Die Wasserratte von Wanchai

Erschienen: Januar 2011

Bibliographische Angaben

  • Zürich: Kein & Aber, 2011, Seiten: 425, Übersetzt: Simone Jakob

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Die Kosmopolitin und auf Geldeintreibungen spezialisierte Agentin Ava Lee lässt sich von niemandem einschüchtern. Mit messerscharfem Verstand und unkonventionellen Ermittlungsmethoden hat sie bisher noch jeden Fall gelöst. Ihr Auftraggeber: ein mächtiger, dubioser und im Untergrund weltweit vernetzter Mann aus Hongkong. Ihr Auftrag: Sie soll einem alten Freund helfen, dessen Neffe um fünf Millionen Dollar betrogen wurde.

Die Wasserratte von Wanchai

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Letzte Kommentare:
21.06.2019 07:59:23
Petra

S. 222, ein Bodyguard über die Protagonistin Ava Lee: "Sie sind ne Spaßbremse." Genau das: eine Spaßbremse und schlimmer, ein fleischgewordenes Klischee.
Selten hat mich ein (meist) gut bewertetes Buch so enttäuscht. Waren die positiven Rezensionen im Internet alle vom Verlag bestellt? Wahrscheinlich nicht alle - aber wer tut sich eine derart langweilig erzählte Geschichte an und titelt dann noch: "Spannend bis zum Schluss" und "Pageturner"?
Der Autor wollte wohl einen weiblichen James Bond kreieren. Was Ava Lee - anders als 007 - leider völlig abgeht, ist auch nur der kleinste Funke Humor und Selbstironie. Wie auch die anderen Charaktere bleibt sie völlig flach. Und sie ist unglaubwürdig: tough, gut aussehend, extrem sportlich, hochintelligent, effizient, natürlich schwerreich, jung, Bombenfigur... Sie betet zwar jeden Morgen (sie ist angeblich katholisch - huldigt aber auch einer Hindu-Gottheit in einem thailändischen Tempel), aber sie steht über dem Gesetz und hat kein Problem damit, zu nötigen, zu erpressen und Männer mit ihren Handkantenschlägen zu Krüppeln zu machen, ja sogar zu foltern.
Aber das Schlimmste an diesem Buch ist das aufdringliche Productplacement: der Koffer von Louis Vuitton, die "Double Happiness"-Tasche von Shanghai Tang, die Cole-Hahn-Lederpumps, die Brooks-Brothers-Blusen, die Cartier-Uhr, das Moleskin-Notizbuch, die Giordano-T-Shirts, die Tasche von Chanel...
Einfach nur ärgerlich. Müsste ich Sterne vergeben, hätte das Buch nicht mehr als einen Stern verdient; einen zweiten könnte man evtl. noch geben für die exotischen Schauplätze. Aber die wurden auch schon besser beschrieben.

28.10.2012 18:55:59
K

Ein gelungener Einstand für Ava Lee, die junge Wirtschaftsprüferin aus Toronto, der das Leben als Buchhalterin zu langweilig war, und die sich daraufhin auf den Bereich der Wirtschaftskriminalität spezialisiert hat. Ursprünglich aus Hongkong stammend, wo die Mutter als Ehefrau Nr. 2 eines reichen Chinesen ein durchaus angenehmes Leben führte. Wie es sich in chinesischen Familien gehört war der Vater selbstverständlich von Ehefrau Nr. 1 nicht geschieden. Warum auch? Jedenfalls war Ehefrau Nr. 2 nicht begeistert als Nr. 3 auf der Bühne erschien, und verzog sich mit den zwei Töchtern nach Kanada. Nach Toronto, wo sie der Papa immer wieder besuchte und seinen väterlichen Pflichten nachkam.

Ava hat nicht nur Abschlüsse von der York University, der University of Toronto und dem Babson College bei Boston, sondern ist auch eine Expertin in Sachen Bak Mei, einer Kampfsportkunst. Nach dem Studium arbeitete sie erst in einer renommierten Kanzlei, wo sie die Bürokratie jedoch als erstickend empfand, so dass sie sich schließlich selbständig machte. Als einer ihrer Klienten von einem chinesischen Importeur über's Ohr gehauen wurde, nahm sie die Schuldeneintreibung in die eigene Hand. Bei der Gelegenheit lernte sie ihren spätern Kompagnon kennen, den der Leser in der Geschichte als 'Onkel' kennenlernt. Kein Blutsverwandter. Eine traditionelle, respektvolle chinesische Anrede. Fortan sollte Onkels Leumund eine bunte Schar von Klienten anziehen, wohingegen Ava mit ihren buchhalterischen Kenntnissen und sanften Methoden der Schuldeneintreibung auftrumpfte. Die Klienten waren in der Regel Asiaten am Rande der Verzweiflung, deren Familien oder Unternehmen der finanzielle Ruin drohte. Wenn alle konventionellen Methoden ausgeschöpft waren, so hatte Ava mit ihrem Einfallsreichtum und ihren Fachkenntnissen die Gabe, die Gelder an Orten zu finden, von denen die Betrüger dachten, dass sie bombensicher waren.

Im vorliegenden Fall hatte eine Finanzierungsgesellschaft ein vermeintlich sicheres Geschäft finanziert: Shrimps für eine renommierte kanadische Supermarktkette. Als diese Supermarktkette den Vertrag jedoch wegen fehlerhafter Lieferungen auflöst, verschwindet nicht nur die Ware, sondern auch einer der Geschäftspartner löst sich in Luft auf. Die Recherchen führen Ava von Kanada über die Vereinigten Staaten, Hongkong, Thailand, Guyana schließlich auf die British Virgin Islands.

Ihre Ermittlungsmethoden bestehen zunächst aus Telefonaten, in welchen sie sich unter anderem als Mitarbeiterin von Steuerfahndung oder anderen Behörden ausgibt. Erst als sie aktiv den Betrügern hinterherjagt, kommt es zu actionhaltigeren Szenen bis hin zum großen Show-down.

Bemerkenswert an der Geschichte sind die Informationen über Land und Leute, die Ian Hamilton einfliessen lässt. Man merkt, er kennt sich aus. Die Wissensvermittlung macht dabei sehr viel Spaß.

Das Privatleben von Ava Lee spielt eine eher untergeordnete Rolle, so erfährt der Leser zB, dass sie sich zu Frauen hingezogen fühlt, eine feste Partnerin hat sie jedoch nicht. Hier geht es eindeutig um die Aufklärung und die Ermittlungen. Und das ist überaus spannend und rasant erzählt. Ausserdem kann man so nebenbei noch eine Menge über den asiatischen Raum, die asiatische Lebensart lernen.

Kurz und gut: Eine beeindruckende Hauptdarstellerin. Eine Geschichte, die so ganz anders ist, als alles, was ich sonst gelesen habe. Die nächsten Bände werde ich mir ganz sicher auch kaufen. Klasse!