Schneekönig

Erschienen: November 2018

Bibliographische Angaben

  • München: Droemer, 2018, Seiten: 352, Originalsprache

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Kirsten Kohlbrei
Von der wundersamen Auferstehung eines Trödelhändlers als Schutzengel

Buch-Rezension von Kirsten Kohlbrei Apr 2019

Gossec is back! Zurück im nunmehr sechsten Band der Reihe um den launigen Münchner Trödler - und irgendwie auch zurück im eigenen Leben, nachdem ihm Autor Max Bronski gleich zu Beginn eine eigentümliche Nahtod-Begegnung widerfahren lässt.

Es ist Vorweihnachtszeit in der bayrischen Hauptstadt, und Wilhelm Gossec hat mit seinen Weihnachtsantiquitäten einen der begehrten Plätze auf dem Christkindlmarkt ergattert, den er, wenn am Abend die Kundschaft nachlässt, der Obdachlosenhilfe für die Darstellung einer lebendigen Krippe überlässt. Am Ende eines Marktages mit viel Kälte und noch mehr Rum im Tee zum Aufwärmen, läuft er auf dem Nachhauseweg punschbenebelt vor einen Lastwagen und findet sich wenig später im eigenen Astralkörper wieder, kurz davor, dem irdischen Dasein „Pfiati“ zu sagen.

Aber Zweifler Gossec ist für die himmlische Seeligkeit noch nicht bereit, verscherzt sich die Aufnahme in die Ewigkeit durch sein Hinterfragen der göttlichen Gerechtigkeit, und wird schnurstracks in sein weltliches Dasein zurückgeschickt. Um dort umgehend nun wirklich in ein Reality-Krippenspiel zu geraten, in dessen Dramaturgie er eine ganz persönliche Variante der Heiligen Nacht erlebt. Darin wird sein Laden zur Bleibe, wo die hochschwangere Mariella mitten in der kalten Winternacht den kleinen Joshua zur Welt bringt - und Gossec durch einen Eintrag in der Geburtsbescheinigung gleichzeitig zum Vater macht. Denn die Rolle des eigentlichen Erzeugers ist unklar.

Da mehr als 2000 Jahre nach der Geburt Christi eine jungfräuliche Geburt jedoch eher unwahrscheinlich ist, scheint es vielmehr ein Zusammenhang mit Mariellas Tätigkeit für einen Escortservice zu geben. Insbesondere, da ein geselliger Abend im Hotel mit ihrem Hauptkunden, dem Sultan Rasul, vor neun Monaten mit einem Blackout endete.
Als dann in einer benachbarten Klinik zwei Neugeborene getötet werden, und im Antiquitätengeschäft zudem ein Schlägertyp auf der Suche nach einer jungen Frau mit Kind auftaucht, macht sich Gossec auf, um der Sache auf den Grund zu gehen.

Gossec geht hin, die Wege des Herrn zu ergründen

So stapft er durch das tief verschneite München, trifft dabei auf honore Gäste des Empfangs beim Sultan, und recherchiert nach und nach die wirklichen Ereignisse. Nicht ohne dabei unliebsame Bekanntschaft mit den Widersacher des Herrschers zu machen, gleichzeitig aber auch Beistand durch ein Trio treuer Untertanen zu erhalten.
Nebenbei ist der Trödelhändler noch in den Belangen seiner Nachbarn und auch in eigener Sache unterwegs. In der süddeutschen Metropole ist bezahlbarer Wohnraum Mangelware. Da es um den Gesundheitszustand von Gossecs dementen Vermieters aber nicht allzugut steht, und dessen Tochter schon das Haus als Erbe verplant, muss also auch hier eine Lösung her.

Es scheint fast so, als hätte die Rückkehr aus dem Himmel ihm eine zweite Chance für ein besseres Leben und Handel auf der Erde beschert. Zur Unterstützung bekommt er das bisherige in Erinnerungen und Begegnungen, in guten und bösen Taten gleich nochmal präsentiert. Außerdem sind da noch die feinfühligere Wahrnehmung seines Umfelds und die merkwürdigen Halluzinationen, in denen er sich selbst begegnet oder sich eigentümlich verfolgt wähnt.
Und was hat es mit dem Penner Michi auf sich, der ihm immer wieder über dem Weg läuft?
Da sind Einsatz und Märtyrer-Qualitäten zunächst einmal unabdingbar, bis für ein glückliches Ende vor allem Gossecs Mut zur Entscheidung gefragt ist.

Bassd scho!

Max Bronski verpackt den neuen Fall seines trödelnden Ermittlers in eine absolut schräge Adaption der Weihnachtsgeschichte, in der er Gossec quasi in göttlicher Mission als Agent Engel entsendet. Dabei bleibt er mit Handlung und Rollenbesetzung durchaus bibelnah. Wahrscheinlich ist dem Autor der, seinem Protagonisten Gossec in der Kindheit eingeimpfte, Katholizismus auch nicht fremd.

Wer jedoch diesem abgedrehtem Humor nichts abgewinnen kann, wird mit der Geschichte wenig anfangen können. Trotz zu klärendem Verbrechen, ist die Krimikomponente nebensächlich. Im Vordergrund steht weniger die Überführung der Bösen, als die Antwort auf Gossecs Frage nach der Wurzel des Bösen in der Welt. Da wird der Text nahezu zum Plädoyer für die Eigenverantwortlichkeit des Einzelnen im täglichen Kampf mit dem Bösen als ständigem Begleiter.
Was für den einen Leser grenzenloser Schmarrn ist, kann für den anderen jedoch zum „Riesengaudi“ werden. Fans von Bronskis schnoddrigem und mit Lokalkolorit versehenem Schreibstil kommen voll auf ihre Kosten. Zwar sind die erwähnten Personen fiktiv und keine realen Größen, aber sie haben mit ihren Charakterisierungen sicherlich Erkennungswert, der sich für Einheimische eher erschließen wird, als für die preußische Leserschaft.

Als besonderes „Schmankerl“ hat sich der Autor übrigens zum neuen Buch einen Jugendtraum erfüllt, und mit drei Musikern die CD „München Blues“ eingespielt. Wie ein Soundtrack zur Gossec-Serie ergänzen die Texte den Geist der Bücher, in seinen Worten: „Hart hingehauen, ordentlich eingesteckt, geschimpft, gelacht, geweint, an sich und der Welt verzweifelnd.“

Fazit:

Mit „Schneekönig“ bleibt Max Bronski sich und seinem Trödelhändler treu. Die Story hat einen nahezu diabolischen Drive, durchgedacht durchgeknallt, und punktet mit hintergründigem Humor. Die Bereitschaft vorausgesetzt, nicht zu viel Krimispannung zu erwarten, der „Deifi“ solls holen, wer sich da intelligent unterhalten, nicht bestens amüsiert. Und das nicht nur im Winter, wenn es schneit, auch zur Sommerzeit.

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