Die sieben Kreise der Hölle von Uwe Wilhem

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2018 bei Blanvalet.
Ort & Zeit der Handlung: Deutschland / Berlin, 2010 - heute.

  • München: Blanvalet, 2018. ISBN: 978-3734103452. 480 Seiten.

'Die sieben Kreise der Hölle' ist erschienen als Taschenbuch E-Book

In Kürze:

Als sie die Mädchen das letzte Mal sah, spielten sie vor dem Haus & Seitdem erlebt die Berliner Staatsanwältin Helena Faber den Albtraum jeder Mutter: Ihre Töchter wurden entführt. Und zwar von den Männern, gegen die sie im brisanten Dionysos-Fall ermittelte. Nur einer kann ihr helfen: Rashid Gibran, der trotz seiner Verbindung zum Psychopathen Dionysos auf freiem Fuß ist. Helena kennt die Beweggründe des dubiosen Professors nicht, doch sie wird alles tun, um ihre Töchter zu retten. Es ist der Beginn einer Jagd, die Helena in die Untiefen eines grausamen und mächtigen Menschenhändlerrings führt – und bei der sie so brutal wie ihre Gegner wird …

Krimi-Couch.de meint: Kein Buch für zarte Seelchen … 85°Treffer

Krimi-Rezension von Annette Wolter

Helena ist alleinerziehende Mutter von zwei Töchtern, lebt getrennt von ihrem Mann Robert, mit dem sie aber beruflich immer wieder zu tun hat. Die Staatsanwältin konnte sich eben erst vom »Dionysos-Fall« erholen – und schon wieder passiert etwas Erschreckendes. Ihre beiden Töchter werden entführt, und es scheinen Menschenhändler am Werk zu sein, die vor nichts zurückschrecken. Besonders perfide ist, dass hier absolut unklar ist, wem man trauen kann, denn die Täter sitzen an obersten Stellen in der Politik, und vielleicht auch in der Staatsanwaltschaft und bei der Polizei. So macht sie sich mit ihrem Ex-Mann Robert ans Werk.

Die perversen Typen verstecken sich auf Kunstmessen

Helena und Robert werden Zeuge, wie die Leiche eines vermissten Mädchens gefunden wird. Gefoltert und verstümmelt. Die Mutter des toten Mädchens stammt aus Belgien und will den Ring, in dem sich die Mitglieder als Kunsthändler auf Kunstevents versammeln, sprengen. Sie hat niemanden mehr und nichts zu verlieren.

Dafür verfügt sie über geheime Informationen. Helena und Robert bekommen von ihr einen Tipp, und es geht zunächst nach Vietnam, wo sich ein alter »bekannter Perverser« (Paulus, Staatsanwalt aus Band 1, mit dem Helena eine Affäre hatte) aufhalten soll.

Vietnam, ein Land wie gemacht für Pädophile

Vietnam ist ja ein Land, wie viele Länder in Asien, das von Kinderschändern gerne besucht wird, denn hier ist nahezu alles möglich. Wenn Helena Männer anschaut, die in der Hotellobby sitzen, überlegt sie sofort Dinge wie: »Will der Fette einen Geschäftsbesuch mit einer minderjährigen Prostituierten feiern oder – noch schlimmer – mit einem Kind?« Man sieht es ihnen nicht an.

In Vietnam können sie sich zwar des gesuchten Zeugen bemächtigen, es nimmt aber ein blutiges Ende, und die Mädchen werden trotzdem nicht gefunden. Dann beginnt eine hektische Jagd nach Belgien, Berlin und Istanbul. Immer scheint irgendwer die Ergreifung der Täter zu sabotieren. Ein InformationsLeck, aber wer steckt dahinter?

Der Autor beschreibt diese Strukturen sehr aufschlussreich

Uwe Wilhelm, geboren 1957 in Hanau, hat Germanistik und Schauspiel studiert. Seit 1987 arbeitet er als Autor für Drehbücher, Theaterstücke und Sachbücher. Er hat mehr als 120 Drehbücher für Bernd Eichinger, Katja von Garnier und Til Schweiger verfasst. Uwe Wilhelm ist verheiratet und lebt mit seiner Familie in Berlin. »Die sieben Kreise der Hölle« ist der zweite der Teil der Serie um die Staatsanwältin Helena Faber und ihren Ex-Mann Robert.

Zwischendurch wird wirklich gut beschrieben, wie einer der Mädchenschänder schön, exklusiv und exquisit zu Hause wohnt und dort sein heiles Familienleben pflegt. Mit Cello und Klavier und einer Frau, die bei der letzten Geburt 30 Kilo zugelegt hat, und die für ihren Mann nicht mehr attraktiv ist. Wo der Familienvater »Dampf ablässt« kann sich der Leser dann denken.

Die Jagd geht weiter und führt nach Istanbul – wer ist der Verräter?

Helena hat nach wie vor Kontakt zum ehemaligen Professor Rashid Gibran. Der ist ein Fan von Friedrich Nietzsche und ein Grenzgänger, der die Heldin zu ihren eigenen Abgründen verführt. Das passt ihrem Ex-Mann nicht, aber auch Robert hat etwas Wesentliches zu verbergen.

Es wird blutig. Überall Lecks, Geheimnisse, Folter und Gewalt. Helena und ihr Ex betreiben blutige Selbstjustiz, die aber auch irgendwie nötig ist, denn niemand »Offizielles« hilft ihnen dabei, die Mädchen zu finden.

Der Fall ist zwar irgendwie gelöst, doch die Lösung macht lässt den Leser traurig und lässt ihn leicht unbefriedigt zurück. Das hat nichts mit der Qualität des Buchs zu tun. Wer weiterdenkt, hofft wirklich, dass es einen Teil drei gibt.

Wer empfindlich ist, könnte Alpträume bekommen

Ein lesenswerter Thriller, der seine Bahnen bis in die höchsten Kreise der Politik und Kunstwelt weltweit zieht und der an Brutalität den Opfern gegenüber kaum zu überbieten ist. Vor allem finde ich, dass Folterbeschreibungen an Mädchen und Kindern oft schwer zu ertragen sind. Wer hier empfindlich ist, bekommt Albträume.

Der Leser weiß, dass diese Welt existiert, und ich persönlich frage mich dann, ob die Darstellungen vielleicht doch übertrieben oder konstruiert sind? Könnte fast alle offiziellen Stellen mit so einem Virus durchzogen sein? Das wäre absolut pervers und schrecklich, ist aber wohl nicht völlig jenseits der Realität.

Etwas unrealistisch finde ich das Verhältnis Helena zu Rashid Gibran, aber vielleicht hätte ich dazu Band 1 lesen müssen. Daher: Es ist absolut empfehlenswert, zunächst das erste Buch von Uwe Wilhelm zu lesen, denn Teil 2 bezieht sich immer wieder auf Stellen daraus.

Wenn man das zweite vor dem ersten Buch liest, fällt es mit dem Informationsvorsprung irgendwie schwer das erste zu lesen. Schließlich gibt es noch ein kleines Minus für die Protagonistin. Sie ist total überzeichnet, und man kann sich kaum vorstellen, dass so jemand bei der Staatsanwaltschaft arbeitet.

Annette Wolter, Juni 2018

Ihre Meinung zu »Uwe Wilhem: Die sieben Kreise der Hölle«

Helfen Sie anderen Lesern, indem Sie einen Kommentar zu diesem Buch schreiben und den Krimi mit einem Klick auf die Säule des Thermometers bewerten. Und bitte nehmen Sie anderen Lesern nicht die Spannung, indem Sie den Täter bzw. die Auflösung verraten. Danke!

leseratte1310 zu »Uwe Wilhem: Die sieben Kreise der Hölle« 25.06.2018
Nachdem „Die sieben Farben des Blutes“ mit einem solch gemeinen Cliffhanger endeten, geht es nun also weiter mit der Geschichte um die Staatsanwältin Helena Faber. Die Töchter Sophie und Katharina wurden entführt und Helena Faber ist sich sehr sicher, dass die Kreise um den ehemalige Oberstaatsanwalt Paulus dafür verantwortlich sind. Seine dunkle Seite durften wir im Vorgängerband zur Genüge kennenlernen, als er Dionysos deckte, um seine eigenen Verfehlungen unter der Decke zu halten. Es ist ein Albtraum für Helena und ihren Ex Robert. Auch wenn es ihr gegen den Strich gibt, sich an dubiosen Professor Rashid Gibran zu wenden, bleibt ihr nichts anderes übrig, wenn sie ihre Töchter retten will.
Auch dieses Mal beschert uns der Autor Uwe Wilhelm einen komplexen und sehr spannenden Thriller.
Eine Mutter wird bis zum Letzten um ihre Kinder kämpfen. So geht es natürlich auch Helena. Sie traut Rashid Gibran nicht, zu undurchsichtig und zu verdächtig ist dieser Mann, aber trotzdem muss sie ihn um Hilfe bitten. Die Hinweise, die sie erhält, bringen Helena und Robert weit rum in der Welt. Doch mehr und mehr kommt ihr die Erkenntnis, dass es einen Verräter in den eigenen Reihen geben muss.
Wie schon im letzten Band konnte ich mit Helena fühlen und hatte Mitleid mit ihr. Trotzdem ist mir diese Frau nicht sehr sympathisch. Aber sie ist stark und lässt sich durch nichts und niemanden unterkriegen. Aber sie muss auch stark sein, denn ihr Gegner, ein Menschenhändlerring, ist grausam und mächtig.
Es ist schwer zu ertragen, wenn man erfährt, was Sophie und Katharina, aber auch vielen anderen Mädchen angetan wurde und es ist unglaublich, wenn Mütter ihre eigenen Töchter verkaufen. Was geht nur in manchen Menschen vor? Es ist unbegreiflich.
Selbstjustiz ist verwerflich und nicht zu akzeptieren und doch kann man verstehen, dass Menschen, die erleben müssen, was gewissenlose Menschen tun und die dennoch davonkommen, zu diesem verzweifelten Mittel greifen.
Das Ende habe ich so nicht vorhergesehen, aber es passt und erscheint mir sehr realistisch.
Dieser Thriller ist packend und sehr, sehr spannend. Absolute Leseempfehlung!
Ihr Kommentar zu Die sieben Kreise der Hölle

Hinweis: Wir behalten uns vor, Kommentare ohne Angabe von Gründen zu löschen. Beachten und respektieren Sie jederzeit Urheberrecht und Privatsphäre. Werbung ist nicht gestattet. Lesen Sie auch die Hinweise zu Kommentaren in unserer Datenschut­zerklärung.

Seiten-Funktionen: