The Undoing

Serien-Spezial von Carola Krauße-Reim (04.2021) / Titel-Motiv: © Warner Bros / Universal Pictures

Wenn sich plötzlich der Abgrund auftut

2014 erschien der Roman You should have known it von Jean Hanff Korelitz. Durchaus spannend, aber anscheinend für das Kino nicht gewinnversprechend genug, wurde er in einer Kurzserie verfilmt: In sechs Episoden erleben wir einen brutalen Mord, der unangenehme Wahrheiten ans Licht zerrt; einen Verdächtigen, der seine Unschuld beteuert; und die Zerstörung einer scheinbar intakten Familie …

Ein Mord bei den Reichen und Schönen

Grace und Jonathan Fraser scheinen alles zu haben: Sie ist erfolgreiche Psychologin, er anerkannter Kinderonkologe, Sohn Henry besucht eine renommierte Privatschule. Sie bewegen sich in der High-Society von New York, in die Grace schon durch ihr reiches Elternhaus geboren wurde. Doch dann wird die Mutter eines Stipendiaten der Privatschule brutal ermordet und Jonathan der Tat verdächtigt. Für Grace beginnt die Suche nach der Wahrheit, die ihr Vertrauen in Jonathan auf eine harte Probe stellt. Immer neue Offenbarungen eröffnen Abgründe, in die die Familie stürzt und an denen sie kaputtzugehen droht. Wer verbirgt was und wem kann man noch trauen?

Ein nahezu märchenhaftes Umfeld

Die Handlung bewegt sich nur selten in den Niederungen des Proletariats; sie wird in den riesigen Apartments, den Strandhäusern und Nobelrestaurants der Superreichen zelebriert. Hier reichen fast unsichtbare Bedienstete den Whisky zu abendlicher Klaviermusik, und der Monet hängt genauso selbstverständlich an der Wand, wie der Chauffeur im protzigen Auto der bekannten deutschen Nobelmarke sitzt. Lediglich die Ermordete scheint das wahre Leben der meisten New Yorker gekannt zu haben - weshalb sie von den Upperclass-Muttis auch prompt als eine Art Alien angesehen wird, das sich durch das Stipendium ihres Sohnes Einlass in die erlauchten Hallen der Penthäuser erschlichen hat.

Passend zu dem märchenhaften Setting agieren die Personen: Der Reichtum ist selbstverständlich; die Manieren geschliffen (auch wenn natürlich keiner mit Messer und Gabel essen kann); Stiff-Upper-Lip ist obligatorisch; und die snobistische Überlegenheit in jede Faser eingebrannt.

Demontage einer Ehe

Das große Thema der Serie ist die Frage nach der Wahrheit: Wer hat Elena Alves umgebracht, und welche Unwahrheiten wurden in der Familie Fraser als wahr verkauft? Immer mehr Lügen kommen ans Licht, und plötzliche Wendungen lassen an der Schuld von Jonathan Zweifel aufkommen. Grace bewegt sich am Rande des Zusammenbruchs, scheint aber lieber am schönen Schein festhalten zu wollen, bis ihr klar wird, mit wem sie eigentlich verheiratet ist. Ihre Ehe und ihre Familie geht den Bach runter, aber wirklich einen Schlussstrich zu ziehen, dazu scheint sie nicht in der Lage. Alle Argumente liegen offen da - doch auch als Zuschauer kann man ein simples Muster scheinbar nicht akzeptieren, und so hofft man mit Grace, stellt sich manchmal gegen sie und ist schockiert, wenn die Lösung präsentiert wird. Die ist zwar passend, aber in ihrer Wahrscheinlichkeit nicht wirklich logisch.

Die gesamte Handlung der Serie wirkt wie abgespult, Stereotypen agieren ihrer Rolle entsprechend, hier ist selbst die Unvollkommenheit noch vollkommen. Unvorhergesehenes wird geboten - aber im passenden Rahmen, aus dem nichts herausfällt.

Erstklassige Besetzung bis in die Nebenrollen

Mit Nicole Kidman als „Grace“ und Hugh Grant als „Jonathan“ wäre die Serie allein schon mit zwei Hochkarätern besetzt. Donald Sutherland als „Franklin Reinhardt“, Graces Vater, und Noah Jupe als „Henry Fraser“ komplettieren die Riege der Hauptdarsteller prominent. Doch auch die Nebenrollen sind mit bekannten Namen besetzt: z.B. Édgar Ramírez als „Detective Joe Mendoza“ oder Lily Rabe als „Sylvia Steinetz“. Aber leider bleiben die Protagonisten in ihrem Image hängen: Nicole Kidman, elfenhaft wie immer, gleitet mehr durch die Straßen New Yorks als dass sie das Pflaster berührt. Fragil in stets in traumhafte Roben gewandet, zeigt sie ihre übliche Mimik, ebenso wie Hugh Grant, der seinen Dackelblick ein ums andere Mal einsetzt. Er kann den Bösen exzellent geben, aber der Sonnyboy scheint halt doch immer durch. Donald Sutherland ist der Grand Seigneur und läuft in seinen durchdekorierten Prachträumen so richtig zu Höchstform auf. Die melancholische Grundstimmung wird von allen hervorragend transportiert, aber Schauspieler wie Kidman, Grant und Sutherland sind scheinbar in ihrer Selbstdarstellung gefangen, nicht mehr wandlungsfähig genug und erschaffen daher nur noch Stereotypen.

Fazit

The Undoing ist eine durchaus packende Serie, die aber am snobistischen Setting und an den Hauptdarstellern leidet. Im Gewand einer spannenden Seifenoper agieren diese wie von ihnen gewohnt. Die Geschichte wirkt konstruiert, kann aber durch unvorhergesehene Wendungen punkten und schafft es trotz zahlreicher Längen, gut zu unterhalten.

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Cover und Fotos: © Warner Bros / Universal Pictures

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