Dominotod

Erschienen: Januar 2017

Bibliographische Angaben

  • Stockholm: Lind & Co., 2015, Titel: 'Dominodöden', Seiten: 319, Originalsprache
  • Berlin: Ullstein, 2017, Seiten: 364, Übersetzt: Dagmar Mißfeldt & Nora Pröfrock

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Andreas Kurth
Brutale Morde versetzen eine kleine Insel in Aufruhr

Buch-Rezension von Andreas Kurth Dez 2017

Nathalie Svensson ist Oberärztin in der Psychiatrischen Klinik der Universität Uppsala und Mitarbeiterin der Einheit für operative Fallanalyse im schwedischen Kriminalamt. Das Team wird in den Norden des Landes gerufen, um die örtlichen Kriminalpolizei bei einem Mord und einer möglicherweise damit in Verbindung stehenden Entführung zu unterstützen. Kriminal-Kommissar Johan Axberg und seine Kollegen suchen den Mörder eines Arztes, der bestialisch getötet und auf einer Insel vor dem Festland abgelegt wurde.

Axberg ist der beste Freund eines weiteren Arztes, der an der gleichen Stelle im örtlichen Krankenhaus spurlos verschwunden ist wie das Mordopfer. Für Svensson hat der Fall ebenfalls eine persönliche Note, denn ihre Schwester ist zunächst eine wichtige Zeugin, und gerät dann auch als Verdächtige ins Visier der Ermittler. Bei der aufgefundenen Leiche lag ein Dominostein, und auch an der Stelle im Krankenhaus, an der der zweite Arzt ebenfalls verschwand. Axberg, Svensson und die anderen Ermittler stehen nicht nur vor einem schwierigen Rätsel, sondern auch unter enormem Zeitdruck, weil sie befürchten müssen, dass auch der zweite Arzt von dem Killer getötet wird. Ein Nerven-aufreibender Wettlauf mit der Zeit beginnt.

Zwei sehr unterschiedliche Protagonisten ergänzen sich gut

Beide Ermittler seines neuen Romans ließ Jonas Moström zuvor schon einige eigene Fälle lösen, in Dominotod treten Johan Axberg und Nathalie Svensson jetzt erstmals gemeinsam auf. Im dramatischen Finale deutet sich an, dass die beiden noch häufiger zusammen ermitteln werden, der Autor legt seine Krimi-Reihen offenbar zusammen. Kein schlechter Ansatz, denn die beiden so verschiedenen Charaktere ergänzen sich in meinen Augen recht gut.

Johan Axberg ist der typische Detail-besessene Polizist, Nathalie Svensson die eher Ich-bezogene nachdenkliche Psychologin. Beide sind von dem Fall in unterschiedlicher Weise betroffen, und gehen damit auch recht verschieden um. Axberg etwas professioneller, Svensson eher emotional gesteuert. Sie urteilt nicht immer objektiv - was die Psychologin aber durchaus menschlicher macht. Beiden Ermittlern hat der Autor ein entsprechendes Privatleben verordnet - so verschieden wie ihre im Buch skizzierten Persönlichkeiten.

Am Anfang des Romans gibt es ein hilfreiches Personenregister zu den wichtigsten Akteuren. Dadurch behält der Leser nicht nur den Überblick, sondern wird auch mit interessanten Hintergrundinformationen versorgt. Wer das überflüssig findet, ignoriert es eben - ich fand das sehr angenehm.

Dichtes Geflecht an Beziehungen zwischen allen Beteiligten

Jonas Moström hat seinen Roman in kurze und knackige Kapitel aufgeteilt. Zusammen mit den häufigen Perspektiv-Wechseln führt das zu hoher Dynamik, zumal die Ermittler gefühlt ständig der Entwicklung hinterher laufen. Der Autor hat so einige Wendungen und falsche Fährten eingebaut, zudem ist der Roman von Beginn an hoch-psychologisch. Auf knallige Action verzichtet Moström nahezu vollständig, dafür spinnt er ein dichtes Geflecht an Beziehungen zwischen allen Beteiligten auf beiden Seiten - was für einen richtig guten Spannungsbogen sorgt.

Ermittler und Verdächtige interagieren in unterschiedlicher Art und Weise, es geht plötzlich nicht nur um familiäre und freundschaftliche Bande, sondern auch Politik spielt eine Rolle. Vor allem die Einsparungen im Gesundheitssystem werden hier von Moström thematisiert und mehr als kritisch beleuchtet.

Der Plot ist in meinen Augen ausgezeichnet konstruiert, es gibt mehrere Tatverdächtige, die auch noch alle ein durchaus glaubwürdiges Motiv haben.

Jonas Moström zeigt sich hier als guter Geschichtenerzähler, der seinen Lesern auch noch eine plausible Auflösung der Rätsel präsentiert. Man muss die Vorläufer-Bände um Nathalie Svensson oder Johan Axberg übrigens nicht gelesen haben, dieser Roman steht durchaus für sich selbst. Wer allerdings etwas zur Vorgeschichte der beiden ungleichen Ermittler erfahren will, hat die Möglichkeit dazu. Dominotod ist ein gut zu lesender Krimi mit ständig sich steigernder Spannung und düsterer skandinavischer Atmosphäre - perfekte Lektüre für ein langes Winter-Wochenende.

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