Mord im Grand Alpine Hotel - Ein neuer Fall für Miss Marple
- Penguin
- Erschienen: September 2026
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Agatha Christie bleibt einfach unerreicht.
1950, Schweizer Alpen: Während Miss Marple mit ihrer Freundin Mrs. Bantry und deren Gesellschaftlerin Diana Glass Urlaub im luxuriösen Grand Alpine Hotel macht, gibt es plötzlich einen Toten. Anthony Narracott, der neue Kandidat für den Vorsitz der Konservativen im englischen Parlament, wird eines morgens leblos in einer Gondel gefunden. Unklar ist zunächst, ob er eines natürlichen Todes starb oder ermordet wurde. Als das Hotel von einem Schneesturm heimgesucht wird und auch mit der Bahn nicht mehr zu erreichen ist, übernimmt Inspektor Moreau von der Pariser Kriminalpolizei, der zufällig gerade Urlaub im Hotel macht, die Ermittlungen. Da sich Miss Marple bereits ihre Meriten bei Scotland Yard verdient hat, begibt sie sich zusammen mit dem Inspektor auf Spurensuche. Doch die Zeit drängt, denn Narracott wird nicht der letzte Tote sein.
Raus aus dem Dorfidyll
Die 1986 in Sussex geborene englische Autorin Lucy Foley hat sich in den letzten Jahren vor allem mit ihren Locked-Room-Thrillern einen Namen gemacht. Ihre Romane - meist im klassischen „Whodunit“-Stil geschrieben - wurden zu internationalen Bestsellern. Foleys Schreibstil darf durchaus als moderner Ansatz des klassischen britischen Krimis bezeichnet werden.
Dies dürfte sicherlich ein entscheidender Grund dafür gewesen sein, dass Foley von den Erben Agatha Christies ausgewählt wurde, mit „Mord im Grand Alpine Hotel“ fünfzig Jahre nach der Veröffentlichung des letzten Miss-Marple-Romans (Originaltitel: Sleeping Murder) die offizielle Fortsetzung der legendären Reihe zu schreiben. Bereits für den 2024 in Deutschland erschienenen Sammelband „Miss Marple – Zwölf neue Kriminalgeschichten“ steuerte Foley eine Erzählung bei.
Neu am nun erschienenen Roman ist vor allem das Setting: Die clevere Miss Marple ermittelt diesmal nicht wie so oft im beschaulichen St. Mary Mead, einem kleinen, ruhigen Dorf in der fiktiven Grafschaft Downshire, sondern an einem weitaus glamouröseren Ort mitten in den Schweizer Alpen. Dass die Autorin als Vorbereitung auf die nun erschienene Fortsetzung nach eigenen Angaben noch einmal sämtliche Romane der Miss-Marple-Reihe las, merkt man an den zahlreichen Stellen, an denen sie Namen, Orte oder Ereignisse aus anderen Bänden einfließen lässt. Zudem streut Foley auch ab und an für Christie untypische Actionelemente ein. Dies tut der Handlung gut, gleichwohl sie aber auch immer wieder von weitschweifenden Landschaftsdarstellungen etwas ausgebremst wird. Auch die typisch englische Atmosphäre wird einigen Lesern fehlen, obwohl natürlich reichlich Tee getrunken wird.
Viel Vertrautes
Lucy Foley ist sicherlich eine gute Krimi- und Thrillerautorin, die vor allem bei der jüngeren Leserschaft sehr beliebt ist, aber sie ist keine Agatha Christie. Man sollte daher nicht mit den falschen Erwartungen an den Roman herangehen. „Mord im Grand Alpine Hotel“ schwankt zwischen Hommage und Imitation. Die Autorin hat sicherlich ihre Hausaufgaben gemacht, denn der Aufbau und die Gestaltung des Romans erinnert ohne Zweifel an den Schreibstil Christies. Auch diesmal spielt die Figur der Miss Marple zunächst nur eine Nebenrolle und erhält – anders als die Verdächtigen – keine eigene Erzählstimme. Das Figurentableau besteht vor allem aus illustren Gästen des Hotels: dem ermordeten Politiker Anthony Narracott, seiner jungen Frau Cathrine, einem alten, aber mysteriösen Freund aus vergangenen Kriegstagen, eine gefeierte Filmdiva, einem zwielichtigen Arzt und sogar dem Prinzen von Jugoslawien. Leider fehlt aber Inspektor Dermot Craddock, der den psychologischen Scharfsinn und die Menschenkenntnis Miss Marples durchaus zu schätzen weiß und dessen pointierte Dialoge mit der kriminalisierenden alten Dame stets ein besonderes Highlight war. Dafür stellt Foley Miss Marple diesmal Inspektor Moreau an die Seite, der die Fähigkeiten seiner neuen „Kollegin“ ebenfalls schnell zu schätzen weiß.
Das Besondere Christies fehlt
Eins muss man Lucy Foley lassen: Sie fängt den Scharfsinn und die unaufgeregte Beobachtungsgabe von Miss Marple weitestgehend treffend ein. So sind es auch gerade die Episoden mit der kauzigen, stets strickenden Ermittlerin und ihrer Freundin Mrs. Bantry, die einen besonderen Charme versprühen. Die anderen Figuren wirken in ihrem Auftreten allerdings oftmals überzogen, zu theatralisch und daher unglaubhaft, gleichwohl die Darstellung in den klassischen Rollenbildern insgesamt passend ist. Dass die weiblichen Figuren sich genau dagegen wehren, verleiht dem Roman einen zeitgemäßen Anstrich. Allerdings ist die Story vorhersehbar, die Wendungen daher wenig überraschend. Die Dialoge wirken teilweise hölzern und das Verhalten der Figuren unfreiwillig komisch. Vor allem fehlt dem Schluss bei allem Bemühen der Autorin einfach das Unvorhersehbare, der einzigartige Christie-Moment, wie man ihn aus zahlreichen ihrer Werke kennt.
Fazit
Der Roman liefert für Liebhaber des klassischen Whodunit- und Cozy-Romans grundsolide Unterhaltung, bringt aber kaum innovative Ideen. Dass Foley nicht die Klasse einer Queen of Crime, Agatha Christie, besitzt, war zu erwarten und ist auch nicht weiter tragisch. Foley macht aber den Fehler, dem großen Vorbild noch zu sehr in vielem nachzueifern. Vielleicht wäre eine vorsichtige Modernisierung der Miss-Marple-Figur zeitgemäßer gewesen.

Lucy Foley, Penguin

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