A Confession

Serien-Spezial von Brigitte Grahl (01.2021) / Titel-Motiv: © edel:motion/Glücksstern

Gewissen oder Karriere?

Steve Fulcher, ein verdienter Polizeikommissar, ergreift spontan die Gelegenheit, einem Mörder ein Geständnis zu entlocken, ohne ihn vorher über seine Rechte zu belehren. Damit verstößt er gegen den PACE-Act, der 1984 in Großbritannien eingeführt wurde, um die Rechte Verdächtiger gegenüber der Polizei zu stärken. Fulchers Gewissensentscheidung hat schwerwiegende Konsequenzen: seine Karriere und sein Ruf werden dadurch ruiniert. Die sechsteilige Mini-TV-Serie A Confession schildert den Fall, der zum Politikum wurde mit der Absicht, dass der PACE-Act reformiert wird.

A Confession basiert auf einem wahren Mordfall

A Confession hält sich faktengetreu an den wahren Fall des Doppelmörders Christopher Halliwell und basiert auf dem Buch Catching a Serial Killer des geschassten Ermittlers Steve Fulcher. In sechs Episoden wird die Ermittlung im Fall der vermissten Sian O’Callaghan im Jahr 2011 erzählt, die Verhaftung des Täters, der überraschend einen zweiten, lange zurückliegenden Mord an Becky Godden im Jahr 2003 gesteht und die Folgen, welche der bewusste Verstoß des leitenden Ermittlers Steve Fulcher gegen bestehende Vorschriften für dessen Karriere hat. Während die ersten drei Folgen die Ermittlungsarbeit im fast dokumentarischen Stil schildern und durchaus spannende Momente haben, gehören die drei weiteren Folgen eher zum Genre Familien- und Justizdrama, die Spannung bleibt auf der Strecke.

Leiden oder kämpfen als Umgang mit dem Schmerz

Der Kriminalfall hat in Großbritannien Schlagzeilen gemacht, auch politische. Aber in Deutschland ist er unbekannt und auch das Rechtssystem ist ein anderes. Somit ist der Kriminalfall hierzulande eher von geringem Interesse. Was bleibt, ist eine Studie über die Auswirkungen, die ein Mord auf die Familien der Opfer hat, und wie unterschiedlich der Umgang mit dem Schmerz ist. Karen Edwards, die Mutter der ermordeten Becky, kämpft - zuerst für die Aufklärung über den Verbleib ihrer Tochter, dann kämpft sie dagegen, dass ihre ermordete Tochter, die drogensüchtig und Prostituierte war, als weniger wichtiges Opfer gegenüber der anständigen Sian O’Callaghan angesehen wird. Und schließlich verwendet sie ihre ganze Energie darauf, den von den Vorgesetzten geschassten Ermittler Steve Fulcher zu verteidigen und zu unterstützen.

Durchgehend gute schauspielerische Leistungen

Imelda Staunton brilliert als unermüdliche Kämpferin in der Rolle. Auch die anderen Schauspieler überzeugen, darunter besonders Martin Freeman als Polizist, der es wagt, sich für die Aufklärung eines Falles über die Richtlinien hinwegzusetzen und deswegen alles verliert. Beeindruckend auch Joe Absolom als mutmaßlicher Serienmörder: verlogen, überheblich, verschlagen und kurz auch verzweifelt.

Ein Ende mit bitterem Nachgeschmack

Die späte Verurteilung des Täters für den lange zurückliegenden Mord an Becky Gordon 2016 ist ein Abschluss, aber kein Happy End. Steve Fulcher hat nach Disziplinarverfahren, Suspendierung und Strafversetzung gedemütigt den Dienst quittiert. Die Polizei von Wiltshire verfolgt mögliche weitere Morde von Christopher Halliwell nicht weiter und Karen Edwards Kampagne, den PACE-Act durch die Politik reformieren zu lassen und damit auch Fulcher zu rehabilitieren, verläuft im Sand. In zwei parallel geschnittenen Pressekonferenzen wird das überdeutlich: Während die Polizeiführung für die zweite Verurteilung Halliwells 2016 ihre eigene Ermittlungsarbeit rühmt und Fulchers Verdienste mit keinem Wort erwähnt, dankt Karen Edwards Steve Fulcher ausdrücklich; ohne ihn wäre der Mord an ihrer Tochter nie aufgeklärt und gesühnt worden.

A Confession wirft moralische Fragen auf

Der Film und der Fall werfen moralische Fragen auf: Welchen Preis ist man bereit zu zahlen für seine Überzeugung, das Richtige zu tun? Darf sich ein Polizist über die Vorschriften hinwegsetzen für den guten Zweck? Bleibt ein Regelbruch eine Ausnahme oder wird er nicht der Startschuss für Andere, ebenfalls die Regeln zu missachten? Tut man das Richtige aus dem falschen Grund oder das Falsche aus dem richtigen Grund?

A Confession ist solide Fernsehkost, aber kein Meisterwerk

A Confession ist fürs Fernsehen gemacht und wirkt über weite Strecken recht betulich und konservativ. Einzig die Kameraführung ist ungewöhnlich und gewöhnungsbedürftig mit viel unruhiger Handkamera und Nahaufnahmen. A Confession ist sehr dialoglastig, die Handlung zieht sich eher spannungsarm über einen Zeitraum von mehreren Jahren dahin. Als psychologisches Drama ist A Confession eine gute Wahl, mit starken schauspielerischen Leistungen und moralischen Fragen. Wer einen spannenden Krimi erwartet, wird aber enttäuscht werden.

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Cover und Fotos: © edel:motion/Glücksstern

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