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Thomas Gisbertz
Interessante Idee, aber enttäuschend umgesetzt

Buch-Rezension von Thomas Gisbertz Nov 2019

Die Gesellschaft für unkonventionelle Maßnahmen bekommt es diesmal gleich mit zwei Schwergewichten zu tun: der Mafia, die in Berlin ihr Unwesen treibt, und der Automobilindustrie in Form des VW-Konzerns.

In der Bundeshauptstadt werden hunderte italienische Restaurants von der apulischen Mafia erpresst. Diese zwingt die Wirte zur Abnahme fester Wein-Kontingente zu deutlich überhöhten Preisen. Was geschieht, wenn man sich dem widersetzt, bekommt Pasquale Bianchi, Besitzer des Ristorante Amalfi, am eigenen Leib zu spüren. Die Justiz ist scheinbar machtlos gegen das Vorgehen der Mafia und die Polizei tappt im Dunkeln.

Werner Dreier vom LKA Berlin sucht deswegen seinen ehemaligen Kollegen und langjährigen Freund Silvio Cromm auf. Der Deutsch-Italiener soll in Verbindung mit der Gesellschaft für unkonventionelle Maßahmen stehen, die sich für Gerechtigkeit und Wiedergutmachung bei Opfern einsetzt. Diese geheime Gesellschaft beschließt, Recht durchzusetzen, wo die Rechtsprechung versagt. Cromm kann die übrigen Mitglieder davon überzeugen, dass man den Machenschaften der Mafia das Handwerk legen muss.

VW-Dieselskandal

Doch das ist nicht ihr einziger Fall. Parallel nehmen sie die Autoindustrie ins Visier: Hunderttausende Autokäufer wurden mit falschen Emissionsangaben betrogen. Nach dem Dieselskandal warten sie auf eine Entschädigung, doch die Autolobby wähnt sich unantastbar. Mit Jeremy Lions wendet sich ein Insider an die Gesellschaft, der ein Jahr als Freelancer und ausgebildeter IT-Ingenieur im Bereich des autonomen Fahrens beim Wolfsburger Weltkonzern gearbeitet hat. Nun möchte er die Machenschaften der Autoindustrie aufdecken und die Verantwortlichen zur Rechenschaft ziehen.

Ehemaliger WISO-Moderator als Buchautor

Michael Opoczynski, studierter Politikwissenschaftler und einer der bekanntesten deutschen Wirtschaftspublizisten, war mehr als zwanzig Jahre lang Leiter und Moderator der ZDF-Sendung WISO. In seinen Krimis verarbeitet er reale Betrugs- und Wirtschaftskriminalfälle. Der Autor nimmt sich Fälle vor, bei denen die Täter - meist Konzerne - relativ unbeschadet davonkommen, während die Opfer - insbesondere Kunden, Mitarbeiter, Mieter - auf ihrem Schaden sitzen bleiben. Im Kampf David gegen Goliath sorgt Opoczynskis unkonventionelle Einsatztruppe, die Gesellschaft für unkonventionelle Maßnahmen, für Ordnung.

Bei der Recherche zu „Geisterfahrer“ nutzte der Autor seine Kontakte in Berlin: „Manchmal melden sich Mitarbeiter aus betroffenen Firmen bei mir, aber auch Szene-Insider. Alle wurden übervorteilt oder ausgetrickst und wollen nun auspacken, jedoch ohne ihre Identität preiszugeben. Deswegen taugen ihre Informationen leider nicht für die journalistische Auswertung - aber hervorragend für meine Krimis.“

„Geisterfahrer“ ist der zweite Band über die Gesellschaft für unkonventionelle Maßnahmen. 2018 erschien bereits „Schmerzensgeld“.

Enttäuschender Kriminalroman

Eines kann man Michael Opoczynski sicherlich nicht absprechen: Die Fälle sind sehr genau recherchiert und bildet zusammen mit den zahlreichen Insider-Informationen zu den Themen „Mafia“, „Künstliche Intelligenz“ und „Dieselskandal“ einen sehr interessanten Handlungsrahmen. Auch die Idee einer Gesellschaft, die sich für Menschen einsetzt, denen Polizei und Justiz nicht helfen können, ist - wenn auch nicht neu - interessant und reizvoll. Der Autor hätte aber gut daran getan, die gesammelten Informationen und Recherchearbeiten in Form eines Sachbuches zu veröffentlichen. Hier liegt eigentlich auch die Stärke des Autors.

Der Verlag sagt über den Roman: „Michael Opoczynski schreibt einen packenden und zugleich unterhaltsamen Kriminalroman, erschreckend nah an der Realität.“ Ja, der Roman ist sehr realistisch - weil er größtenteils auch auf Fakten beruht. Leider ist er aber weder spannend noch unterhaltsam. Dem Autor gelingt es nicht, aus dem verfügbaren Material einen überzeugenden Krimi zu machen. Warum der Verlag den Titel „Geisterfahrer“ ausgesucht hat, obwohl das autonome Fahren nur eine Nebenrolle im Handlungsverlauf einnimmt, bleibt ebenso ein Rätsel wie die Tatsache, warum der Autor die Polizei als vollkommen hilfs- und ahnungslose Institution darstellt.

Platter Humor statt Kritik

Die Gesellschaft, die sich aus Mitgliedern unterschiedlicher sozialer, ethnischer und gesellschaftlicher Schichten zusammensetzt, wirkt leider eher wie ein Stammtischverein, der sich überlegt, wie man es den Bösen heimzahlen kann. Die Maßnahmen, die die Gesellschaft in beiden Fällen ergreift, sind alles andere als unkonventionell und haben allenfalls kurzfristigen Erfolg. Wenn man den Fahrer des LKW, der den billigen Wein aus Italien nach Berlin bringen soll, mit einem 3D-Hologramm auf der Autobahn erschreckt, sodass dieser einen schweren Unfall baut, nimmt die Gesellschaft überdies den Tod des Fahrers und zwangsläufig auch den Tod völlig unbeteiligter Dritter in Kauf.

Hier verlieren die Darstellung und die Maßnahmen der Gesellschaft schnell ihre Leichtigkeit und damit letztlich ihre Rechtfertigung im Kampf für Gerechtigkeit. Wenn die Mitglieder der Gesellschaft dann den Mafia-Anhängern in kindlicher Naivität gegenüber treten und meinen, damit einen Sieg gegen das organisierte Verbrechen errungen zu haben, kann man als Leser nur den Kopf schütteln. Was hier vielleicht hintersinnig und originell erscheinen soll, ist leider nur platt, einfallslos und realitätsfern.

Freilich ist die Kritik, die an der Automobilindustrie und der Justiz bzw. Polizei geübt wird, nicht haltlos. Insbesondere bezogen auf die Justizbehörden wird die Kritik aber zu undifferenziert beschrieben. Die hier dargestellte Selbstjustiz - auch wenn sie ohne Blutvergießen vonstatten geht - kann nicht die Lösung der beschriebenen Probleme sein.

Unglaubwürdige Figuren

Sicherlich handelt es sich um einen Roman und keine authentische Darstellung der Wirklichkeit. Dennoch muss man auch hier lebensnahe Figuren erwarten können. Wenn sämtliche Verbrecher als dumme und naive Einfaltspinsel beschrieben werden, die sich zwar nicht von der Polizei, aber von einem Haufen Personen, die in Robin-Hood-Manier meinen, das Recht selber in die Hand nehmen zu können, beeindrucken lassen, dann wirkt dies mehr als unglaubwürdig. Die Möglichkeit, diese Figuren satirisch überspitzt in Form von Karikaturen darzustellen und sie in dieser Weise bloßzustellen, lässt der Autor leider ungenutzt.

Fazit:

Opoczynski ist ein ausgewiesener Fachmann im Bereich Wirtschaft, leider nicht auf dem Feld der Kriminalliteratur. Das ungewöhnliche „Ermittlerteam“ bleibt weitestgehend blass, es mangelt an außergewöhnlichen Figuren bzw. Ideen und die Handlung plätschert bis auf wenige humorvolle Passagen dahin. Für Krimi-Fans mangelt es an Spannung. Insgesamt ein sehr gut recherchierter und thematisch sicherlich interessanter, aber inhaltlich schwach gestalteter Kriminalroman, der nicht überzeugen kann.

Geisterfahrer

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