Auf einem kahlen Hügel

Erschienen: Januar 1963

Bibliographische Angaben

  • London: Hodder & Stoughton, 1954, Titel: 'The high wall', Seiten: 190, Originalsprache
  • Bern; Stuttgart; Wien: Scherz, 1963, Seiten: 189, Übersetzt: Heinz Bruck
  • Frankfurt am Main: Fischer, 2016, Seiten: 190, Übersetzt: Heinz Bruck

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Michael Drewniok
Irrer Maler würgt junge Frauen

Buch-Rezension von Michael Drewniok Dez 2019

Auf einem kahlen Hügel steht in der ländlichen Einsamkeit der Grafschaft Sussex Longwood, die berüchtigte Anstalt für geisteskranke Kriminelle. Zu den Insassen gehört seit geraumer Zeit der in Deutschland geborene Kunstmaler Joachim Körber, dessen gelungene, aber freizügige Bilder nach Ansicht ‚anständiger‘ Zeitgenossen bereits auf seine Freizeitbeschäftigung hinwiesen: Körber stalkte junge Frauen, die er irgendwann zu erwürgen pflegte; erst nach dem siebten Mord hat man ihn erwischt.

Als der Maler/Mörder ausbricht, ist die Aufregung groß. Körber hat allen, die während der Gerichtsverhandlung gegen ihn aussagten, tödliche Rache geschworen. Ganz oben auf der Liste steht natürlich Richter Sir Ewart Calverley, der ihn verurteilt hat. Darüber hinaus fürchten sich jene Frauen, die Körbers Beuteschema entsprechen. Zu ihnen gehört eindeutig die schöne Addie Nilson, die dem Maler einst Modell stand.

Der Fall geht an Chefinspektor Gidleigh von Scotland Yard. Er stellt fest, dass Körber bei seiner Flucht Unterstützung gehabt haben muss. Doch wer deckt einen Mörder - und warum? Sehr wahrscheinlich mehr wissen der zwielichtige Kunsthändler Gastein und der nur vordergründig vornehme Galerie-Kurator Mallord. Mit der ihn prägenden Sorgfalt geht Gidleigh die Ermittlungen an. Er bleibt dabei offen für Hinweise aus ungewöhnlichen Quellen und jagt deshalb den penetranten, aber findigen Horace, der für das Sensationsblatt „Snapshot“ schreibt, nicht davon, sondern bezieht ihn maßvoll ein. Weniger glücklich ist Gidleigh über ‚Hilfe‘ von Anwalt Max Clarence, der Miranda - Richter Calverleys hübsches Töchterlein - freit, die den störrischen Vater, der sich nicht polizeilich schützen lässt, im Alleingang behüten will.

Als Körber wiederauftaucht, ist die Überraschung groß. Polizei, Presse und Privatleute haben sich in seinen Absichten geirrt. Was als Jagd auf einen irren Mörder begann, nimmt eine völlig neue Richtung …

Hieb mit dem Zaunpfahl

Über der deutschen Ausgabe dieses Romans steht ein Titel, der dem neugierigen Leser inhaltlich eine Richtung vorgeben soll. Offensichtlich geht es um ein Verbrechen, in das sich - scheinbar? - übernatürliche Elemente mischen. Auf jeden Fall dürfte es unheimlich zugehen, was in Verbindung mit dem Schauplatz - das ländliche England nach dem Zweiten Weltkrieg - einen kuschelgruseligen Rätselkrimi verspricht.

Die Ernüchterung dürfte nach kurzer Lektüre eintreten. Hier spukt es nicht, und meist wird in der Stadt ermittelt - dies immerhin genretypisch, d. h. als Frage-und-Antwort-‚Spiel‘, in dessen Verlauf ein umtriebiger Polizist das Mysterium klären soll, welches sich als recht profane Straftat entpuppen wird.

Dennoch sollte man weiterlesen, denn „Auf einem kahlen Hügel“ ist trotz seiner modernen Handlungsaspekte ein klassischer Whodunit - allerdings eher kurios als klassisch, deshalb aber keineswegs weniger spannend! Im zwölften Roman der insgesamt 23-bändigen Serie, die Seldon Truss zwischen 1936 und 1965 um den Scotland-Yard-Ermittler Gidleigh schrieb, mischen sich ‚alter‘ und ‚neuer‘ Krimi auf nicht immer gelungene bzw. elegante, aber durchaus interessant Weise.

Kunst ist mächtig und verdächtig

Ganz tief in der Mottenkiste manchmal allzu bewährter Spannungseffekte haust das ‚wahnsinnige Genie‘ - realiter (glücklicherweise) ein Widerspruch in sich, da Geisteskrankheit ganz sicher keine Hannibal Lecters, sondern höchstens Ed Geins oder Jeffery Dahmers hervorbringt - düstere, in keiner Weise faszinierende Gestalten, die dem Gesetz irgendwann ins Netz gehen und bis dahin keine vom Irrsinn befeuerte Genialität an den Tag legen.

Die Trivialkultur ist auf Wurzeln in der Wirklichkeit nicht angewiesen. Deshalb stellt uns Autor Truss einen übergeschnappten Mörder vor, der nicht nur ein begnadeter Maler und deshalb eigentlich der hehren, schönen Kunst verpflichtet, sondern auch noch in Deutschland geboren ist, an das man sich in England 1954 - in diesem Jahr erschien „Auf einem kahlen Hügel“ - unfreundlich erinnerte; gerade erst hatte die britische Regierung die letzten Lebensmittelrationierungen aufheben können.

Dass Joachim Körber eben nicht der schäumende Irre ist, als den alle Protagonisten ihn darstellen, ist ein ironischer Einfall des Verfassers, der gern Erwartungen konterkariert. Überhaupt richtet sich das kriminelle Treiben wie schon erwähnt auf ein Ziel, das mit der Rache eines Wahnsinnigen höchstens marginal zu tun hat. Freilich muss man den Plot ganz im Sinne des Cozy-Lesers werten, denn was sich Truss einfallen lässt, ist in erster Linie dramatisch, straft aber die Logik Lügen.

Wo ist Körber? - Krimi als Wimmelbild

Zu den Auffälligkeiten dieses Romans gehört ein Zuviel an Figuren. Schon Miranda Calverley und Max Clarence sind jederzeit überflüssig für das Geschehen - sie legen Zeugnis von jener schon 1954 allzu verbreiteten Unsitte ab, Kriminalromane durch Liebesgeschichten zu ‚bereichern‘. Truss lässt sogar noch ein weiteres Paar verständnisarm gegen offensichtliche Verliebtheit ankämpfen, was weitere Seiten mit entsprechenden Banalitäten füllt: Der Autor ist KEIN Meister der literarischen Liebe.

In dem Gewimmel geht Inspector Gidleigh oft unter. Truss hat ihn ohnehin auf den ‚reinen‘ Polizisten heruntergebrochen, dessen Leben außerhalb des Dienstes schlicht nicht stattfindet. Gidleigh ist groß, dick und trügerisch unbeholfen; im Gedächtnis bleibt höchstens der Anblick, wie er seinen gewaltigen Schnauzbart in jede Tasse Tee tunkt. (Ein angewiderter Verdächtiger kann dies nicht unkommentiert lassen.)

Die Charaktere sind flach, auch wenn Truss sich sichtlich bemüht, beispielsweise das Alltagselend der verzweifelten Addie Nilson deutlich zu machen. Doch nicht nur hier spielt das Klischee vom kirchenmausarmen, aber seinem Schaffensdrang treuen Künstler hinein. Letztlich findet auch Addie die ‚wahre Liebe‘: Es überwiegt trotz diverser tragischer Ereignisse ein leichter Ton, der mit den Logikschwächen versöhnt, denn Truss verfügt über einen feinen, trockenen Humor, der auch die Übersetzung überstanden hat und exemplarisch so zutage tritt: „Obwohl es schon dämmerte, wich der Richter nicht von seiner Gewohnheit ab, mit [dem Gutsverwalter] Bustard einen Inspektionsgang zu machen, über Schweine und Kühe zu diskutieren, von denen er nichts verstand, [und] die Bewunderung, die Bustard ihm … zollte, zu genießen, der seinerseits völlig unfähig zu einer Diskussion war, weil er wegen seiner Taubheit kaum begriff, was der Richter sagte. Kurz, für beide Parteien ein befriedigendes Resultat.“

Fazit:

Kein klassischer, also im Sinne von ‚literarisch wertvoller‘ oder für das Genre unverzichtbarer, sondern ein vor allem alter Kriminalroman, der weniger durch den (kruden) Plot, sondern durch das handwerkliche Geschick des Verfassers gefällt, der die bekannten Elemente des Rätselkrimis im Rahmen eines ‚modernen‘, inzwischen ebenfalls nostalgisch vergoldeten Handlungsambientes einzusetzen versteht.

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