Dornenherz

Erschienen: November 2018

Bibliographische Angaben

  • -: Headline, 2017, Titel: 'Edge of darkness', Originalsprache
  • Köln: Lübbe Audio, 2018, Seiten: 6, Übersetzt: Sabina Godec

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Almut Oetjen
Tactical Pen mit rosa Herzchen

Buch-Rezension von Almut Oetjen Jan 2019

Die Dornenreihe ist eine Untergruppe miteinander verbundener romantischer Thriller von Karen Rose. Ihre Bücher spielen alle im gleichen Universum und weisen vielfältige Verbindungen auf. In Untergruppen getrennt werden sie primär durch die Handlungsorte. Die Dornenreihe spielt in Cincinnati, weshalb sie im Original als Cincinnati Series bezeichnet wird.

Sie besteht aus vier Titeln: >Dornenmädchen< (>Closer Than You Think<), >Dornenkleid< (>Alone in the Dark<), >Dornenspiel< (>Every Dark Corner<) und dem neuen Band >Dornenherz< (>Edge of Darkness<), der neunzehnte Roman von Karen Rose und nach ihren Angaben nicht der letzte dieser Reihe. Karen Roses kürzlich in den USA veröffentlichter 21. Roman mit dem Titel >Death is Not Enough< ist der sechste Band in ihrer Baltimore Series. 

>Dornenherz< schließt direkt an >Dornenspiel< an, in dem die Polizei von Cincinnati und das FBI einem Online-Sexhandel mit Kindern und Jugendlichen auf die Spur kommen. Es gibt ein Wiedersehen mit alten Bekannten aus Cincinnati, wie Scarlett Bishop, Deacon und Dani Novak, und auch mit Detective Abe Reagan aus Chicago. Der Fokus liegt auf Meredith Fallon und Adam Kimble.

Das Böse ist ganz nah

Die Kinder- und Jugendpsychologin Dr. Meredith Fallon hat sich mit ihrer jungen Patientin Mallory Martin angefreundet, die jahrelang von dem Menschenhändlerring gefangen gehalten und missbraucht wurde und nach ihrer Flucht im Mariposa House Schutz gefunden hat.

Der Roman beginnt damit, dass Meredith die Fortschritte Mallorys feiern will und sie in ein Café in der Innenstadt einlädt. Dort tritt ein völlig verängstigter junger Mann, später identifiziert als Andy Gold, an ihren Tisch und bedroht Meredith mit einer Waffe, drückt aber nicht ab. Ein vor dem Café lauernder Scharfschütze tötet Andy und verletzt beim Schuss auf Meredith einen Gast. Detective Adam Kimble vom CPD leitet die Ermittlungen in der Schießerei, gemeinsam mit Special Agent Jefferson Triplett vom FBI, denn Andy hatte neben einer Schusswaffe auch eine Bombe, die er jedoch vor dem Café entschärft hatte.

Adam geht davon aus, dass Meredith die Zielperson war. Ihre Arbeit mit sexuell misshandelten Kindern und Mädchen hat ihr viele Feinde verschafft. Zum Selbstschutz trägt sie eine Schusswaffe und einen Tactical Pen mit rosa Herzchen bei sich. Mit beidem versteht sie umzugehen.

Hauptverdächtiger ist Multimillionär Voss. Er stalkt Meredith schon seit Wochen, weil sie seine kleine Tochter behandelt, die auf einer seiner Drogen- und Sexpartys etwas gesehen hat, was sie nicht sehen durfte. Doch dann ist Voss tot. Es gibt weitere Opfer und Attentatsversuche.

Der Täter arbeitet nicht allein, ist Adam immer einen Schritt voraus, vernichtet alle Spuren und tötet jeden Zeugen und Komplizen, der ihn verraten könnte. Es wird klar, dass er beste Kontakte zur Polizei hat. 

Zwei beschädigte Hauptfiguren

Die beiden Hauptfiguren, Meredith Fallon und Adam Kimble, hatten vor etwa einem Jahr eine einmalige Affäre. Doch seit einem traumatischen Erlebnis meidet Adam Meredith. Er hatte den Mord an einem entführten Mädchen, der kleinen Paula, online ansehen müssen. Der Täter wurde nie gefasst. Nun leidet er an PTSD und kämpft gegen seinen Alkoholismus an, geht seit fast einem Jahr zu den Treffen der Anonymen Alkoholiker.

Beides hält er geheim. Er schämt sich dafür und geht Meredith aus dem Weg, will keine Beziehung, um nicht von einer Abhängigkeit in die nächste zu geraten. Er folgt einer Maxime, die sich anlehnt an die Anweisung einer Stewardess, im Notfall zuerst sich selbst die Atemmaske aufzusetzen und erst dann dem Nachbarn zu helfen.

Meredith ahnt davon nichts. Sie hat mit ihren eigenen psychischen Problemen zu kämpfen, die sie hinter einer Maske versteckt und die sich durch Adams Zurückweisung verstärken.

Beide sind einsam und unglücklich, leiden unter ihren familiären Verhältnissen, versuchen aber ihr bestes, damit fertig zu werden.  

Der Roman erzählt ihre Hintergrundgeschichte, die bis in ihre Kindheit zurückreicht. Dabei erweist sich Adams Vergangenheit als relevant für den Fall. Das Attentat führt beide wieder zusammen, und natürlich ist dieses Wiedersehen geprägt von Geheimniskrämerei und Missverständnissen.

Die perfekte Familie als Illusion

Traditionelle Familien gibt es nicht, und falls doch, sind sie ein Fake oder in Auflösung begriffen, wie die von Voss oder dem Täter. Rose wechselt häufig die Perspektive, erzählt auch aus Sicht des Täters, ohne zuviel über ihn zu verraten. Geschickt kreist sie ihn ein, gibt nur soviel preis, wie unbedingt nötig und hält über die Frage nach dem Täter und sein Motiv die Spannung.

Sie umkreist den Täter geschickt, nähert sich ihm langsam an, dosiert geschickt Informationen über ihn, ohne frühzeitig seine Identität preiszugeben. Nur soviel wird bald klar: Er ist ein Mann, der sich mit Ehefrau, zwei Kindern und Eigenheim in einer Vorortsiedlung eine bürgerliche Fassade zugelegt hat, die er als Solist im Kirchenchor komplettiert: ein klassischer Soziopath, dem man sein Innenleben nicht anmerkt.

Roses Figuren haben nur noch Restfamilien, sind adoptiert oder ihren Familien entfremdet. Sie haben sich eine Surrogat-Familie aus Freunden geschaffen, Officers des CPD, FBI-Agenten, Therapeuten, Ärzten, Heimleiterinnen, Reporter. Sie bilden eine ideale familiäre Bande, unterstützen sich gegenseitig und haben gleiche Ziele: die Guten beschützen und die Bösen bekämpfen.

Die zahlreichen Liebes- und Verwandtschaftsbeziehungen zwischen diesen Freunden wirken ein wenig inzestuös und sorgen für einige Verwirrung. Eine Orientierungshilfe bietet das ans Ende gestellte Figurenverzeichnis samt Liste aller Karen-Rose-Romane.

Fazit:

Spannender, actionreicher Thriller mit einem ausgewogenen Gleichgewicht zwischen Krimihandlung und Liebeshandlung. Rose erzählt eine komplexe Geschichte, mit unvorhergesehenen Wendungen, hohem body count (siebzehn plus eins), vielen Figuren und Handlungsfäden, die sie souverän orchestriert und zu einem überraschenden Ende zusammenführt. Ausgezeichnet erzählt, sorgfältig recherchiert, hoher Unterhaltungswert, aber nicht ganz frei von Klischees, Redundanzen und Pathos.

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Letzte Kommentare:
02.10.2018 19:33:15
Schnellleserin

Lange erwartet und doch irgendwie enttäuscht...
Die Geschichte ist grundsätzlich gut. Wer Karen Rose-Bücher kennt, ist mit dem Aufbau der Geschichten vertraut, daher nichts neues. Trotzdem ist es spannend zu lesen.
Leider wurde bei zwei meiner Lieblingsprotagonisten (Diesel und Dani) die Geschichte offen gelassen. Da dieses Buch als das Finale der Dornen-Reihe angekündigt wurde, habe ich nur einen ganz kleinen Funken Hoffnung, dass es da doch noch weitergeht.