Mörderischer Freitag

Erschienen: Januar 2015

Bibliographische Angaben

  • München: audio media, 2015, Seiten: 6, Übersetzt: Nicole Engeln, Bemerkung: Gekürzte Lesung

Couch-Wertung:

70°
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Sabine Bongenberg
Das Wochenende ist ausbaufähig

Buch-Rezension von Sabine Bongenberg Jun 2015

In ihrem fünften Band über die Aktivitäten und das Schicksal der Psychologin Frieda Klein lässt das Autorenduo Gerrard/French seine Hauptperson selbst zum Spielball des Gesetzes werden. Als eine männliche Leiche in der Themse gefunden wird, stellt sich im Zuge der polizeilichen Ermittlungen sehr bald heraus, dass diese zum nahen persönlichen Umfeld der handelnden Hauptperson Frieda gehörte. Unglücklicherweise verdichten sich im Laufe der weiteren Untersuchungen die Hinweise darauf, dass die Psychologin in diesem Fall ihre Finger im Spiel haben könnte, so dass sie zur Verdächtigen Nummer Eins aufsteigt. Frieda sieht sich daher gezwungen, die Dinge selbst in die Hand zu nehmen. Sie entzieht sich der drohenden Verhaftung und startet aus dem Untergrund ihre eigene Mördersuche. Das ist allerdings gar nicht so einfach, denn auch die Polizei hat die Fahndung nach der untergetauchten Frieda schon längst ins Rollen gebracht.

In der Krimireihe um Frieda Klein, die sich an den Wochentagen orientiert, wird mittlerweile schon fast das Wochenende - nämlich der Freitag eingeläutet. Grundsätzlich verheißt dieser Tag ja schon den Auftakt eines ruhigeren Fahrwassers und so verwundert es hier auch nicht, wenn French den tatsächlichen Fall - nach einem furiosen Auftakt - sehr ruhig angehen lassen. Wird der Leser zu Beginn über einen an sich harmlosen Familienausflug unmittelbar in die Handlung herein katapultiert, erfährt er anschließend, wie aus dem Tempo der Geschichte regelrecht ein Gang herausgenommen und ein fast schon träges Erzähltempo eintritt.

Grundsätzlich ist diese langsame Gangart nicht untypisch für die Werke des Autorenduos. Dessen besondere Stärke lag auch in früheren Büchern in der Vermittlung der Melancholie und der Trauer, die ein Todesfall - sei er nun gewaltsam oder auch natürlich - zwangsläufig nach sich zieht. Unbegreiflicherweise fehlt aber diese Charakterisierung in diesem Buch. Obwohl die Heldin den Verlust eines einst geliebten Menschen betrauert - oder vielmehr betrauern sollte - bleibt diese Auseinandersetzung mit dem Tod, die eigentliche Formulierung des Verlustes hier auf der Strecke. French beschränken sich vielmehr darauf, Friedas eigene Melancholie verstärkt in Szene zu setzen. Ein großer Teil der Handlung erzählt daher nur von den Entbehrungen, die die Heldin zwangsläufig in der Organisation ihres nun vor der Polizei versteckten Daseins erdulden muss. Manchmal ist diese Langsamkeit schon regelrecht nervend, weiß man doch, dass French es eigentlich besser können. Überraschend auch, dass das Duo seiner Heldin hier eine regelrechte Naivität im Umgang mit Menschen des gesellschaftlichen Randfeldes andichtet. In Anbetracht dessen, dass Frieda den Beruf der Psychologin ausübt und weiß Gott mit den menschlichen Schattenseiten vertraut sein müsste, sorgen diese Einstellungen gelegentlich für Irritationen beim Leser. Diese Haltung steht teilweise auch im Widerspruch zur Kaltschnäuzigkeit, mit der die Heldin wiederum ihre eigenen - teils als stümperhaft empfundenen - Ermittlungen voranzutreiben sucht.

Eine große Rolle spielt in diesem Buch der Freundeskreis, der sich damit abfinden muss, dass er in die Rolle des illegalen Unterstützerkreises gedrängt wird. Stark dargestellt ist dabei die Rolle des Ukrainers Josef, dem hier bei der Organisation des Lebens in der Illegalität eine wichtige Rolle zukommt. Eine besondere Tragik kommt seiner Person auch damit zu, dass er Frieda mehrfach regelrecht rettet, aber andererseits durch sein Umfeld dem Bösen wiederum die Tür zum Leben seiner Freundin aufstößt. Dieser Widerspruch entschädigt für einige Langatmigkeiten im Buch, wenn er allerdings auch nicht alles auffangen kann. Ein kleines Manko kann bei Josef auch darin gesehen werden, dass ihm mittlerweile ein derartiger Hang zum Alkohol zugeschrieben wird, dass sein Weg ihn in naher Zukunft zwangsläufig in die Suchtabteilung eines Krankenhauses führen muss. Wer mit Frenchs Werken vertraut ist, kennt auch die große Affinität ihrer Helden zu Alkohol, dennoch neigt das Duo dazu, es hier zu übertreiben.

Insgesamt entsteht bei diesem Buch der Eindruck, dass der Mörderische Freitag - wenn auch auf dem Titel reißerisch als "Frieda Kleins härtester Fall" betitelt - ein Zwischenwerk oder eine Atempause darstellt. Gelegentlich kommt beim Lesen sogar der Verdacht auf, dass French sich mit diesem Wochenzeitraum etwas viel zugemutet haben und das auch mittlerweile festgestellt haben. So mancher Heimwerker mag sich zwischenzeitlich wünschen, dass er sein Vorhaben etwas kleiner gestaltet haben könnte. Eine eigentliche Inspiration, ein Grundgedanke fehlt hier und so hat der Leser einmal mehr einen Grund, sich auf das folgende - hoffentlich ereignisreichere - Wochenende zu freuen.

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