Krimi-Hörspiele:
Mediatheken / 62
"Der Hakenmann"
SWR Radio Tatort 208
Die routinierte Autorin Monika Geier legt im Februar 2026 ihren 4. Krimi mit dem Landauer Team um Anima King vor. Anima hatte zuletzt Abwanderungsgelüste angedeutet. Neugier ist also angesagt.
Inhalt
Für Anima King beginnt der Tag mit einer Enttäuschung. Der Vorstellungstermin in Ludwigshafen beim Team von Fe Ekelberger wird kurzfristig abgesagt. Man werfe ihr Fehlverhalten im Umgang mit Daten vor. Also auf zusammen mit Pirosi in Landau ermitteln: Dort wurde das Trinkwasser gefährlich verunreinigt. Der Brauereibesitzer Alfons Maaß ist erster Verdächtiger. Auf ihrem Gelände steht der alte, anheimelnde Wasserturm und dort laufen alle Leitungen zusammen. Maaß steht unter Druck, die Geschäfte gehen zurück und er denkt daran, an den Großkonzern Multifood zu verkaufen. Seine Tochter ist auf der Gegenseite aktiv: Sie unterstützt die Umweltaktivisten HW100, die sich gegen diesen Verkauf wehren und Wasser nicht privatisieren wollen. Ganz harmlos waren ihre Aktivitäten bisher nicht, daher ist HW100 ins Visier des Verfassungsschutzes geraten. Auch der rechten Szene mit der Influencerin Franka Raischel ist diese Truppe ein Dorn im Auge. Mittendrin der Bürgermeister Kristian Lindefeldt, der auch persönlich von einem Verkauf profitieren könnte. Und dann gibt es noch den Hakenmann: Seit sein Bruder vor vielen Jahren als Kind ertrunken ist, führt er ein Leben ohne Halt und Heimat. Da er unerbittlich angelt, hat er von den Kindern den Namen eines Schauermärchens erhalten. Aber statt Fahndungserfolge zu melden, spitzt sich die Situation zu.
Das Hörspiel
Monika Geier ist zweifellos eine routinierte Hörspielautorin. Der Hörer folgt den Hauptfiguren, die ein wenig Privates offenbaren, aber nicht zu viel. Die Figuren sind glaubwürdige Charaktere, die in die Landschaft passen. Norddeutsche Hörer müssen sich schon ein wenig in den Pfälzer Dialekt hineinhören. Viele kurze Spielszenen reihen sich aneinander und der Hörer folgt stets neugierig, ohne je zu ahnen, was nun kommt. Verdächtige gibt es zuhauf. Wir begleiten die Ermittler in eine Brauerei, einen etwas gruseligen Wasserturm oder beim Paddeln in den Altarmen des Rheins. Die reichhaltige, begleitende Musik ist auf Dauer allerdings eher ein Stimmungstöter. Auch das Ambi meint es gelegentlich zu gut: Ein Käuzchen am Rhein, na ja. Aber es gibt auch beeindruckende Mitschnitte der Influencerin. Die Autorin greift gesellschaftlich relevante Themen auf: Verdrängung kleiner Unternehmen durch Konzerne, Verschleudern von Wasserrechten, linke Aktivisten und rechte Influencer, vereinsamte Menschen. Etwas viel für ein knappe Stunde. Weiterer Wermutstropfen: Vieles ist extrem weit hergeholt und wenig glaubwürdig. Da wäre weniger mehr gewesen.
Fazit
Trotz Kritik ein guter, hörenswerter Tatort mit viel Lokalkolorit und wohlwollendem Blick auf die Menschen der Region.
Couch-Wertung: 80°
ARD Audiothek
"Die Frau mit den vier Armen"
Ein Niedersachsen-Noir mit Unterhaltungswert
Im Februar 2026 veröffentlicht der Deutschlandfunk einen Noir-Krimi, der auf dem gleichnamigen Buch des Autors Jakob Nolte beruht. Das Staatstheater Hannover hat im Herbst 2025 eine Schauspielinszenierung des Stoffes realisiert. Nolte hat bisher nicht eben viele Hörspiele geschrieben, wagt sich aber mutig an die Bearbeitung und Regie. Auf jeden Fall ist es schön zu lesen, dass der Sender immer noch mutig neue Pfade beschreitet. Die eigens komponierte Musik kann man übrigens auf den gängigen Streaming-Diensten nachhören.
Der Inhalt
Die junge Kommissarin Rita Aitzinger findet am frühen Morgen nach Abschluss ihrer Achtsamkeitsübungen eine Leiche im Park. Ein junger Mann, stranguliert. Nicht die erste Leiche eines jungen Mannes, die sie findet. Der Mord an einem jungen Nachbarn, nagt noch an ihr, weil sie den Fall ungeklärt zu den Akten legen musste. Das darf ihr nicht noch einmal passieren und sie etabliert eine aufwändige Soko. Die Toten verbindet etwas: Die Inszenierung der Leiche, das gleiche Tattoo an den Unterarmen. Trotz unterschiedlicher Lebensentwürfe gibt es aber noch etwas: Sie waren offenbar einsame, junge Männer, die über Dating-Apps Kontakt suchten. Hunderte Polizisten klappern tausende Frauen ab, die in Dating-Apps aktiv sind. Und tatsächlich bringt ein junger Polizist, der sich dabei verliebt, die Soko auf eine erste Spur. Den dritten Mord können sie aber nicht mehr verhindern.
Die Hörspiele
Die Handlung spielt in Hannover und unmittelbarer Umgebung. Ohne Dialekt und nicht im Sinne eines Cozy-Regionalkrimis. Eher unter dem Gedanken, dass wir in einer globalen Welt leben, aber unser Handeln immer lokal stattfindet. Der Zeitablauf ist nicht immer klar, weil nur die wichtigsten Szenen entlang der aufwändigen Ermittlungen gespielt werden. Viele arg kluge, schön zu hörende Dialoge, innere Monologe von Rita und eine Erzählerin führen durch die Szenerie. Gelegentlich ist das alles etwas ausufernd. Rita ist keine Sympathie-Trägerin, sondern nervig, anstrengend und willensstark. Sie ist die Frau mit den vier Armen, weil sie zwei Pelzmäntel ihrer beiden Großmütter zusammengenäht hat und bildlich damit mehr ist als sie allein. Die teils gruselige Handlung ist auch für Zartbesaitete gut zu verfolgen. Es lohnt sich, auf jedes Wort zu achten, weil der Autor wunderschöne Sätze schreiben kann, die von den Sprechern glaubwürdig umgesetzt werden: „Die Theorie hat was gemeinsam mit Avocado: verdammt weit hergeholt“. Der Autor neigt allerdings dazu, seine Belesenheit stark in den Vordergrund zu rücken, ohne dass dies zur Handlung beiträgt. Die unterschiedlichen Szenen garantieren unentwegte Unterhaltung und Hörfreude. Stark unterstützt von vorsichtig instrumentierter Musik, die immer neue, passende Töne für den Moment findet. Der Tonregie ist es gelungen, die Atmo extrem differenziert einzusetzen. Letztlich ist der Plot wenig überzeugend, dem Autor geht es offenbar auch nicht um einen Krimi. Er malt ein Bild junger Menschen, die einsam sind und keinen Sinn im Weiterleben sehen. Gedanken, die bisher alten Menschen vorbehalten waren. Der Autor nennt es an einer Stelle: Die Kartografie der Befindlichkeiten. Eine Thematik, die ja auch gerade in der Serie der ARD „Die Blender“ im Mittelpunkt steht.
Fazit
Trotz abstruser Handlung und weltkluger Dialoge ein unterhaltsames Hörspiel für alle Altersgruppen mit Krimi-Touch und Gruseln im Kopf.
Couch-Wertung: 80°
ARD Audiothek
"Krimi-Hörspiele: Mediatheken / Tipps 62" von Malte Stamer, 04.2026
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Fotos: istock.com / tolgart


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