Stimmen

Erschienen: Januar 2015

Bibliographische Angaben

  • Berlin: Argon, 2015, Übersetzt: Andrea Sawatzki

Couch-Wertung:

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Birgit Stöckel
Runde 3 für Beatrice Kaspary und Florin Wenninger

Buch-Rezension von Birgit Stöckel Dez 2014

Stimmen ist der dritte Kriminalfall für das salzburgerische Ermittlungsduo Beatrice Kaspary und Florin Wenninger aus der Feder Ursula Poznanskis. Nach den Thema Geocaching (Fünf) und Facebook-Gruppen (Blinde Vögel) stellt die Autorin erneut eine ungewöhnliche Idee in den Mittelpunkt ihrer Geschichte. Diesmal ist eine psychiatrische Klinik der Dreh- und Angelpunkt: Dort wird die Leiche eines jungen Arztes gefunden, dekoriert mit einigen Gegenständen, die zunächst keinen Sinn ergeben. Etwaige Zeugen sind unter den Patienten zu suchen, ebenso wie möglicherweise der Täter. Wahrlich keine leichte Aufgabe, dort zu ermitteln, vor allem, wenn die Ärzteschaft nur eingeschränkt kooperativ ist.

Wie bereits bei den beiden Vorgängern gelingt es Poznanski, eine spannende Geschichte aufzubauen, die den Spannungsbogen über das ganze Buch aufrecht hält und mit einigen interessanten und nicht alltäglichen Kniffen aufwartet.

Die Ermittlungen verlaufen erwartungsgemäß schwierig – schließlich sind die Patienten psychiatrisch krank und ihre Angaben oft ungenau und durch ihre Krankheit verzerrt. Eine Patientin gibt sich distanzlos und erzählt nachweislich die Unwahrheit, ein anderer hört Stimmen und wird von ihnen getrieben, eine weitere Patientin scheint aufgrund ihres Traumas gar nicht mit der Umwelt zu kommunizieren.

So müssen Beatrice und Florin zermürbende Gespräche führen, mühsam brauchbare von unbrauchbaren Hinweisen trennen, verschiedensten Spuren folgen und wieder verwerfen und immer wieder das hartnäckige Schweigen einiger Ärzte überwinden. Besonders Beatrice gibt nicht auf und kämpft darum, eine verlässliche Kommunikation herzustellen – mitunter mit ungewöhnlichen Mitteln, die teilweise belächelt werden – bis sie ins Schwarze trifft, denn das schreckt den Täter auf.

Neben den Ermittlungen spielen auch in Stimmen wieder das Privatleben von Beatrice und Florin und vor allem ihre Beziehung zueinander eine wichtige Rolle. Was sich in den ersten beiden Bänden andeutet, wird nun fortgesetzt und man folgt den Ermittlern gerne auf ihrem Weg. Wobei Florin schon sehr als strahlender Held und Traummann präsentiert wird. Ein Typ, in dem sich Leserinnen durchaus auch verlieben könnte. Es gibt ein paar wenige Versuche, dieses Strahlemannimage zu entkräften, doch sie dürfen in weiteren Bänden gerne noch etwas ausgeprägter sein, um auch Florin eine ausgewogene Charakterisierung zu verpassen.

Beatrice ist da schon ausgefeilter dargestellt, sie ist von der Superfrau, die mühelos Kinder und Beruf unter einen Hut bringen kann, weit entfernt. Im Gegenteil, sie kämpft ständig gegen ihr schlechtes Gewissen, wenn die Ermittlungen ihr mal wieder nicht genug Zeit lassen, sich um die Kinder zu kümmern. Dieses wird auch noch von ihrer Mutter und vor allem von ihrem Exmann befeuert, der keine Gelegenheit auslässt, sie niederzumachen oder sie mit Worten zu verletzen. Hier zeigt sich, wie weit wir von einer wirklichen Gleichstellung der Geschlechter noch entfernt sind: Frauen müssen sich ihren Familien gegenüber rechtfertigen, wenn sie arbeiten und ihrem Arbeitgeber gegenüber, wenn sie sich um ihre Kinder kümmern.

Das Finale ist gewohnt furios und dramatisch – bis auf die Tatsache, dass erneut ein Ermittler in die Fänge des Täters gerät. Vielleser im Krimibereich beschert so etwas schon lange keine erhöhten Adrenalinspiegel mehr und selbst Leser, die nur die Bücher von Ursula Poznanski lesen, werden beim mittlerweile dritten Mal nicht mehr überrascht werden. Hier wäre ein anderes Muster in einem eventuellen nächsten Band sehr wohltuend.

Insgesamt ist Stimmen erneut ein spannender Krimi mit einem ungewöhnlichen Setting, der in punkto Figurenzeichnung und Finale noch ein paar Schwachstellen aufweist, aber trotzdem lesenswert ist.

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