Gangs of London - Staffel 1-3
Serien-Kritik von Karsten Kloß (09.2026) / Titel-Motiv: © Sky UK Limited / AMC LLC.
Der Kampf um die Macht in der englischen Hauptstadt
Schon seit dem Erscheinen der ersten Staffel der Serie „Gangs of London“ ist man in der Medienlandschaft vergeblich auf der Suche nach etwas vergleichbarem. Man nehme eine Prise „Der Pate“, vermischt dieses mit den Gangsterfilmen von Guy Ritchie und haut obendrauf noch etwas „Game of Thrones“ Gewalt. Zack hat man eine neue Gangsterserie, bei der die englische Hauptstadt durch verschiedene Gangstersyndikate in Angst und Schrecken versetzt wird.
Wie man es von Polyband schon kennt, werden Serien nach ihrem vorläufigen Ende in einer schmucken Sammlerbox veröffentlicht. So auch bei „Gangs of London“. Die Box enthält die drei bisher erschienenen Staffeln sowie in der mir hier vorliegenden Erstauflage einen Magneten mit dem Bild des Covers.
Die Familie Wallace ist der Herrscher der britischen Unterwelt
In der ersten Staffel ist Sean Wallace (Joe Cole) nach dem Mord an seinem Vater, dem Gangsteroberhaupt Finn (Colm Meaney), nur noch auf Rache aus. In kürzester Zeit bahnt sich Sean mit dem Einsatz von exzessiver Gewalt einen Weg durch die Strukturen der Londoner Unterwelt, um den Mörder seines Vaters zu finden.
Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt, denn Finn hat es in wenigen Jahren geschafft, die verschiedenen Clans der Unterwelt zu vereinen. Durch seinen Tod ist nun aber ein Machtvakuum entstanden und der Kampf um die Vorherrschaft in der Unterwelt ist schon beim ersten Treffen nach Finns Tod zu spüren.
Dort ist zwar jeder Bandenchef Londons in Trauerstimmung, doch als Sean einen Lieferstopp für Drogen verhängt bis der Mörder seines Vaters gefunden ist und damit den Geldhahn aller zudreht, beginnt es unter der Oberfläche zu brodeln. Innerhalb kürzester Zeit könnte das fragile Bündnis zerbrechen, denn leider haben auch die anderen Bandenbosse keine Ahnung, wer Finns Mörder ist.
Auf der Beerdigung kommt es dann schon zum ersten Eklat. Irgendwie wird bekannt, dass eine konkurrierende Gang den verschwundenen Fahrer von Finn entdeckt und gefangen genommen hat. Undercover Polizist Elliot Finch (Sope Dirisu), der nun als kleiner Gangster Gelegenheitsjobs macht, erfährt davon und macht sich nach einer anständigen Kneipenschlägerei auf die Suche nach dem Entführten.
Nach einer mehr als blutigen Rettungsaktion kann Elliot den Fahrer zu Sean bringen und wird dafür in den engeren Kreis der Familie aufgenommen. Innerhalb kürzester Zeit steigt Elliot von einem kleinen Gangster zur rechten Hand von Sean auf. Letzterer vertraut niemandem mehr, da die anderen Bandenbosse seine Anweisungen ignorieren und nun wieder beginnen, ihre eigenen Geschäfte zu machen.
Selbst Ed Dumani (Lucian Msamati), der beste Freund seines Vaters, ist mit Seans Führungsstil nicht einverstanden und sähe lieber seinen Sohn Alexander (Paapa Essiedu) an der Spitze des Wallace Imperiums. Hinter den Kulissen beginnt er ein eigenes kleines Imperium aufzubauen und versucht so, Sean aus dem Geschäft zu drängen.
Gleichzeitig gibt es aber auch noch eine Bedrohung von Außerhalb, denn skandinavische Ex-Militärs machen Gnadenlose Jagd auf den Rest der Wallace Familie. Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt, bei dem Sean zusammen mit seiner Mutter Marian (Michelle Fairley) und seinem Bruder Billy (Brian Vernel) versucht, die „Gangs of London“ wieder unter der Schirmherrschaft der Wallace Familie zu vereinen.
In der zweiten Staffel ist ein Jahr vergangen, seitdem Undercover Polizist Elliot Gangsterboss Sean im Auftrag der Investoren von der Spitze seiner Organisation entfernt und an Alexander Dumani übergeben hat. Seitdem hat sich viel getan in der Londoner Unterwelt.

Während es vorher die Familie Wallace war, die die Geschicke der Londoner Gangs gelenkt hat, sind es nun die Investoren und Asif Afridi (Asif Raza Mir). In deren Auftrag reist Elliot nun auch durch die Welt um potentielle Gefahren für die Verbrechensorganisation auszuschalten. Kurz nach einem Auftrag in der Türkei erreicht Elliot der Befehl für sein nächstes Opfer – Alex Dumani.
Gleichzeitig betritt ein neuer Spieler die große Bühne. Der brutale Koba (Waleed Zuaiter) hat den Waffenmarkt in seiner Gewalt und unternimmt alles, damit dies auch so bleibt. Dies wird zu einem großen Problem für Gangsterboss Luan (Orli Shuka), der Waffen von Marian Wallace (Michelle Fairley) bezieht und verkauft. Noch weiß Koba nicht, wo die Waffen herkommen und schaltet gerade nur die kleinen Gangster aus die diese vertreiben; doch es ist nur eine Frage der Zeit, bis Luans und damit auch Marians Namen fallen.
Marian arbeitet aber nicht nur mit Luan zusammen. Sie hat auch ihre Kontakte spielen lassen, damit Shannon Dumani (Pippa Bennett-Warner) nach dem Mord an einer Polizistin frühzeitig aus dem Gefängnis entlassen wurde. Diese möchte aber nicht wieder zurück ins Familiengeschäft, sondern sich mit ihrem Sohn zurückziehen und ein neues Leben beginnen. Dies ist aber leichter gesagt als getan, denn ihre Vergangenheit holt sie ständig ein.
Zurück in London macht sich Elliot sofort auf den Weg zu Alex Dumani. Dieser übergibt Elliot einen USB-Stick mit dem die Investoren gestürzt werden können, bevor er den leichten Ausweg wählt und sich von einem Hochhaus in den Tod stürzt. Damit entsteht erneut ein Machtvakuum an der Spitze, welches schnell geschlossen werden soll – doch leider fehlen im Moment die passenden Kandidaten.
Zur Überraschung aller taucht plötzlich Sean Wallace wieder auf. Dieser wurde durch Elliot nur schwer verletzt und stand auf der Schwelle des Todes. Nun ist er wieder da und versucht zusammen mit der ehemaligen PKK Kämpferin Lale (Narges Rashidi) die Macht in London zu übernehmen. Doch auch das ist nicht so ganz einfach, vor allem da Koba nun Jagd auf den Rest seiner Familie macht.
In der dritten und vorerst letzten Staffel ist Elliot zusammen mit Ed und Shannon einer der Köpfe des Rauschgifthandels in London. Der Import läuft gut und sie können immer eine mehr als hervorragende Ware anbieten. Aktuell versuchen sie eine riesige Ladung Kokain an den Zwischen- und Endkunden zu bringen. Doch diesmal geht etwas gewaltig schief, denn die komplette Lieferung ist vergiftet.
Was erst einmal nur für eine große Katastrophe für London aussieht, wird in der gleichen Nacht noch zu etwas persönlichem. Die Tochter von Gangsterboss Luan erhält eines der vergifteten Kokainpäckchen als Geschenk zu ihrem Geburtstag und stirbt. Voller Rachsucht macht sich Luan auf den Weg den Verursacher dieses Anschlags zu finden und kommt zusammen mit Elliot schnell wieder mal zur Wallace Familie. Scheinbar hat Sean es mit Hilfe seines Onkels Cornelius (Richard Dormer) aus dem Gefängnis geschafft die Drogen zu vergiften.
Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt, denn schon bald soll es zur Gerichtsverhandlung von Sean kommen, bei der sogar die Chance besteht, dass er freikommen könnte. Da Luan nun ein Kopfgeld auf Sean ausgesetzt hat, versuchen die Wallaces alles, um Sean zu befreien und außer Landes zu bringen. Doch auch Elliot hat ein Interesse an Sean, denn nur er weiß, wer wirklich hinter dem Mord an seiner Frau und seinem Sohn steckt. Es gibt aber auch noch eine dritte Partei, die Interesse an Sean Wallace hat und diese entsendet einen scheinbar unaufhaltsamen Auftragskiller. Wem wird es zuerst gelingen und was sind die Konsequenzen daraus.
Fast gleichzeitig plant die amtierende Bürgermeisterin von London (T’Nia Miller) zusammen mit ihrem engsten Vertrauten und Berater Henry Amiel (Sebastian Armesto) dem Premierminister ein neues Gesetz vorzulegen. Durch dieses Gesetz sollen harte Drogen in London legalisiert werden. Der Plan ist eine Kampfansage an die verschiedenen Gangs, die damit ihre Haupteinnahmequelle verlieren würden. Doch ist dies alles wirklich so einfach, oder wird auch die Bürgermeisterin an dieser Stelle nur als Marionette eingesetzt?
Eine Orgie der Gewalt zieht sich durch die Unterwelt von London
„Gangs of London“ ist eine Unterweltserie, die durch Verrat, Intrigen, Geheimnisse und sich vor allem durch unbändige Gewalt auszeichnet. Das von der „Times“ auf der ersten Staffel abgedruckte Zitat „Die unerhört gewalttätigste Fernsehserie, die ich seit Jahren gesehen habe!“ kann ich nur bestätigen. Wenn jemand in dieser Serie stirbt, dann auf eine unschöne und blutige Art und Weise – und ja, die Gewalt ist oft übertrieben, aber definitiv nicht im lustigen und skurrilen Sinne.

Inhaltlich befinden wir uns in London und durch den Tod eines „Bandenkönigs“ ist ein Machtvakuum entstanden, welches nun gefüllt werden muss. Neben den eigentlichen Bandenkämpfen gibt es aber auch noch weitere Gefahren, die auf die Wallace Familie lauern. Innerhalb der Familie gibt es ebenfalls Bestrebungen den Thronfolger zu stürzen und dazu kommen noch Angriffe von Elitekillern, die von einer unbekannten Kraft auf die Wallaces angesetzt wurden.
Darüber hinaus versuchen die Figuren auch noch herauszufinden, warum Finn Wallace sterben musste. War der Frieden unter den Gangs dieser unbekannten Konstante ein Dorn im Auge, oder gab es noch andere Gründe dafür?
Als letzter Mitspieler betritt Elliot die Bühne. Eigentlich ist er als Polizist Undercover im Einsatz, befindet sich aber schon eine ganze Zeit in dieser Rolle, so dass seine Aufgaben und Prioritäten langsam zu vermischen zu beginnen. Richtig schlimm wird es dann erst, als seine eigenen Kollegen Jagd auf ihn machen, da sie denken, dass er zu den Verbrechern übergelaufen ist.
Manchmal war mir diese erste Staffel ein wenig zu brutal (hervorzuheben wäre die Episode, in der sich Finns Mörder vor den Wallaces versteckt), aber generell ist sie sehr gut durchdacht und konnte mit immer neuen Wendungen überraschen.
Die Handlung der zweiten Staffel ist ein Jahr nach den Ereignissen der ersten Staffel angesiedelt und man bekommt als Zuschauer nun den aktuellen Status quo serviert.
Im Laufe der Serie erfährt man aber immer mehr über die Geschehnisse des vergangenen Jahres, so dass sich dieses Puzzle Stück für Stück zusammensetzt.
Dazu kommen neue Schurken, die alles bisher Dagewesene in den Schatten stellen, so dass selbst die rücksichtslosesten Gangster in Angst und Schrecken verfallen, wenn der Name „Koba“ genannt wird. Kein Wunder, denn das Vorgehen dieses Oberschurken ist an Brutalität und Rücksichtslosigkeit nicht zu überbieten. Leider ist dies auch ein wenig das Problem, denn Koba erinnert mehr an einen James Bond Bösewicht oder einen Schurken aus einer Crime Noir Geschichte als an einen rücksichtslosen Bandenboss.
Was aber auch diese Staffel wieder auszeichnet sind die vielen Wendungen in der Handlung. Jeder kämpft gegen jeden, oder auch nicht, dann arbeitet man wieder zusammen, oder doch nicht, Allianzen werden geschlossen und gebrochen und plötzlich ist die Figur auf einer ganz anderen Seite und verfolgt einen ganz anderen Plan, als man bisher angenommen hatte. Was sich nach einem Verwirrspiel anhört, das ist es auch, aber genau das macht es auch interessant. Eigentlich sind die Bandenbosse immer nur auf den eigenen Profit und auf den Schutz ihrer eigenen Haut aus und da ist es egal, mit wem sie sich verbünden.
Für die dritte Staffel ist wieder einiges an Zeit vergangen und Elliot ist mit seinem Team ein Big Player im Drogenhandel geworden. Doch auch da beginnt wieder die Problematik, denn wie schon zuvor sind Allianzen dazu da, um gebrochen zu werden. So wird auch hier wieder miteinander verhandelt, man verbündet sich und dann wird die Verbindung wieder verraten und man fällt sich in den Rücken. Natürlich steht hinter all dem wieder ein großer Meisterplaner, der oder die versucht am Ende die Unterwelt Londons an sich zu reißen.
Erneut ist es eine Welle der Gewalt und dadurch auch eine Welle an Toten, die London in Atem halten sollte. Genau an dieser Stelle sehe ich aber das größte Problem der Serie. Menschen werden getötet, Kokain ist vergiftet und all diese Toten bleiben ein wenig auf der Strecke, beziehungsweise man hat als Zuschauer ein wenig das Gefühl, dass genau dieses der Normalzustand in London sei. Natürlich wird versucht mit der Legalisierung von harten Drogen dagegen etwas zu unternehmen, doch eigentlich hat man das Gefühl, dass die Politik sowie die Polizei machtlos und es im Prinzip völlig egal ist.

Dennoch ist auch diese dritte Staffel wieder sehr gut und führt die Handlungsstränge gut durchdacht weiter. Es gibt sogar einen vorläufigen zufriedenstellenden Abschluss, der aber immer noch so offen ist, dass eine vierte Staffel kommen könnte.
Fazit
„Gangs of London“ ist eine düstere und gut durchdachte Gangsterserie, die definitiv nichts für zarte Gemüter ist. Mir hat die Serie bis auf ein paar kleine Abstriche gut gefallen. Die Figuren waren hervorragend ausgearbeitet und zwischen den jeweiligen Folgen schwankten die Sympathien für den jeweiligen Charakter. Ich würde mich freuen, wenn es weitergehen würde, kann aber mit dem Ende von Staffel 3 gut leben.



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