Der Todesschöpfer

Erschienen: Januar 2018

Bibliographische Angaben

  • Luxemburg: Edition M, 2018, Seiten: 380, Originalsprache

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Brigitte Grahl
Mit Tempo werden Figuren, Regeln und Logik überfahren

Buch-Rezension von Brigitte Grahl Dez 2018

In Kürze: Im Kofferraum eines gestohlenen Wagens stößt die Leipziger Polizei auf einen unheimlichen Fund: eine Glasfigur, in die ein menschlicher Schädel eingeschlossen ist. Kriminalhauptkommissarin Klara Frost übernimmt die Ermittlungen und entdeckt im Oberkiefer eine Zahl, die darauf hindeutet, dass es womöglich weitere solcher Glasgegenstände mit Skelettteilen gibt. Schnell muss Frost feststellen, dass sie einen Serienmörder jagt, dem das BKA schon einige Jahre auf der Spur ist.
Als die Ehefrau eines Glasfabrikanten verschwindet, überschlagen sich die Ereignisse und die Rollen von Jägern und Gejagten verschieben sich. Bald gerät auch Frost ins Visier des Killers und dieser gibt sich bei der Herstellung seiner Kunstwerke nicht mehr nur mit den Knochen seiner Opfer zufrieden. 

Theatralische und anstrengende Dialoge

Ich habe mich durch die ersten 200 Seiten gequält, danach hatte ich mich an den Stil des Buches gewöhnt – Vergnügen hat es trotzdem bis zum Ende nicht bereitet. Woran das liegt? Ich weiß gar nicht, wo ich mit der Aufzählung anfangen soll, so viele Gründe gibt es.

Realismus sucht man vergebens. Die Figuren sind wandelnde Klischees. Die Handlung könnte einem Grand Guignol Theaterstück entstammen, laut Wikipedia »eine Gattungsbezeichnung für grotesk-triviale Grusel- und Horrorstücke«, die um 1900 beliebt waren und mit Sex, Horror und Wahnsinn ihr Publikum schockten.

Die Dialoge in »Der Todesschöpfer« wirken theatralisch und sind anstrengend zu lesen: »Fuck. Dann nimm mich, als was immer dir beliebt ...«, »Das geht dich einen Scheißdreck an! Du bist wahrlich eine Exorzistin, deine Vorfahren sollen verflucht sein.«, »Fluche, soviel du willst, ich rufe besser deine Mutter.« So spricht kein Mensch in einer Handlung, die in der Gegenwart spielt.

Die Namen der Figuren sind oft selbsterklärend. Die Hauptperson heißt Klara Frost und ist eine gefühlskalte Einzelgängerin und brillante Analytikerin, entstammt einer Exorzistenfamilie und sie ist sehr reich. Sie arbeitet bei der Leipziger Mordkommission, fährt im Dienst einen Sportwagen, ist reichlich tätowiert und eine Schönheit, die von allen begehrt und bewundert wird. Die ihr zugeteilte Kollegin ist um die 40, frustriert, übergewichtig, auf der Suche nach einem Mann und sie gerät beim Zusammentreffen mit Klara Frost und dem Rockstar Lenny Ketzer ins Schwärmen wie ein Teenager.

Ein BKA-Mann namens Gabriel Rammler mit Macho-Attitüde und gutem Aussehen lässt die eisige Fassade der coolen Heldin schmelzen. Die Figuren sind aus frauenfeindlichen Klischees und Macho-Fantasien zusammengebastelt – ich fürchte, das alles ist vom Autor nicht mal ironisch, sondern ernst gemeint.

Sinistre Gedanken des psychopathischen Mörders

Die Erzählperspektive wechselt mit den Kapiteln, darunter die sinistren Gedanken des psychopathischen Mörders, der wie alle anderen fasziniert von der Ermittlerin ist und mit ihr in Kontakt tritt. Er zwingt die Heldin, gegen die tickende Uhr ausgefeilte bizarre Mordszenarien zu lösen – »Saw« lässt grüßen.

Der Täter wird mehr oder weniger aus dem Ärmel gezaubert, seine Gründe am Ende des Buches in einem langen Monolog ausgebreitet. Natürlich ist der Täter dadurch eine Überraschung und nicht vorhersehbar. Das kann man allerdings keine gut vorbereitete, in sich logische Wendung nennen.

Für mich ist »Der Todesschöpfer« das Pendant zu einem B-Movie mit Sex, Gewalt, Action und schlechten Schauspielern in einer Geschichte, die man so ähnlich schon oft gesehen hat. Ich habe das Buch für den ersten Versuch eines Amateurs gehalten, der die Regeln der Dramaturgie nicht kennt oder nicht beherrscht.

Erstaunlicherweise hat der Autor schon mehrere Bücher geschrieben und auf Amazon publiziert. Dort gibt es zahlreiche positive Kritiken, in denen stolz hervorgehoben wird, dass Hallers Bücher nur für Leser mit starken Nerven sind oder wie unvorhersehbar die Auflösung des Falles ist.

Auf Elias Hallers Webseite steht: »Hauptsächlich geht es ihm darum, seine Helden körperlich und psychisch an ihre Grenzen zu bringen.« Mich hat »Der Todesschöpfer« auch an Grenzen gebracht, an ästhetische und formale. Was ich allerdings anerkenne: Ein Buch zu schreiben bedeutet Arbeit, egal was dabei herauskommt. Dafür vergebe ich die 20 Prozent.

Der Todesschöpfer

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