Der Tag der Rache. Private Berlin

Erschienen: Januar 2013

Bibliographische Angaben

  • München: Goldmann, 2013, Seiten: 416, Übersetzt: Helmut Splinter

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Andreas Kurth
Wenn alte Rechnungen präsentiert werden

Buch-Rezension von Andreas Kurth Dez 2012

Die Detektei Private aus Los Angeles hat auch eine Filiale in Berlin. Chris Schneider, einer der deutschen Ermittler, hat eine Auszeit genommen – und ist nun zwei Tage überfällig. Seine Kollegen beunruhigt dieses für ihn ungewöhnliche Verhalten, und das Team um Mathilde Engel und Tom Burkhart beginnt ihn zu suchen. Ein Mikrochip, der Private-Mitarbeitern implantiert wurde, führt sie in ein verlassenes Schlachthaus bei Ahrensfelde. Den Peilsender finden sie im Maul einer Ratte – und die Leiche ihres Kollegen in einem Berg von Knochen im Untergeschoss. Das Team nimmt parallel zu den Ermittlungen der Polizei eigene Untersuchungen auf, die zu beunruhigenden Vorgängen in der bisher dunklen Vergangenheit von Chris führen. Während die Detektive verschiedenen Spuren folgen, gibt es weitere Morde. Offenbar versucht der unbekannte Killer, alle Mitwisser der lange zurück liegenden Vorgänge auszulöschen. Ein mörderischer Wettlauf zwischen dem Private-Team und dem Mörder mündet in einem dramatischen Finale.

Vielschreiber James Patterson siedelt seine Geschichten üblicherweise in den USA an. Aber die Serie über die Private-Großdetektei bietet viele Möglichkeiten, um auch in deren Filialen etwas Action ablaufen zu lassen. Dabei ist die deutsche Hauptstadt natürlich ein dankbares Terrain, denn die ehemalige Schnittstelle zwischen den ideologischen Systemen bietet zahlreiche Möglichkeiten, hier spannende Geschichten mit Bezug zur bewegten Berliner Vergangenheit anzusiedeln. Der Plot des Romans wirkt dabei zunächst nicht so wirklich innovativ, aber ich finde die Verästelungen und die am Ende sichtbare Ausprägung der Geschichte durchdacht und ungewöhnlich – kann und darf hier jedoch nicht wirklich etwas dazu verraten.

Den Einstieg bietet der in der DDR geborene und aufgewachsene Private-Mitarbeiter Christoph Schneider, dem allerdings nur ein kurzes Gastspiel in dem Roman vergönnt ist, schließlich ist er das erste Mordopfer. In den Rückblicken und durch die Recherchen seiner Kollegen wird Schneider später zu einer wichtigen Figur, weil er gemeinsam mit anderen den Schlüssel zu den Verbrechen liefert. Das Auffinden seiner Leiche bietet einen ersten Eindruck davon, was den Leser in diesem Roman erwartet. Der ist nicht unbedingt für zartbesaitete Gemüter geschrieben, denn da geht es durchaus unappetitlich zur Sache. Nun ist der Umgang mit den Kindern von Regimegegnern in der DDR kein neues Thema. Zwangsadoptionen und Heimeinweisungen waren in der kommunistischen Diktatur nicht selten. Die in diesem Roman beschriebene spezielle Ausprägung lässt dann aber doch den Atem stocken.

Während auf der dunklen Seite der Mörder als Person hervorsticht, ist auf der Seite der Guten das Team der Star. Die Mannschaft von Private Berlin – verstärkt durch den Chef aus Los Angeles – hat vielfältige Talente in ihren Reihen. Der Tod eines Kollegen – mit dem Mathilde Engel bis vor kurzem noch liiert war – spornt die Ermittler zu besonderen Anstrengungen an. Eine spezielle Rolle spielen außerdem der ermittelnde Kommissar und sein ganz besonderes Umfeld, da erwarten den Leser so einige Überraschungen. Hier hat das Autorenduo eine Gemengelage komponiert, die für reichlich Spannung sorgt.

Der Roman wurde mit Co-Autor Mark Sullivan verfasst, der sogar die Hauptarbeit gemacht haben dürfte. Dennoch findet man viele Charakteristika der Schreibweise von James Patterson. Es gibt viele kurze Kapitel und eine wirklich spannende Geschichte, die den Leser unterhalten soll – und das funktioniert auch hervorragend. Manche Charaktere wirken leicht holzschnittartig, und wer hier literarische Tiefe sucht, sollte das Buch im Regal stehen lassen. Aber hochgradige Spannung und damit kurzweiliges Lesevergnügen bietet Der Tag der Rache allemal.

Der Tag der Rache. Private Berlin

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Letzte Kommentare:
29.09.2013 15:49:15
Urs Roth

Das Beste an diesem Buch sind die zahlreichen kurzen Kapitel. Sie verleiten einem zum Weiterlesen. Der Inhalt aber ist allzu "amerikanisch". Ein Thriller halt und kein Krimi. Die Autoren versuchen, den Figuren die Oberflächlichkeit zu nehmen, indem die Familie der Hauptperson eine Nebenrolle spielt. Das will aber irgendwie einfach nicht ganz gelingen. Kein Vergleich mit den Krimis aus dem Norden von Europa.

10.09.2013 16:34:53
Oliver

Plot und Charaktere fand ich okay. Man erwartet ja auch keine große Literatur, wenn man sich mit dem Werk von James Patterson beschäftigt.
Was mich jedoch geradezu angewidert hat, wobei hier noch erwähnt sein muss, daß ich das Buch im Original gelesen habe und hoffe, daß man sich in der Übersetzung diesbezüglich einige Freiheiten genommen hat, war die Namensgebung für die Protagonisten:
Mattie, Kat, Ilse, Hariat und Kiefer, um nur die abschreckendsten Beispiele zu nennen, sind nun wahrlich keine Namen, wobei dies für Hariat und Kiefer nicht mal im Ansatz zutrifft, denen man im deutschen Sprachraum bei Personen unter siebzig (Ilse) häufig, wenn überhaupt begegnet!
Schwache Recherche oder auf Vorurteilen basierende amerikanische Ignoranz?

06.09.2013 10:12:29
Torsten

Ein Roman von einem internationalen Autor der in Berlin spielt - das klingt für einen Berliner natürlich so interesant, dass man das Buch lesen muss.
134 Kapitelchen auf 379 Seiten geben die Richtung vor: Das ist ein Hochgeschwindigkeitsthriller ohne Pausen und auch ohne Tiefgang, was ja aber bei dieser Art Roman überhaupt nicht sein muss.
Auch die ganzen Unwahrscheinlichkeiten und Details die doch wohl zu sehr aus dem amerikanischen Alltag heraus inspiriert wurden, kann man getrost ignorieren. So würde hierzulande wohl niemals eine Privat-Detektei derart in Ermittlungen eingebunden werden - und das ständige Herumwedeln mit Dienstmarken eben dieser Detektei ist auch ziemlich überzogen. Das jedermann ganz offensichtlich "Private" kennt und offenbar auch sofort als Authorität anerkennt muss man ebenso dem Plot und der Serie geschuldet hinnehmen.
Die Geschichte jedenfalls ist spannend konstruiert und kurzweilig erzählt. Durch die Spannung und die kurzen Kapitel wird man ständig zum Weiterlesen ermuntert - und das ist ja ein wesentlicher Teil der Unterhaltung was ein Buch ausmachen kann.
Da stört es dann auch nicht mehr sonderlich, dass letztlich der ganze Hintergrund ein wenig zu extrem ist und auch das Motiv des Täters ziemlich dünn ist (und was die Zahl der Opfer z.B. angeht auch nicht recht nachvollziehbar bzw. sogar falsch ist).