Mallorys Orakel / Ein Ort zum Sterben

Erschienen: Januar 1995

Bibliographische Angaben

  • New York: G. P. Putnam’s Sons, 1994, Titel: 'Mallory's Oracle', Seiten: 282, Originalsprache
  • Berlin: Knaus, 1995, Titel: 'Mallorys Orakel', Seiten: 315, Übersetzt: Renate Orth-Guttmann
  • München: Goldmann, 1997, Titel: 'Mallorys Orakel', Seiten: 315, Übersetzt: Renate Orth-Guttmann
  • München: Goldmann, 2000, Titel: 'Mallorys Orakel', Seiten: 315
  • München: Goldmann, 2002, Titel: 'Mallorys Orakel', Seiten: 315
  • München: btb, 2010, Titel: 'Ein Ort zum Sterben', Seiten: 316

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Michael Drewniok
Kantige Cop-Frau räumt rabiat auf

Buch-Rezension von Michael Drewniok Mai 2003

Vor fünfzehn Jahren kam Mallory als elternloses Straßenkind und Diebin zum Ehepaar Markowitz. Louis, einem hohen Beamter bei der Mordkommission der Stadt New York, und seiner früh verstorbenen Frau ist es nie gelungen, Mallory zu ´zivilisieren´. Ihre barbarische Kindheit konnte die junge Frau, die selbst zur Polizei ging und es inzwischen bis zum Sergeanten gebracht hat, nicht überwinden. Gefühle kennt oder zeigt sie kaum, noch immer gilt für sie das Recht des Stärkeren.

Weil Markowitz seine schützende Hand über sie hielt, ist Mallory mit dem Gesetz nie wirklich in Konflikt geraten. Doch nun ist ihre Welt erneut aus den Fugen geraten: Louis Markowitz wurde ermordet vom "Unsichtbaren" oder "Ladykiller", einem Serienmörder, der sich auf ältere und reiche Damen spezialisiert hat. Markowitz war der Leiter einer Sonderkommission für Gewaltverbrechen, die sich speziell mit diesen Fällen befasste.

Der erfahrene Polizist hat sich offenbar in eine Falle locken lassen. Mallory, die den einzigen Menschen verloren hat, der ihr nahe stand, beginnt mit eigenen Recherchen. Sie gibt vor, als Privatermittlerin für ihren Freund, den genialen aber chaotischen Unternehmensberater Charles Butler zu arbeiten. Dabei kommt Mallory nicht nur einem, sondern mehreren bizarren Verbrechen auf die Spur, in die (unter anderem) viele nette, alte, schwer reiche und in ungeheuerliche Börsenschwindeleien verwickelte Damen, eine giftmischende Hellseherin, eine undurchsichtige Ex-Zauberin, ein übergeschnapptes Wunderkind sowie eine dem Wahn verfallene Tänzerin verwickelt sind.

Mallory schont weder sich noch ihre Verdächtigen oder gar die geplagten Kollegen Lieutenant Coffee und Sergeant Riker, als sie auf ein Komplott stößt, das immer weitere Kreise zieht bis Mallory erkennen muss, dass sie, der ermordete Markowitz, Charles Butler und überhaupt alle Personen, die sie seit Jahren kennt oder zu kennen glaubte, nur Figuren in einem mörderischen Spiel sind, bei dem im Hintergrund eine mabusehafte Verbrechergestalt seit Jahrzehnten unsichtbar die Fäden zieht ...

Kalte Heldin, heiß geliebt

Willkommen in der psychotischen Welt von Kathleen Mallory, die ihrem geliebten aber emotional auf Abstand gehaltenen Adoptiv-Vater einst verbot, sie beim Vornamen zu nennen. Dirty Harry ist ein Waisenknabe gegen diese junge Frau, die im permanenten Kriegszustand mit sich und der Welt liegt. Pardon wird denn auch weder verlangt noch gegeben in diesem ersten von bisher neun Mallory-Abenteuern.

Mallory-Romane machen süchtig. Das ist erstaunlich, da der Charakter der Titelfigur eigentlich ein wenig zu holzschnittartig geraten ist. Mallory ist manisch tüchtig, kennt keine Furcht, schießt wie der Teufel, ist selbstverständlich bildhübsch, und ein scharfer Blick aus zusammengekniffenen Augen genügt, um selbst den hartgesottensten Zeitgenossen in Angst und Schrecken zu versetzen. Alle fürchten oder lieben Mallory, scharwenzeln um sie herum, möchten ihr gefallen und werden doch von der kalten Göttin kaum zur Kenntnis genommen. Falls man Mallorys Ordnungssucht und Gefühlsarmut als Macken bezeichnen möchte, sind es doch ´attraktive´ Schwächen, die am polierten Gesamtbild keine Kratzer hinterlassen.

Wenig originell sind auch die Figuren in Mallorys Dunstkreis geraten; da haben wir den ehrlichen, überlasteten, knurrigen Bullen mit dem mühsam verborgenen goldenen Herzen oder den "besten Freund", hier als körperlich gehandicaptes Genie, das die Heldin mehr oder weniger offen anschmachtet, aber höchstens als Gehilfe zur Kenntnis genommen wird falls überhaupt.

In einer Welt ohne Gnade

Aber siehe da: Schon nach wenigen Seiten hat man sich an die latente Comic-Atmosphäre gewöhnt und findet trotz erst Geschmack und dann Gefallen an der Geschichte. Hinter den Übertreibungen und den überzeichneten Figuren kommt ein ausgesprochen raffinierter und vielschichtiger Krimi-Plot zum Vorschein. Ein Serienmörder geht um, aber er ist niemals mehr als eine Nebenfigur. Folgerichtig stört er im großen Finale beinahe und geht ein wenig verloren in dem wahrlich verwickelten (aber nie verworrenen) Geflecht moderner Wirtschaftskriminalität und teuflischer Menschenmanipulation.

So ist es Carol OConnell tatsächlich gelungen, sich die abgedroschenen Klischees des modernen Großstadt-Cop-Krimis zueigen zu machen, sie spielerisch zu verdrehen und zu etwas Neuem oder wenigstens Ungewöhnlichem zusammenzusetzen. Geschieht dies gewollt oder eher unfreiwillig? Das wird nie deutlich; OConnell könnte dem Image ihrer Heldin durchaus selbst verfallen sein, denn obwohl Mallory sich als Polizistin nicht als unfehlbar erweist, stapft sie ansonsten ikonengleich (aber immerhin nicht roboterhaft) durch das Geschehen, ohne dass ihr Denken und Handeln jemals auch nur annähernd ironisch gebrochen würde. Nur Helden mit einem Sprung sind allerdings wirklich interessant; an einer allzu glatten Oberfläche gleitet jede Aufmerksamkeit auf Dauer ab.

OConnell ist auf der anderen Seite konsequent genug, Mallory als Mallory aus der Handlung zu entlassen. Es gibt keine kitschige Menschwerdung auf den letzten Buchseiten. Stattdessen hilft Mallory der Gerechtigkeit auf drastische und eindeutig kriminelle Weise auf die Sprünge, und sie wird damit durchkommen, ohne von Zweifeln geplagt zu werden. Das ist eine erfreuliche Abkehr vom auch heute noch zu gern moralisierenden Buch- oder Filmthriller.

Mallory kommt wieder!

Die besondere Qualität einer konsequenten Heldin blieb auch dem deutschen Publikum nicht verborgen. "Mallorys Orakel" erschien hierzulande erstmals 1994 und wurde mehrfach aufgelegt. Dem Auftakt folgten die folgenden fünf Bände, die so ist das unerbittliche Gesetz der Serie mit dem Debüt nicht mithalten konnten, obwohl vor allem die Bände 2 bis 4 großartige Unterhaltung bieten.

Zu vollgasig war ihr Debüt gewesen, als dass Mallory dieses Tempo durchhalten konnte. In den folgenden Romanen nahm ihre geistige Mutter die vom Erfolg des Erstlings selbst überrascht wurde das Gas folgerichtig zurück. Außerdem wurde der Schleier über Mallorys düsterer Vergangenheit allmählich gehoben.

Aus Deutschland war Mallory nach Band 6 für einige Jahre verschwunden. Erst 2010 kehrte sie mit ihrem neuesten Abenteuer zurück; erneut fand sie ihr Publikum, sodass auch Band 1 (unter unnötig und nichtssagend verändertem Titel) neu aufgelegt wurde. Mallory ist wieder da und dieses Mal wird sie hoffentlich bleiben!

Mallorys Orakel / Ein Ort zum Sterben

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Letzte Kommentare:
23.09.2010 09:20:03
Buecherwurm-Marion

Einer der schlechtesten Bücher, die ich je gelesen habe. Wirre Story ohne roten Faden - Leute tauchen kurz auf und verschwinden wieder. Mallory ist kühl und berechnend und man kann als Leser keine Verbindung zu ihr aufnehmen. Überhaupt sind alles Leute in dem Buch total durchgeknallt. Die Verbrechen werden eher als Nebenstory behandelt, Polizeiarbeit bzw. Ermittlungsarbeit kommt auch so gut wie nicht vor.

21.09.2010 10:54:51
kleinfriedelchen

Drei alte Frauen werden auf grausame Art ermordet und verstümmelt. Die Polizei tappt im Dunkel, denn der Täter hinterlässt keine Spuren, benutzt immer ein anderes Messer. Für Kathy Mallory, menschenscheue Hackerin, wird der Fall persönlich, als auch ihr Ziehvater dem Mörder zum Opfer fällt. Kannte er den Täter etwa? Mallory beginnt zu ermitteln...

Thriller leben von einem guten Spannungsbogen, der das Buch durchzieht, den Leser an die Seiten fesselt und ihn spekulieren lässt, wer wohl der Mörder sein könnte. Leider fehlt das diesem Buch. Der Fall wird unspektakulär aufgerollt, die Verdächtigen sind einfach nicht verdächtig genug. Der ständige Perspektivenwechsel zwischen Mallory und diversen anderen Figuren aus dem Buch nervt irgendwann, weil die Fallaufklärung dadurch immer wieder unterbrochen wird und einfach nicht voran geht. Vielleicht ist das Buch als Auftakt einer Serie ja auch eher dazu gedacht, die Charaktere einzuführen. Aber ganz ehrlich, Fallaufklärung und Charakterbeschreibungen müssen sich die Waage halten, damit das Buch nicht langweilig wird, und das ist hier nicht gelungen.

Die Hauptakteurin Mallory wird als "eine der originellsten und bestechendsten Ermittlerinnen, die Ihnen je begegnen wird" beschrieben. Okay, originell mag es schon sein, eine Frau als Protagonistin zu nehmen, die als Kind auf der Straße gelebt hat, sich alles zusammenklauen musste und nun als Hackerin auf höherem Niveau stiehlt und trotzdem für die Polizei arbeitet. Macht sie das sympathisch? Nein. Ihre Art ist einfach seltsam, so dass man als Leser nicht so recht Verbindung zu ihr aufnehmen kann. Noch ein Punkt also, der mich nicht zum Weiterlesen animiert hat.

Was mir auch ins Auge gestochen ist, aber das schiebe ich auf die deutsche Übersetzerin, ist die zeitweise seltsame Wortwahl. Beispiel: "Die reiche Alte hatte sich der Cousine gegenüber offenbar ziemlich schofel benommen" (S. 125). Waren der Übersetzerin die Worte knauserig oder geizig zu banal? Und die "Luden vom Babystrich" musste ich auch erstmal googeln, um festzustellen, dass es sich um Zuhälter handelt. Und dabei dachte ich eigentlich immer, ich hätte einen großen Wortschatz :-)

Mein Fazit: unspektakulärer Fall, unsympathische Ermittlerin, ungünstige Übersetzung. All das hat dazu geführt, dass ich mich durch das Buch durchquälen musste. Und dazu ist Literatur nicht gedacht. Schade!

21.09.2010 10:54:25
kleinfriedelchen

Drei alte Frauen werden auf grausame Art ermordet und verstümmelt. Die Polizei tappt im Dunkel, denn der Täter hinterlässt keine Spuren, benutzt immer ein anderes Messer. Für Kathy Mallory, menschenscheue Hackerin, wird der Fall persönlich, als auch ihr Ziehvater dem Mörder zum Opfer fällt. Kannte er den Täter etwa? Mallory beginnt zu ermitteln...

Thriller leben von einem guten Spannungsbogen, der das Buch durchzieht, den Leser an die Seiten fesselt und ihn spekulieren lässt, wer wohl der Mörder sein könnte. Leider fehlt das diesem Buch. Der Fall wird unspektakulär aufgerollt, die Verdächtigen sind einfach nicht verdächtig genug. Der ständige Perspektivenwechsel zwischen Mallory und diversen anderen Figuren aus dem Buch nervt irgendwann, weil die Fallaufklärung dadurch immer wieder unterbrochen wird und einfach nicht voran geht. Vielleicht ist das Buch als Auftakt einer Serie ja auch eher dazu gedacht, die Charaktere einzuführen. Aber ganz ehrlich, Fallaufklärung und Charakterbeschreibungen müssen sich die Waage halten, damit das Buch nicht langweilig wird, und das ist hier nicht gelungen.

Die Hauptakteurin Mallory wird als "eine der originellsten und bestechendsten Ermittlerinnen, die Ihnen je begegnen wird" beschrieben. Okay, originell mag es schon sein, eine Frau als Protagonistin zu nehmen, die als Kind auf der Straße gelebt hat, sich alles zusammenklauen musste und nun als Hackerin auf höherem Niveau stiehlt und trotzdem für die Polizei arbeitet. Macht sie das sympathisch? Nein. Ihre Art ist einfach seltsam, so dass man als Leser nicht so recht Verbindung zu ihr aufnehmen kann. Noch ein Punkt also, der mich nicht zum Weiterlesen animiert hat.

Was mir auch ins Auge gestochen ist, aber das schiebe ich auf die deutsche Übersetzerin, ist die zeitweise seltsame Wortwahl. Beispiel: "Die reiche Alte hatte sich der Cousine gegenüber offenbar ziemlich schofel benommen" (S. 125). Waren der Übersetzerin die Worte knauserig oder geizig zu banal? Und die "Luden vom Babystrich" musste ich auch erstmal googeln, um festzustellen, dass es sich um Zuhälter handelt. Und dabei dachte ich eigentlich immer, ich hätte einen großen Wortschatz :-)

Mein Fazit: unspektakulärer Fall, unsympathische Ermittlerin, ungünstige Übersetzung. All das hat dazu geführt, dass ich mich durch das Buch durchquälen musste. Und dazu ist Literatur nicht gedacht. Schade!