Höllensommer

Erschienen: Januar 2012

Bibliographische Angaben

  • Auenstein: Kokkinias, 2012, Seiten: 393, Originalsprache

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Jörg Kijanski
Aktueller Blick auf Griechenland, aber mit leichten Plot-Schwächen

Buch-Rezension von Jörg Kijanski Jan 2013

Phani Papadea hat ihren Urlaub beendet und ist auf dem Weg nach Kalamata als ihr Mitarbeiter Panos sie über einen merkwürdigen Anruf informiert. Demnach soll in der Nähe eines abgelegenen Dorfes im Taigetos-Gebirge eine Leiche in einer Tanne hängen. Da Phani gerade in der Gegend ist, macht sie einen Abstecher in das schwer zugängliche Gebiet und trifft dort zunächst auf eine Mauer des Schweigens. Zwei verfeindete Familienclans lösen dort ihre Probleme selbst und die der Dorfbewohner gleich mit. Fremde unerwünscht. Am nächsten Tag spitzt sich die Lage dramatisch zu, denn die in weiten Teilen Griechenlands wütenden Waldbrände nähern sich bedrohlich dem Ort; von Hilfe weit und breit keine Spur. Dennoch macht sich Phani erneut auf die Suche und findet tatsächlich einen strangulierten jungen Mann.

Doch bevor die Sache richtig untersucht werden kann, gilt es erst einmal das eigene Leben vor den anrückenden Feuerwalzen zu retten. Als die Brandgefahr gebannt ist zeigt eine Fernsehjournalistin Phani ein verstörendes Bild. Auf diesem ist das Gelände einer heftig umstrittenen Mülldeponie in der Nähe des Bergdorfes zu sehen. Neben den Fahrzeugen der Baufirma stehen gut erkennbar zwei Löschwagen, die eigentlich die Dorfbewohner hätten schützen sollen. Wurden hier etwa wirtschaftliche Interessen über das Leben der Menschen gestellt? Viel Zeit zum Nachdenken bleibt Phani nicht, denn sie wird offiziell zurück nach Kalamata beordert, zumal der Todesfall ein Selbstmord zu sein scheint. Doch auch in ihrer Heimatstadt muss Phani nicht lange auf eine Leiche warten. Wie sich herausstellt, führt eine heiße Spur ausgerechnet zu jenem Ministerium, dass unter anderem für die Genehmigung von Mülldeponien zuständig ist &

In seinem dritten Teil der Phani-Papadea-Reihe bleibt Autor Rafael Navarin seinem bisherigen Stil treu und vermischt die polizeiliche Ermittlungsarbeit zugleich mit einer aktuellen Bestandsaufnahme des Landes. Wie schon beim Vorgänger Sonne hinter Tränen zeigen sich die tiefen Risse in der griechischen Gesellschaft. Auf der einen Seite die Bewohner des abgelegenen Bergdorfes, die viel zu sehr mit sich selbst beschäftigt ihr Schicksal weitgehend als gottgegeben hinnehmen und andererseits die "Big Player", die das Land unter sich aufteilen und dabei auf die Unterstützung der Regierung zählen dürfen, egal wie sich diese gerade mehrheitlich zusammen setzt. Das Schicksal Einzelner ist egal, gilt es doch möglichst viel Geld zu verdienen solange dies noch möglich ist. Also baut man weiter fleißig Autobahnen oder wie im vorliegenden Roman Mülldeponien; wenn es sein muss auch aus Kostengründen in Gegenden, wo diese verboten sind.

Und was macht die Polizei? Die sympathische Protagonistin, die sich einmal mehr anschickt zum Inbegriff "weiblicher Intuition" zu werden und sich auf diese Weise nicht selten in gefährliche Situationen begibt, stolpert oftmals durch die Handlung. Sei es, dass sie nicht vorhandenen Spuren folgt oder von ihren geistig leicht eingeschränkten Mitarbeitern im Stich gelassen wird. Wenn alles nichts hilft kann ihr ja notfalls noch ein Fall durch Athen entzogen werden. Dass es dennoch gelingt, zumindest den einen oder anderen Handlungsstrang aufzuklären grenzt beinahe an ein Wunder; passt jedoch in das chaotische Bild, welches der Autor von Griechenland zeichnet. Dass dieses Bild durch die aktuelle Berichterstattung in den Medien anlässlich der EU-Wirtschaftskrise permanent bestätigt wird, macht es in der Sache nicht besser, den Roman aber immerhin realistischer. Wer zeitgemäße Krimiplots vor aktuellem politischem Hintergrund mag, der darf hier gerne zugreifen, sollte aber bei den Ermittlungsmethoden großzügig beide Augen zudrücken. Für Fans der Serie lohnt sich der Kauf auf jeden Fall, denn Phanis Privatleben erhält eine nicht mehr für möglich gehaltene Wendung.

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