Blind Sight

Erschienen: Januar 2018

Bibliographische Angaben

  • München: btb, 2018, Seiten: 448, Übersetzt: Judith Schwaab
  • New York: G. P. Putnam's Sons, 2016, Titel: 'Blind sight', Seiten: 388, Originalsprache

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Kirsten Kohlbrei
Nicht blindlings, sondern mit dem richtigen Blick zurück, nach vorn

Buch-Rezension von Kirsten Kohlbrei Nov 2021

Wie hängen das Verschwinden eines blinden Jungen, eine tote Nonne und ein aufsehenerregender Leichenfund im Garten des Bürgermeisters von New York zusammen? Mit dieser Frage sieht sich Detective Kathy Mallory konfrontiert, als sich herausstellt, dass die als vermisst gemeldete Schwester Michael, die mit drei weiteren Opfern tot vor dem Regierungssitz abgelegt wurde. im weltlichen Leben Angela Quillt hieß und die Tante, des ebenfalls verschwundenen Jonah war.

Spektakulärer Leichenfund mitten in New York

Den Toten wurden die Herzen herausgeschnitten, Anders als bei den anderen Leichen ergibt die Obduktion der Ordensschwester jedoch keine Anzeichen einer Gefangenschaft. Weitere Spuren sprechen dafür, dass sie ihren Mörder gekannt hat. Mallory ist sich schnell sicher, dass sie einen Auftragskiller und keinen psychischkrankem Trophäensammler suchen. Plausibler erscheint die Annahme einer Erpressung, bei der die Organe als Druckmittel einer Lösegeldforderung dienen sollten, auch wenn die Polizei über so einen Erhalt offiziell nicht informiert wurde. Unweigerlich rückt Bürgermeister Andrew Polk in den Focus der Ermittlungen. Der Amtsträger war vor seiner politischen Karriere als Börsenmakler aktiv und dabei nachweislich in dubiose hochdotierte  Geschäfte verwickelt, so dass möglicherweise ein finanziell Geschädigter nun Rache nimmt.

Auffälliges Vorleben einer Nonne

Wie beliebig ausgewählt, finden sich im Background der Ermordeten keine Verbindungen oder Übereinstimmungen. Einzig, lebten alle extrem zurückgezogen, so dass ihr Verschwinden unbemerkt blieb. Nur Schwester Michael fällt wieder aus diesem Opferschema heraus. Ein aufwendiges Rosentattoo, das bei der Leichenschau unter ihrem Ordonat zu Tage kommt, gibt Hinweis auf ihr Leben vor dem Gelübde. Mallory und ihr Partner Riker finden heraus, dass sie selbst noch ein Kind, sich prostituierte, um Geld für die Versorgung ihres Neffen zu verdienen. In dieser Zeit tauchte Angie erstmalig in Begleitung eines älteren Mannes in einem Tattoo-Shop auf und ließ sich eine Rose stechen, die der Bekannte bezahlte. Über drei Jahren lang kam dann jeden Monat eine Rose dazu, scheinbar von ihrem Gönner finanziert. Diese enge Verbindung zu einem Freier ist für die Ermittler Grund genug, den Mann ausfindig machen zu wollen. Was, wenn Angie ihren vielleicht nicht ehrbaren ehemaligen Stammkunden, nun als Schwester Michael gemeinsam mit ihrem Neffen zur falschen Zeit am falschen Ort wedergetroffen hat.

Die Zeit drängt, schnelle Ermittlungserfolge müssen her, denn Mallory sieht Jonah in den Händen des gedungenen Mörders in lebensbedrohlicher Lage. Den Jungen gilt es, rechtzeitig zu finden, solange sein Herz noch in seinem unschuldigen Körper schlägt,

Ermittlerin mit persönlicher Geschichte

Blind sight ist der nunmehr zwölfte Fall für Detective Kathy Mallory. Autorin Carol O' Connell schenkt der Rolle ihrer Protagonistin große Bedeutung, ohne den eigentlichen Krimi-Plot damit zu überfrachten. Allerdings verlangt sie von Neueinsteigern in ihre Mallory-Reihe ein gewisses Maß tan Aufmerksamkeit, um mit der sperrigen jungen Frau und ihrer persönlichen Geschichte vertraut zu werden. Das geschieht vor allem in der Zusammenarbeit mit ihrem Partner und langjährigen Wegbegleiter Riker, durch dessen gedankliche Rückblenden. Als Ziehtochter seines ehemaligen Vorgesetzten kennt er die zwanghafte Persönlichkeit, die Bindungsproblematik und das Gefühlsleben Kathys seit deren früher Kindheit und durchschaut ihr perfektes Auftreten und ihr emotionslos wirkendes Agieren am ehesten als Fassade und Schutzmechanismus.

Spannende Erzählstränge und Figuren mit Kontur

Ein Zurück in die Vergangenheit erfordert auch die Motiv- und Tätersuche bei dem aktuellen Verbrechen. Seien es die Beweggründe eines Erpressers oder die Antwort auf die Frage, warum Angie Quillt sterben musste, die Lösung liegt in zurückliegenden Ereignissen. Erkenntnisse liefert zum einen klassische Polizeiarbeit, gleichzeitig hackt sich Kathy, dank begnadeter IT-Fähigkeiten, am Rande der Legalität durch die Systeme und fördert dabei entscheidene Informationen zu Tage. Wissen über das O'Connells Leserschaft zum Teil schon verfügt, denn anders als Mallory gibt die Autorin ihren Lesern Aufschluss über die Situation des vermissten Jonah Quillts, dessen Entführung nicht vorgesehen war und zunehmend zum Problem wird.

Durch die bizarren Dialoge zwischen dem selbstbewusstem, mutig verzweifelten Jungen und seinem Entführer, entwickelt die Nebenhandlung eine Eigendymamik, die sie bald fesselnder werden lässt, als die eigentliche Krimihandlung. Dem generell in sich stimmigen Plot, mangelt es ein wenig an Überzeugungskraft bezüglich des Motivs und der gewählten Mittel.  Außerdem sind Figuren, wie der windige Bürgermeister, sein berechnender Assistent oder die profitgierigen Mitglieder der Upper Class, keine Sympathieträger. Eine freundliche Person ist Iggy, der Auftragsmörder, wahrlich ebenfalls nicht. Zudem, die, durch die Geschehnisse hervorgerufenen Erinnerungen ein Gefühlschaos bei ihm auslösen, dass seine Professionalität erheblich ins Schwanken bringt und ihn unberechenbar werden lässt. Wenn das Seelenleben der Tötungsmaschine plötzlich von hellem Glöckchenklingeln oder dem satten Duft roter Rosen empfindsam berührt wird, bleibt der Leser im Ungewißem, was das für den blinden Jonah in seiner Gewalt bedeutet, verfolgt gebannt Detective Mallorys Vorgehen unf kann nur inständig hoffen, dass ihre rettende Hilfe noch rechtzeitig kommt.

Fazit

Ganz gleich, ob Opfer, Täter oder Ermittler, in Blind sight lässt die Vergangenheit niemanden zur Ruhe kommen. Carol Ö' Connells spannender Psychothriller punktet mit dichten Charakteren, unter denen besonders die Protagonistin, tough und mitunter speziell, polarisiert. Vom Hier und Jetzt gefordert, geht sie in den Vierteln von New York, vor reizvoller Kulisse, auf eine gut inszenierte, gefühlsintensive Verbrecherjagd.

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