London Underground

Erschienen: Januar 2014

Bibliographische Angaben

  • München: Blessing, 2014, Seiten: 448, Übersetzt: Gunnar Kwisinski

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Lars Schafft
Mind the Gap!

Buch-Rezension von Lars Schafft Mai 2014

Ohne Zweifel gibt es eine neue Generation. Diejenigen der britischen Krimiautoren zwischen 35 und 60, die aus der guten alten "Crimestory" etwas machen, das man vielleicht "Police-Thriller" nennen dürfte. Ian Rankin, Mark Billingham, Stuart MacBride, Paul Finch – you name it all. Oliver Harris schickt sich an, in dieser Liga mitspielen zu dürfen. Und der 36-jährige darf.

Wer einmal die Themse zu Fuß unterquert hat, kennt dieses beklemmende Gefühl, dass diese alten Schächte und Tunnel auslösen. Oliver Harris treibt das in seinem zweiten Roman um den 40-jährigen Detective Constable Nick Belsey auf die Spitze: Nach einer halsbrecherischen Verfolgungsjagd durch London verschwindet der Verdächtige spurlos in einer Sackgasse wie vom Erdboden.

Ein Date mit Schampus im Untergrund

Belsey forscht und entdeckt einen Einstieg in ein altes Tunnelsystem. Ohne Durchsuchungsbefehl treibt ihn die Neugier in die Untergründe Londons und noch meterweit unter den U-Bahnen stößt er auf Kommunikationsanlagen, Feldbetten und Champagnervorräte en masse. Ein toller Ort für ein Date mit seiner 22-jährigen Geliebten? Durchaus, doch die verschwindet spurlos unter der Erde. Besley ermittelt und stößt auf wenig Gegenliebe – weder durch Vorgesetzte noch in Regierungskreisen.

Wie eingangs erwähnt, reiht sich Oliver Harris ein in die Riege großartiger Schriftsteller britischer Kriminalromane und muss den Vergleich nicht scheuen. Zwar sticht sein Protagonist DC Nick Belsey nicht sonderlich heraus – er pumpt sich voll mit Alkohol und jeglichen Medikamenten, die ihm zur Verfügung stehen – doch ist er genauso der Lonesome Wolfe, dem man so gerne als Fan solcher Polizeiromane der britischen Inseln folgt. Ein vom Leben und Vergangenheit gebeutelter Mann, aber immer um die Aufklärung schlimmster Verbrechen bemüht.

Es sind zwei Dinge, die einen bei London Underground überraschen: zum einen, dass der erst 36-jährige Autor die Thematik des Kalten Krieges im Jahr 1983 aufgreift, wo er damals erst fünf Jahre alt war, und schreibt, dass – ähnlich wie sein Protagonist – er eigentlich davon nichts mitbekommen hat. Dass diese Beklemmung, diese Bedrohung, diese Gefahr, Realität war – und damit aktueller ist denn je – erzeugt in London Underground eine Atmosphäre, die man dem Jungspund gar nicht zugetraut hätte. Eine Atombombe auf London? Ja, das Szenario wurde augenscheinlich erprobt und lässt den Leser in Mark und Bein erschüttern.

Ein Alptraum für Klaustrophobiker

Zum anderen: Von dem Untergrund Londons, so wie Harris schreibt, wissen wohl selbst die Hauptstädter nichts, das Tunnelsystem scheint eines der bestgehüteten Geheimnisse zu sein. Mind the Gap? Mind the Tunnels! Nach Harris gibt es geheime Bahnhöfe, verschwiegene, unterirdische Wege, Korridore und vergitterte Abzweigungen. Sehr beklemmend, für Klaustrophobiker mit Sicherheit ein Alptraum.

Mit einer überraschenden Routine schreibt Oliver Harris einen nachdrücklich beeindruckenden Thriller, bei dessen Lektüre es einem Angst und Bange werden kann. Kein Wort zu viel, aber auch kein Nervenkitzel zu wenig.

London Underground

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Letzte Kommentare:
24.11.2019 23:24:44
Dengelbaum

Anfangs etwas zäh, aber dann ziemlich flott und spannend. Harris schafft es den Spanungsbogen aufrecht zu halten. Man will mit Belsey mitkommen, eine Taschenlampe einstecken und selbst in die Unterwelt eintauchen. Und mehr als einmal stellt man sich die Frage: was ist Fiktion, was echt. Bekannt ist, dass im Untergrund von London einige Geheimnisse schlummern, das lässt sich nachlesen. Aber es gibt noch viel unentdecktes und Harries lässt mit diesem Krimi die Hoffnung auf eine Fortsetzung aufkeimen. Lesenswert, kurzweilig, spannend.

02.05.2017 13:53:05
manni

Ein Thriller ist das meiner Meinung nach nicht, aber ein solider Kriminalroman. Das "Setting" ist hier spannend, die Handlung selbst ist nicht wirklich überraschend, aber flott erzählt. Ich habe mich immer gefragt: Was stimmt hier und was ist erfunden ? Manche Ereignisse wirken arg konstruiert, da muß sich der Autor originelleres einfallen lassen. Gute Unterhaltung, daher 75°

27.01.2016 19:37:55
Heino Bosselmann

Heino Bosselmann


Etwas behäbig.

Eigentlich hat Oliver Harris alles richtig gemacht: gute Story, eher linear, famose Kulisse, die Handlung temporeich und, ja, spannend. Dennoch, dieser Thriller thrillert nicht so richtig. Dazu später.

Der Roman spielt in einem halbphantastischen Milieu. Detective Nick Belsey, wie alle Helden neuerer Krimis ein eher etwas abgewetzter Typ mit einer Vita voller Disziplinarverfahren, verrennt sich im Labyrinth eines Tunnelsystems unter London. Es wurde in den paranoiden Zeiten des Kalten Krieges hochgeheim in Befürchtung eines Atomschlags angelegt und hat die Jahrzehnte danach so vergessen wie konserviert überdauert.

Der Minotaurus in diesem Labyrinth ist Michael Easton, ein fanatisiert Traumatisierter, dessen Motive später den Schlüssel für die Aufklärung liefern. Zunächst aber hat er die Studentin Jemma Stevens, die Geliebte Belseys, entführt, just in dem Moment, als der mit ihr, einem schicken Tequilla-Girl, gerade ein Rendezvouz im bizarren Ambiente der Katakomben zelebrieren wollte, nachdem er das unterirdische System in Ergebnis einer Verfolgungsjagd entdeckt hatte.

Während Belsey nun seine Jemma wieder befreien will und zu recherchieren beginnt, was es mit dieser Unterwelt, die seine Geliebte verschluckte, auf sich hat, stößt er auf eine Menge zeitgeschichtlicher Vergangenheit, die auch in diesem Fall nicht vergehen will und von einem Klüngel aus Politik und Geheimdienst gehütet wird.

Der Autor ist im Bilde: Nie war die Welt so dicht an einem nuklearen Inferno wie im nervösen Jahr 1983, als die NATO ihre Kommandostabsübung „Able Archer“ so realitätsnah forcierte, dass ihrerseits die UdSSR davon ausging, der Westen wollte tatsächlich angreifen. Sie alarmierte damals ihre KGB-Residenzen und wappnete sich, während eben in London Krieg gespielt wurde. In jener Zeit und mit diesen alten Konflikten beginnt der Handlungsstrang, der sich dramatisch bis in die Gegenwart des Krimis fortspinnt.

Der sich im Labyrinth sicher bewegende Easton ist kein Monstrum, sondern gewissermaßen ein Opfer des Kalten Krieges. Mehr zu erläutern verbietet sich hier. Der ihm zunächst wie blind tastend folgende Detective rekapituliert die Geschichte und rettet nebenher die Metropole vor der großen Rache, die Eaton zur Kompensation des erlittenen Ungemachs plant.

Weshalb aber thrillert der Thriller nicht, obwohl er doch alles hat? Zunächst: Dem Helden, Nick Belsey, fehlen jene Tiefe und Witz, die etwa Figuren wie den gleichfalls etwas ungewaschenen Sean Duffy aus Adrian McKintys Romanen so lebendig und unverwechselbar machen. Coolness allein reicht nicht; auch die schicke Ex reißt es nicht raus. Außerdem: Es gibt Krimis, die sind stark und spannend, aber sie laufen eher wie ein Film ab. Man kann das mögen, aber diese Werke erscheinen eher cineastisch als literarisch. „London Underground“ ist für mich so ein Fall.

Zum Ende hin, als der Held sich lädiert über seine letzten Meter ficht, dann sehr viel allzu glatte und schnelle Fügungen, großes Zusammenklicken weit entfernter Puzzleteile, zusammengefunden über ein paar Telefonaten und Archivrecherche mit vorgehaltener Wumme, allzu viel deus ex machina und Hektik-Action im Straßenverkehr wie in Vorabendserien. Ja, der Plot ist professionell von hinten nach vorn durchgestrickt worden, aber man ist als Leser dann froh, dass endlich Feierabend ist und man sich wieder kleineren und feineren Bänden des Genres zuwenden kann. Einen schönen Satz fand ich: Er pulte genüsslich am Schorf des eigenen Lebens. Nicht schlecht. Ja, spannend, absolut, nur etwas viel Gewicht und damit Behäbigkeit.

16.10.2015 19:08:52
Carolina

Ich habe gerade die Bewertung für London killing nachgeholt, das Buch hab ich vor über einem Jahr gelesen und es hat mir so gut gefallen, dass ich London underground sofort gekauft habe, als ich es in der Buchhndlung gesehen habe.Und ich bin nicht enttäuscht worden.
Der Autor hat sichtlich mehr Routine beim Schreiben, der Text ist flüssiger und weniger sprunghaft. Die Atmosphäre ist so dicht, man bekommt beim Lesen das Gefühl, dabei zu sein.Es zieht einen richtig in seinen Bann. Wie beim Vorgänger sollte man es in einem Zug "genießen", dann erzeugt es eine richtig klaustrophobische Stimmung beim Lesen.
Ich freu mich schon auf das nächste Abenteuer von DC Belsey.
Im Gegensatz zu einem Kommentator des Vorängerbuches finde ich seine Figur nicht unsympathisch. Ganz im Gegenteil.
Viel Spaß beim Lesen!

07.03.2015 12:29:10
Oldman

Der Protagonist des Buches ist ein Kriminaler mit wesentlich mehr Schwächen und Macken als gut für ihn wäre. Insofern hält sich sein Sympathiewert in Grenzen, für die Spannung ist der ambivalente Charakter aber unerläßlich. Die Handlung findet großenteils in unterirdischen Tunnelsystemen statt, was für mich teilweise durchaus Beklemmungen hervorgerufen hat. Hier wäre etwas weniger m.E. mehr gewesen. Die Handlung ist aber anspruchsvoll und verzwickt, nach einer Lesepause von 3 Tagen war es schwierig, sich wieder zurechtzufinden. Einiges blieb unerklärt, das Buch hat allerdings sehr starke Momente, und die als Serienheld angelegte Hauptfigur ist entwicklungsfähig. Wie sich der " Held " mit wirklich allen anlegt und auch von allen verfolgt wird ist wunderbar beschrieben, dennoch gelangt er am Ende an sein Ziel trotz sämtlicher Widerstände. Fazit:ungewöhnliche Schauplätze, eine ebensolche Story und starke Spannung in den besten Momenten. Das nächste Buch werde ich sicher auch lesen.