Der Angstmörder

Erschienen: Januar 2017

Bibliographische Angaben

  • München: Random House Audio, 2017, Seiten: 2, Übersetzt: Uve Teschner & Oliver Brod

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Andreas Kurth
Showdown im Schatten der Brücke von Arnheim

Buch-Rezension von Andreas Kurth Okt 2017

Nicholas Meller hält sich mit seiner Anwaltskanzlei gerade so über Wasser. Als sich bei ihm die Studentin Nina Vonhoegen um ein Referendariat bewirbt, gibt es ein kurzes Geplänkel, und dann stellt er die junge Frau ein. Ihr fehlt seit Geburt der rechte Arm, dennoch ist sie eine selbstbewusste Kämpfernatur. Beide haben plötzlich mit dem ersten Mordfall zu tun, den Nicholas als Anwalt auf den Tisch bekommt.

Es geht um einen unheimlichen Mörder, der Frauen brutal tötet, um dann die Schuld dafür anderen Männern in die Schuhe zu schieben. Und das mit eiskalter Planung und großer Präzision. Bei ihren Nachforschungen landen die beiden in vielen Sackgassen, doch dann kommt ihnen der Angstmörder, wie er schließlich genannt wird, näher, als es den beiden lieb sein kann.

Erschreckende Einblicke in die Tiefen einer gestörten Psyche

Der Kölner Autor Lorenz Stassen hat schon etliche Drehbücher verfasst, unter anderem für Cobra 11 und verschiedene Soko-Folgen im ZDF. Das merkt man seinem ersten Roman an, der die Bezeichnung Thriller wirklich verdient. Die Geschichte beginnt mit dem Tod einer jungen Frau. Das folgende Gespräch zwischen Nicholas Meller und Nina Vonhoegen vermittelt trügerische Ruhe, bevor der Autor den Spannungsbogen konsequent nach oben treibt.

Gleich zu Anfang wird dem Leser die Tätersicht vermittelt, als der Killer in seinem Haus um die Modell-Landschaft herumgeht, mit der er die Schlacht um die Brücke von Arnheim nachgebaut hat. Dieser erste Einblick in die Tiefen einer gestörten Psyche zeigt, dass es in diesem Thriller zur Sache gehen wird. Die drei wichtigsten Protagonisten - Anwalt, Referendarin und Mörder - hat Lorenz Stassen sorgfältig gezeichnet. Sie sind - neben der Geschichte an sich - der Mittelpunkt der Erzählung.

Nina geht offensiv und frech mit ihrer Behinderung um

Nicholas Meller ist eine durchweg sympathische Figur. Er ist ein lebensbejahender Mensch, der bisher nicht wirklich erfolgreich in seinem Beruf ist. Seine Kanzlei besteht nur aus ihm selbst - bis er Nina Vonhoegen einstellt. Das erweist sich für den sportlichen Anwalt als Glücksgriff. Ein nettes Detail ist, dass er in einer Thekenmannschaft Fußball kickt, die komplett aus Verlierern besteht. Irgendwie passt er da gut hinein, auch wenn er intensiv bemüht ist, sein Loser-Image zu kaschieren.

Nina und Nicholas sind ein interessantes Gespann, schon weil beide Underdogs sind, und dennoch versuchen, das Beste daraus zu machen. Richtig gut gefallen mir die Passagen, in den Nina offensiv und frech mit ihrer Behinderung umgeht. Sie verbietet beispielsweise Nicholas, ihr beim Abheften von Unterlagen zu helfen. Sie besteht energisch darauf, alles selbst machen zu können - es dauert eben nur etwas länger. Nicholas - und mit ihm sicherlich der eine oder andere Leser - bekommt hier einen ganz neuen Blick auf Menschen mit körperlichen Behinderungen. Nina ist ein Paradebeispiel dafür, wie Menschen mit ihren Handicaps umgehen können, ohne sich dabei völlig zu verbiegen. Ganz starke Passagen, die vom Autor geschickt in die spannende Roman-Handlung eingebaut werden.

Ein interessanter Charakter - allerdings von der ganz dunklen Sorte

Der Killer ist ebenfalls ein interessanter Charakter - allerdings von der ganz dunklen Sorte. Die Ursache für seine völlig verkorkste Weltsicht wird erst spät enthüllt, und hat mich ebenso entsetzt wie überrascht. Wenn man glaubt, schon viel über menschliche Perversionen zu wissen, lernt man hier doch wieder einmal dazu.

Eine ebenso innovative wie krankhafte Nuance ist das Modell der Schlacht von Arnheim im geheimen Keller des Mörders. Was genau daran so schockierend ist, soll jeder selbst lesen - die Details jagen bei der Lektüre schon kalte Schauer über den Rücken. Neben der komplexen Persönlichkeit ist auch überraschend und erschreckend, wie dicht der Killer am Geschehen um ihn herum dran ist. Stichwort Daten- und Internetsicherheit. Der Autor hat hier einen Plot entwickelt, der insgesamt überzeugend ist.

Der Leser bekommt einiges an Überraschungen geboten

Lorenz Stassen kann eine Geschichte spannend und fesselnd erzählen. Er baut viele falsche Fährten und Sackgassen ein, immer im Wechsel mit neuen Entwicklungen. Der Leser bekommt einiges an Überraschungen geboten, und wird von Beginn an gefesselt.

Serientäter sind inzwischen ja inflationär in Kriminalromanen zu finden, aber die Ursachen für ihre ganz persönliche Entwicklung variieren überraschenderweise immer mal wieder. Lorenz Stassen hat mich zumindest überrascht mit diesem Mörder.

Vor allem am Schluss hat er noch eine Wendung eingebaut, die ich mehr als verblüffend fand. Ein rasanter und spannender Thriller, den man angesichts der großen Dynamik kaum aus der Hand legen mag.

Der Angstmörder

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Letzte Kommentare:
01.01.2019 14:48:19
leseratte1310

Nicholas Mellers Anwaltskanzlei läuft mehr schlecht als recht. Trotzdem stellt er die gehandicapte Referendarin Nina Venhoegen ein. Ninas fehlt der rechte Arm. Dann wird Meller als Pflichtverteidiger zu einem Mandanten gerufen. Der Mann wird verdächtigt, seine Frau misshandelt und getötet zu haben. Meller kennt den Mann, denn er hat ihn schon einmal verteidigt, als Wolfgang Rölscheid seine Frau geschlagen hatte. Eigentlich ist der Fall klar, doch Nicholas traut Rölscheid zwar einiges zu, aber den Mord nicht. Doch die Indizien sind eindeutig und so versucht er mit Ninas Hilfe, etwas zu finden, um seinem Mandanten zu helfen. Sie konnten nicht ahnen, was sie damit in Gang setzen.
Mir hat dieser Thriller um ein ungewöhnliches Ermittlerpaar gut gefallen. Die Geschichte hat mich nicht losgelassen.
Nicholas Meller hat russische Wurzeln und pflegt Kontakte zu den Landsleuten, die nicht ganz gesetzestreu agieren, aber manchmal ganz hilfreich sind. Er ist nicht besonders ehrgeizig; sein Examen hat er mit Ach und Krach bestanden und damit blieben ihm die renommierten Kanzleien verschlossen. Mir aber wurde er sympathisch, da er sich wirklich für seinen Mandanten einsetzte und nicht lockergelassen hat, egal wieviel Gegenwind ihm ins Gesicht blies. Nina ist eine starke Frau, die mit den seltsamen Blicken selbstbewusst umgeht. Sie ist mit ihrem guten Gespür Meller eine große Hilfe. Mit der Zeit finden die beiden sich immer sympathischer. Leider bringen sie sich in große Gefahr, da sie dem Täter langsam aber sicher näherkommen.
Der Schreibstil hat mir auch gut gefallen. Die Charaktere sind gut und individuell gestaltet. Der Thriller lässt sich prima lesen, ist spannend und als Würze gibt es hin und wieder auch Humorvolles.
Auch die Tätersicht wurde uns zwischendurch immer mal wieder vermittelt. Der Täter handelt intelligent und überlegt. Er hinterlässt keine Spuren.
Mir hat dieser spannende Thriller sehr viel Spaß bereitet.

25.06.2018 14:36:39
Annette Traks

Nicholas Meller ist Anwalt, hat jedoch wegen seiner laxen Arbeitseinstellung kaum Klienten. Eine Sekretärin kann er sich nicht leisten, sieht es daher als Glücksfall an, als sich Nina Verhoegen nach dem 1. Juristischen Staatsexamen bei ihm bewirbt, um das Referendariat abzuleisten.

Nina sieht gut aus, aber ihr fehlt von Geburt an der rechte Arm - sehr gewöhnungsbedürftig für ihre Umwelt. Doch die junge Frau will kein Mitleid; selbstbewusst meistert sie ihr Leben.

Als der Hund eines Försters im Wald die dort vergrabene Leiche von Miriam Rölscheid aufspürt, gerät deren Ehemann in dringenden Tatverdacht, beteuert jedoch seine Unschuld.

Nicholas Meller wird zum Pflichtverteidiger bestellt. Er und Nina geraten immer tiefer in den Fall und vermuten bald, dass sie es mit einem brutalen Serienmörder zu tun haben, der seine Taten mit äußerster Präzision plant und seine nächsten Opfer bereits im Visier hat.

Resümee:
Der Titel dieses schriftstellerischen Erstlingswerks von Lorenz Stassen steht in Analogie zu als "Angstbeißer" bezeichneten Hunden. Diese attackieren Artgenossen aus Angst oder Unsicherheit, wenn sie eine Situation als bedrohlich empfinden. Durch ihr aggressives Verhalten - im Extremfall durch das Ausschalten des vermeintlichen Feindes - wollen sie sich selbst schützen. Die Motivation des Täters in diesem Buch ist damit vergleichbar.

Die Handlung ist von Anfang bis Ende sehr spannend, auch weil es viele überraschende Entwicklungen gibt. Bis zum Schluss fragt man sich, wer dieser Angstmörder wohl sein mag, und selbst als bereits klar ist, in welchem Bereich er zu suchen ist, bleibt seine Identität weiter nebulös.

Hinzukommt, dass der Leser ein Unglück oft nahen sieht, die Luft anhält und gar nicht schnell genug weiterlesen kann, um zu erfahren, ob und wie sich die betreffende Situation auflöst - ein wahrer Thriller.

Erzählt wird wechselweise aus der Er- und Ich-Perspektive; bei letzterer erfahren wir das Geschehen aus Nicholas Mellers Sicht.

Das Duo Nicholas Meller / Nina Verhoegen ist außerordentlich erfrischend und sympathisch:

Als Anwalt geht Meller an den Fall anders heran als Polizei und Staatsanwaltschaft - er hat hier einige Überzeugungsarbeit zu leisten, was er sehr engagiert tut.

Die noch völlig unerfahrene Nina zieht oft intuitiv die richtigen Schlüsse und ist, obwohl sie ihr 1. Staatsexamen nur mit "ausreichend" bestanden hat, eine scharfsinnige, intelligente junge Frau.

Beide Protagonisten sind weit davon entfernt, perfekt zu sein, aber genau das macht sie so menschlich und liebenswert.

Fazit: Man merkt, dass Lorenz Stassen viel Erfahrung als Drehbuchautor hat - er arbeitete für "Alarm für Cobra 11", "Soko Köln" und "Soko Stuttgart". Dies ist ein gelungenes schriftstellerisches Debüt.

23.05.2018 14:16:22
helene

Plus:Sympathische Protagonisten (die Szene der Deutsch-Russen ist mit einem Augenzwinkern ziemlich gut getroffen :)), gut recherchierte Hintergründe und mit dem Thema körperliche Behinderung wird relativ unaufgeregt umgegangen.
Wie bei vielen Krimis, bzw. Psycho-Thrillern, wirkt der psychologische Hintergrund für das Motiv und das Handeln des Täters - obwohl nachvollziehbar - etwas überambitioniert und konstruiert. Der Showdown dieses Krimis ist dann auch wirklich ein bisschen zuviel des Guten.

20.04.2018 13:06:43
Oldman

Normalerweise bin ich kein großer Fan von deutschen Krimis, die sind leider großenteils extrem in Moll gehalten, und auch nach vielen Jahren gelingt es manchen Autoren Ihre Weltanschauung nach vorne zu tragen, statt einfach nur eine gute Geschichte zu schreiben. Umso größer meine angenehme Überraschung beim Lesen dieses Buches. Ein straight inszenierter Krimi, eine spannende und glaubwürdie Geschichte, gut gezeichnete Protagonisten, die auch ohne überflüssige Psychologisierungen dem Leser nahe gebracht werden. Und dem Autor gelingt auch, ein spannendes Buch einem vernünftigen Ende zuzuführen, was nur wenige können, wobei ich im wesentlichen an den für mich unsäglichen Herr Fitzek denke. Keine Ahnung, ob die Figuren in Serie aufgebaut werden sollen, mich würde es freuen.

31.12.2017 16:08:24
claudi-1963

"Hast du Angst, machst du Angst, fürchtest du sie, vergrößerst du sie, fliehst du vor ihr, jagt sie dich." (Manfred Hinrich)
Nicholas Meller ein erfolgloser Kölner Anwalt, der hauptsächlich von Aufträgen seiner russischen Landsleute lebt, lernt die junge Nina Verhoegen kennen. Sie hat sich bei ihm als Referendarin beworben, sofort fällt Nicholas auf das bei Nina etwas anders ist, den unter ihrem Mantel fehlte der rechte Arm. Doch Nina ist eine starke Frau, die kein Mitleid fordert, sondern Meller alles offen darlegt, das gefällt ihm. Deshalb stellt Nicholas Nina bei sich an und die beiden bekommen es recht schnell mit ihrem ersten Mordfall zu tun. Wolfgang Rölscheid ein ehemaliger Mandant von Meller soll seine Frau ermordet haben, in dem er sie zuvor brutal gefoltert und dann lebendig begraben hat. Vor Nicholas und Nina beteuert er aber vehement seine Unschuld, auch wenn alle Fakten die ihm von Kommissar Rongen vorliegen, das Gegenteil bestätigen. Doch Meller glaubt an Rölscheids Unschuld und sucht nach Fehlern bei der Polizei, damit die Ermittlungen in dem Fall wieder aufgenommen werden. Was Nicholas Meller und Nina nicht wissen ist, das sie dadurch in ein Wespennest gestochen haben. Den der Angstmörder hat längst sein neues Opfer ausgesucht und er ist schlau und präzise, ihn zu schnappen wird nicht einfach werden.

Meine Meinung:
Mit "Angstmörder" ist Lorenz Stassen ein wahrlich guter Debütroman gelungen. Dieses Buch ist schon alleine dadurch, das es ein sehr eigenes Ermittlerduo, nämlich ein Anwalt und seine eingeschränkte Referendarin hat, sehr außergewöhnlich. Mir hat es gut gefallen das auch endlich ein Autor vor dem Thema Behinderung keine Hemmungen hat. Ich finde, dass ihm dieses Duo sehr gut gelungen ist und sie gut zusammen passen. Deshalb hoffe ich, dass es noch weitere Fälle mit den beiden geben wird. Nicholas Meller ist mit seiner Klaustrophobie und der russischen Herkunft ein Anwalt mit Ecken und Kanten, dadurch waren mir beide sofort sympathisch. Die Schreibweise ist sehr gut, durch die kurzen Kapitel fliegt man nur so durch dieses Buch. Gut fand ich auch das man nicht nur den Täter, sondern auch die Opfer näher kennenlernt und mit ihnen bangt und zittert. So bleibt die Spannung in dem Buch zwar nicht kontinuierlich hoch, jedoch durch die Ermittlungen außerordentlich spannend. Am Ende gibt es natürlich noch einen grandiosen Showdown. Man merkt, dass dieser Autor schon diverse Drehbücher für viele Krimiserien geschrieben hat. Ich kann dieses Buch nur jedem weiterempfehlen und gebe 5 von 5 Sterne und freue mich auf eine Fortsetzung.

21.11.2017 22:59:30
M.Reinsch

Fazit: Angenehm zu lesender Krimi, ohne viel Thrill – könnte der Start einer Fernsehserie werden…
Nicholas Meller ist ein etwas heruntergekommener Strafverteidiger mit russischen Wurzeln, der sein Auskommen in Köln fristet. Zusammen mit seiner neuen Referendarin, Nina VanHoegen, kommt er einem Serientäter auf die Spur, dem bisher kein Fehler in seinen grausigen Tathergängen unterlaufen ist. Doch mit den beiden Ermittlern auf den Fersen, fängt er an Fehler zu machen und beschließt seine Verfolger aus zu schalten…
Man merkt sehr schnell, dass Lorenz Strassen die Drehbücher für Serienkrimis geschrieben hat. Sein Schreibstil fängt den Leser schnell ein (bei mir hat das noch zusätzlich, die Erzählform in Erster Person getan), denn er schreib salopp und teilweise recht ungeschminkt. Leider hat er sich sehr auf sein Drehbücher verlassen, so dass mir die Kapitel enden immer so vorkamen, als „und sehen sie nach der Werbepause…“ – eigentlich selten „Cliffhänger“, aber eben doch soweit in einer bestimmten Handlung vorangeschritten, das die Neugier des Lesers geweckt wird. Seine Protagonisten haben (leider) ein eher oberflächliches Wesen, da ist noch sehr viel Platz für wirkliche „Charaktere“. Zwar schafft er mit Nina eine neue Version des weiblichen „Sidekicks“, aber schnell hat auch sie ein eher schablonenhaftes Auftreten. Sein Gegenpart ist fast schon ein „Superschurke“, der dank seines Berufes und mehrerer Hobbys, Alle (und vor allem die Polizei) zum Narren halten kann. Angenehm fand ich das Nicholas (auf Grund seiner russischen Herkunft) Rückhalt bei der Russischen Mafia“ in Köln bekommt. Dies wiederum gibt dem Autor die Möglichkeit, hier ein paar eher dunklere Bereiche aus zu leuchten und dem Leser nahe zu bringen. Trotz meiner Kritikpunkte fühlte ich mich gut unterhalten, auch wenn von einem Thriller nicht viel zu finden ist, bleibt das Buch doch ein recht guter Krimi, der 1-2 Abende angenehme Unterhaltung bietet. Sollte dieses Buch der Start einer Serie werden, kann man wohl hoffen, dass Herr Strassen aus seinem „Drehbuchschreibstil“ herausfindet und seine eigene Art schreibt!