Krimi-Hörspiele:
Mediatheken / 64

"Der tote Weckmann"

Ein rheinischer Cosy-Crime

Der WDR pflegt noch die Tradition des regionalen Cosy-Crime. Anfang 2026 erscheint der zweite Krimi um die rheinische Frohnatur Pamela Schlonski, Inhaberin der Putzfirma Sauberzauber und den aus Norddeutschland stammenden Kommissar Lennard Vogt. Eine echte Herausforderung: Bis auf die Dramaturgie und Musik haben alle anderen Mitwirkenden gewechselt.

Inhalt

Im Backofen der Biobäckerei Schnerrenberg wird ein toter Weckmann gefunden. Eigentlich eine süßes Hefegebäck in Form eines stilisierten Mannes. Hier mit einer echten Leiche: Dem Inhaber der Gärtnerei Klaus Steiner. Pamela ist noch vor dem Kommissar an Ort und Stelle. Inhaber der Bäckerei ist schließlich ihr Onkel. Aber wer tut dem angesehenen und erfolgreichen Gärtner so etwas an? Als Expertin für Ordnung und Sauberkeit mischt sich Pamela aktiv in die Ermittlungen ein. Unterstützt vom Kioskbesitzer Totti, ihrer Tochter Leia und viel Bauernschläue. Verdächtige gibt es schnell: Die langjährige Chefsekretärin, eine Mitarbeiterin, der gerade gekündigt wurde. Ein Streit bei einem Grundstückskauf. Aber es gibt auch viele Ungereimtheiten: Wer konnte überhaupt in die Bäckerei kommen und so eine komplizierte Tat verüben? Zu guter Letzt wirft dann das Testament des Toten noch einmal alles über den Haufen. Wieso erbt eine junge Pferdewirtin des Pferdehofes sein ganzes Vermögen?

Das Hörspiel

Vorab: Deutlich spannender als man es von einem Cosy-Crime erwarten darf. Der Hörer darf beständig mitdenken und wird am Ende überrascht sein. Alles ganz brav und grundsolide inszeniert mit attraktiven Spielorten wie Bäckerei, Gärtnerei und Pferdehof. Aber am wichtigsten sind hier die im sympathischen rheinischen Singsang daherkommenden Charakterköpfe. Alle mit viel Charme und Chuzpe. Allen voran Pamela, der man gerne zuhört. Erstaunlich, dass der WDR so viele Dialektsprecher auftreibt, die stark überzeichnen, aber immer die richtige Grenze finden.

Der Autorin sind viele falsche Fährten gelungen, die Freude am Mitverfolgen machen. Die Dialoge sind immer kurz und knackig und laden gelegentlich zum lauten Lachen ein. Von einem frotzelnden Team werden Pamela und Lennard zunehmend zu einem Team, das sich gegenseitig schätzt und ergänzt. Tochter Leia, als Internet-Aktivistin bringt dann noch ein paar junge Töne ein. Apropos. Die Musik ergänzt die Szenen bestens. Wenn Pamela zur Ruhe kommen will, vernimmt der Hörer entsprechend ruhige Töne, die ihm erlauben, seine Gedanken schweifen zu lassen.

Fazit

Ein ausgesprochen unterhaltsames, spannendes Hörspiel. Zugleich eine warmherzige Hommage an die Menschen und die Region des Rheinlandes. Gerne mehr davon.

Couch-Wertung: 80°

ARD Audiothek

"Sörensen geht aufs Haus"

Das Dream-Team Sven Stricker, Bjarne Mädel ist zurück

Seit guten sieben Jahren beglückt Sven Stricker als Autor und Regisseur die Hörer mit den Sörensen-Krimis. Kongenial besetzt mit Bjarne Mädel. Im Frühjahr 2026 erscheint nun das Werk „Sörensen geht aufs Haus“ multimedial als Buch, Hörbuch und eben beim Deutschlandfunk als Hörspiel. Das Buch wurde im Februar 2026 veröffentlicht und umfasst mehr als 500 Seiten. Den von einer Angststörung geplagten Sörensen hat es ins norddeutsche Katenbüll verschlagen. Gemeinsam mit der Kollegin Jennifer hat er aber die Unterwelt und seine Welt im Griff. Die große Fangemeinde hat schon lange auf einen neuen Aufschlag gewartet.

Inhalt

Schiefel hat ein Problem. In seinem Garten wurden menschliche Leichenteile in einem Maulwurfsloch gefunden. Die Täter waren schnell gefunden. Die ältlichen Nachbarn wollten ihm und seiner Familie eins auswischen. Aber wieso die Leichenknochen? Die hatten sie mit einem anonymen Schreiben zugesandt bekommen. Mit klaren Anweisungen. Stammen die Teile von einem jungen Mädchen, das vor ein paar Jahren nach einer Fete verschwunden ist?

Aber Schiefel hat noch mehr Probleme. Gemeinsam mit seinem Bruder will er eine Software zum Laufen bringen, um endlich den Durchbruch schaffen. Unter diesem Druck leidet auch seine Familie. Kann Sörensen ihm helfen? Er ist für den Fall zuständig? Zur Schulzeit waren sie dicke Freunde, haben sich dann aber aus den Augen verloren.

Doch Sörensen, der genug Probleme mit seinem pflegebedürftigen Vater hat, ermittelt wie immer „neutral“, noch unterstützt von Jennifer, die überlegt abzuspringen. Dann überschlagen sich die Ereignisse. Schiefels Bruder stürzt tödlich vors Bahngleis und bei der verschwundenen Teenagerin wurde schlampig ermittelt. Und wieso gab es zur Tatzeit noch eine weitere Vermisste, eine alte Frau?

Das Hörspiel

Der Serienfreund findet alles Vertraute wieder. Sörensen, angstgeplagt und hilflos mit seinem pflegedürftigen Vater; Jennifer und das ständig frotzelnde Team. Der Text ist punktgenau auf die Talente von Bjarne Mädel zugeschnitten. Sörensen erörtert das Geschehen immer wieder in der Ich-Form. Die Musik begleitet mit wenigen wechselnden Akkorden die unterschiedlichen Charaktere und Geschehnisse. Bei Stricker geht es ja nie allein darum, einen Täter zu finden. Das Hörspiel ist eher eine Wanderung durch Lebensschicksale, Ängste, Rache und vieles mehr, die dann doch noch zu einem spannenden Krimi werden. Es ist aber sicher das düsterste Hörspiel dieser Reihe. Sörensen löst den Fall, weil er (wirklich bildlich) seine Ängste überwindet und aufs Dach steigt. Nur von weit oben kann man alles sehen.

Gelegentlich ist es Zuviel des Guten, da hätte sich der Autor den einen oder anderen Schlenker sparen können. Ähnlich ist es mit Bjarne Mädel. Sörensen entwickelt sich weiter, aber es ist immer die gleiche Mädel-Intonation, die nach zwei Stunden dann nervt.

Fazit

Trotz kleiner Schwächen wiederum 1. Liga, tolle Textvorlage, gelungene Inszenierung und lohnenswert nicht nur für Sörensen-Fans.

Couch-Wertung: 90°

ARD Sounds (Audiothek)

"Krimi-Hörspiele: Mediatheken / Tipps 64" von Malte Stamer, 07.2026
Hier findest Du noch mehr Tipps zu Krimi-Hörspiele: Mediatheken

Fotos: istock.com / tolgart

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