Quercher und das Seelenrasen

Erschienen: Januar 2016

Bibliographische Angaben

  • Dortmund: Grafit, 2016, Seiten: 320, Originalsprache

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Andreas Kurth
Forscher, Flüchtlinge und ein großer Haufen Kohle

Buch-Rezension von Andreas Kurth Feb 2016

Eine Niere im Fressnapf eines Hundes, manipulierte Bremsen an einem Automobil - die Bedrohung der Pharma-Erbin Nina Poschner ist im Grunde nicht zu übersehen. Der mitunter recht kantige Polizist Max Quercher greift zuweilen zum Joint, wird wegen Drogenkonsums suspendiert - und will trotzdem in dieser Angelegenheit weiter ermitteln. Denn er sieht eine Verschwörung, seine Vorgesetzte, LKA-Chefin Constanze Gerass hält das allerdings mal wieder für Unsinn. Quercher bleibt sich aber treu, kann nicht still sitzen und ermittelt trotz seiner zunehmenden Wahn-Vorstellungen und Panik-Attacken munter weiter. Unterstützung bekommt er dabei einmal mehr von seinem pensionierten Vorgesetzten und Freund Pollinger - aber auch reichlich Kritik. Schrittweise kommt heraus, was Nina Poschner mit ihrem Internat für Flüchtlinge vorhat, aber Max erfährt auch Details aus ihrer dunklen Vergangenheit in Afrika. Es gab ungenehmigte Medikamenten-Versuche mit anschließenden Todesfällen - alles wurde geschickt vertuscht. Der vermeintliche Selbstmord einer wichtigen Zeugin zeigt Quercher und Pollinger, dass sie sich in einem Wettlauf gegen die Zeit befinden, denn wichtige Verträge sollen schon bald unterzeichnet werden - es geht um viel Geld.

Quercher-Geschichten sind gut und richtig spannend erzählt

Quercher und das Seelenrasen ist der vierte Fall für den ziemlich kauzigen, kantigen, und deshalb in meinen Augen so sympathischen LKA-Ermittler. Die Figur Quercher wird von Martin Calsow konsequent weiterentwickelt, und es macht mir richtig Spaß, das kontinuierlich zu verfolgen. Allerdings kann man mit diesem Roman auch neu einsteigen, ohne dass man die anderen Bände zuvor gelesen haben muss.

Max Quercher ist kein konventioneller Ermittler - das macht diese Roman-Reihe so lesenswert. Calsow greift aber auch aktuelle Themen als Hintergrund auf, doch die Ecken und Kanten des Protagonisten sind für mich ein ebenso wichtiger Grund, warum ich diese gut und richtig spannend erzählten Geschichten rund um den Tegernsee so gerne lese. Dazu passt in meinen Augen sehr gut, dass sich Calsow stets politisch angehauchte Themen vornimmt, Quercher und das Seelenrasen ist sogar ziemlich dicht am Genre "Polit-Thriller" angesiedelt, bleibt aber insgesamt ein Kriminalroman.

Quercher hat eine Schwäche für Frauen und ein flottes Mundwerk

Quercher ist ein Hundefreund, seiner Dackeldame Lumpi lässt er so einiges durchgehen, die stets präsente Hündin wirkt aber auch irgendwie besänftigend auf den zuweilen hektischen Ermittler. Er raucht mal einen Joint, ist alkoholischen Getränken nicht abgeneigt, hat eine große Schwäche für Frauen, ein ziemlich flottes Mundwerk - und ist als Ermittler so hartnäckig wie ein italienischer Verteidiger beim Fußball. Da stört es ihn auch nicht wirklich, dass er mal wieder die Drecksarbeit für die bayerische Staatskanzlei erledigen soll.

Die Dialoge zwischen Pollinger und Quercher gehören übrigens stets zu den Highlights in den Romanen der Reihe, sie kommen im aktuellen Band leider etwas kurz. Das liegt an der Geschichte, und mindert keineswegs den Lesegenuss insgesamt - Quercher ist der Star, sein Team nicht so involviert wie sonst.

Calsow setzt sich in den oberen Rängen der Krimi-Autoren fest

Mit zwei Oberthemen reichert Calsow seinen aktuellen Roman an. Es geht um die Flüchtlinge und Geschäfte mit ihrer Situation. Und es geht vor allem um dreckige Machenschaften und Übernahme-Kämpfe in der Pharmaindustrie. Das erste Thema ist aktuell, bei den Pillendrehern gab es derartige Dinge schon immer - hier werden sie grell beleuchtet. Durch die illegale Testreihe in Afrika hat sich eine perfekte Verbindung mit dem Zustrom von Flüchtlingen in Bayern ergeben, der Plot insgesamt ist ausgezeichnet.

Dafür dürfte Martin Calsow umfangreich und intensiv recherchiert haben, und er zeigt hier mal wieder, dass er Geschichten gut und unterhaltsam erzählen kann. Ein ungewöhnlicher und sehr individueller Protagonist, eine spannende Handlung mit politischem und wirtschaftlichem Hintergrund - Calsow setzt sich langsam in den oberen Rängen der deutschen Krimi-Autoren fest.

Quercher und das Seelenrasen

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Letzte Kommentare:
14.05.2016 07:47:01
Lienz

Der Krimi ist der vierte einer Reihe, lässt sich aber ohne Vorkenntnisse aus den drei früheren Krimis genauso lesen. Was der Leser wissen sollte, ist kurz umrissen und weckt die Lust, sich die drei Vorgänger vorzunehmen.
Der Krimi fängt mit einem Aufeinanderprallen von Idylle und Verderben an. Gleich mal Luft anhalten. Diese Szene findet etwas später im Roman ihren Fortgang, was ich sehr schön finde. Die Handlung präsentiert sich dem Leser aus verschiedenen Perspektiven. Max Quercher, der Protagonist, ist ein kantiger Typ, der schon mal zusammen mit einem Kollegen versackt. Sehr zum Missfallen der Chefin Gerass. Zitat S. 37: „Gerass öffnete das Fenster. Die beiden rochen. In ihrem Gesicht lasen sie, dass sie angewidert war, was sowohl Picker als auch Quercher noch wütender machte.“
Als die unsauberen Geschäfte des Pharmaunternehmens zutage treten, entsteht akuter Handlungsbedarf, um das gute Schweigen wiederherzustellen. Die Szene, in der das passiert, ist eines der Highlights im Buch: dicht, atmosphärisch und schonungslos. Zitat S. 122-123: „Sie konnte die aufgerissenen Augen des jungen Fahrers nicht sehen … Er hatte noch zu wenig Erfahrung mit großen Zugmaschinen, spürte nur das tonnenschwere Gewicht seiner Last, das gegen seine Bremsen drückte…“
Der Ort des Krimigeschehens ist das Tegernseer Tal. Immer wieder fließen Beschreibungen der hübschen Voralpenlandschaft mit ein und akzentuieren das Bild im Kopf des Lesers.
Quercher ist kantig, hart und weich zugleich – wenn es um Frauen geht. Seine einfühlsame Liebe zu seiner alternden Hundedame hat einen besonderen Charme. Dass er eine Schwäche gegenüber einer bestimmten Frau hat, bringt ihn in Teufels Küche und den Rand des Wahnsinns. Mit Quercher habe ich einen Charakter kennen gelernt, den ich mag. Egal, wie sperrig der Kerl ist.

Mein Eindruck:
Der Krimi ist mit seinen drei meist ineinandergreifenden Handlungssträngen sehr dicht verwoben. Für meinen Geschmack sogar ein wenig undurchdringlich, da ich mich durch plötzlich auftretende, drastische Änderungen in dem einen oder anderen Handlungsstrang durchaus überrumpelt und etwas verwirrt gefühlt habe. Somit mein einziger kleinerer Kritikpunkt. Jedoch sind diese unvermuteten Änderungen aus der Handlung heraus keinesfalls unlogisch.
Alles in allem ist der Krimi vor dem idyllischen Alpenpanorama ein knallharter, sehr politischer Roman mit einem großen Touch von Noir.

Gesamtfazit:
Ein Krimi, der das schöne Bayernland mit grellem Licht ausleuchtet und angenehm politisch ist. Mir fällt die umfassende und tiefgehende Recherchearbeit auf, die der Autor geleistet hat. Ein Noir, wie ihn die deutsche Krimiszene braucht.

Bewertung:
Sehr lesenswert.