Die Schrift des Todes

Erschienen: Januar 2016

Bibliographische Angaben

  • London: Pan, 2014, Titel: 'Lamentation', Seiten: 736, Originalsprache
  • Frankfurt am Main: Fischer, 2016, Seiten: 768, Übersetzt: Irmengard Gabler

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Tudor-London, Sommer 1546: Die Ära König Heinrichs VIII. neigt sich ihrem Ende zu. Unerbittlich bekämpfen sich Katholiken und Protestanten, die Jagd auf Ketzer wird immer gnadenloser. In dieser aufgeheizten Situation wird Matthew Shardlake in den Palast der Königin gerufen. Er soll ein brisantes Buch wiederfinden, das sie verfasst hat und das aus ihren Gemächern gestohlen wurde. Der Inhalt dieses Werkes könnte sie aufs Schafott bringen. Doch bevor Shardlake und sein Gehilfe Jack Barak die Suche aufnehmen, wird in London ein Drucker tot aufgefunden. Bei ihm findet sich eine Seite des Buches.

Die Schrift des Todes

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02.07.2018 14:39:18
tassieteufel

London, Sommer 1546: König Heinrich ist krank und obwohl es Hochverrat ist, vom Tod des Königs zu sprechen, ist sein Ableben scheinbar nur eine Frage der Zeit. Daher tobt hinter den höfischen Kulissen ein gnadenloser Machtkampf zwischen Protestanten und Katholiken, jeder möchte so viel wie möglich an Boden gut machen beim König, geht es doch darum, wer als Regent den jungen Kronprinzen Edward unter seine Obhut bekommt.
In dieser explosiven Stimmung wird Matthew Shardlake in den Palast der Königin gerufen. Er soll ein brisantes Buch wieder finden, dass die Königin verfaßt hat und das nun aus ihren Gemächern verschwunden ist. Nachdem es ihren Gegnern nicht gelungen ist, sie beim König zu diskreditieren, könnten sie nun der Inhalt des Buches, als auch seine Existenz in arge Bedrängnis bringen, da schon das Schreiben des Buches vom König als Illoyalität angesehen würde.

Mit seinem sechsten Fall für Anwalt Matthew Shardlake ist es dem Autor erneut gelungen, die Tudorzeit und besonders die Ära Heinrichs des VIII lebendig werden zu lassen und ein buntes und farbenfrohes Bild dieser Zeit zu zeichnen, in das der Leser eintauchen kann. Atmosphärisch dicht wird sowohl das Leben bei Hofe, als auch der Alltag der kleinen Leute mit ihren Sorgen und Nöten beschrieben. Ein großes Thema dieser Zeit war die Glaubensfrage. Der wankelmütige König änderte recht abrupt seine Ansichten, das Volk mußte folgen, sonst drohten drakonische Strafen und manch einer kam hier schnell in Zwiespalt über seinen Glauben und den Gehorsam dem König gegenüber. Sehr anschaulich schildert der Autor die religiösen Schwierigkeiten der verschiedenen Lager untereinander und man erfährt einiges über radikale Sekten, die schon damals aus dem Boden sprossen.
Neben dem fundierten historischen Hintergrund bekommt der Leser natürlich auch wieder einen spannenden und kniffligen Krimifall geboten, der lange Zeit undurchschaubar bleibt. Hier gelingt es dem Autor gekonnt, den Leser im Dunklen tappen zu lassen und immer wieder neue Wendungen einzubauen, die dem Fall eine neue Richtung geben. Neben seinen Ermittlungen für die Königin, hat Matthew noch einen weiteren sehr unangenehmen Fall zu bearbeiten, der sich immer mal mit seinen anderen Ermittlungen kreuzt. Am Ende werden beide Fälle logisch aufgelöst und es bleiben keine Fragen offen.
Während der Lektüre trifft man eine ganze Reihe bekannter sympathischer und weniger netten Figuren aus den Vorgängern wieder und kann hier miterleben, wie die Charaktere sich entwickelt haben, sich neue und unerwartete Konstellationen bilden und sich einige Figuren nicht als das entpuppen, was sie zu sein vorgeben. So muß sich Matthew vorrübergehend mit seinem Erzfeind Rich verbünden, es gibt Ärger und neue Entwicklungen in Matthews Haushalt und auch seine Freundschaft zu Guy wird auf eine Probe gestellt.
Mit fast 800 Seiten ein dicker Wälzer, der sich aber zügig lesen läßt und der den Spannungsbogen durchweg hält. Der fast 30 seitige Anhang zu historischen Fakten und der Interpretation durch den Autor ist ebenfalls sehr interessant und ein guter Abschluß der Lektüre!

FaziT: Wieder eine gelungene Mischung aus Fakten und Fiktion, der Autor begeistert mit einem akribisch recherchierten historischen Hintergrund und Detailwissen, dass einen perfekten Rahmen für den Krimifall bietet. Bevölkert wird die Geschichte mit facettenreichen und lebensnahen Charakteren, die einem ans Herz wachsen. Bleibt zu hoffen, dass man auf einen möglichen Folgeteil nicht wieder so lange warten muß.