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Thomas Gisbertz
Verwirrspiel um Täter und Opfer

Buch-Rezension von Thomas Gisbertz Mär 2020

Nach zwei spektakulären Kriminalfällen, die er aufklären konnte, ist Nicholas Meller vom Underdog zum Staranwalt geworden - doch die Verbrechen, die er hautnah erleben musste, hinterlassen ihre Spuren. Zudem hat er sich die Polizei nicht gerade zum Freund gemacht. So überrascht es Meller, als ihn Kommissar Rongen um Hilfe bittet. Der Kölner Kommissar wird des Mordes angeklagt! Er soll sein Opfer, den Drogendealer Frank Brenner, der in Polizeikreisen kein Unbekannter ist, erschossen haben.

Das Problem: Brenner scheint entgegen den Beteuerungen Rongens keine Waffe dabei gehabt zu haben. Auch Brenners unbekannte Begleiterin ist unauffindbar. Alles spricht gegen Rongen. Dennoch übernimmt Meller den Fall. Nach und nach gerät er in ein Netz aus Korruption und Gewalt - ein Netz, aus dem es kein Entkommen mehr zu geben scheint.

Rache an Kollegen?

Ein Polizistenmörder scheint sein Unwesen zu treiben: Ein Polizeikommissar wird während einer routinemäßigen Geschwindigkeitskontrolle erschossen. Fünf Tage später geschieht ein zweiter Mord. Das Opfer ist erneut ein Polizeibeamter, der auf dem Weg nach Hause ist. Zuletzt wird ein Zivilbeamter der Kripo auf dem Parkplatz einer Diskothek aus nächster Nähe angeschossen. Er überlebt schwer verletzt und liegt noch einer Notoperation im künstlichen Koma.

Die Mordserie erschüttert nicht nur Köln, sondern ganz Deutschland. Steckt Frank Brenner hinter den Anschlägen? Zwei der Opfer sollen ihm vor Jahren Drogen untergeschoben und dafür gesorgt haben, dass er ins Gefängnis musste. Hat er sich nun an beiden gerächt? Oder hat Kommissar Rongen die Möglichkeit genutzt, denn „Polizistenmörder“ zu erschießen, um den Tod der Kollegen zu vergelten?

Dritter Band der Kölner Krimireihe

„Opferfluss“ ist mittlerweile der dritte Band der Reihe um den Anwalt Nicholas Meller und seine Freundin, die Juristin Nina Vonhoegen, die gemeinsam in Köln leben. Die besondere Stärke der Romane des gebürtigen Solingers Lorenz Stassen ist der hohe Grad an Authentizität. Das gilt besonders für die äußerst gelungene Figurendarstellung wie auch für die Glaubwürdigkeit der Fälle. Stassens Figuren müssen sich nicht aus explodierenden Autos retten oder sich in wilden Schlägereien beweisen. Sie machen das, was man von ihnen erwartet: Sie recherchieren und ermitteln. Das mag zunächst wenig spektakulär klingen, verleiht der Serie aber Glaubhaftigkeit. Auch dass die Protagonisten keinem Trauma nachhängen, das es zu bewältigen gilt, hebt die Serie wohltuend aus der breiten Masse heraus.

Auch wenn die Handlung in Köln spielt, haben die Romane von Lorenz Stassen wenig gemeinsam mit einem Lokalkrimi. Dafür steht die Stadt zu wenig im Mittelpunkt. Das scheint vom Autor aber auch bewusst so gewählt zu sein, um die Handlung und seine Protagonisten stärker in den Vordergrund zu rücken.

Unterstützung durch zwielichtigen Bekannten

Wie schon bei den letzten Fällen kann Meller, wenn er auf unüberwindbare Hindernisse oder seine Grenzen stößt, auf einen alten Bekannten zurückgreifen: Alexandr Sokolow, der„private Kontakte“ bis in die Kreise der russischen Mafia unterhält. Dass ein Anwalt derartige Beziehungen nutzt, mag vielleicht eher unwahrscheinlich sein, ist aber in einem Roman durchaus zulässig und in gewisser Weise das Salz in der Suppe. Auch wenn Nicholas Meller reichlich naiv an diese Beziehung herangeht, wirkt sein Handeln jederzeit nachvollziehbar und glaubwürdig.

Überzeugende Figurendarstellung

Seit dem ersten Band der Reihe haben sich Nicholas Meller und Nina Vonhoegen weiterentwickelt. Meller, der aus einfachen Verhältnissen stammt, drohte im letzten Fall, „Blutacker“, beinahe der Macht des Geldes zu erliegen. Seine Freundin Nina, die von Geburt an nur einen Arm besitzt, war hier so etwas wie der notwendige Gegenpol. Ihre neue Arbeit als Juristin im Polizeipräsidium macht ihr aber wenig Freude, und auch ihre Beziehung zu Nicholas kriselt. Beide müssen einsehen, dass sie zwar gute Freunde sind - aber nicht mehr. Dafür tritt eine alte Bekannte wieder ins Leben des Anwalts - mehr sei hier nicht verraten.

Angenehmer Lesefluss

Sicherlich würde den Romanen von Lorenz Stassen etwas Kölscher Klüngel oder eine Prise Humor noch gut tun, auch wenn Mellers Büroleiterin Astrid Zolliger ab und an für ein Schmunzeln sorgt. Aber auch so sind die Fälle um den deutsch-russischen Anwalt wunderbar leicht zu lesen, ohne dabei aber inhaltlich und sprachlich zu einfach oder gar banal zu werden.

Das Privatleben der Figuren wird auf ein Notwendiges reduziert und trägt erneut eher zur genaueren Charakterisierung der Figuren bei und dient keineswegs als Selbstzweck, wie in so manch anderem Krimi. Man merkt der Reihe an, dass Stassen als Drehbuchautor arbeitet: Der oftmals sehr szenische Schreibstil sorgt für Tempo und Spannung. Da verwundert es nicht, dass eine Verfilmung der Serie bereits in Planung ist.

Fazit:

Die Romane um Nicholas Meller und Nina Vonhoegen sind wohltuend unaufgeregt. Gleichzeitig bieten sie Spannung und beste Unterhaltung. Besonders mit seiner Figurendarstellung weiß der Autor erneut zu überzeugen. Lorenz Stassen sind glaubwürdige und lebensechte Charaktere wichtiger als übertriebene Gewaltszenen und überladene Action. Das tut der Serie gut. Gerne mehr davon.

Opferfluss

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