mysteriöse ist, die Fingerabdrücke von Katharinas Ehemann werden nun auch mit diesem Fall in Verbindung gebracht. Vor Jahren verschwand bei einer Party ein junges Mädchen, Nadia Krogh. Eine Unternehmerstochter, deren Vater Tage später eine Lösegeldforderung erhält. Auch sie ist nie mehr aufgetaucht.
Wichtig wird auch Wistings Tochter Line, die mit ihrem kleinen Töchterchen neben dem Kommissar wohnt. Als Journalistin wird sie von Stiller mit ins Boot geholt. Sie soll die Menschen hellhörig machen und ihr Interesse an dem Verschwinden von Nadia neu entfachen.

Ein absolut fesselnder Kriminalroman, der mir einige lesevergnügliche Stunden auf dem Sofa beschert hat. Die Story ist so fesselnd, dass ich das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen wollte. Kommissar Wistings Ermittlungsarbeiten sind eher wohlüberlegt und leise. Er neigt nicht zu unüberlegten Taten und wer mit Grausamkeiten oder blutigen Szenen rechnet, sucht sie in diesem Krimi vergebens. Die Situationen überschlagen sich nicht, man kann bei Wisting eher sagen, in der Ruhe liegt die Kraft. Genau das zeichnet seine Ermittlungen aus, immer dran zu bleiben und aus jeder Gegebenheit das beste rauszuholen. Gleichwohl lernt man auch die private Seite dieses Mannes kennen. Als Witwer freut er sich über seine kleine Enkelin, auf die er ganz gerne aufpasst. Seine kleine Familie ist ihm wichtig.
Ich mag diese Art von skandinavischen Krimis, die sehr naturverbunden in wunderschönen Landschaften spielen.
Die Schreibweise dieses Autors gefällt mir außerordentlich gut, man ist gleich mitten im Geschehen, egal ob man die Vorgänger Reihe mit diesem Ermittler kennt oder nicht. Die Fälle mit Wisting sind wirklich lesenswert und ich freue mich auf weitere Bücher mit diesem interessanten Kommissar. Einen kleinen Vorgeschmack gibt's schon auf den letzten Seiten des Buches.
Das Cover passt zum Land und zum Titel. Der dickgedruckte Name Wisting hat mich gleich neugierig gemacht.