Krimi-Hörspiele:
Mediatheken / 61

"Timothy Truckle – Die dritte Staffel"

SciFi bleibt ein bei den Hörern beliebtes Genre, da kommt es gerade recht, dass nun eine 3. Staffel der Werke des Autors Prokop erscheint. Prokops kurze Geschichten, geschrieben ab 1983 in der DDR, werden üblicherweise als Dystopie bezeichnet, also eine Utopie mit düsterem Ausgang. Tatsächlich glaubt man sich streckenweise in der Gegenwart. Mit Grauen dienen aber diese Episoden nicht. Stattdessen überbordende Phantasie, leichte Ironie, politische Anspielungen und vor allem toller Wortwitz. Die drei neuen Episoden folgen den gleichnamigen Kurzgeschichten, die erstmals 1983 in der DDR in dem Sammelband „Samenbankraub“ erschienen

Im Mittelpunkt der Episoden steht der kleinwüchsige Timothy Truckle (Tiny). Er arbeitet als einzig verbliebener Privatdetektiv in den Vereinigten Staaten von Amerika. Er lebt in Chicago im 827. Stock eines der vielen Hochhäuser. Unterstützt von seinem allwissenden Computer Napoleon. Tiny arbeitet nur für die Schönen und Reichen und die ganz schön Reichen.

Teufelspuzzle – Episode 8

Huck Peabody kommt auf eine Stippvisite zu Timothy. Auf dem Weg dorthin wird er mehrmals bestohlen und soll dann noch entführt werden. Ein Fall für Timothy. Doch auch andere interessieren sich für Huck, der Geheimdienst, die NSA. Letztlich geht es um das brandaktuelle Thema Identitätsdiebstahl.

Der Laurin oder der Umzug der Engel – Episode 9

Truckle erhält einen Auftrag aus der High-Society. Die dreißigjährige attraktive Großmutter, Chefin von General Motors, erteilt ihm den Auftrag Henri Ford VI zu suchen. Den Echten, denn sie hat den Verdacht, dass der längst tot ist und durch einen Klon ersetzt wurde. Tot wäre er ihr lieber. Dazu muss Truckle ins Gelände des Ford Konzerns. Dazu braucht er den Mantel des Laurin, der ihn unsichtbar macht. Bei der Befreiung von Hunderten von Kindern, die im Untergrund leben, testet er den Prototyp. Das Überleben in Parallel-Welten ist hier Thema.

Die Spur der Mutanten – Episode 10

Mühsam erholt sich Truckle vom Tod seiner Freundin Anna. Da verschwindet der erfolgreiche Künstler und gute Freund Daniel Schopenhauer. Und dann taucht auch noch die ehrgeizige Polizeipräsidentin von Chicago mit einem Auftrag auf: Ein Hubschrauber wurde abgeschossen. An Bord wurden mehrere Einjährige entdeckt, deren Körper Mutationen aufwiesen. Truckle kümmert sich um beide Fälle und der Hörer taucht tief ein in ethische Erörterungen. Körperteile werden geklont und gezüchtet, der übermächtige Staat und korrupte Großkonzerne entscheiden. Und am Ende taucht Timothy Truckle in eine ganz andere neue Welt ein.

Die Inszenierung

Die Staffel folgt in allem den ersten beiden Produktionen. Erstklassige Sprecher. Matschke kann deutlich mehr als im Fernsehen zu zeigen ist. In Valery Tschepanowa als Anna kann sich der Hörer genauso wie Truckle verlieben.

Die brillante Umsetzung, Konzentration auf den Text, klanglich leicht zukunftserheischend, aber immer zum Stoff passend. Mit Musik von Jazz, über Easy- Listening bis hin zu Zukunftsklängen.

Ein Erzähler führt durch die Story, die eher ruhig abläuft. Alles so inszeniert, dass der Hörer immer auch etwas über die Gegenwart erfährt und nachdenkt. Die Laurin-Episode ist die schönste und die schaurigste. In ihr wird eine zärtliche Liebesgeschichte erzählt und zugleich ein unerträgliches Abschlachten geschildert.

Fazit

Nur Krimi, weil Truckle Privatdetektiv ist. Keine Science-Fiction im Sinne des aktuellen Mainstreams, aber beste Unterhaltung, die den Hörer frösteln lässt, wie wenig davon noch Utopie ist.

Couch-Wertung: 90°

ARD Audiothek

"Es gibt kein Entkommen"

Ein Wiederhören nach 13 Jahren

Schön, dass die ARD mit dem Deutschlandfunk eine so attraktive Reihe wiederentdeckt. Mit Jähnicke tauchen auch Dr. Chang, seine Partnerin und Dengler, der Polizist wieder auf. Die erste Episode erschien bereits 2012, es folgten bis 2015 zwei weitere, die alle in der ARD Audiothek abrufbar sind.

Inhalt

Ein junger Obdachloser wird tot im Vorraum einer Bankfiliale aufgefunden. Die Obduktion ergibt, dass er durch einen E-Schocker oder Teaser getötet wurde. Papiere finden sich keine. Die Überwachungskameras zeigen etwa zur Tatzeit drei Jugendliche, die Geld abholen, ihn aber auch treten. Der Kommissar Dengler bittet Jähnicke um Hilfe. Eigentlich hat er keine Zeit, weil er mit Fr. Dr. Cheng zusammenzieht!! Doch er kennt sich in der Szene aus, kann andere Wege gehen als die Polizei. Zuerst jedoch muss man den Toten noch identifizieren. Die mühsamen Befragungen in der Szene helfen nicht weiter. Gibt es irgendwelche Freunde, Bekannte? Kann ein kaum zu lesender Zettel, den der Tote in der Hose hatte, helfen. Ein Straßenname?

Das Hörspiel

Das Hörspiel ist vor allem eine hörenswerte Sozialstudie. Milan Peschel schnoddert sich durch Berlin, so wie alle Mitspieler klanglich das pralle Leben widerspiegeln. In der Obdachlosenszene, bei den Sicherheitskräften, den geflohenen Ukrainern bietet sich reichlich Gelegenheit dazu. Die Spannung entsteht durch manche Ermittlungsschwierigkeiten, die auf falsche Fährten führen. Für manchen Hörer wird die Figur des Jähnicke überzogen sein: Er versteht sich mit jedem und öffnet immer wieder ein neues Türchen. Letztlich wird der Fall aber durch tapferes Ermitteln gelöst.

Die Story wird zügig und abwechslungsreich erzählt, mit hörenswerten Charakteren sowie stimmiger Musik und Atmo. Wie heute üblich, gehört sich auch ein Blick in das komplexe Seelenleben des Jähnicke. Die Nebenschauplätze Frau Dr. Cheng und Dengler lockern die letztlich zutiefst ernste Handlung etwas auf. Mit Sprache und Story knüpft Reinegger bestens an die Vorläufer an. Ohne moralischen Zeigerfinder wird hier an Menschen erinnert, die unter Flucht und Vertreibung leiden oder aus dem Raster fallen.

Fazit

Trotz leichter Schwächen gerne mehr von Jähnicke, ohne dreizehn Jahre warten zu müssen. Allein Milan Peschel zu hören, ist ein Hörgenuss ohnegleichen.

Couch-Wertung: 90°

ARD Audiothek

"Krimi-Hörspiele: Mediatheken / Tipps 61" von Malte Stamer, 02.2026
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Fotos: istock.com / tolgart

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