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Thomas Gisbertz
Agententhriller mitten im Kalten Krieg

Buch-Rezension von Thomas Gisbertz Aug 2019

Oslo, Juni 2016: In einem See findet der junge Slawe Piotr beim Schwimmen die Überreste einer weiblichen Wasserleiche. Tommy Bergmann, der sich unfreiwillig im Urlaub befindet, ist seinem Chef, Polizeipräsidenten Fredrik Reuter, noch einen Gefallen schuldig, und übernimmt den mysteriösen Fall. Lange Zeit kann die Identität der unbekannten Frau nicht geklärt werden, und die Ermittlungen drohen im Sande zu verlaufen.

Kurz darauf wird jedoch Arvid Storholt ermordet. Dieser war in den 70er-/80er-Jahren als Spion für die Sowjetunion tätig und hatte jahrelang im Gefängnis gesessen, bevor er vor wenigen Jahren begnadigt wurde. Tommy Bergmann - eigentlich vom Polizeidienst suspendiert - soll plötzlich im Auftrag des norwegischen Geheimdienstes ermitteln. Gibt es eine Verbindung zwischen der toten Unbekannten und dem ermordeten ehemaligen Sowjetagenten? Der selbstzerstörerische Ex-Polizist stößt bei einer Arbeit auf einen alten Skandal, der auch ihm selbst gefährlich werden kann.

Russische Spionage in Norwegen

Im November 1973 reist die 17-jährige Schwimmerin Christel Heinze aus der damaligen DDR mit ihrer Mannschaft zu einem Wettkampf nach Oslo. Dort gelingt ihr die Flucht vor dem Stasi-Beauftragten in die westdeutsche Botschaft und von dort in die BRD. Jahre später kehrt Christel zum Studium nach Norwegen zurück. Innerhalb weniger Jahre wird die ehemalige DDR-Bürgerin unfreiwillig zur KGB-Agentin und verschwindet 1982 plötzlich an einem kalten Dezembertag. Was hat ihr Bekannter, der promovierte Politikwissenschaftler Arvid Storholt, damit zu tun? Der Storholt, der später als berüchtigter Doppelagent berühmt werden sollte und nun ermordet wurde.

Bezüge zum aktuellen Fall

Tommy Bergmann stößt nun auf eine mögliche Spur, die endlich Licht ins Dunkel zu bringen scheint. Jan Asmundsen, Vizekommandant des polizeilichen Sicherheitsdienstes PST und damit des norwegischen Inlandsnachrichtendienstes, beauftragt den Ex-Polizisten, bei Martin Kleive einzubrechen, um belastendes Material zu beschaffen. Kleive ist ehemaliger U-Boot-Offizier und hatte beim norwegischen Militär Anfang der Achtziger eine beratende Position inne. Ist er der Schlüssel zur Aufdeckung des Geheimnisses um die verschwundene KGB-Agentin Christel Heinze?

Vierter Band des Spiegelbestseller-Autors

Gard Sveen, geboren 1969, ist Staatswissenschaftler und arbeitete lange Zeit als Seniorberater im norwegischen Verteidigungsministerium. Sein Debütroman um den selbstzerstörerischen Polizisten Tommy Bergmann, „Der letzte Pilger“, wurde mit dem Rivertonpreis 2013 und dem Glass Key Award 2014 als bester Krimi Skandinaviens ausgezeichnet. Sveen stand damit wochenlang auf der Spiegel-Bestsellerliste – auf der Krimi-Couch wurde das Buch mit 90 Grad bewertet. Auch die beiden weiteren Bände der Reihe, „Teufelskälte“ und „Der einsam Bote“, waren äußerst erfolgreich.

Düsterer Thriller über den Kalten Krieg

Gard Sveen nennt selbst als Motiv für seinen aktuellen Thriller, dass er einen Roman über den norwegischen Agenten Arne Treholt schreiben wollte. Obwohl „Die stille Tochter“ eine fiktive Geschichte erzähle, seien einige Teile davon wahr. „Arne Treholt ist der große Spion, der nie gefasst wurde. Außerdem ist der Kalte Krieg eine faszinierende Zeit, die nicht oft in skandinavischen Krimis vorkommt“, so der norwegische Bestseller-Autor. In der Tat gelingt es Sveen, einen Agenten-Thriller vor dem politischen Hintergrund der 70er-/80er-Jahre zu schreiben, der sehr gut recherchiert und gekonnt umgesetzt worden ist.

Besonders die Darstellung der KGB-Agenten ist durchweg gelungen. Sie umgibt stets eine unnahbare, aalglatte und zum Teil befremdliche Aura. Professionell und gefühlslos führen sie ihre Aufgaben aus und für jemanden, der in ihr Netz gegangen ist, gibt es kein Entkommen. Auch Christel Heinze wird zum Spielball politischer Interessen und skrupelloser Agenten. Sie weiß irgendwann nicht mehr, wem sie trauen kann und wer ihr Freund ist.

Vereinzelt erzählerische Schwächen

Erneut schildert Sveen in seinem aktuellen Roman zwei Parallelgeschichten. Während die Geschehnisse um die KGB-Agentin sehr stimmig und genau erzählt werden, indem er auch auf die Motive der jungen Frau eingeht und präzise die damaligen politisch-gesellschaftlichen Zwänge aufzeigt, schwächelt die Geschichte um Tommy Bergmann diesmal etwas.

Ist dessen arrogante, selbstherrliche und rüpelhafte Art in den anderen Fällen der Reihe ein großes Plus, so wirkt sie hier oftmals fehl am Platz. Der norwegische Geheimdienst würde sicherlich nicht mit einem solchen Ex-Polizisten kooperieren. Des Weiteren sind es der Zufälle auf der Suche nach Christel Heinze und deren Spuren, besonders vor Ort in Berlin, diesmal etwas zu viel.

Die eigentliche Ermittlungsarbeit wirkt diesmal nicht immer klar durchdacht. So plaudern ehemalige (Doppel-)Agenten ganz frank und frei von ihrer Vergangenheit, bloß weil ein Unbekannter sie danach fragt. Bergmann selber, der eigentlich darauf bedacht ist, keine Spuren zu hinterlassen, wirkt oftmals bei seinem Vorgehen etwas amateurhaft.

Fazit:

Mit „Die stille Tochter“ ist dem norwegischen Erfolgsautor erneut ein Top-Thriller gelungen. Allerdings muss man Interesse für die Zeit des Kalten Krieges mitbringen. Ansonsten besitzt der Roman ab und an seine Längen. Was einerseits ein Plus des Thrillers ist – nämlich seine genaue Darstellung des KGB-Netzes und seiner Agenten, der Einfluss der Sowjetunion auf die DDR und die Konsequenzen eines Fehlverhaltens für die einfachen Bürger bzw. deren Familien – kann für einen politisch weniger interessierten Leser auch mühselig werden.

Lässt man sich aber darauf ein und kann die etwas zu oberflächliche Darstellung der polizeilichen Ermittlung um den Fund der Wasserleiche und Bergmanns Zusammenarbeit mit dem Inlandsgeheimdienstes verschmerzen, bekommt einen intelligenten und in vielerlei Hinsicht interessanten Thriller, der zum Ende hin immer spannender wird. Für Liebhaber des skandinavischen Thrillers auf jeden Fall ein Muss.

Die stille Tochter

Die stille Tochter

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Letzte Kommentare:
04.09.2019 21:29:18
Ulliha.

Klappentext:
Oslo, 1982: An einem eiskalten Dezembertag verschwindet die ehemalige DDR-Bürgerin und KGB-Agentin Christel Heinze. Hat ihre große Liebe Arvid Storholt, ein berühmt berüchtigter Doppelagent, damit zu tun? War es wirklich wahre Liebe oder nur eine Gelegenheit zum Verrat?

Oslo, 2016: In einem See werden die Überreste einer Frauenleiche gefunden. Kurz darauf wird Arvid Storholt ermordet. Tommy Bergmann, selbstzerstörerischer Ex-Polizist, ermittelt für den norwegischen Geheimdienst. Gibt es eine Verbindung zwischen der toten Unbekannten und dem ermordeten Sowjetagenten? Tommy Bergmann stößt auf einen alten Skandal, der auch ihm selbst gefährlich werden kann.

Dieses hier war mein erstes Buch von Gard Sveen. Die Vorgängerbände kenne ich leider nicht, fand das aber nicht weiter störend, alles Wichtige erfährt man in diesem Band. Möglicherweise fehlen vorwiegend Informationen zum Privatleben des Ermittlers Tommy Bergmann. Der Fall ist zwar sehr gut konstruiert aber trotzdem etwas verworren. Ich musste oft noch einmal zurückblättern. Dennoch kann bis zum Schluss mitgaren, wer Freund und wer Feind ist. Der Twist am Ende des Buches wird selbst für hartgesottene Krimileser überraschend sein. Das hat mir sehr gut gefallen. Auch der Schreibstil von Gard Sveen hat mir gefallen, aber man muss sich aufgrund der Fülle an Informationen und der Vielzahl an Personen und Namen beim Lesen schon sehr konzentrieren.
Das hatte leider auch Auswirkungen auf die Spannung der Geschichte. Vielleicht ist aber auch das Thema "Spionage" nicht unbedingt mein Genre, das gebe ich zu.

Fazit: Gut konstruierter Spionagethriller, der auch anspruchsvollere Leser überzeugen dürfte. Für mich teilweise etwas zu verworren und langatmig.

31.08.2019 16:24:35
Isa

Verwirrend

Dies war mein erstes Buch von Gard Sveen und der Reihe um Tommy Bergmann, das ich aufgrund der Leseprobe, gelesen habe.
Der eine Erzählstrang wird aus Sicht von der DDR-Bürgerin und Schwimmerin Christel Heinze erzählt, die einen Trainingsaufenthalt in Norwegen nutzt um aus der DDR zu fliehen. Sie lebt in Norwegen, bis sie eines Tages im Jahr 1982 verschwindet.
Der zweite Erzählstrang wird aus der Perspektive von Tommy Bergmann geschildert, der 2016 in den beiden Mordfällen für den norwegischen Geheimdienst ermittelt. In einem See wird eine Frauenleiche gefunden, von der nur noch Überreste vorhanden sind. Kurze Zeit darauf wird Arvid Storholt, der ein Doppelagent war, ermordet.

Aufgrund der Leseprobe hatte ich einen spannenden Thriller erwartet, aber ich fand das Buch viel zu verwirrend, dass ich nach dem ersten Teil aufgegeben habe (normalerweise lese ich eigentlich jedes Buch zu Ende, aber dieses Mal schaffte ich es nicht).
Der Schreibstil war sehr nüchtern und zäh. Die Wechsel der Zeitepochen und Perspektiven waren sehr verwirrend (normalerweise habe ich keine Probleme damit) und es wurde keine Spannung aufgebaut. Mit den Charakteren der Protagonisten wurde ich nicht warm.
Die Wahl des Titels „Die stille Tochter“ fand ich zumindest bis zu meinem Abbruch nicht als passend.
Zwei Punkte vergebe ich nur, weil das Thema eigentlich gut gewählt ist und das Cover passend zu Norwegen ist.

04.08.2019 12:42:48
books4ever

Spannendes Thema, aber teilweise etwas verwirrend

Im Dezember 1982 verschwindet die junge Christel Heinze spurlos. Die junge Frau aus der DDR hatte einige Jahre zuvor einen Schwimmwettkampf ihrer Mannschaft in Norwegen genutzt, um sich von der Gruppe abzusetzen und unterzutauchen. Doch kurz darauf wurde sie vom KGB aufgespürt und als Agentin eingesetzt.
2016 wird in einem See eine Frauenleiche gefunden. Handelt es sich hierbei um die verschwundene Christel? Tommy Bergmann soll im Auftrag des Geheimdienstes ermitteln, doch je mehr er herausfindet, desto mehr versuchen andere, ihn von seinen Nachforschungen abzuhalten.

„Die stille Tochter“ ist mittlerweile der vierte Fall für Tommy Bergmann. Im Gegensatz zu anderen Bänden dieser Reihe ist der vierte Band jedoch in sich abgeschlossen und man muss die anderen Bände auch nicht zwangsläufig vorher gelesen haben, um der Handlung folgen zu können.

Die Handlung spielt sich insgesamt auf zwei Zeitebenen ab. Zum einen werden Christels Flucht aus der DDR sowie ihr anschließendes Leben in Norwegen in den Jahren 1973 bis 1982 geschildert. Hierdurch erfährt man einiges über Christel, warum sie aus der DDR geflohen ist und wie es dazu kommen konnte, dass sie zunächst zu einer KGB-Agentin und schließlich sogar zu einer Doppelagentin werden konnte. Ich konnte mich gut in die junge Frau hineinversetzen und nachvollziehen, in welch einer schwierigen und gefährlichen Situation sie sich befunden hat.
Die zweite Zeitebene spielt im Jahr 2016 und beginnt mit dem Fund einer Frauenleiche in einem norwegischen See. Tommy Bergmann soll im Auftrag des norwegischen Geheimdienstes die Todesumstände ermitteln und stößt dabei auf eine Mauer des Schweigens und der Vertuschung. Dass Tommy dadurch nur noch umso verbissener ermittelt und sich dabei nicht um die Konsequenzen kümmert, hat ihn mir umso sympathischer gemacht. Er ist ein störrischer Ermittler mit Ecken und Kanten, der sich selbst von den hohen Geheimdienstlern und Politikern nichts sagen lässt.

Die Thematik des Buches rund um die Welt der Geheimdienste und Doppelagenten zur Zeit der 70er- und 80er-Jahre fand ich sehr spannend, da ich bisher noch nicht viel aus diesem Bereich gelesen habe. Leider wurde das Ganze mit den unterschiedlichen Agenten bzw. Doppelagenten und ihren verschiedene Decknamen zwischenzeitlich ein wenig verwirrend, sodass ich manchmal nicht mehr so ganz mitkam, wer jetzt wen in wessen Auftrag ausspioniert. Hier musste man beim Lesen sehr aufmerksam sein, um keine wichtigen Hinweise zu verpassen. Eine kurzes Personenregister am Anfang hätte da eventuell etwas mehr Klarheit und Übersicht bringen können.

Insgesamt hat mir „Die stille Tochter“ gut gefallen, da es sich um einen spannenden Spionage-Thriller handelt, welcher zu einer geschichtlich und politisch sehr interessanten Zeit spielt. Auch die Auflösung am Ende konnte mich überzeugen, obwohl ich mir gewünscht hätte, das sich der Autor hierfür etwas mehr Zeit genommen hätte. Im Vergleich zum Rest des Buches kommt diese dann doch ein wenig zu kurz.