Ellis - Staffel 1

Serien-Kritik von Karsten Kloß (11.2025) / Titel-Motiv: © Steffan Hill 2024

DCI Ellis auf der Suche nach vermissten Personen.

Nach einer längeren Beurlaubung wird DCI Ellis (Sharon D. Clarke) von ihrer Vorgesetzten ACC Alison Leighton (Allison Harding) wieder in den Dienst berufen, da es Ellis Spezialität ist, sich in scheinbar hoffnungslose oder gescheiterte Ermittlungen einzuarbeiten. Im Moment brennt die Luft im kleinen Örtchen Hanmore, in dem nicht nur die Leiche des 18-jährigen Schwimmstars Rowan Edwards in einem See entdeckt wurde, sondern zusätzlich noch seine minderjährige Freundin Maggie Bradley (Freya Hannan-Mills) spurlos verschwunden ist.

Die Zeit läuft gegen die Ermittlerin, vor allem, da sie bei der örtlichen Polizei nicht gerade mit offenen Armen empfangen wird. Während der ermittelnde Kommissar mit publikumswirksamen Schnellschüssen einen Verdächtigen nach dem anderen ohne irgendwelche Beweise verhaftet, versucht Ellis ihre Arbeit gewissenhafter zu machen und richtigen Spuren zu folgen. Dabei ist nur DS Chet Harper (Andrew Gower) gewillt mit ihr zusammen zu arbeiten. Dieser erkennt schnell, was für eine brillante, aber auch sehr verschlossene Ermittlerin Ellis ist.

Der Fall scheint aussichtslos, doch dann taucht Maggie plötzlich wieder auf. Schwer verstört und dehydriert. Es sieht so aus, als hätte man sie für längere Zeit gefangen gehalten. Doch warum wurde sie gefangen gehalten? Und warum musste Rowan sterben?

Ellis und Harper auf der Spur der Vermissten

Nach dem erfolgreichen Fall in Hanmore wird Ellis wieder vermehrt im Dienst eingesetzt. Da sich Harper mit seinem Vorgesetzten angelegt hat, ist er nun Ellis fester Partner. Den beiden Ermittlern bleibt aber keine Zeit zu verschnaufen, denn in Callorwell ist mit Jenny Lawler ein Mitglied der örtlichen Polizei spurlos verschwunden.

Schon als Ellis und Harper im örtlichen Polizeirevier ankommen, werden sie nicht mit offenen Armen empfangen, sondern eher als Störfaktor gesehen. Die ihnen zugeteilte Spezialeinheit ist eher verschlafen und es hat dort ganz den Anschein, dass die Suche nach der vermissten Kollegin nicht an erster Stelle steht. Scheinbar hat man es der schlampigen Arbeit von Jenny zu verdanken, dass die Drogenbaronin Carla Duffy (Orla Charlton) relativ schnell wieder auf freiem Fuß war.

Durch einen dummen Zufall wird dann kurz darauf die Leiche von Jenny im nahen Wald gefunden. Bei der ersten Untersuchung stellt sich heraus, dass Jenny nach einem Kampf auf eine Glasscherbe gefallen und danach verblutet ist. Doch wer ist dafür verantwortlich? War es einer ihrer Kollegen, der sich an ihr rächen wollte? Erschwerend kommt hinzu, dass Jenny im fünften Monat schwanger war, ihr Ehemann aber auf keinen Fall der Vater des Kindes ist. Reicht dieses womöglich für ein Motiv aus?

Im dritten Fall der ersten Staffel müssen Ellis und Harper nach Brindleton. In diesem beschaulichen Örtchen sind Rachel (Jade Matthew) und Oz (Tama Matheson) während ihrer Hochzeitsreise verschwunden, nachdem sie sich scheinbar in die reißende Strömung eines nahen Flusses geworfen haben. Diese Stelle gilt als Jahren schon als ein Ort für Mutproben, doch leider enden diese Mutproben immer tödlich.

Zu Ellis großem Entsetzen hat sich nach dem Aufruf der Polizei ein medialer Wallfahrtsort aus Brindleton entwickelt. Jeder mit einem Smartphone und Ambitionen berühmt zu werden, möchte die Leichen des Ehepaares finden. Plötzlich scheinen die suchenden Polizisten einen Durchbruch zu haben, da sie auf eine abgetrennte Hand stoßen. Doch gehört diese zu den Vermissten, oder ist eine weitere Person involviert?

Fast gleichzeitig findet Spaziergängerin Lydia Green (Rina Mahoney) scheinbar zufällig die Leiche von Rachel im Fluss treiben. Der Polizei erzählt sie, dass sie nur eine Spaziergängerin sei, doch irgendwie scheint etwas an ihren Ausführungen faul zu sein. Erst die Spurensicherung kann Licht ins Dunkel bringen und findet heraus, dass sich Lydia auch im Wohnwagen des Paars herumgetrieben hat. War alles doch kein Zufall und hat sie etwas mit dem Verschwinden der beiden frisch Vermählten zu tun?

Düstere Krimis von der britischen Insel

Mit der britischen Krimiserie „Ellis“ veröffentlicht Edel: Motion nun eine äußerst spannende und durchaus verworrene „Whodunit“ Reihe, in der die Hauptrolle im Gegensatz zu den andern „typischen“ Krimireihen von einer Frau besetzt wird. Dieses führt auch gleich zu Beginn schon zu Verwirrungen bei Harper und ist ein Bestandteil der Serie, mit dem die Macher immer wieder spielen. Viele der alteingesessenen Ermittler sehen Frauen nicht als gleichberechtigt im Polizeidienst an und unterschätzen dabei das Potential der Ermittlerin.

Die Fälle an sich sind dabei immer sehr düster und dramatisch gehalten, aber auch immer recht ähnlich aufgebaut. Dennoch sind sie niemals gleich und die drei Filme sind einzelne Fälle.

In den ersten zwei Filmen kommt Ellis in einem Ort an, die Polizei dort lässt sich nicht gerne ins Handwerk pfuschen und sie muss gegen alle Hürden und Hindernisse zum Trotz den Fall aufklären. Nur Teil drei der ersten Staffel sticht dabei ein wenig heraus, da die eher ländliche Polizei in diesem Fall echt verzweifelt ist und sich kaum gegen die immer mehr werdenden Amateurkriminologen und Schaulustigen durchsetzen kann. In diesem Fall wird auch der Albtraum jedes Angehörigen gezeigt - sowie die dazugehörigen Folgen, wenn man den Tod eines geliebten Menschen durch die sozialen Netzwerke erleben muss.

Mit Sharon D. Clarke als Ellis haben die Macher eine starke und charismatische Hauptfigur in die Serie gebracht. Diese verkörpert Ellis unfassbar gut, vor allem diese Mischung aus starker Ermittlerin, die sich nichts gefallen lässt und gleichzeitig eine einfühlsame Betreuerin der Familienangehörigen ist, gelingt Clarke wirklich sehr gut .

Als Gegenpol hat man ihr Andrew Gower als Harper zur Seite gestellt, der mit seiner charmanten, etwas trotteligen Art von allen unterschätz wird. Gower ist die perfekte Wahl für diese Figur, da er Harper mehr als gekonnt verkörpert und durch sein Minenspiel und seine Darstellung Harpers unbeholfene, aber dennoch zielstrebige Art perfekt rüberbringt.

Doch auch wenn mich diese drei Filme gut unterhalten haben, gab es auch einige Kritikpunkte. Zum einen ist da der Aufbau, der in den ersten beiden Filmen fast identisch ist. Ellis kommt hin, man mag sie nicht, sie ermittelt, kämpft gleichzeitig noch gegen die böse Polizei, die bösen Polizisten werden bestraft, sie löst den Fall.

Zum anderen ist da auch noch die Handlung an sich. Die Geschichten sind manchmal so verworren, mit so vielen Namen, dass man sich wirklich genau konzentrieren muss. Kaum hat man es geschafft das dann alles zu überblicken, wird die nächste plötzliche Wendung der Geschichte aus dem Hut gezaubert, was mir das Ganze manchmal ein wenig zu konstruiert gemacht hat.

Fazit

Alles in allem ist die erste Staffel von „Ellis“ erstklassige düstere Kriminalunterhaltung von der britischen Insel. Es gab zwar einige Dinge, die mich ein wenig gestört haben, aber nichtsdestotrotz habe ich diese drei Filme durch das gute Ermittlerteam gerne geschaut und bin wirklich gespannt, ob die Serie in eine Verlängerung geht und es eine zweite Staffel gibt.

"Ellis - Staffel 1" DVD kaufen auf amazon.de *

Lieblingsfilm
und Lieblingsserie

Nicht zuletzt durch den Erfolg der Streamingdienste ist die Anzahl von Krimis und Thriller im TV - als Serie oder Film - enorm gestiegen. Und ebenso ist Bandbreite vielfältiger denn je. Habt ihr derzeit einen Lieblingsfilm oder eine Lieblingsserie? Oder gibt es sogar einen "All-Time-Favorit" - einen Film oder eine Serie, die ihr immer wieder schauen könnt?

zum Forum