Blutgott

Erschienen: April 2020

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Andreas Kurth
Perverser Killer sucht im Darknet nach Gleichgesinnten

Buch-Rezension von Andreas Kurth Jul 2020

Rasant. Blutig. Spannend. Ekelhaft. Alle diese Bezeichnungen treffen auf den jüngsten Thriller von Veit Etzold zu. Der Autor verliert keine Zeit, nach dem bereits auf dem Buchrücken angekündigten, äußerst brutalen Mord im ICE zwischen Dortmund und Frankfurt geht es ohne Verzögerung weiter. Obwohl nicht zuständig, wird über befreundeten Ermittler des BKA das Team des LKA Berlin nach Nordrhein-Westfalen gerufen. Mit Martin Friedrich - von allen nur MacDeath genannt - gehört ein ausgewiesener und bekannter Spezialist dazu. Zufällig ist er auch der Ehemann von Clara Vidalis.

Der Anführer der Zug-Mörder wird per Video identifiziert, und ist auch sofort geständig. Allerdings ist er noch nicht 14 Jahre alt, also noch nicht strafmündig. Das weiss er offenbar auch ganz genau. Das gilt auch für den nächsten Täter, der sein Opfer in Hannover grausig zurichtet. Der Junge empfängt die Polizisten mit den Worten: “Ihr könnt mir gar nichts!”

Wegen Nicht-Zuständigkeit muss das LKA-Team schon bald zurück nach Berlin, beschäftigt sich aber dennoch weiter mit den ebenso rätselhaften wie brutalen Taten. Als dann aber am Kottbusser Tor ein übles Massaker angerichtet wird, wieder von Minderjährigen, die nicht strafmündig sind, ist es ein Fall für Clara und ihre Kollegen. Die Ermittlungen verlaufen zunächst chaotisch, vor allem, weil den Polizisten nicht klar ist, wie die Morde zusammenhängen. Doch dann finden sie einen Blog-Eintrag.

“Es gibt da ein Element”, sagte Hermann, “das all diese Killer verbindet. Eine Art gemeinsamer Code. Alle hatten diverse Gespräche, Chats und E-Mail-Verkehr im Dark Web und auch im Clear Web und 4chan mit einer Person.”
“Und wie heißt diese Person?”
“Zu Beginn nur B.G.666.”
Clara hob den Kopf. “Ist das dieser BG666, den wir schon mal gesehen haben?”
“Richtig”, sagte Hermann, “und das scheint auch genau der zu sein, der uns hier gerade dieses Entbeinen-Video zeigt.”
“Zu Beginn BG666”, sagte Winterfeld, “was heißt hier zu Beginn? Und danach? Oder jetzt?”
“Jetzt”, sagte Hermann, “vervollständigt diese Person aber die Abkürzung zu einem vollständigen Namen.”
“Und der lautet?”
“BLUTGOTT.”

Veit Etzold hat seinen Thriller in extrem kurze Kapitel unterteilt. Das ist einerseits angenehm zu lesen, sorgt andererseits aber für ungeheure Dynamik. Dazu tragen auch die ständig wechselnden Perspektiven bei. Der Leser ist bei neuen Mordtaten dabei, schaut den Killern gewissermaßen über die Schulter, und ist somit den Ermittlern stets im Wissen voraus. Etzold sorgt mit immer neuen Wendungen für einen konstanten Spannungsbogen. Die Tatorte wechseln, können praktisch überall sein, die Ermittler werden in Atem gehalten - ebenso die Leser.

Die Reaktionen der Presse sorgen für weitere Aufregung, es gibt Nachahmungstäter, die sich einen Überbietungswettbewerb in Brutalität und Originalität beim Töten liefern. Das Ermittlerteam um Clara Vidalis spielt hier nicht die gewohnte Hauptrolle, sondern muss diese nach meinem Empfinden an die Killer abtreten, vor allem an den mysteriösen Anstifter, dem die Polizei nur schrittweise auf die Schliche kommt.

“Interessant wird es hier”, sagte Bellmann und tippte auf den Bericht, “Sie vermuten, dass irgendeine Person aus dem Internet diese jungen Menschen steuert?”
“Junge Männer”, antwortete Clara.

“Halten Sie das für einen Unterschied?”
“Selbstverständlich”, brachte sich MacDeath ein, “Männer begehen schließlich 80 Prozent aller Gewalttaten, stellen 94 Prozent aller Strafgefangenen und töten fast dreißigmal so häufig wie Frauen.”
“Danke für die Belehrung”, knurrte Bellmann, “die Kriminalstatistik des BKA habe ich auch gelesen.”

Veit Etzold hat hier einen ziemlich ausgeklügelten Plot vorgelegt. Neben Clara Vidalis spielt ihr Ehemann Martin Friedrich, nach der einzigen Namensnennung nur noch als MacDeath bezeichnet - eine wichtige, ja zentrale Rolle im Team. Im Übrigen macht der Autor keine Umwege bei seiner Erzählung, überflüssige Nebengeschichten sucht man als Leser vergebens.

Das Finale ist dann in meinen Augen tatsächlich noch einmal atemberaubender als die Geschichte insgesamt. Man denkt ja bei der Lektüre, die Story sei kaum noch steigerbar. Aber als das Finale scheinbar leicht enttäuschend wird, dreht Etzold bildlich gesprochen den Regler noch mal auf volle Pulle.

Allerdings gibt es auch eine kleine Schwäche. Die Figur Slaughterman bleibt am Ende etwas undefiniert. Ist er auch erst 13? Warum kann er sich dann in Deutschland, inklusive Ausrüstung, so schnell und unbemerkt über große Entfernungen bewegen? Hier habe ich einen kleinen logischen Bruch gesehen, aber Schwamm drüber. Es geht um gute Unterhaltung, da kann auch mal etwas nicht völlig nachvollziehbar sein.

Fazit:

Wer es nicht zu brutal oder blutig mag, sollte die Finger von diesem Buch lassen. Das sagt selbst Veit Etzold im Interview mit der Krimi-Couch, wobei er erwähnt, dass die Mehrzahl der Leser seiner Thriller weiblich sind. Wer also einen rasanten und spannenden Thriller lesen möchte, der diese Bezeichnung auch verdient, wird bestens unterhalten. Veit Etzold zeigt hier einmal mehr, dass er ein guter Geschichten-Erzähler ist, der seine Leser von Beginn an zu fesseln vermag. So lange ihm bei Clara Vidalis die Ideen nicht ausgehen, will er sie weiter ermitteln lassen, kündigt der Autor an. Seine Fans werden sich über diese Aussage im Krimi-Couch-Interview freuen.

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