Bluthaus

Erschienen: Januar 2018

Bibliographische Angaben

  • Köln: Lübbe Audio, 2018, Seiten: 6, Übersetzt: Michael Mendl

Couch-Wertung:

80°
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Carola Krauße-Reim
Solider Krimi mit allem was dazu gehört

Buch-Rezension von Carola Krauße-Reim Jun 2018

Starkes Ermittlerduo aus Itzehoe

Mit Frida Paulsen und Bjarne Haverkorn hat Romy Fölck ein ebenso ungleiches wie starkes Team geschaffen. Auch, wenn man die beiden erst jetzt, im zweiten Buch mit ihnen, kennenlernt, ist sofort klar wie sie ticken. Trotz des Altersunterschiedes können sie gut miteinander auskommen und sich vor allem aufeinander verlassen. Das sie beide dazu private Probleme haben, macht sie umso sympathischer.

Frida kämpft mit sich und ihrer Zukunft als Polizistin oder Nachfolgerin auf dem Obsthof ihrer Eltern. Und Haverkorn muss seine gescheiderte Ehe verdauen und sich mit der Tatsache abfinden eine bisher unbekannte Tochter zu haben, die ganz dringend Hilfe benötigt. Fölck präsentiert zwei überaus menschliche und realistische Typen mit Stärken und Schwächen und zieht damit den Leser gleich in die Geschichte.

Nebenschauplätze bereichern die Geschichte

Romy Fölck stellt zwar die Ermittlungen in den Vordergrund, baut aber mit den persönlichen Problemen der Protagonisten interessante Nebenschauplätze ein. Und auch die dort agierenden Charaktere sind gut getroffen. Für Haverkorn geht es um das Überleben seiner kranken Tochter, von deren Existenz er bis dato nichts wusste. Die daraus resultierenden Probleme bilden eine eigene Geschichte in der Geschichte, bei der man mitfiebert und hofft, dass sie gut ausgehen wird. Genauso ist es mit Fridas Sorgen um den heruntergekommenen elterlichen Hof. Das Geld für Investitionen fehlt, die Ernte steht wegen Dauerregen auf dem Spiel und die Eltern haben keinen Nachfolger. Auch hier bangt der Leser mit und hofft auf eine passende Lösung.

Wohlproportionierte Spannung mit leichtem Grusel

Gleich zu Beginn wird klar, dass hinter dem unangekündigtem Besuch der Freundin Jo mehr steckt als kurzes Hallo-Sagen. Als Jo dann auch noch das sterbende Mordopfer findet und sich merkwürdig verhält, hat die Autorin den Leser am Wickel. Während Frida Paulsen dem Verschwinden der Freundin nachspürt, kommen immer mehr Details zu Tage, die eine Verbindung zwischen den Vorfällen vor 20 Jahren und denen in der Gegenwart annehmen lassen. Stück für Stück gerät der Leser in den Bann um eine ermordete Familie, eine überlebende Tochter und Machenschaften des LKA.

Dabei wird in der Erzählung immer wieder zwischen 1997 und der Gegenwart gewechselt, was dem Leser ermöglicht direkt an den Vorkommnissen im Reeddachhaus teilzuhaben. Und genau dieses Setting bringt dann auch den Grusel in die Geschichte. Ein abgeschiedenes, seit damals verlassenes und verrammeltes Haus, ohne direkte Nachbarn, an der windgepeitschten Ostsee bietet alles um das Kopfkino in Gang zu setzen. Die etwas spleenigen Nachbarn und die Einsamkeit des Ortes tun den Rest.

Showdown mit Knalleffekt

Obwohl man immer mehr hinter das Geheimnis rund um das Bluthaus kommt, ist die tatsächliche Auflösung überraschend. Hier fährt die Autorin alles auf, was zu einem echten Showdown gehört. Spannung pur, nochmalige unvorhergesehene Wendungen und natürlich Gefahr für alle Beteiligten. Das es hier auch ein bisschen unlogisch und überspitzt dramatisch zugeht, verzeiht man gerne. Ist doch der Schluss der bis dahin fesselnden Geschichte ebenbürdig.

Trotzdem gehört Bluthaus für mich nicht ganz in die Spitzenklasse der Kriminalromane. Der Erzählstil ist zu geradlinig, die Handlung ebenso. Es fehlen mir die immer wiederkehrenden plötzlichen Wendungen, die so nicht vorhersehbar waren. Und die wenigen Vorhandenen hätten besser auf- und ausgebaut werden können, damit wäre die Geschichte noch vielschichtiger und undurchschaubarer geworden.

Stoff für einen Fernsehfilm

Romy Fölck ist mit Bluthaus ein Krimi gelungen, der den Leser von Beginn an fesselt. Dabei ist das atmosphärisch dichte Setting der absolute Pluspunkt. In ihm wird eine Geschichte erzählt, die getragen wird von sympathischen und authentischen Charakteren und der Verknüpfung verschiedener Zeitebenen. Wer sich durch die schlichte Erzählweise nicht irritieren lässt, findet hier genau das richtige für einen spannenden Lesegenuss an einem dunklen Herbstabend. Doch ich finde, der Stoff eignet sich auch gut für einen Fernsehfilm. Vielleicht können wir ja Frida und Bjarne auch mal außerhalb der Buchseiten kennenlernen.

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