Happy Valley - Staffel 2
Serien-Kritik von Karsten Kloß (10.2026) / Titel-Motiv: © BBC
Ein Serienmörder treibt in Yorkshire sein Unwesen
Ein Jahr ist nun seit Ann Gallaghers (Charlie Muprhy) Entführung durch Tommy Lee Royce (James Norton) und dessen Festnahme durch Catherine Cawood (Sarah Lancashire) vergangen. Aber das Leben in Halifax geht unbarmherzig weiter. Ann hat sich nach ihren traumatischen Erfahrungen entschieden, den Polizeidienst aufzunehmen und Catherine ist auch wieder zurück im Dienst. Alles scheint normal zu laufen, bis zu dem Tag, an dem sich wieder einmal alles ändert.
Eigentlich sollte Catherine nur ein paar kleine Drogendealer festnehmen, doch ein seltsamer Geruch aus einer Garage hat sie angelockt. Dieser seltsame Geruch kommt von einer brutal verstümmelten Frauenleiche, die sich nun schon ein paar Tage dort befunden hat. Um wen es sich dabei handelt, ist auf den ersten Blick nicht zu erkennen, doch die näheren Untersuchungen ergeben, dass es die Mutter von Tommy Lee Royce ist.
Die Vergangenheit lässt Catherine Cawood keine Ruhe
Da Catherine diese vor kurzem noch mehr oder weniger bedroht hat, gerät sie nun durch die eigenen Kollegen unter Mordverdacht. Die Ermordete war die andere Großmutter von Ryan (Rhys Connah), der seit dem Selbstmord von Catherines Tochter bei Catherine und ihrer Schwester Clare (Siobhan Finneran) aufwächst. Nach dem Mordversuch durch Tommy Lee Royce haben er und seine Mutter eine einstweilige Verfügung bekommen, an die Catherine Tommys Mutter nun noch einmal ausdrücklich erinnern wollte. Leider kommt dieses nun wie ein Bumerang auf sie zurück.

Gleichzeitig sinnt Tommy Lee Royce auf Rache. Dazu manipuliert er seine Verlobte Frances Drummond (Shirley Henderson) und erzählt ihr, wie schlimm Catherine doch in Wahrheit sei, dass alle Anschuldigungen gegen ihn gelogen sind und er die Morde nur aus Notwehr begangen hat. Um seinen Sohn Ryan wieder auf seine Seite zu ziehen und Catherines Leben damit zu zerstören, soll sich Frances mit falscher Identität in die Schule von Ryan einschmuggeln. Kaum ist sie dort, beginnt sie auch schon langsam mit ihrer Gehirnwäsche bei dem Jungen, der schon bald wieder Kontakt mit seinem „Dad“ haben möchte.
Während Catherine und ihr Team einen Menschenhändlerring hochnimmt und eine der geretteten jungen Frauen mit nach Hause nimmt, geht die Mordserie des Prostituiertenmörders weiter. Dies nimmt Ermittler Kevin Doyle (John Wadsworth) zum Anlass, sich seiner ehemaligen Geliebten Vicky (Amelia Bullmore) zu entledigen, die ihn nach der Trennung erpresst hat. Kevin nutzt dafür seinen internen Einblick in die Akten, um die Leiche nach der Tat genauso zuzurichten und zu drapieren. Ein Spiel mit dem Feuer, doch schon bald gibt es einen ersten Tatverdächtigen in den anderen Mordfällen, der für keine Tat ein Alibi hat.
Autorin und Regisseurin Sally Wainwright nimmt uns ein zweites Mal mit ins „Happy Valley“
Ein Jahr lag nun zwischen der ersten und der zweiten Staffel und man musste als Zuschauer eigentlich noch die Ereignisse aus Staffel 1 verarbeiten. Aber die Medienlandschaft schläft nicht und so hat Autorin und Regisseurin Sally Wainwright die Tore in die Abgründe von West Yorkshire ein weiteres Mal geöffnet.

Im Gegensatz zur ersten Staffel stehen in dieser zweiten Staffel keine Entführung oder der organisierte Drogenhandel im Mittelpunkt, sondern eine äußerst brutale Mordserie. Bei dieser gibt es zuerst nicht viele Hinweise, doch so nach und nach beginnt der Mörder Fehler zu machen. Dazu kommt dann noch die Nebenhandlung des Trittbrettfahrers, der sich einer Ex-Freundin durch die gleiche Tötungsart entledigen wollte und sich dadurch immer weiter in eine für ihn ausweglose Situation manövriert.
Vom Ton der Erzählung hat sich aus meiner Sicht nicht viel Verändert. Es wird immer noch in ungeschönten Bildern versucht, die Realität der Polizeiarbeit aber auch die Probleme einer zerrütteten Familie darzustellen. Ein Beispiel wäre da Clare Cawood, eine trockene Alkoholikerin, die von Catherine auf der Beerdigung von Clares Freundin allein gelassen wird und aus Trauer wieder mit dem Trinken beginnt. Aber auch die konstante Manipulation von Ryan, der wachsende Alkoholkonsum von Ann, oder die ständige Bedrohung der Nachbarschaft durch den Menschenhändlerring sind an dieser Stelle gute Beispiele.
Erneut muss ich sagen, dass mich auch diese zweite Staffel beeindruckt hat. Die Figuren werden hervorragend weiterentwickelt, die Handlung ist nicht nur ein billiger Abklatsch der ersten Staffel und auch die Rahmenhandlung mit Tommy Lee Royce wird sehr gut weitererzählt. Sally Wainwright und ihrem Team ist es mit „Happy Valley“ gelungen, eine fürs Fernsehen relativ authentische Polizeiserie zu erschaffen, die spannend ist, den Zuschauer aber auch zum Nachdenken und Hinterfragen einlädt.

Fazit
Auch die zweite Staffel von „Happy Valley“ ist hervorragende Unterhaltung auf hohem Niveau. Sarah Lancashire brilliert erneut in der Hauptrolle, in der sie wieder den Spagat zwischen Berufsleben, Familie und dem Verlust der Tochter darstellt.



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