Krimi-Hörspiele:
Mediatheken / 67

"Hologrammatica"

Wie Scifi und wirkliches Leben sich verbinden

Tom Hillenbrand ist ein erfolgreiche Krimi-und Scifi-Autor. Seine Krimis aus der Welt des Koches wurden unlängst in ARD-Sounds erneut gesendet. Seit einigen Jahren schreibt Krimis in der Scifi-Welt und inzwischen bei einem dritten Buch angekommen. Hologrammatica mit gut 520 Seiten war 2018 sein Einstieg in diese Welt und hat inzwischen die dritte Auflage erreicht. Der Deutschlandfunk Kultur hat dies Buch nun in eine 8-teilige Hörspielserie gepackt.

Inhalt

Wir haben das Jahr 2088 und eine völlig andere Welt. Protagonist dieser Episoden ist Galahad Singh. Sein reicher Vater ist Eigentümer des Alternativ-Unternehmens Avalon. Galahad hat damit nichts im Sinn. Er arbeitet als Quästor, eine Art Privatdetektiv. Dabei wird er von Sid, seiner digitalen Assistentin unterstützt. Galahad bekommt den Auftrag Juliette Perotte zu suchen. Perotte ist eine wichtige IT-Spezialisten in einem der bedeutendsten Unternehmen der Welt. Galahads Spurensuche schickt ihn in durch die ganze Welt und Galaxien. Er hat mit ganz normalen Menschen zu tun, mit digitalen Körpern und Scheinwelten. Diese Menschen können ihre Körper und Gehirne konservieren und bei Bedarf wieder uploaden. Mit jedem Schritt, der Galahad auf eine Spur führt, wird es gefährlicher und komplizierter.  Es geht um Konzerne, die die Weltmacht anstreben, aber auch um Menschen, die das bisschen „alte Erde“ noch retten wollen. Dabei kommt es zu High-Tech-Schlachten, aber auch zu heftigen Schlägereien. Wird es am Ende alles gut oder ist es noch nicht das Ende? Jede Episode erhält die Spannung aufrecht.

Das Hörspiel

Wir haben es hier mit Scifi zu tun und der Hörer muss sich etwas in die Welt der Cogits und Quants hineindenken. Wer die Möglichkeit dazu hat, sollte sich die Begriffsliste des Buches kopieren. Im Übrigen ist alles gut verständlich und nachvollziehbar. Die Episoden sind in sich abgeschlossen, haben eine kleine Einführung und meist einen Cliff-Hanger. Kompliment an die Bearbeitung. Galahad ist der Sympathie-Träger, dem nichts Menschliches fremd ist. Z.B. eine Liebesgeschichte mit dem/der Fran. Oder die Flachsereien mit der niedlichen Sid. Galahad ist der klassischen Private Eye, der sich um Aufklärung bemüht und dabei mit der dunklen Seite der Macht in Konflikt gerät. Die Serie erinnert stark an die großen Filmepen mit Guten und Bösen, Starken und Schwachen, Menschen und Medien, große und kleine Familienkonflikte. Alles gerade in der richtigen Mischung kombiniert. Selbstredend tauchen dann beim Hörer die Fragen auf: Wie wollen wir leben, wie gehen wir mit modernsten Technologien um. Trotz der Modernismen ist die Sprache immer gut nachvollziehbar mit wunderschönen Sätzen von hochklassigen Sprechern inszeniert. Galahad kommentiert gelegentlich als Ich-Erzähler. In den späteren Folgen gibt es parallele Handlungen und der Hörer muss aufpassen, nicht den Faden zu verlieren. Musik und Geräuschkulissen ergänzen jeweils die Hörsituation passend, ohne sich in den Vordergrund zu drängen

Fazit

Wer sich auf die Scifi – Welt einlässt, erlebt einen hochklassigen Krimi. Wunderschön geschrieben und gelegentlich witzig.

Couch-Wertung: 90°

ARD Sounds

"Sherlock Holmes in Rio"

Ein albernes Hörfestival

Sherlock Holmes ist bis heute für spannende Krimiunterhaltung gut. Da die Rechte an der Figur, anders als bei Agatha Christies Poirot, längst abgelaufen sind, dürfen Autoren ihrer Fantasie freien Lauf lassen. Der SWR veröffentlicht im Sommer 2026 eine dreiteilige Episodenreihe, die auf einem Roman des Brasilianers Jô Soares beruht. Das Buch wurde bereits 1997 auf Deutsch veröffentlicht. Regie führt der Routinier Alexander Schuhmacher, der sich ein paar weniger bekannte Sprecher ausgesucht hat.

Inhalt

Rio, 1888. Dem aufgeschlossenen Kaiser Don Pedro II geschieht ein Malheur.  Er hat einer seiner Konkubinen still und heimlich eine Stradivari geschenkt. Und die ist nun verschwunden. Die berühmte französischen Schauspielerin Sarah Bernhardt, die gerade auf Tournee in Brasilien weilt, empfiehlt ihm den berühmten Detektiv Sherlock Holmes und seinen Kompagnon Dr. Watson für diskrete Ermittlungen einzuladen. Gesagt getan.  Doch dabei bleibt es nicht. Der einheimische Kommissar Pimenta schaltet Holmes ein, um einen Frauenmörder zu fassen. Der Mörder hinterlässt fast keine Spuren, aber er schneidet Ihnen die Ohren ab und legt eine Geigensaite auf ihre Scham. Gibt es einen Zusammenhang zur gestohlenen Stradivari? Holmes ermittelt in der Szene der reichen und kunstverliebten High-Society, taucht tief in die Mythen und Lebensweise der Brasilianer ein. Und verliebt sich in eine junge Schauspielerin, die ihm die Jungmännlichkeit nimmt. Aber dem Mörder kommt er nicht auf die Spur. Enttäuscht reist er nach Hause. Da muss der Mörder schon seine eigene Geschichte erzählen. Und beweist, dass man ihm durchaus auf die Schliche hätte kommen können.

Das Hörspiel

Ein brasilianischer Journalist führt jeweils mit seinen Erinnerungen in die Episode ein, sodass der Hörer zwischen den Folgen gut pausieren kann. Man hört im Übrigen den Mörder laut nachdenken, der gut trainierte Hörer erkennt ihn womöglich. Ansonsten geht es hier nicht im Entferntesten um irgendeine schlüssige Handlung. Sicher, Holmes wird entblättert und seine menschliche Seite entblößt. Sein deduktives Verfahren ins Lächerliche gezogen.  Er wird eigentlich als Knallcharge präsentiert. Im Wesentlichen sind die Episoden ein wunderbares Hörfestival, das man nicht ernst nehmen muss. Hier wird gerülpst, gefurzt, gefressen. Die Sprecher dürfen sich mit allem, was ihnen an Tönen zur Verfügung steht, austoben. Brasilien mit seinen mythischen Geistervorfahren ist eine unerschöpfliche Quelle. Dabei erfährt der Hörer auch einiges über das Land und die Zeit. Das alles geschieht in einem hohen Tempo und mit immer neuen Einfällen. Eine Satire wie es das ARD-Marketing glauben machen will, ist es nicht. Dafür fehlt eine ernstzunehmende Komponente. Das Hörspiel ist nicht spannend, aber unterhaltsam. Der finale Plot ist einfallsreich und überraschend. Etwas kürzer hätte noch mehr Würze ergeben.

Fazit

Sicher für manche Hörer schlicht albern. Aber für alle, die noch beide Ohren haben, kann es ein Spaß sein, der ein Lächeln ins Gesicht zaubert.

Couch-Wertung: 75°

ARD Sounds

"Krimi-Hörspiele: Mediatheken / Tipps 67" von Malte Stamer, 09.2026
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Fotos: istock.com / tolgart

Dr. Drewnioks
mörderische Schattenseiten

Krimi-Couch Redakteur Dr. Michael Drewniok öffnet sein privates Bücherarchiv, das mittlerweile 11.000 Bände umfasst. Kommen Sie mit auf eine spannende und amüsante kleine Zeitreise, die mit viel nostalgischem Charme, skurrilen und amüsanten Anekdoten aufwartet. Willkommen bei „Dr. Drewnioks mörderische Schattenseiten“.

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