Zehn Stunden tot

Erschienen: Mai 2019

Bibliographische Angaben

aus dem Schwedischen von Katrin Frey
Originaltitel: Motiv X / Originalverlag: Forum
Klappenbroschur ca. 390 Seiten

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Annette Wolter
Ein Würfelspiel, ein alter Verdacht und die Hölle zu Hause

Buch-Rezension von Annette Wolter Jun 2019

Eine Frau in den mittleren Jahren will ihren Mann verlassen, plant ihren letzten Abend mit ihm bevor sie mit ihrem Geliebten verschwindet. Der Mann wollte sie nach Paris einladen. Doch dann landet sie gefesselt im Wald. Was ist da passiert?

Fabian Risk ist wieder da. Er muss zu Hause versuchen, alles wieder ins Lot zu bringen, denn seine kleine Tochter liegt im Koma in der Klinik, seine Frau hasst ihn und sein Sohn hat mit Waffen gespielt. Seit einem gewissen Vorfall, hat Risk keinen Zugang mehr zu seiner Familie. Risk ist total verzweifelt, aber der Ermittler in ihm gibt keine Ruhe.

Von seiner Polizeiarbeit ist Risk zwar freigestellt, aber er ermittelt heimlich in der Sache seines Kollegen „Morlander“, denn er verdächtigt mehrere Morde begangen zu haben. Das ist geheim. Risk hat höllische Angst vor seinem gerissenen Kollegen.

Auch Irene Lilja hat kein Glück

Seine Kollegin Irene Lilja muss sich um einen unmenschlichen  Mord an einem syrischen Jungen kümmern. Lilja geht einer Spur nach, die ins rechtsradikale Milieu führt, das auch im einst so liberalen Schweden,  ordentlich Zuwachs bekommen hat. Sogar ihr Kollege und ihr Lover scheinen auf dem Trip zu sein,  und die Chefin auch noch weg  zum Alkoholentzug. 

Der Würfelspieler von Helsingborg

Es gibt dann noch jemanden dessen Geschichte parallel erzählt wird, und dabei geht es um einen Mörder. Ein Mann würfelt und lässt verschiedene Kriterien gelten, wie zum Beispiel Farben. Dabei werden die potentiellen Opfer zufällig ausgewählt. So lässig das klingt, die Ausführung ist pervers und der Mörder hinterlässt keine Spuren. Verbindungen lassen sich so nicht herstellen.Helsingborg ist also nicht mehr der idyllische Ort an der schwedischen Küste, der er mal war.

Ist was faul im Staate Dänemark?

Hier kann man durchaus mit einem klaren ja antworten, alleine der widerliche Polizeiboss Kim Sleizner, der angeblich noch eine Rechnung mit Dunja Hougaardt offen hat, ist es wert, Hamlet zu zitieren. Auch Fabian sucht sie, denn Dunja hat seinem Sohn im letzten Buch das Leben gerettet, und er hat einiges zu klären. Aber sie taucht nicht auf.

Es kommt wie es kommen muss

Natürlich muss Fabian dann doch noch zurückkommen und die heißen Kartoffeln aus dem Feuer holen, denn das Team ist hoffnungslos überfordert, aber er gibt sich trotzdem zu Hause mehr Mühe. Hier kommt es dann zu einem absoluten Drama.

Das sind einige Handlungsstränge, die man als Leser koordinieren muss. Daher empfehle ich „Ahnhem Neulingen“, die Bücher chronologisch zu lesen, oder zumindest den Vorgänger. Wenn man hier die Personen, wie zum Beispiel Dunja, nicht zuordnen kann, lässt das wahrscheinlich Fragen offen. Die verschiedenen Handlungsebenen entwickeln sich und jedes Kapitel endet mit einem Cliffhänger.

Fabian Rist trägt alles auf seinen Schultern

Fabian gefällt mir auch diesmal als Hauptfigur und in sich zerrissener Mensch sehr gut. Er will immer das Richtige, macht aber dann das Falsche. Risk möchte seine Familie zusammenhalten, kann sich aber nicht einmal richtig zusammenreißen.  Auch wenn Ehefrau Sonja ihm die kalte Schulter zeigt, sein Sohn Theodor schwerwiegende Geheimnisse hat und seine Tochter mehr auf einen Geist hört, als auf ihren Vater. Trotzdem steht er in der Küche und macht Lasagne.

Die Story ist bis zum Schluss absolut packend

Die Story ist durchgängig spannend, fesselnd und auch emotional, denn wie könnte man nicht emotional werden, wenn ein Kind in der Waschmaschine zu Tode geschleudert wird. Gerade Irene Lilja nimmt diesen Fall sehr persönlich und gerät selbst ins Fadenkreuz brutaler und abscheulicher Täter.

Stefan Ahnhem hat mit seinem neuen Thriller wieder einmal gezeigt, dass er in die obere Liga der skandinavischen Autoren gehört, oder auch in die Oberliga aller Thriller-Autoren weltweit. Auch dass der Autor ein routinierter Drehbuch-Schreiber ist, tut dem keinen Abbruch. Unerbittlich dreht er an der Spannungsschraube. Nichts ist wie es scheint. Niemand ist, wer er zu sein scheint. Immer neue Fragen  und Milieus tauchen auf.  Ein Pädophiler treibt sein Unwesen. Im Rahmen der Ermittlung bei dem Todesfall von Molly landet Rist plötzlich im Swinger Club und bekommt die Info, dass es jemanden gibt, der Columbus genannt wird, einmal Sex mit ihm und die Frauen sind ihm verfallen. Das ist endlich mal eine gute Spur.

Die volle Gradzahl bekommt der Autor nur aus dem Grund nicht, dass er einmal einen Täter aus dem Hut zaubert, was zwar spannend, aber sehr konstruiert rüberkommt.

Fazit:

Das Buch ist vielschichtig, komplex - und hochspannend. Gut, am Schluss möchte auch mein normales „Ich“ eine Auflösung, trotzdem stört mich der Cliffhänger nicht, sondern mein Über-Ich wird lediglich zum weiterzudenken inspiriert. Wer könnte der Würfler sein, wo ist Dunja, was passiert mit Rists Familie? Fragen und lose Enden überall. Im Grunde hatte der Vorgänger schon ein offenes Ende. Der Stoff mit den verschiedenen Handlungssträngen und losen Enden (frei nach Kommissar Wallander), eignet sich hervorragen für eine Serie. Für Menschen, die klare Auflösungen mögen und zwar im physikalisch gleichen Buch, ist das Buch nichts.

Zehn Stunden tot

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Letzte Kommentare:
15.06.2019 13:44:57
PMelittaM

Nach den Vorfällen im Vorgängerband ist Fabian Risk noch freigestellt, aber nicht nur seine Familienprobleme beschäftigen ihn, sondern auch die Verdächtigungen gegen einen Kollegen.

Seine Kollegen sind derweil mit mehreren Todesfällen beschäftigt, u. a. wurde ein syrischer Junge bestialisch getötet. In Dänemark ist Dunja Hougaard untergetaucht, und dann ist da noch der Mörder, der Opfer, Ort und Todesart auswürfelt.

Ich habe es schon in meiner Rezension zu Band 3 vorhergesehen, die Romane der Reihe verquicken sich immer mehr, und man sollte, um den Überblick zu behalten, die Vorgängerbände kennen. Stefan Ahnhems Romane sind komplex, mit mehreren Handlungssträngen, und wer die bisherigen Geschehnisse nicht kennt, dürfte Probleme haben, alles zu verstehen. Mit diesem Band setzt er dem Ganzen im übrigen noch die Krone auf, denn am Ende bleibt einiges offen und wird sicher im nächsten Band fortgesetzt. Mir gefällt das übrigens gut, warum sollten Thriller-Reihen nicht auch als Mehrteiler funktionieren können. Manch einem, der am Ende eines solchen Romans Auflösungen erwartet, könnte sich davon aber vor den Kopf gestoßen fühlen.

Ich mochte die Reihe von Anfang an, und so war ich schnell wieder im Geschehen, auch wenn einige Zeit seit dem letzten Band vergangen ist. Wer den aber gerne gelesen hat, erhält hier ausreichend Andeutungen, um sich wieder zu erinnern.

Ich bin nur so durch den Roman geflogen, er ist spannend, gesellschaftskritisch (u. a. bzgl. Rechtsextremismus und dem Umgang mit Psychiatriepatienten) und nimmt den Leser emotional mit. Das liegt u. a. an den verschiedenen Perspektiven, man begleitet nicht nur die Ermittler, inkl. Privatleben, sondern auch Täter und mögliche Opfer. Mir scheint es fast, als hätte der Autor, ähnlich wie Stieg Larsson in seiner Millenium-Reihe, bereits einen großen Handlungsbogen konzipiert, und ich bin gespannt, ob die Reihe dann irgendwann ihr natürliches Ende erreicht.

Ich bin wieder begeistert, so langsam wird das eine Lieblingsreihe von mir. Gerade, dass nicht alles in einem Band aufgelöst wird, gefällt mir gut, ich bin schon sehr gespannt darauf, wie es weitergehen wird. Von mir gibt es daher volle Punktzahl. Wer die Reihe noch nicht kennt, sollte sie lieber von Anfang an lesen, dieser Roman würde ihn sonst nur frustrieren. Wer die Reihe bis hierher gelesen hat, wird eine interessante Fortsetzung finden, noch mehr Komplexität und ein offenes Ende, das man natürlich mögen muss. 86°

14.06.2019 18:11:14
mrsrabes bookaccount

In Helsingborg, einer kleinen schwedischen Stadt an der Küste geht das Verbrechen um. Ein kleiner Junge syrischer Herkunft wird tot aufgefunden, eine Frau bekommt ungewollten nächtlichen Besuch, ein Supermarktangestellter wird vor den Kunden niedergemetzelt. Die Polizei und Spurenermittler haben alle Hände voll zu tun. Vor allem weil die Polizeichefin gerade auf Entzug und Kommissar Fabian Risk beurlaubt ist. Risk muss nicht nur seine privaten Probleme auf die Reihe bringen, in seiner Freizeit will er einen Mörder finden, den er in den eigenen Reihen vermutet.
Stefan Ahnhem will sehr viele Geschichten erzählen und greift dabei sehr tief in sämtliche Schubladen. Pädophile, Rechtsradikale, Psychopathen, eigentlich lässt er kein 0815 Klischee aus. Darüber hinaus wirken sämtliche Stränge überkonstruiert und verwirren den Leser mehr als ihn zu fesseln. Die Sprache ist simpel, platt, vulgär und frauenfeindlich.
Für ein Quereinsteiger in die Reihe um Fabian Risk ist dieser Band nicht geeignet. Dass ich die Vorgänger nicht kannte sollte ich dem Buch nicht unbedingt anlasten. Doch gibt es genug Autoren die ihre fortgesetzten Geschichten durchaus ohne vorausgesetztes Wissen so erzählen können, dass nicht nur Insider der Handlung folgen können. Aber Stefan Ahnhem gönnt uns auch kein schlüssiges Ende, keiner der vielen Handlungsstränge führt zu einer Aufklärung und der Autor lässt den Leser am langen Arm verhungern Fortsetzung folgt –für mich sicher nicht.

12.06.2019 14:31:27
Nijura

Weniger ist oft mehr

Kommissar Fabian Risk bekommt es diesmal mit einem unberechenbaren Mörder zu tun, denn dieser würfelt seine Opfer aus und da es keine Verbindung zwischen den Morden zu geben scheint, wird es sehr schwer den Täter zu fassen. Zudem droht seine Familie auseinander zu brechen, er findet zu seinen Kindern keinen rechten Zugang und er weiß auch nicht, wo seine Frau gerade steht.

Ich habe gerade noch einmal nachgeschaut und ja, ich habe tatsächlich alle drei vorherigen Teile mit 5 Sterne benotet, weil ich sie richtig klasse fand. Diesmal kann ich das leider absolut nicht.
Das Buch hat mindestens 6 Handlungsstränge und da ich das Buch zeittechnisch auch nicht durchgehend lesen konnte (mitunter habe ich mal zwei Tage aussetzen müssen), tat ich mir sehr schwer, der Handlung zu folgen.

Die Kriminalinspektorin Irene Lilja ermittelt im Rahmen eines Mordes im rechten Milieu, dort wird sie mehrfach von den Rechten angegriffen, sie bringt sich laufend wieder in Gefahr, aber sie kommt immer wieder mit einem „blauen Auge“ davon, das war für mich nicht nachvollziehbar.

Daneben geht es um einen Mörder mit Würfeln, Fabian verdächtigt seinen Vorgesetzten des Mordes, außerdem ist er einem Mörder auf der Spur, der pornosüchtig ist, ein Kinderschänder treibt sein Unwesen, Kim Sleizner sucht nach einer untergetauchten Kollegin, die er zur Strecke bringen will.
Trotz des eingängigen Schreibstils, blieb die Spannung teilweise auf der Strecke, und die Handlung blieb verworren, weil viel zu viel passierte und ich manchmal gar nicht mehr wusste, wie was miteinander zusammen hängt.

Der Autor hätte locker mehrere Bücher aus diesem Buch machen können und dafür nicht so viele offene Enden hinterlassen müssen, das wäre sicher besser gewesen und würde seine Leserschaft nicht so sehr vergrätzen.

Ich weiß ja nicht wie es den anderen geht, aber bis zum nächsten Fortsetzungsroman, ich nehme jetzt mal an, der erscheint erst nächstes Jahr – merke ich mir die vielen losen Enden nicht und es wird dann schwer für mich in das nächste Buch rein zu finden.

Fazit: Zu viele Handlungsstränge und am Schluss zu viele offene Enden.

02.06.2019 20:22:21
books4ever

Überzeugt, bis auf das offene Ende

„10 Stunden tot“ ist der vierte Fall für den Helsingborger Kommissar Fabian Risk und seine Kollegen.
Die Stadt wird von einer Reihe rätselhafter Morde erschüttert: Ein Flüchtlingsjunge wurde grausam getötet, eine junge Frau in ihrer Wohnung vergiftet und ein Angestellter in einem Supermarkt vor den Augen der Kunden erstochen. Fabian Risk kehrt nach einer Auszeit zu seinen Kollegen zurück, um unter Hochdruck an der Aufklärung der Morde zu arbeiten, doch diesmal scheinen alle Spuren ins Leere zu laufen …

Dies war mein erster Thriller von Stefan Ahnhem und dennoch habe ich mich relativ schnell in die Handlung eingefunden. Zwar fehlten an der ein oder anderen Stelle hilfreiche Hintergründe zu Fabian Risk und seinem Team, dennoch hat dies den Lesefluss nicht zu sehr gestört und mich eher dazu animiert, nun auch noch die anderen Bände der Reihe zu lesen. Eine kurze Zusammenfassung der wichtigsten Ereignissen aus den vorherigen Bänden zu Beginn des Buches hätte jedoch nicht geschadet.

Die verschiedenen Fälle, an denen das Team rund um Fabian Risk arbeitet, waren sehr spannend geschildert und man konnte als Leser die einzelnen Ermittlungsschritte der Polizei, ihre Erfolge und Misserfolge, hautnah mitverfolgen. Zwischendurch hat der Autor immer wieder Szenen aus dem Privatleben von Fabian Risk, dessen Familie nach seinem letzten Fall zu zerbrechen dort, in die Handlung eingewoben. Dies hat dazu geführt, dass ich ein besseres Verständnis für Fabian entwickeln konnte, der mir trotz all seiner Problem und mit seinem Drang, unbedingt die mysteriösen Todesumstände seines Kollegen Elvin aufzuklären, mit der Zeit doch recht sympathisch wurde. Und auch in seine Kollegin Irene Lilja, welche mitunter zu gefährlichen Alleingängen neigt, konnte ich mich durch die detaillierten Schilderungen ihrer Gedanken und ihres persönlichen Umfelds besser hineinversetzen.
Der einzige Kritikpunkt ist für mich, dass die Auflösungen der unterschiedlichen Handlungsstränge am Ende doch sehr offen gestaltet waren. Zwar gelingt es der Polizei, einige lose Fäden der Ermittlungen zusammenzuführen, doch nicht alle Fälle können schlussendlich zu einem befriedigenden Abschluss gebracht werden. Und für den Leser stellt sich die Frage, ob die Polizei tatsächlich die wahren Schuldigen stellen konnte. Auch Fabian Risks private Ermittlungen zum Tod seines Kollegen Elvin werden wohl erst im nächsten Band zu Ende geführt werden.

Es bleibt in jedem Fall spannend und ich werde definitiv noch die Vorgänger- bzw. dann auch den Nachfolgerband lesen!

30.05.2019 21:38:05
Büchermaulwurf

„10 Stunden tot“ ist bereits der 4. Band einer schwedischen Reihe um Kommissar Fabian Risk.

Das düstere Titelbild fand ich ganz gut, ich konnte es aber nicht mit der Handlung verbinden, ebensowenig wie den deutschen Titel „10 Stunden tot“. Der schwedische Titel „Motiv X“ wäre meiner Meinung nach passender gewesen.

Ich kannte die ersten drei Bände noch nicht, konnte mich aber trotzdem gut in die Handlung und die Charaktere der Ermittler einfinden.
Stefan Ahnhem hat mich mit einer sehr komplexen Handlung und einem außergewöhnlich guten Schreibstil positiv überrascht. Es gibt mehrere Handlungsstränge und mit jedem Kapitel wechselt die Erzählperspektive, was das Erzähltempo und die Spannung stetig steigert. Ahnhem hat in seinem Krimi gleich mehrere gesellschaftskritische Themen wie Ausländerhass, Rechtsradikalismus, Pädophilie, Pornosucht und Stalking aufgegriffen und glaubwürdig in die Handlung integriert. Der ständige Wechsel der Erzählperspektive und die vielen Handlungsstränge erfordern allerdings auch eine gehörige Portion Aufmerksamkeit, um nichts zu verpassen. Der rote Faden war für mich aber immer vorhanden.

Die handelnden Charaktere fand ich durchweg glaubwürdig, hatten sie doch (wie in skandinavischen Krimis üblich) alle ihr Päckchen zu tragen. Fabian Risk kämpft gegen das Auseinanderbrechen seiner Familie, nachdem seine Tochter im Koma lag und der Sohn vermutlich in ein Verbrechen verwickelt ist. Außerdem ermittelt er heimlich gegen einen Kollegen aus der Kriminaltechnik, der vermutlich für mehrere Morde verantwortlich ist. Seine Chefin kämpft gegen ihre Alkoholsucht und die Kollegin Irene Lilja gerät ins Visier von rechtsradikalen Rockern.

Als Leser wurde ich diesmal wirklich gefordert: gleich mehrere grausame Verbrechen, mehrere Täter, ein Mörder in den eigenen Reihen und dazu ein Serienmörder, der seine Opfer mit Hilfe eines Spezialwürfels auswählt (ebenso wie den Tatort und die Waffe). Dazu noch die privaten Probleme der Ermittler, die zusätzlich für Spannung sorgten. Ich konnte das Buch jedenfalls kaum aus der Hand legen und werde die ersten drei Bände demnächst nachholen um meine Lücken aufzufüllen.

Einziger Wermutstropfen: es werden nicht alle Verbrechen aufgeklärt.
So wird der Würfelmörder nicht gefasst und der mordverdächtige Kollege Molander konnte auch noch nicht überführt werden. Ich fand das nicht so schlimm, weckt es doch meine Vorfreude auf den nächsten Band, der hoffentlich nicht zu lange auf sich warten lässt.

23.05.2019 14:18:11
TochterAlice

Was habe ich mich auf diesen Fall und auf den Ermittler Fabian Risk gefreut, den ich durch Kommentare und Bewertungen als unheimlich charismatischen Typen abgespeichert hatte! Statt dessen traf ich einen überforderten Familienvater mit Eheproblemen und (aus meiner Sicht) schlechtem Musikgeschmack, der mit zur Auffrischung der Beziehung zu seiner Frau mit einem Besuch im Swingerclub liebäugelte. Und er trat erstmal - da beurlaubt - gar nicht als Teil der Ermittlerteams in Erscheinung, auch wenn er privat an dem ein oder anderen Fall herumdokterte.

Das weitere Team - zu dem Risk irgendwann dann doch hinzustieß - war mit einer Reihe von Fällen beschäftigt, die mit rechtsradikalen Motiven, Kindesmißbrauch und Serienmorden an Frauen aus sexueller Motivation zu tun hatten - oder sich vielleicht auch vermischten. In mir keimte ab und an der Verdacht auf, dass der Autor Stefan Ahnhem selbst noch so recht keine Ahnung hatte, ob und wie das alles ineinander verstrickt war.

Musste er auch nicht, da sich - zu meiner großen Enttäuschung - die wenigsten Fälle im Handlungverlauf auflösten, es erschien mir eher wie ein Intermezzo, das andere Handlungsteile miteinander verbindet und vor allem dazu gedacht ist, einen weiteren lukrativen Verkaufsschlager zu generieren.

Ein bisschen hat mich all das an das gute, alte Mikado erinnert: Lauter Handlungsstränge, die wie Stäbchen auseinanderfallen & liegen bleiben. (Fast) Nichts davon wird aufgelöst. Es gab nicht nur einen Cliffhanger, sondern eine ganze Reihe davon, die sich an unterschiedlichen Stellen im Buch auftaten und dann einfach nicht wieder aufgegriffen wurden. Wahrscheinlich sollte ich nun gespannt darauf sein, wie sie sich auflösen werden und voller Erwartung dem nächsten Band des Autors entgegenblicken, doch das Gegenteil ist der Fall: in mir hat sich eine Art Trotzreaktion entwickelt: ich habe überhaupt gar keine Lust, mich weiter mit Fabian Risk und seinen Kollegen zu beschäftigen und breche meine Verfolgung ihrer Geschicke nach Vollendung der Lektüre dieses Bandes einfach ab! Basta!

20.05.2019 20:07:17
mable

Am Ende des Buches habe ich mich gefragt, ob ich vielleicht einen Fehldruck erwischt habe, denn leider wurden die verschiedenen Handlungsstränge und die dazugehörigen TäterInnen nicht aufgelöst! Ich habe grundsätzlich gar nichts dagegen, wenn Spannung zum nächsten Band gehalten wird aber hier wurde ja so gut wie nichts aufgelöst und das finde ich, gelinde gesagt, unverschämt! Ich besitze alle Vorgängerbände und mag Stefan Ahnhems "Schreibe" sehr gern, ob ich ein nächstes Buch kaufen werde, weiß ich noch nicht; irgendwie ist mir die Lust vergangen.
Die Idee mit dem Würfelmörder hat mir hingegen sehr, sehr gefallen, kam mir aber l zu kurz. Sehr schade!
Neueinsteiger werden es schwer haben, in`s Geschehen hineinzukommen und "Altgediente" werden enttäuscht sein.

20.05.2019 11:20:53
elke17

„10 Stunden tot“, der vierte Band er Fabian Risk-Reihe, entpuppt sich, nachdem man das Buch zuklappt, als Mogelpackung. Warum? Die Gründe dafür sind vielfältig, am schwersten wiegt allerdings meiner Meinung nach, dass der Autor die Erwartungen seiner Leser massiv enttäuscht.

Das Team der alkoholkranken Kripochefin Tuvesson ermittelt in vier verschiedenen Fällen, wobei Fabian Risk, ihr „Starermittler“ und Namensgeber der Reihe, bis in den Spätsommer beurlaubt ist und ansonsten weitestgehend seine eigene Suppe kocht, heißt einem alten Fall nachgeht, wenn er nicht gerade mit seinem deprimierenden Privatleben beschäftigt ist.

Tuvesson hingegen geht in Reha, obwohl die Hütte brennt. Wenn das Usus bei der schwedischen Polizei ist, wundert es mich nicht, dass Anzeigen dort nicht ernst genommen bzw. bearbeitet werden. So geschehen im Fall „Molly“.
Molly wird gestalkt, jemand dringt während sie schläft in ihr Schlafzimmer ein, fotografiert sie und schneidet ihre Ponyfransen ab. Die Polizei quittiert ihre Befürchtungen mit einem Schulterzucken. Wie die Geschichte endet, kann man sich denken, ist ja ein Thriller. Sie wird ermordet, stirbt einen qualvollen Tod.

Ein Flüchtlingskind verschwindet, und die Bereitschaft der Polizei, der Sache nachzugehen, ist auch eher gering. Lediglich Kriminalinspektorin Irene Lilja wird beharrt darauf, sich darum zu kümmern, und sie hat recht. Das Kind wird in der Waschküche tot aufgefunden. Ein fremdenfeindlicher Übergriff?

Und dann noch besagter Würfelmörder, der seine Opfer nach dem Zufallsprinzip auswählt. In diesem Fall tappt die Polizei komplett im Dunkeln.

So, vier Fälle, vier Handlungsstränge. Jeder für sich eigentlich interessant. Aber was macht der Autor daraus? Sozusagen nichts. Ein einziger Fall wird zweifelsfrei aufgeklärt, nämlich der von Molly. Auf die Lösung der anderen drei muss der Leser wahrscheinlich bis zu Band 5 warten, wenn Ahnhem es denn schafft, diese in den Abschlussband der Reihe einzuarbeiten.

Zwei weitere Punkte sind mir während des Lesens sehr unangenehm aufgefallen: Zum einen habe ich mich an der äußerst vulgären Sprache gestört, an Schimpfwörtern, die Frauen gegenüber inflationär gebraucht wurden. Nicht von Angesicht zu Angesicht, sondern in SMS oder um dem Ärger über eine Kollegin Ausdruck zu verleihen (Beispiel Kim Z.). Zum anderen gibt mir das Frauenbild, das hier transportiert wird, stark zu denken. Egal, wie gut diese Frauen im Job/Alltag sind, in ihren Partnerschaften lassen sie sich klein halten, stehen nicht für sich ein und lassen es sogar zu, dass sie geschlagen werden – ohne sich zu wehren. Das geht überhaupt nicht.

Sorry, aber wenn ein Autor annähernd 2.500 Seiten braucht, um einen schlüssigen Thriller zu schreiben in dem alle Feuer, die er bis dato gezündet hat, gelöscht werden, sollte er es vielleicht mit einem anderen Genre versuchen. Ein Krimi/Thriller verlangt nach einer Auflösung, mehr ist dazu nicht zu sagen. Punkt.

17.05.2019 23:19:34
Oberchaot

Fabian Risk hat noch immer familiäre Probleme, da er seinen Beruf als Mordermittler einfach nicht hinter die Aufgabe als Mitglied der Familie stellen kann. Weiterhin scheint er nicht für seine Familie da zu sein, die ihn braucht. Und er hat viel zu tun. Einerseits treibt ein Kranker ein seltsames Spiel, indem er die Würfel fallen lässt, um zu bestimmen, wen er wann und wie umbringen will. Risk hat aber noch einen ganz anderen Verdacht.
Gleichzeitig hat Kim Sleizner in Dänemark weiterhin Probleme mit seiner Mitarbeiterin, Polizistin Dunja Hougaard, beziehungsweise wendet er all seine Energie dafür auf, ihr das Leben schwer zu machen.
Risks Mitarbeiterin Lilja hingegen hat herausgefunden, dass ihr Lebenspartner Hampus in der rechten Szene vertreten ist.
Ahnhem schreibt gewohnt packend. Ich empfinde es als Vorteil, wenn man die drei Vorgänger-Bücher kennt, denn so sind die vielen Protagonisten nicht ganz so verwirrend.
Ich kann es weiterempfehlen, obwohl mir der Fabian Risk als Mensch mit seinem Verhalten manchmal auf die Nerven geht. Aber sonst: Top! Und es schreit nach einer Fortsetzung!

07.05.2019 17:48:29
StephanieP

Die Helsingborger Polizei steht vor einem Rätsel: Es werden mehrere Menschen ermordet aufgefunden, aber es scheint zwischen den Opfern keine Verbindung zu geben. Die Ermittler haben den Eindruck, dass der Täter seine Opfer wahllos tötet. Um weitere Morde zu verhindern ermittelt die Polizei beinahe pausenlos und in alle Richtungen. Unter ihnen ist auch der Kommissar Fabian Risk. Doch auch in Fabians Privatleben geht es rund, neben Streitereien mit seinen Kindern hat er auch Eheprobleme.

Stefan Anhems Schreibstil ist flüssig und fesselnd. Durch die Perspektivenwechsel kann der Autor schnell Spannung aufbauen und diese zunehmend steigern. Die Spannung ist durchgehend sehr hoch und kann das gesamte Buch über gehalten werden. Leider haben die vielen verschiedenen Perspektiven und Fälle zur Folge, dass ich hin und wieder durcheinander kam und verwirrt war. Das Ende konnte mich leider weder überzeugen noch begeistern und hat meine Freude an dem Buch deutlich geschmälert.

Die einzelnen Protagonisten sind authentisch und facettenreich. Besonders überzeugen konnten mich die Kapitel aus der Perspektive des Täters, diese haben die Spannung immer wieder erhöht, daher finde ich es besonders schade, dass weder seine Identität noch das Motiv geklärt werden. Ich mag es, wenn in einem Thriller auch auf das Privatleben der Ermittler eingegangen wird. In diesem Buch nahmen mir die Szenen rund um Fabians Familienleben und Eheprobleme allerdings deutlich zu viel Platz ein.

FAZIT:
„10 Stunden tot“ ist ein spannender Thriller mit einer wirklich gelungenen Grundidee. Allerdings hat mich persönlich das Ende ziemlich enttäuscht. Zudem haben mich die vielen Perspektivenwechsel hin und wieder verwirrt und die Ausschweife in Fabians Privatleben konnten mich nicht begeistern. Daher kann ich leider nur 3 Sterne vergeben.

06.05.2019 16:30:41
leseratte1310

Helsingborg wird von einem Serienmörder heimgesucht, der seine Opfer scheinbar zufällig aussucht und keine Spuren hinterlässt. Obwohl Fabian Risk eine längere Auszeit nehmen wollte, um sein Familienleben in Ordnung zu bringen, muss er nun doch in den Dienst zurück. Aber die Polizei kommt in dem Fall nicht wirklich weiter. Wie können sie auch ahnen, dass der Mörder die Würfel zu Rate zieht. Er würfelt nicht nur das Opfer aus, sondern auch den Tatort und die Waffe. Man kann also keine Gemeinsamkeiten finden.
Dies ist bereits der vierte Band um den Kommissar Fabian Risk. Ich habe nur das erste Buch der Reihe gelesen, denke aber, dass man gut daran tut, wenn man alle Bücher in Folge liest, denn immer wieder wird auf die Vorgänger Bezug genommen.
Natürlich ist Risk Familie wichtig, aber noch viel wichtiger ist ihm sein Job, denn er ist mit Leib und Seele Kommissar.
Das Buch lässt sich gut und flüssig lesen. Kurze Kapitel, verschiedene Handlungsstränge und Handlungsorte sorgen dafür, dass das Tempo sehr hoch ist. Man muss schon aufpassen, um den Überblick nicht zu verlieren. Ich denke auch, dass das Buch nicht für jeden etwas ist, denn es ist doch oft sehr erschreckend und brutal.
Es sind einige Themen, die in diesem Buch aufgegriffen werden: Rassismus, Pädophilie und Gewalt an Frauen. Es wird aber auch aufgezeigt, wie die Behörden versagen, die eigentlich für Recht und Sicherheit sorgen sollen.
Es gibt eine Reihe von Wendungen, die einen in die Irre leiten und am Ende erwartet den Leser ein Cliffhanger, der einen mit einer Reihe Fragen zurücklässt.
Wer temporeiche Thriller liebt und sich nicht an drastischen Beschreibungen stört, dem Wird dieses Buch gefallen.

04.05.2019 18:33:14
Miss Marple

Fabians 4.Runde

In Helsingborg fallen die Würfel- im wahrsten Sinne benutzt ein perfider Mörder Würfel, um seine nächsten Opfer zu finden. Als ein kleiner syrischer Junge tot aufgefunden wird und als dann auch noch ein Flüchtlingsheim brennt, vermuten die Ermittler um Irene Lilja schnell einen fremdenfeindlichen Hintergrund. Übergriffe gehören mittlerweile zur Tagesordnung. Doch der Autor führt seinen Leser in die Irre. Immer wieder nimmt er einen neuen Faden auf. Fabian Risk ist noch von den dramatischen Ereignissen im vorhergehenden Buch traumatisiert- seine Tochter liegt seit einem Monat im Koma, sein Sohn zieht sich immer mehr zurück und um seine Ehe ist es auch nicht gut bestellt. Noch während seiner Beurlaubung verfolgt er im geheimen einen weiterzurückliegenden Fall, von dem er glaubt, dass ein Kollege darin verwickelt ist. Leider gelingt es dem Autor nicht, hier und bei weiteren Handlungssträngen, dem Leser eine Lösung zu präsentieren. Vieles bleibt am Ende offen und der gespannte Leser wartet auf die Fortsetzung, in der Hoffnung, bis dahin nicht alles vergessen zu haben. Die Kenntnis der vorhergehenden Bände sei empfohlen.

27.04.2019 11:49:46
subechto

Eine Achterbahn der Gefühle

Der vierte Band mit Kommissar Fabian Risk ist endlich da und der Autor geht auch gleich in medias res: Inga Dahlberg wird von ihrem Geliebten brutal ermordet. Ein paar Jahre später: Ein syrischer Flüchtlingsjunge wird in einer Waschmaschine totgeschleudert. Wie kommt man denn auf so etwas? Stefan Ahnhem ist immer wieder für Überraschungen gut.
Mehrere spannende Handlungsstränge gilt es zu verfolgen: Ein Täter, der seine Opfer, Tatwaffe und Tatort durch die Entscheidung eines Würfels auswählt, ein bisschen wie bei Cluedo. Somit hat er eigentlich kein Motiv. Ein weiterer Täter, der sich selbst Columbus nennt und seine Opfer dazu bringt, über seine sexuellen Grenzen hinauszugehen, sie tätowiert und tötet.
Last but not least die privaten Probleme von Fabian Risk: Seine Tochter Matilda liegt nach einer Schussverletzung noch immer im Koma, sein Sohn Theodor war vielleicht an einem Mord der sogenannten Smiley-Liga beteiligt und sein Kollege Molander, hat vermutlich nicht nur seine Nachbarin umgebracht...
Stefan Ahnhem hat seinen neuen Thriller wieder packend in Szene gesetzt. Der Leser merkt sofort, dass der Autor ein routinierter Drehbuch-Schreiber ist. Unerbittlich dreht er an der Spannungsschraube. Nichts ist wie es scheint. Niemand ist, wer er zu sein scheint.
Kurze Kapitel und wechselnde Perspektiven sorgen für Dynamik. Gut geschrieben, keine Frage. Auch mit Gesellschaftskritik spart der Autor nicht. Das Buch endet mit einem fiesen Cliffhanger, der offen lässt, wie es mit dieser genialen Reihe weitergeht. Das hat mich gestört.

Fazit: Das Buch ist echt der Hammer. Vielschichtig, komplex - und hochspannend. Aber, irgendwie hört es mittendrin auf.