Krimi-Hörspiele:
Mediatheken / 59

"Skandalon"

Ein anstößiges Geschehen in Hamm

Tatort-Autor Dirk Schmidt ist immer für stimmige Stories aus dem Hammer Mikrokosmos gut und bleibt mit seiner 21. Fortschreibung beim WDR Seriensieger.

Der Inhalt

Auch dem Hammer Team tut die Statistik gut, ihre Erfolgsquote ist um 2,6 % gestiegen. Immerhin, wenn auch krass weniger als bei den Kollegen. Vielleicht macht dieser Erfolg die Hammer Unterwelt unruhig. Latotzke holt seinen BMW früh morgens ab, er war mal wieder nicht angesprungen. Auf der Fahrt zur Wache wird er abgedrängt und sein Fahrzeug beschossen. Scheibe kaputt, Latotzke bleibt heil. Allerdings findet die Kollegin Ditters bei der Betrachtung des Schadens eine Leiche im Kofferraum. Wenigstens konnte er das auffällige Fahrzeug des Schützen erkennen. Es war Gold foliert. Nicht eben häufig in Hamm und Umgebung. Der örtliche Kleinkriminelle und Werkstattbesitzer Blaschke gerät als Erster in Verdacht. Er kennt Latotzkes Auto aus dem FF. Sein Alibi im lokalen Freudenhaus ist schwach. Der Tote erweist sich als DER Lentschuk. Er stammt aus dem Düsseldorfer Drogenmilieu und unverzüglich mischt das LKA bei den Ermittlungen mit. Droht hier ein Bandenkrieg? Der Oberstaatsanwalt Haase gibt sich sogar ausgesprochen kooperativ. Latotzke, der eigentlich andere Sorgen und Grund zur Hoffnung hat, führt die Ermittler mit seinem Schrauber-Wissen auf die richtige Spur.

Das Hörspiel

Gewohnt gute Produktion. Scholz ist wieder komplett im Team. Allein die Frotzeleien des Teams und der Dauerkonflikt mit dem LKA sind hörenswert. Es menschelt reichlich in diesem eher harten Krimi. Aber Sex sells: Latotzke wird womöglich Papa, das Freudenhaus muss für ein Alibi herhalten und Ditters lässt sich auf ein Abenteuer ein. Überhaupt: Das pralle Leben der Hauptpersonen. Wo betrinken sich Polizisten noch elendiglich und klauen Aufputschpillen? Der vorangestellte Hinweis auf vorhandene Diskriminierungen ist dagegen eine Lachnummer. Die Musik erinnert immer wieder daran, dass es nun in ruhige Fahrwasser geht. Die etwas komplizierte und wenig überzeugende Geschichte ist schwer zu entwirren. Hier hätte die Regie dem Hörer mehr Hilfen anbieten müssen.

Fazit

Eher Durschnitt, der von begnadeten Sprechern und einer kultigen Truppe lebt: Das Hammer Team bleibt ein Solitär, dem der treue Zuhörer auch mal Schwächen verzeiht.

Couch-Wertung: 80°

ARD Audiothek

"Die Giftfrau"

Ein true-crime-Krimi

Der routinierte Wiener Autor Jan Decker hat mehr als 30 Hörspiel verfasst, darunter eine Reihe veritabler Krimis wie die Osnabrück-Trilogie. Zugleich liebt er den Blick auf die absonderlichen Gewalttaten von Menschen, wie allein schon die Titel zeigen: Die Bestie Angerstein oder Vampir Haarmann. Nun (Sommer 2025) knöpft sich Decker beim SWR einen realen Fall aus Frankreich um 1940 vor.

Das Geschehen

Marie Besnard starb 1980 in Loudon, einem kleinen Ort inmitten Frankreichs, ihre Heimat und Ort der ihr vorgeworfenen Morde. Sie stammte aus einem großbäuerlichen Haushalt und wurde durch Erbschaften der zahlreichen Verstorbenen eine reiche Frau. Sie war 5 Jahre in Untersuchungshaft und erlebte zwischen 1952 und 1961 drei Prozesse. In allen wurde sie freigesprochen. Sie soll insgesamt 13 Menschen mit Arsen vergiftet haben. Ihr erster Ehemann starb 1927 mit 33 Jahren, lt. Todesschein an Tuberkulose. Bei der Untersuchung des Leichnams fanden die Mediziner 66 mg Arsen/Kg in seinem Körper. Zu der Zeit fand sich Arsen noch in jedem bäuerlichen Haushalt, obwohl seine Giftwirkung bekannt war. Der 13. Tote war ihr Ehemann Leon im Oktober 1947. Auch in seinem Leichnam fand sich Arsen. Die Verteidiger überzeugten die Richter, dass nicht zweifelsfrei nachgewiesen werden konnte, woher das Arsen im Körper stammt. Der Fall erregte weltweit Aufsehen und ein großes Pressecho. Besonders in Deutschland, da einer der Hauptzeugen (Adi) aus Karlsruhe stammte.

Das Hörspiel

Wie in allen seinen Hörspielen erweist sich Decker als ein neutraler Chronist, der dem Hörer die Wertung überlässt. Er wählt dazu eine fast journalistische Montagetechnik, in der Zeitungsberichte, Rundfunksendungen oder Aussagen gelesen werden. Damit gelingt es, mit diesen furchteinflößenden Geschehnissen, eine gewisse Spannung zu entwickeln. Dies geschieht jeweils mit Rückblicken aus den 1980-er Jahren entlang der Todesfälle. Bei Decker kommen fiktiv auch die Toten zu Wort. Die Gerichtsprozesse und die damit verbundene öffentliche Aufmerksamkeit kommen überhaupt nicht vor. Decker will nicht die Psychologie der Besnard aufdecken, sondern die Betroffenen in den Vordergrund rücken. Adi zur zentralen Figur des Hörspiels machen. Er war als Kriegsgefangener an den Hof der Besnards geraten und galt zeitweise als ihr Liebhaber. Letztlich aber bezieht Decker deutlich Position. Jenseits der juristischen Urteilsfindung kann es eine menschliche Wahrheit geben. Die Dramaturgie von Uta-Maria Heim zeigt, dass man True-Crime auch nicht voyeuristisch oder mit juristischer Dampfplauderei inszenieren kann.

Fazit

Ein abwechslungsreiches, spannendes Hörspiel, dass zum Nachdenken anregt, indem es menschliche Schicksale und nicht das Grauen in den Vordergrund rückt.

Couch-Wertung: 80°

ARD Audiothek

"Krimi-Hörspiele: Mediatheken / Tipps 59" von Malte Stamer, 12.2025
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Fotos: istock.com / tolgart

Dr. Drewnioks
mörderische Schattenseiten

Krimi-Couch Redakteur Dr. Michael Drewniok öffnet sein privates Bücherarchiv, das mittlerweile 11.000 Bände umfasst. Kommen Sie mit auf eine spannende und amüsante kleine Zeitreise, die mit viel nostalgischem Charme, skurrilen und amüsanten Anekdoten aufwartet. Willkommen bei „Dr. Drewnioks mörderische Schattenseiten“.

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