Endstation Werne

Erschienen: Januar 2017

Bibliographische Angaben

  • Framersheim: Brighton, 2017, Seiten: 157, Originalsprache

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Jörg Kijanski
Hass auf die Bahn

Buch-Rezension von Jörg Kijanski Okt 2017

Auf der Eisenbahnstrecke zwischen Werne und Lünen wird ein Mann von einem Regionalzug erfasst. Zunächst deutet alles auf einen Suizid hin, allein es fehlt das Motiv, denn der Betroffene war glücklich verheiratet und selber als Zugbegleiter bei der Bahn beschäftigt. Einen derartigen Selbstmord hätte er seinen Kollegen niemals angetan, zudem das Opfer auch noch strenggläubiger Christ war und somit ein Freitod ohnehin undenkbar war.

Kommissar Jens Wischkamp von der Kripo Unna ist ratlos, seine Ermittlungen laufen ins Leere und die Staatsanwältin drängt bereits, das Verfahren einzustellen. Tage später beobachten Fahrgäste, wie auf der gleichen Strecke ein Mann einen großen Koffer aus dem Zug wirft, nach Anhalten der Bahn jedoch über den Bahndamm unerkannt entkommen kann.

Kurz darauf findet die Polizei in besagtem Koffer eine weitere männliche Leiche, bei der es sich ebenfalls um einen Zugbegleiter handelt. Als wenige Wochen später auch noch ein Regionalzug entgleist und nur zufällig keine Toten zu beklagen sind, übernimmt das LKA Düsseldorf die diesbezüglichen Ermittlungen. Kommissar Florian Engstätter, der Wischkamp von einem früheren Fall kennt, bietet seinem Kollegen eine enge Zusammenarbeit an...

Der zehnte Fall für Kommissar Wischkamp

Im Brighton-Verlag erscheinen seit 2015 die Kommissar-Wischkamp-Romane als "Werne Krimireihe" aus der Feder von Renate Behr. Da die so genannten Regionalkrimis nach wie vor angesagt sind, dürfte die Autorin folglich eine für sie passende Nische in der Krimi-Landschaft gefunden haben. Denn dass die beschauliche Stadt Werne in Nordrhein-Westfalen (30.000 Einwohner) ein Hotspot für Kriminelle ist, bedarf einer gewissen Fantasie, welche eine Autorin besitzen sollte.

Im aktuellen zehnten Fall ermittelt Serienheld Jens Wischkamp gemeinsam mit dem Florian Engstätter vom LKA Düsseldorf und dessen Fallanalytiker Thorsten Siegmann, dem Ehemann von Wischkamps Mitarbeiterin Verena. Wischkamp selber ist verheiratet, hat zwei Kinder und eine Frau, die seine gewöhnungsbedürftigen Arbeitszeiten bestens kennt. Wenig Privatleben also, was nach der Lektüre skandinavischer Krimis eine Wohltat sein kann; dafür ermittlungstechnische Kerner-Arbeit. Die Ermittlungen der Polizei werden detailliert vorgestellt, wobei der Plot klassisch aufgesetzt ist.

Spannungsbogen bleibt eher überschaubar

In einer Side-Story wird die Figur des Reinhard Steffens vorgestellt, der seit seiner Kindheit von der Eisenbahn begeistert ist. Als erwachsener Mann möchte er bei der Bahn arbeiten, doch ein nicht vorhandener Hauptschulabschluss und eine ebenso fehlende abgeschlossene Ausbildung verhindern dies. Da kann man nach über etlichen abgelehnten Bewerbungen schon mal ordentlich frustriert sein und so gerät Steffens in den Fokus der Ermittler; nicht zuletzt, weil es an Alternativen fehlt.

"Und wieso nimmt das euren Verdächtigen aus der Schusslinie?"
"Wie soll der denn nach Düsseldorf gekommen sein? Finanziell ist er als Hartz-IV-Empfänger auch nicht eben auf Rosen gebettet. Darüber hinaus zweifle ich daran, dass er intelligent genug wäre, um so etwas zu arrangieren. Der hat ja nicht einmal einen Hauptschulabschluss geschafft."
"Was ich da jetzt von dir höre, sind Vorurteile, mein Lieber. Erstens, man kann mit dem Zug nach Düsseldorf fahren. Zweitens, ein Schulabschluss hat überhaupt nichts mit Intelligenz zu tun. Das beweisen doch die vielen Fachidioten mit Abitur Tag für Tag. Und drittens: Eine Anleitung, um eine Briefbombe zu bauen, findest du im Internet."

Der Leser hat derweil keine Chance, den Täter vorab zu erraten, es ergibt sich einfach aus dem weiteren Verlauf der Handlung. Der Spannungsbogen bleibt überschaubar, wobei einige weitere Verbrechen das Lesetempo ordentlich hoch halten. Etwas mehr "Regio" hätte es sein können, kleine Fauxpas seien verziehen, doch die konkrete Ergreifung des Täters ist schwach - und auch Wischkamp überzeugt nicht immer (siehe Zitat: "Wie soll der denn nach Düsseldorf gekommen sein?").

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