Todeskarussell

  • Blanvalet
  • Erschienen: August 2026
  • 5
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Thomas Gisbertz
50°1001

Krimi-Couch Rezension vonSep 2026

Fast ausschließlich auf Effekt setzender Thriller.

Berlin, 8.15 Uhr: Als am Flughafen die gerade ankommenden Passagiere ungeduldig auf ihr Gepäck warten, bietet sich ihnen plötzlich ein schockierendes Bild. Statt ihrer Koffer befördert das Gepäckband einen Mann: gefesselt, den Mund zugeklebt und die Kehle aufgeschnitten. In den Armen hält er einen Teddybären. Das Opfer ist trotz des großen Blutverlustes noch am Leben. Während Panik ausbricht und die Fluggäste Richtung Ausgang rennen, explodiert das Stofftier. Für den Mann kommt jede Hilfe zu spät.

Kriminalhauptkommissarin Kim Sperling und ihr Team der Berliner Mordkommission werden mit der Aufklärung des Falles betraut. Nicht nur der rätselhafte Mord sorgt für ein großes Echo in der Öffentlichkeit, sondern auch die Identität des Opfers: Georg von Fallbach ist der Bruder des regierenden Oberbürgermeisters. Zwar hatte dieser mit Georg, dem schwarzen Schaf der Familie, wenig zu tun, aber im aktuellen Wahlkampf kann er keine negative Presse gebrauchen. Noch ahnen Sperling und ihr Kollege Andi Steger nicht, dass der Tote am Flughafen erst der Auftakt einer brutalen Mordserie ist, die auch das Ermittlerteam in Lebensgefahr bringen wird.

Debütthriller

Autor Patrick McGinley wurde 1977 in Brüssel geboren und wuchs in München auf. Nach seinem Filmstudium in New York arbeitete er längere Zeit in Deutschland als Filmemacher. Währenddessen schrieb er auch seinen ersten Roman „Das Bootshaus“. Seit 2009 veröffentlichte McGinley mehrere Jugendromane. 2019 war er als Co-Autor an einer erfolgreichen mexikanischen Fernsehserie beteiligt. Heute lebt er mit seiner Familie an der Ostküste Irlands. „Todeskarussell“ ist sein Thrillerdebüt, das nun im Blanvalet Verlag erscheint. Der Thriller bietet jede Menge Action und lebt von deren dichten Inszenierung. Leider weist der Roman aber auch deutliche Schwächen auf, die das Lesevergnügen schmälern.

Erzählerische Schwächen

Der Roman weiß trotz eines vielversprechenden Einstiegs insgesamt nicht zu begeistern. Dies liegt vor allem am Schreibstil und der Erzählweise des Autors. Gleich zu Beginn des Romans „verhört“ Sperling, indem sie sich als Streifenpolizistin ausgibt, einen Mann, der seine Frau zuhause brutal getötet hat. Die Charade, die die Kommissarin hier spielt, ist nicht nur vollkommen unglaubwürdig, sondern auch unfreiwillig komisch. Überhaupt fällt es schwer, eine Beziehung zur Ermittlerin aufbauen, der auch ein traumatisches Ereignis aus der Jugendzeit keine Tiefe verleiht. Sie tritt zwar als taffe Kommissarin auf, was durchaus zu gefallen weiß, aber ihre Verhörtechnik im Zusammenhang mit den zum Teil hanebüchenen Dialogen sorgt immer wieder für Schmunzeln statt für Spannung. Als Sperling einem Mitarbeiter des Flughafens eine freundschaftliche Beziehung zu einem Kollegen nachweisen will (warum auch immer), zeigt sie ihm ein Videostandbild (!), auf dem er seinem Kollegen auf die Schulter klopft und lacht. „Auf mich wirkt das ziemlich freundschaftlich“, nimmt die Kommissarin ihn dann auch direkt in die Mangel. „Wollen Sie die Aussage noch einmal überdenken?“ Bei einem derart knallharten Verhör knickt der Befragte natürlich ein: „Okay. Ja.“

Die Figurendarstellung ist nicht nur bei der Ermittlerin äußerst dürftig. Die Protagonisten scheinen insgesamt lediglich als „Funktionsfiguren“ für die Handlung zu dienen. Deren oftmals stereotype Schwarz-Weiß-Zeichnung schießt immer wieder über das Ziel hinaus. Brutalität und Gewalt können keine gute Story ersetzen. Des Weiteren wirkt der Plot streckenweise wie eine Stadtrallye, deren Ziel es ist, möglichst alle Ecken und Stadtteile Berlins kennenzulernen. Damit man sich diese auch gut einprägt, werden die Kapitel oft nach Straßenadressen benannt.

Der mittleren Teil der Handlung besteht weitestgehend aus Verhören, die immer nach dem selben Muster ablaufen: Das Ermittlungsduo befragt einen Verdächtigen bzw. Zeugen, der wiederum eine Person erwähnt, der man im Anschluss direkt einmal auf den Zahn fühlen muss. Dabei werden Motive wie Sand am Meer eingestreut, dass es selbst Kommissarin Kim Sperling manchmal wundert. Wenn am Ende auch noch eine im Sterben liegenden Zeugin eine erstaunliche Zähigkeit und Vitalität an den Tag legt, könnte man vor Verzweiflung ins Buch beißen.

Zu viel des Guten

Statt einer guten Figurenzeichnung bietet McGinleys Debütthriller beinahe pausenlose Action, wilde Verfolgungsjagden und brutale Folterszenen. Diese wirken aber ebenso wie die Protagonisten oftmals überzeichnet, auch wenn sie durchaus gekonnt in Szene gesetzt werden. Dass Sperlings Kollege Andi stets ein Brecheisen zur Hand hat, um verbotener Weise Türen grundlos aufzubrechen, passt irgendwie in das eher negative Gesamtbild.

Fazit

Leider gelingt Autor Patrick McGinley ein allenfalls solider Thriller, der mehr durch temporeiche Action- und brutale Gewaltszenen als durch einen cleveren Plot vorangetrieben wird. Die Figuren bleiben blass und tragen durch ihr Verhalten neben den schwachen, oftmals unglaubwürdigen Dialogen sowie einer insgesamt schwächeren Erzählweise dazu bei, dass der Roman den Leser nicht zu packen versteht.

Todeskarussell

Patrick McGinley, Blanvalet

Todeskarussell

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