Sherlock & Daughter
– Staffel 1
Serien-Kritik von Karsten Kloß (06.2026) / Titel-Motiv: © Polyband
Sherlock Holmes und der rote Faden
Wie so oft in seinem Leben wird Meisterdetektiv Sherlock Holmes zu einem Tatort gerufen. Diesmal wurde versucht, den Sohn des italienischen Botschafters zu entführen. Als Sherlock mit der Befragung des Jungen beginnt, entdeckt er einen kleinen roten Faden um das Handgelenk des Jungen. Sofort bricht er die Ermittlungen ab und verlässt fluchtartig das Haus.
Was niemand weiß – auch der große Sherlock Holmes hat ein Problem mit einem Verbrechersyndikat und wird von diesem erpresst. Sein treuer Freund Dr. Watson und seine Haushälterin Mrs. Hudson sind entführt worden und an den Tatorten, an denen Holmes einen roten Faden sieht, muss er sofort mit den Ermittlungen aufhören, da sie sonst ermordet werden. Einen Todesfall gab es deswegen leider schon und das Dienstmädchen von Sherlock wurde tot in der Themse gefunden.
Sherlock Holmes und Amelia Rojas gegen den „Roten Faden“
Zum Glück von Sherlock Holmes tauch die junge Amelia Rojas in London auf. Diese bemerkenswerte junge Frau ist mit einem Brief ihrer vom „Roten Faden“ ermordeten Mutter in Amerika aufgebrochen, um ihren Vater zu suchen - Sherlock Holmes. Zu ihrem Glück ist eine Stelle als Dienstmädchen freigeworden und sie versucht sich an ihrem ersten Morgen in London genau in dieser Position. Leider ist Sherlock Holmes ein penibler Feinschmecker, der ebenso wie Poirot ein perfektes Frühstücksei erwartet, was Amelia natürlich nicht zaubern kann.

Eigentlich möchte Holmes die junge Frau direkt wieder vor die Tür setzen, doch dann bricht es aus Amelia heraus und sie erzählt ihm vom Brief ihrer Mutter. Holmes kann es nicht glauben; bevor er aber weiter nachforschen kann, wird seine Hilfe vom neuen amerikanischen Botschafter verlangt. Dessen Tochter ist verschwunden und nur Holmes kann ihm bei der Suche helfen. Da Amelia die junge Frau auf der Überfahrt getroffen hat, bietet sie Sherlock an, ihn zum Botschafter zu begleiten und eventuell zu vermitteln.
Gesagt getan und schon bald befinden sich Holmes und Amelia in den Gemächern der verschwundenen jungen Frau. Leider entdeckt Holmes auch hier einen roten Faden, so dass er sofort mit den Ermittlungen aufhört und erneut Hals über Kopf das Haus verlässt. Doch diesmal hat Holmes ein Ass im Ärmel. Da Amelia ihn ab jetzt eh immer begleiten wird, kann er auch das Beste daraus machen und sie einstellen. So wird aus ihr schnell die Assistentin des Meisterdetektivs, die nun seine Augen und Ohren ist. Natürlich bekommt sie strickte Anweisungen von ihm, die sie aber bei der ersten, sich bietenden Gelegenheit fast alle über den Haufen wirft.

Der erst Fall, dem sich „Sherlock & Daughter“ – letzteres noch nicht ganz geklärt – annehmen, ist schnell aufgeklärt, doch Watson und Mrs. Hudson bleiben immer noch verschwunden. Das Ganze Komplott scheint doch tiefer zu gehen als bisher angenommen und immer, wenn es scheint, dass Holmes ein weiteres Stück des Puzzles gefunden hat, tauchen drei neue freie Stellen auf. Doch so langsam verdichtet sich das Netz, vor allem als Holmes ein Telefon in seiner Wohnung installieren lässt. Und dann wäre da natürlich noch Moriarty…
Holmes und Tocher auf der Suche nach Dr. Watson
Mit der ersten Staffel der Krimiserie „Sherlock & Daughter“ veröffentlicht Polyband nun eine gut durchdachte Detektivgeschichte mit vielen Wendungen und Fährten die Holmes, Amelia und die Zuschauer in die Irre führen. Die Hauptrollen übernehmen darin David Thewlis als Sherlock Holmes sowie Blu Hunt als dessen Tochter Amelia Rojas. Beide sind hervorragend besetzt, da beide dieses gewisse Etwas für die Rolle beisteuern.
Während es Thewlis in jeder seiner Szenen gelingt, den überheblichen, nun aber leider schon etwas älteren, Meisterdetektiv zu verkörpern, schafft es Hunt, die aufgeweckte und überaus gewiefte junge Amerikanerin darzustellen, die nun in ihrem Leben schon mehrfach enttäuscht wurde und daher immer Kampfbereit ist. Auch wenn sie das große Gesamtbild noch nicht sehen, ist sie durchaus eine Unterstützung für Holmes sowie oft auch sein moralischer Kompass.

Doch nicht nur von den Hauptfiguren ist die Serie gut besetzt. Auch die Nebenfiguren, wie die Halligans (Mary O’Driscol und Ardal O’Hanlon) sowie der Kutschenhändler Clarence Halfpenny (Kojo Kamara), der junge Detective Swann (Antonio Aakeel) und der Versicherungsdetektiv Bertie Birtwistle (Shashi Rami) sind gut ausgewählt und stellen eine passende Ergänzung zu den beiden Hauptfiguren dar. Dieses wird im Verlauf der Serie immer offensichtlicher, da nach und nach auch diese Figuren immer prominenter eingesetzt werden.
Natürlich wäre es kein Fall für Sherlock Holmes, wenn nicht sein Erzgegner Professor Moriarty (Dougray Scott) auch irgendwie mitmischen würde. Dieser wird perfekt überheblich dargestellt und stellt damit erneut das passende Gegenstück zu Sherlock dar, welches zwar Momentan noch im Gefängnis sitzt, dennoch aber scheinbar alle Fäden in der Hand zu haben scheint. Vor allem das erste Aufeinandertreffen der beiden Figuren in Moriartys Zelle ist wirklich hervorragende Unterhaltung, in welcher der britische Humor nicht nur subtil versteckt ist.
Fazit
„Sherlock & Daughter“ ist eine überraschende Krimiserie, die einen gealterten Sherlock Holmes von einer ganz anderen Seite zeigt. Dabei handelt es sich aber nicht um ein Familiendrama, sondern um einen gut durchdachten Kriminalfall, dessen Ende die Zuschauer überraschen wird.

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Bilder: © polyband Medien GmbH. All rights reserved.


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